20. Januar 2019 | seit 1999
TESTBERICHT
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Scharfstellen und Serien auslösen

Arbeitstier: Mit dem optionalen Batteriegriff VG-XT3 wird die X-T3 zum bulligen und ausdauernden Foto- und Video-Werkzeug.

Im praktischen Einsatz ist mir die bessere Handlichkeit gegenüber dem Vorgänger aufgefallen. Die Daumenauflage scheint mehr «Gripp» zu haben. Die Drehräder sind etwas griffiger geworden und die Belichtungskorrektur drehte sich viel schwergängiger.

Die Fujifilm X-T2 hat bereits einen bemerkenswert schnellen und treffsicheren Autofokus. Seine Leistung wurde bei der X-T3 nochmals verbessert. So ist er gemäss Hersteller nicht nur um 1,5 Mal schneller, auch das Verfolgen von sich schnell bewegenden Objekten wurde optimiert. Es gibt auch bei der schnellsten Serienbildaufnahme keine «Black-outs» mehr im Sucher. Man hat sein Motiv dauernd im Blickfeld.

Zudem wurde die Anzahl der anwählbaren Fokuspunkte von 91 auf 117 erhöht (9x13-Raster). Sie sind sogar bis auf 425 Punkte (17x25-Raster) erweiterbar. Erheblich verbessert wurde auch die Leistung bei der Autofokus-Erkennung von Gesicht und Augen. Dank 2,16 Millionen Phasendetektionspixeln, das sind gut vier Mal mehr als bei der X-T2 und der X-H1, wird nun die gesamte Sensorfläche abgedeckt.

Die intelligente Gesichtserkennung greift Porträtfotografen unter die Arme. Sie stellt Schärfe und Belichtung für Gesichter von Menschen an beliebiger Stelle im Bild ein und verhindert, dass die Kamera bei Gruppenporträts auf den Hintergrund scharfstellt. Der Fotograf kann dabei bestimmen, ob die Kamera automatisch auf ein Auge scharfstellt oder dem linken oder rechten Auge den Vorzug gibt. Dies funktioniert neu auch bei kontinuierlicher Scharfstellung (AF-C). Im praktischen Vergleich kam die X-T3 schon sehr nahe an die Alpha-Kameras von Sony heran, der aktuellen Gesicht/Augen-Erkennungs-Referenz.

Welches Auge darfs denn sein? Die Auswahl bestimmt die Kamera oder der Fotograf.

Wer den Schärfepunkt selber bestimmen möchte, steuert das Fokusfeld mittels Fokushebel, dem «Knubbel» oberhalb der Menü-Taste, übers Motiv im Display. Dies gelingt sehr zügig und genau. Dabei bleibt man mit dem Auge dauernd am Sucher und kann die Grösse des Feldes mit dem hinteren Einstellrad verändern.

Die zweite Möglichkeit ist das direkte Tippen aufs Motiv im Display. Dabei wird gleich der Autofokus aktiviert und, sofern im Menü eingestellt, eine Aufnahme ausgelöst. Im Serienbildmodus werden dabei solange Bilder aufgenommen, bis man den Finger wieder vom Display nimmt.

Für das manuelle Scharfstellen hält die Kamera mehrere Hilfen bereit. Neben einer Entfernungsanzeige in Sucher und Display gibt es ein schwarzweisses oder farbiges Schnittbild in der Mitte des Bildfelds, dessen vier Teile sich bei korrekter Fokussierung in Übereinstimmung befinden. Oder es werden scharfgestellte Konturen farbig hervorgehoben (Fokus-Peaking). Neu bei der X-T3 ist das «Digital-Microprisma»: Ein Rastermuster, das Unschärfe betont, wird angezeigt, wenn das Motiv nicht im Fokus ist. Es verschwindet und wird durch ein scharfes Bild ersetzt, sobald auch das Motiv scharf ist.

Schliesslich lässt sich der gewählte Fokussierbereich automatisch vergrössern, wenn der Scharfstellring im manuellen Fokusmodus gedreht wird. Zusammen mit der Konturhervorhebung lässt sich dann sehr rasch und genau manuell scharfstellen. Die Schnittbild- und Microprisma-Methode lag mir nicht so besonders.

Dauerfeuer und Sport-Modus

Bei Serienbildern ist nicht nur eine möglichst schnelle Bildfolge gewünscht, sondern jedes einzelne Foto sollte auch noch knackscharf sein. Auch hier enttäuscht die neue Kamera nicht. Vorausgesetzt, man studiert die zahlreichen Parameter und passt sie an die jeweilige Aufnahmesituation an.

So gibt es beim kontinuierlichen Autofokus benutzerdefinierte Einstellungen für unterschiedliche Arten sich bewegender Objekte. Diese Einstellungen kombinieren die drei Parameter «Verfolgungsempfindlichkeit», «Geschwindigkeitsänderung des Motivs» und «Fokussierbereichsvorrang im AF-Modus «Zone».

