TESTBERICHT
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Sony WF-1000X

Der einzige True-Wireless Hörer dieses Testfeldes mit echtem aktivem Noise Cancelling ist der Sony WF-1000X. Mit einem von Sony ursprünglich empfohlenen Preis von CHF 249 gibt es denn Hörer aber zum Strassenpreis von CHF 130 bei fast allen Händlern. Somit liegt der Hörer auf der günstigen Seite dieses Testfeldes.

Bemängelt wurde das grosse und billig verarbeitete Ladecase. Zudem können die Hörer nicht einfach ins Case gelegt werden, wo sie geladen werden sollten. Man muss sie regelrecht in Position hinunterdrücken, damit der Ladevorgang überhaupt beginnt. Doch das sind alles Kinkerlitzchen, denn man darf hier gespannt sein auf den Klang und die Wirkung des Noise Cancellings.

An den Hörern selbst kann zwischen Geräuschunterdrückung On/Off und der Ambient-Sound-Funktion gewählt werden, in welcher die Umgebungsgeräusche gut hörbar werden. Dies kann bekanntlich auf verkehrsreichen Strassen überlebenswichtig sein.

Mit einer Ladung sollen die Hörer gut drei Stunden spielen. Doch wurde die Spielzeit von Testhörern in der Praxis im Vergleich zur Konkurrenz als eher bescheiden bezeichnet. Das Ladecase kann die Hörer lediglich dreimal aufladen.

Die App

Mit der Sony-App Headphones Connect kann erst mal die neuste Software heruntergeladen und so Fehler der ersten Version ausgemerzt werden.
Weiter bietet die App diverse Möglichkeiten wie Equalizer, unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten des Noise Cancellings, Skippen etc.

Wichtig ist hier, dass man die Priorität der Bluetooth-Verbindung auf bestmögliche Klangqualität oder höchste Stabilität der Verbindung legen kann. Wird die bestmögliche Klangqualität gewählt, arbeitet die Übertragung mit AAC, bei bestmöglicher Stabilität das leider nicht ganz so gut klingende SBC gewählt.

Zunächst gehört zur Klangoptimierung die Optimierung im akustischen Umfeld, also im Hörraum. Dann kommen Präferenzen des Hörgeschmacks hinzu, die erfüllt sein wollen. Ebenso relevant sind Unzulänglichkeiten bei den Musikaufnahmen, die korrigiert werden können. Wer nun aber auch noch binaurale Aufnahmen mit Stereo-Lautsprechern wiedergeben will, kann die dafür erforderliche Crosstalk Cancellation aktivieren, sobald eine binaurale Aufnahme auf dem Programm steht. Damit nicht genug: Mit dem Vinyl-Emulator kann man mit digitalen Aufnahmen sogar einen Vinyl-Sound erzeugen.

Das sind Dinge, die nicht bloss notwendig sind, sondern Dinge, die auch Spass machen. Der Musikhörer kann sich damit stundenlag beschäftigen, tüfteln, erfreuen – und zwar ohne eine Neuinvestition in HiFi-Geräte (mit unbestimmtem Ergebnis) zu erwägen. Mit dem DAC501 lässt sich so viel, so umfassend bewirken, dass man damit das vielleicht noch verborgene Potenzial der eigenen Musikanlage endlich einmal ausschöpfen kann.

Seit ich Herr Weiss kenne, befasst er sich mit dem «Mysterium» des besonderen Klangs von Vinylschallplatten. Das ist bewundernswert, weil es für seine Neugier spricht und nicht etwa für die verbreitete, schon fast dogmatische Ablehnung eines rationalen Zugangs zu diesem Thema. Im Endeffekt münden die Anstrengungen in ein Menü beim DAC501, genannt Vinyl-Emulator, welches dem Musikhörer erlaubt, digitale Aufnahmen klanglich so zu verändern, dass sie eher nach Schallplatte klingen.

Das DSP verändert den Klang mit einer Simulation der typischen, dynamischen Verzerrungseigenschaften von Tonabnehmern. Diese führen zu klanglichen Eigenheiten oder Verfärbungen, die wir als angenehm empfinden. Mit dem Vinyl-Emulator kann man auch ein typisches Übersprechen von z. B. 30 dB (links nach rechts und umgekehrt) von Tonabnehmern simulieren. Das Übersprechen existiert bei der digitalen Wiedergabe üblicherweise nicht.

