TESTBERICHT
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Sennheiser Urbanite XL Wireless

Der Urbanite XL Wireless ist, abgesehen von der Elektronik, baugleich mit dem Urbanite XL.Der Urbanite XL Wireless ist, abgesehen von der Elektronik, baugleich mit dem Urbanite XL.

Der Sennheiser Urbanite XL wurde bereits in der Kabelversion Ende 2014 im Test "Sound für Millenials" getestet. Dort war zu lesen: Zielpublikum für die neuen Urbanite-Hörer sind die "Millennials", welche auch mit "Generation Y" benannt werden. Es sind dies 18 bis 35 Jahre alte Musikhörer(innen), die billigen Ramsch uncool finden und sich hochwertige Ware, die auch etwas kosten darf/muss, leisten wollen. Fazit dieses Tests: Es sind dies ganz bewusst keine auf höchste Linearität gezüchtete Hörer für Klangpuristen, sondern Musikspender für Leute, die sich an bassfreudigen, warmen und satten Sounds bei praktisch allen Musik-Stilrichtungen erfreuen wollen.

Der Kopfhörer Urbanite XL Wireless ist, abgesehen von der zusätzlichen Elektronik, baugleich mit dem Urbanite XL. Sein Preis beträgt nun 309 Franken, und sein Akku bietet nicht weniger als 25 Stunden Spieldauer. Der Einsatz des Bluetooth 4.0-Standards ermöglicht Multi-Konnektivität mit der Kopplung an bis zu acht Geräte und der gleichzeitigen Verbindung zu zwei Geräten.

Der Urbanite XL Wireless besitzt ein Touch Control-Bedienfeld direkt am Hörer. Für Lautstärkekontrolle, Musikwiedergabe und Anrufannahme genügt eine, allerdings genau definierte, Berührung mit einer Fingerspitze. Doch die Bedienung ist auch für junge Millenials nicht ganz so einfach wie bei anderen Geräten mit ähnlichen Touch Control Feldern. Um die Lautstärke zu regeln, genügt es, langsam oder auch schneller auf dem kleinen Bedienfeld an der rechten Seite des Hörers auf und abwärts zu streicheln. Doch bei den anderen Funktionen wird's schwieriger. Da können nur Leute mit stark übersinnlichen Fähigkeiten die Funktionen ohne Blick in die Bedienungsanleitung ergründen.

Zum Starten oder Pausieren einer Aufnahme genügt ein einziges, kurzes Klopfen (oder Tippen) auf das Bedienfeld. Zum Skippen vorwärts muss zweimal geklopft und zum Skippen rückwärts dreimal geklopft werden. Wer dann noch vorspulen will, muss zwei mal klopfen und dann die Taste halten, beim Rückwärtsspulen muss dann ... und soweiter und so fort. Das Ganze hat man jedoch rasch im Griff, weil der Hörer ansonsten ja doch sehr liebenswert ist.

Messungen

Der Frequenzgang des Urbanite XL Wireless zeigt ganz klar, dass hier die Sennheiser-Leute dem heutigen Trend und dem Verlangen nach mehr Bass und zudem einem Schuss zusätzlicher Obertöne huldigen. Der Bass wird unterhalb 200 Hz deutlich angehoben und der Obertonbereich ab ca 8 kHz ebenfalls. Am Kabel und via Funk verlaufen die Frequenzgänge praktisch identisch. Interessant war eine Vergleichsmessung zum legendären Sennheiser HD 650, der weder eine Bassanhebung noch eine Anhebung des Obertonbereichs aufweist und auch heute noch ein exzellenter Kopfhörer ist. Die Lärmdämmung beginnt beim Urbanite XL Wireless erfreulicherweise bereits ab 200 Hz, erreicht bei 1 kHz zwar nicht berauschende Werte, benimmt sich aber ab 5 kHz jedoch tadellos.

Klang

Ganz klar huldigt der Urbanite XL Wireless dem heutigen, von Dr. Dre eingeläuteten Trend mit der Betonung des Basses, aber dies mit Anstand und Mass. So klingt der Urbanite XL Wireless bei Klassik wirklich sehr gut. Die Instrumente erscheinen körperhaft und - ohne aggressiv zu wirken - sehr brillant und obertonreich. Die Bassanhebung stört bei den meisten Klassik-Aufnahmen kaum, ja man ist erfreut wie kräftig das Fundament bei sinfonischen Werken und Orgelmusik präsent ist. Streicher wirken nie grell und dennoch sehr gut durchzeichnet. Stimmen kommen angenehm, charakterstark und ohne jegliche unnatürliche Kehligkeit.  Bei Big-Band-Jazz faszinieren vitale, sehr brillante Blechbläser, ein tiefer, aber dennoch sauberer Kontrabass und Beckenimpulse, die an Feinzeichnung kaum zu wünschen übrig lassen.

