TESTBERICHT
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Sony MDR-1RNC

Sony MDR-1RNCSony MDR-1RNC

Der Witz an der ganzen Sache ist nun, dass die letzten am Player via Bluetooth gewählten Einstellungen im Hörer gespeichert werden (!) und dann auch beim Kabelbetrieb an einem x-beliebigen Verstärker/ Player zur Verfügung stehen. Will man die Einstellung ändern, muss man sich jedoch wieder via Bluetooth in die Audio Suite App begeben.

Stratosphären-Klang

Passiv betrieben, klingt der Hörer bereits recht hell und brillant, aber insgesamt verfärbungsarm und recht ausgewogen. Klassische Musik wirkt zwar etwas unterkühlt und lieblos, doch bei jazzigen und rockigen Klängen fetzt der Hörer tüchtig los und kann ganz gehörig Stimmung machen. Wer auf fette, satte Bässe steht, wird hier jedoch enttäuscht: Der Bass kommt wohl lupenrein, aber sehr diskret.

Im aktiven Betrieb legt er im Hoch- und Obertonbereich ganz tüchtig zu und begibt sich punkto Brillanz ins Grenzgebiet für sensible Ohren. Gerade Streicher wirken sehr oft grell und Beckenschläge beginnen zu zischeln.

Auch Rebecca Pidgeons glockenreine Stimme wirkt kehlig, ja sogar zeitweise etwas rau. Dadurch, dass man den Hochtonbereich dermassen aufpeppt, geht der an und für sich schon eher schwachbrüstige Bass fast total unter. Das Klangbild wirkt deutlich höhenlastig und dünn.

Eine der bestgeratenen Pop-Aufnahmen, die Donald Fagen Nightfly, nervt mit ihren durch die Sony-Elektronik zu stark forcierten hochfrequenten Perkussions-Impulse und enttäuscht aufgrund des fast abwesenden Bassbereichs.

Offenbar hat da Sony etwas zu allzu tief in die Trick-Kiste gegriffen, mit der an und für sich löblichen Absicht, müden MP3-Aufnahmen neues Leben einzuhauchen.

Alles in allen ein Hörer für Freunde ausgeprägter Höhen.

Der andere Weg

In Sachen Noise Cancelling schlägt Sony einen ganz anderen Weg als alle anderen ein. Hier werden wohl tieffrequente Störgeräusche sehr effizient reduziert, gleichzeitig hebt man aber die Höhen des Umgebungsgeräusches an!

Das kann dann so ausgehen: Man sitzt im Garten und der Hörer blendet den Lärm des Rasenmähers des Nachbarn fast vollständig aus, was sehr erfreulich ist. Gleichzeitig aber verstärkt der Hörer hochfrequenten Kinderlärm, Sirenen und zum Beispiel harte Hammerschläge auf Metall.

Das Positive daran ist, dass man es, trotz eingeschaltetem Noise Cancelling, nicht überhört, wenn die Köchin oder der Koch zum Abendessen ruft!  Andrerseits kann der Hörer keine wohltuende Stille über den gesamten Frequenzbereich garantieren, wie etwa ein Bose QC 15.

Hier sollte Sony halt doch bei Audio-Technica etwas spionieren und zwei wählbare Noise Cancelling-Modi zur Verfügung stellen. Ganz klar zeigen auch die Messungen dieses eigenartige Verhalten.

Fazit

Der  Sony ist ein ausgefallener Hörer. Dies nicht nur klanglich, sondern auch bezüglich seines Noise Cancellings und nicht zuletzt wegen seines als sehr hoch erscheinenden Preises von 569.- Franken. Während er passiv wohl hell und brillant, aber insgesamt ausgewogen klingt, erhöht man die Brillanz im Hoch- und Obertonbereich im aktiven Betrieb für sensible Ohren an die Grenze des Erträglichen. Summa summarum ein ganz spezielles Produkt, das man sich vor dem Kauf sehr genau anhören sollte.

Lärmkurve Sony MDR-1RNC. Das Noise Cancelling dieses Hörers dämpft tiefe Frequenzen sehr gut, hebt aber Mitten und Höhen an, damit zum Beispiel Stimmen, trotz Noise Cancelliung, noch hörbar sind.Lärmkurve Sony MDR-1RNC. Das Noise Cancelling dieses Hörers dämpft tiefe Frequenzen sehr gut, hebt aber Mitten und Höhen an, damit zum Beispiel Stimmen, trotz Noise Cancelliung, noch hörbar sind.