Dies ist nicht zu verwechseln mit dem gewollten Crosstalk (Übersprechen) bei Stereoaufnahmen für die Lautsprecherwiedergabe, ohne den die dort gewünschte Phantom-Schallquelle nicht zu erzeugen wäre (darüber mehr in Kürze).

Auch wird vom Vinyl-Emulator ein ganz leises, kaum wahrnehmbares Rauschen erzeugt. Ebenfalls wahrnehmbar war eine typische Verengung der Stereobasis, wie sie bei Musik aus Schallplattenrillen systembedingt vorhanden ist.

Tatsächlich funktioniert diese Verengung. Sie lässt sich mit variabler Einstellung auf der App bis ins Extrem ausloten. Ich höre oft Vinyl, mir machte diese Funktion wirklich Spass. Verblüffend ist vor allem, dass man so etwas überhaupt machen kann – und damit den «Zauber» der Vinyl-Magie etwas «entzaubert». Zumindest teilweise, vielleicht zu 70 bis 80 %.

Viele Vinylhörer werden damit nichts anfangen können. Wer will schon sein Lieblingsthema entzaubern und ganz ohne die haptischen und rituellen Werte der echten Schallplatte Musik hören. Wer aber progressiv eingestellt ist, der dürfte am Vinyl-Emulator seine helle Freude haben und manchmal ein wenig schmunzeln – gerade wie der Erfinder neben mir ...

Trotz neuster Software kam es bei zwei bekannten Handy-Typen bei Priorität auf bestmögliche Klangqualität zu kurzen Aussetzern. Bei gewählter höchster Stabilität traten diese Aussetzer nicht mehr auf, dafür war die Klangqualität auf Bluetooth 4.1 mit SBC halt leider nicht mehr so toll. Einig war man sich über den guten Tragekomfort. Die Hörer sitzen nach der Wahl der optimalen Passstücke leicht und stabil am Ohr.

Das Noise Cancelling erinnert an die Leistungen des Lärmverminderers im HiRes-Player Sony NW-A35 und NW-A35HN.

Die lärmvermindernde Wirkung ist spürbar, aber dennoch weit unter der Wirksamkeit, die beim grossen Sony MDR-1000X anzutreffen ist. Berücksichtigt man den Preis dieser Hörer, so sollte man das Noise Cancelling als hübsches, aber nicht kaufentscheidendes Feature betrachten. Es gibt diesen True Wireless In-Ear-Kopfhörern in Sachen Lärmdämpfung einen hauchdünnen Vorsprung zur Konkurrenz.

Brillanter Klang

Der Klang wurde von allen Testhörern positiv beurteilt. Der Bass kommt tief und kräftig. Dennoch tritt der gezupfte Kontrabass bei Big-Band-Aufnahmen nicht in den Vordergrund, sondern bleibt dort, wo er meist hingehört, nämlich als Fundament unter das gesamte Klanggeschehen.

Blechbläser kommen mit hell strahlendem Charakter und wirken bei schon von Natur aus etwas hell geratenen Aufnahmen punkto Brillanz doch etwas überzeichnet. Der Obertonbereich des Hörers ist recht ausgeprägt. Also sicher nichts für Freunde wohlig warmer Sounds. Doch stehen für die sanfte Klangart geeignete Modi im Equalizer der App zur Wahl. Bei härteren Sounds ist der Hörer im Element und bringt Rockbands kraftvoll und mit gehörigem Punch.  

Die Klangqualität ist bei «Priorität auf Klangqualität» im AAC-Modus deutlich besser als auf höchster Verbindungsstabilität mit SBC. Vor allem die Feinzeichnung im Hoch- und Obertonbereich klingt auf AAC deutlich besser. So muss jeder selber entscheiden, ob ihm die bessere Klangqualität oder die Stabilität der Verbindung wichtiger ist.

Die Messung des Frequenzganges bestätigt auch hier die Höreindrücke. Der Frequenzverlauf vom tiefsten Bass bis zum Obertonreich verläuft erfreulich linear.

Fazit

Die Sony-True-Wireless-Kopfhörer vom Typ WF-1000X, welche quasi zum halben von Sony ursprünglich empfohlenen Verkaufspreis gehandelt werden, bieten neben guter Klangqualität, untadeligem Tragekomfort auch echtes Noise Cancelling mit allerdings begrenzter Wirksamkeit. Ein Wermutstropfen sind die bei einigen Handys auftretenden, kurzen Aussetzer bei gewähltem bestem Klangmodus.