Und dann, wenn es zu echt bassstarken Aufnahmen geht, schlägt der Hörer zwar tüchtig zu, ohne dabei aber mit aggressiven Dröhnorgien die Trommelfelle heiss laufen zu lassen. Echt, das ist ein schöner und ganz und gar nicht unangenehmer, bassfreudiger Sound, der auch bei hohen Pegeln und im Langzeithören gefallen kann. Dank apt-X klingt der Hörer über Funk praktisch ebenso gut wie am Kabel.

Die Abschirmung gegen Umgebungslärm ist in den mittleren und hohen  Frequenzlagen sehr gut, doch im Bass könnte man sich - vor allem wenn der Nachbar den Rasen mäht - halt doch ein aktives Noise Cancelling wünschen.

Fazit Sennheiser Urbanite XL Wireless

Grosser, ohrumfassender, ganz und gar nicht puristisch abgestimmter Bluetooth-Hörer, der nicht nur den Millenials, sondern auch gestandenen Semestern einen überaus sympathischen, nicht übertrieben bassstarken und doch sehr potenten Sound bieten kann.

Lärm-Diagramm Sennheiser Urbanite XL Wireless. Obere Kurve: breitbandiger Lärm am Ohr. Rote Kurve: Lärm am Ohr bei aufgesetztem Hörer (2 dB/Div.) Kommentar: Dämpft bereits ab 200 Hz. Ab 3 kHz sehr gute Dämpfung.Lärm-Diagramm Sennheiser Urbanite XL Wireless. Obere Kurve: breitbandiger Lärm am Ohr. Rote Kurve: Lärm am Ohr bei aufgesetztem Hörer (2 dB/Div.) Kommentar: Dämpft bereits ab 200 Hz. Ab 3 kHz sehr gute Dämpfung.

Messungen sollen die Ergebnisse der Hörtests untermauern und bestätigen. Stimmen die Ergebnisse der Hörtests mit denjenigen der Messungen überein, ist die Sicherheit einer aussagekräftigen Beurteilung sehr gross. Ab und zu gibt es natürlich Ausreisser, wo sich die Hörtest- und Mess-Ergebnisse widersprechen. In diesem Test stimmen sie zu fast 100% überein.

Da Frequenzgangkurven von Kopfhörern eine ganz heikle Sache sind - da es fast unmöglich ist, den Gehörgang samt Trommelfell identisch nachzubilden - müssen diese aufgrund von Erfahrungswerten interpretiert werden. Deshalb verzichten wir auf das Veröffentlichen der Frequenzgangdiagramme und bringen dafür die Lärm-Dämm-Mess-Diagramme.

Die Lärm-Dämm-Kurven wurden genau wie im Test  "Sound of Silence" durchgeführt und werden hier deshalb nur noch ganz kurz erläutert.

Unterhalb von 70 Hz wurde der Lärm-Pegel reduziert, um unseren Lärm-Generator - ein Lautsprecher! - nicht zu beschädigen. Die obere Kurve stellt den breitbandigen Lärm am Ohr dar, links die tiefen und rechts die hohen Frequenzanteile. Das Mess-Signal ist ein von 20Hz bis 20 kHz gleitendes 1/3 Oktav Rausch-Signal. Man stelle sich vor, man stehe vor einem Wasserfall, dessen Rauschen alle Frequenzen umfasst. Die rote Kurve zeigt, wie stark die jeweiligen Frequenzlagen durch das Aufsetzen des Hörers gedämpft werden. Bei den Hörern mit Noise Cancelling entspricht die unterste schwarze Kurve der Dämpfung mit eingeschalteten Noise Cancelling. Je tiefer die Kurven absinken, desto besser dämpft der Hörer.

Tatsache ist, das keiner der drei Test-Kopfhörer mit Noise Cancelling an unsere Referenz, den Bose QC 25 herankam (ohne Bluetooth), an dem sich die ganze heutige Noise Cancelling-Truppe zu messen hat.