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Publikationsdatum
24. Februar 2026
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In der über hundertjährigen Geschichte der Kronacher Traditionsmarke Loewe standen bisher bekanntlich hochwertige und einzigartige Fernseher im gehobenen Lifestyle- und Qualitätsumfeld im Fokus. Nach dem Aufbau der Audio-Sparte vor einigen Jahren, die bisher vornehmlich durch Multiroom-Lautsprecher und Soundbars präsent war, vollzieht Loewe mit dem Leo nun den nächsten Schritt und lanciert seinen ersten Kopfhörer. Der Markt für Premium-Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung (ANC) ist zwar dicht besetzt, doch Loewe versucht hier, die Lücke zwischen Lifestyle-Produkt und gehobenen Produkterwartungen zu schliessen. Dem Kunden will der Hersteller eine durchgängige Designsprache vom TV im Wohnzimmer bis zum mobilen Begleiter anbieten.

Der Leo ist als geschlossener Over-Ear konzipiert und wiegt 360 Gramm. Das Gehäuse besteht aus eloxiertem Aluminium mit Ohrpolstern aus echtem Leder; der Bügel ist ebenfalls ledergepolstert. Das flach faltbare Design erleichtert den Transport im beiliegenden 2-in-1-Hartschalenetui. Loewe gibt IP53 als Schutzklasse an, was Staub- und Spritzwasserschutz bedeutet – für Kopfhörer in dieser Preisklasse eine sinnvolle, aber keine aussergewöhnliche Eigenschaft.

Akustisch arbeiten zwei 50-mm-Treiber mit Membranen aus OCE (Olefin Composite Elastomer), einem leichten und dämpfungsarmen Kunststoffverbund. Als Verstärker kommt der Texas Instruments OPA1622 SoundPlus zum Einsatz, ein für Kopfhörer entwickelter Op-Amp mit gemäss Datenblatt sehr niedrigem Klirrfaktor (THD+N). Die Bluetooth-Verbindung geschieht über Version 5.3 mit LE-Audio; unterstützte Codecs sind SBC, AAC, LC3 und LC3+. Letzterer ermöglicht die kabellose Übertragung mit bis zu 24 Bit und 96 kHz – allerdings nicht ohne Datenreduktion – und dies setzt eine kompatible Quelle voraus, die im Alltag noch die Ausnahme ist. Kabelgebunden funktioniert der Leo per USB-C oder über das beiliegende 3,5-mm-Klinkenkabel; die integrierten Mikrofone sind dabei jedoch nicht verwendbar.

Das adaptive ANC analysiert die Umgebungsgeräusche und passt die Filterung in Echtzeit an. Das bietet die Grundkonfiguration des Qualcomm-Chips, der sich auch in anderen Kopfhörern von Sony bis Bowers & Wilkins findet. Ein Transparenzmodus soll bei direkter Ansprache automatisch aktiviert werden. Die Klangabstimmung lässt sich über die Loewe-App individualisieren. Die Bedienung erfolgt über zwei haptische Drehräder an den Ohrmuscheln – ein sinnvolles Konzept gegenüber reinen Touch-Oberflächen. Zusätzlich ist per Sprachbefehl «Hey Leo» ein KI-Assistent abrufbar, der auf Bragi/OpenAI basiert. Loewe gewährt im ersten Jahr bis zu 30'000 Interaktionen kostenlos, danach kostet das Abo 7 Franken monatlich.

Der 660-mAh-Akku soll bis zu 65 Stunden Laufzeit ohne ANC ermöglichen, mit aktiver Geräuschunterdrückung sinkt dieser Wert. Die Ladezeit beträgt laut Loewe zwei Stunden. Positiv zu vermerken ist, dass Loewe den Akku als Wechselakku konzipiert hat.

Der Einstiegspreis von 1299 Franken ist für einen Newcomer im Kopfhörermarkt mutig – zumal das Abo-Modell für den KI-Assistenten aufstösst. Der Bowers & Wilkins Px8 kostet rund 750 Franken, der Focal Bathys rund 1000 Franken. Der Leo bietet gegenüber beiden eine auf dem Papier längere Akkulaufzeit und den wechselbaren Akku als Differenz. In der Schweiz ist das Gerät über den Distributor Telion bei den entsprechenden Loewe-Fachhändlern verfügbar.