Die X-T3 hat bereits fünf Voreinstellungen und eine frei definierbare Einstellung gespeichert, um dem Fotografen die Entscheidung zu erleichtern. In der Bilderstrecke sind die einzelnen Einstellungen erklärt.

Einstellung 1: Standard-Tracking-Option für ein weites Feld an sich bewegenden Objekten.
Einstellung 1: Standard-Tracking-Option für ein weites Feld an sich bewegenden Objekten.
Einstellung 2: Verfolgung eines bestimmten Objektes, z.B. Tiere oder Zug (plötzlich auftretende Hindernisse werden ignoriert, Hauptobjekt bleibt im Fokus).
Einstellung 2: Verfolgung eines bestimmten Objektes, z.B. Tiere oder Zug (plötzlich auftretende Hindernisse werden ignoriert, Hauptobjekt bleibt im Fokus).
Einstellung 3: Autofokus kann plötzliche Beschleunigung oder abrupte Verzögerung erkennen, z.B. Motorsport, Fussball, Basketball.
Einstellung 3: Autofokus kann plötzliche Beschleunigung oder abrupte Verzögerung erkennen, z.B. Motorsport, Fussball, Basketball.
Einstellung 4: Fokussiert schnell auf Objekte, welche plötzlich im Fokusbereich auftauchen, z.B. Skirennen, Extremsport.
Einstellung 4: Fokussiert schnell auf Objekte, welche plötzlich im Fokusbereich auftauchen, z.B. Skirennen, Extremsport.
Einstellung 5: Anwendbar bei Objekten, welche die Geschwindigkeit wechseln und einen grossen Bewegungsraum haben (links, rechts, vorne, hinten), z.B. Tennis, Fussball.
Einstellung 5: Anwendbar bei Objekten, welche die Geschwindigkeit wechseln und einen grossen Bewegungsraum haben (links, rechts, vorne, hinten), z.B. Tennis, Fussball.
Einstellung 6: Frei programmierbar; Anwender können alle drei Parameter selbst bestimmen.
Einstellung 6: Frei programmierbar; Anwender können alle drei Parameter selbst bestimmen.
Parameter 1. Verfolgungsempfindlichkeit: Wie lange soll die Kamera abwarten, bis der Fokus neu ermittelt wird?
Parameter 1. Verfolgungsempfindlichkeit: Wie lange soll die Kamera abwarten, bis der Fokus neu ermittelt wird?
Parameter 2. Beschleunigungserfassung: Wie empfindlich reagiert die Verfolgung auf Änderung der Geschwindigkeit des Objekts?
Parameter 2. Beschleunigungserfassung: Wie empfindlich reagiert die Verfolgung auf Änderung der Geschwindigkeit des Objekts?
Parameter 3. Zonenbereichsumschaltung: Welcher Fokussierbereich hat Vorrang im Autofokus-Modus «Zone»?
Parameter 3. Zonenbereichsumschaltung: Welcher Fokussierbereich hat Vorrang im Autofokus-Modus «Zone»?

Wer sich etwas genauer mit den vielen Parametern beschäftigt und verschiedene Kombinationen ausprobiert, wird mit der X-T3 sehr gelungene Serienbilder erhalten. Beim Traktor in der Bilderstrecke liess sich die Kamera weder durch bunte und kontrastreiche Objekte im Hintergrund oder Strassentafeln vor dem Fahrzeug aus der Ruhe bringen. Sie klebte förmlich am Traktor und zeigt jedes Detail in natürlichen Farben.

Die unterbrechungsfreie Sicht aufs Motiv erweist sich besonders bei solchen Verfolgungen als sehr hilfreich. Man schiesst nicht mehr mit angenommener Richtung und Geschwindigkeit «im Dunkeln». Neben der hohen Serienbildrate steht bei der X-T3 auch noch eine niedrige Geschwindigkeit mit maximal 6 Bildern pro Sekunde zur Auswahl.

Traktor-Serienbild 01: Objektiv Fujinon XF200mm F2 R LM OIS WR + 1.4x Extender, 1/800 sec., f/11, ISO 3200, WB Wolken, Filmtyp Provia.
Traktor-Serienbild 01: Objektiv Fujinon XF200mm F2 R LM OIS WR + 1.4x Extender, 1/800 sec., f/11, ISO 3200, WB Wolken, Filmtyp Provia.
Traktor-Serienbild 02: Objektiv Fujinon XF200mm F2 R LM OIS WR + 1.4x Extender, 1/800 sec., f/11, ISO 3200, WB Wolken, Filmtyp Provia.
Traktor-Serienbild 02: Objektiv Fujinon XF200mm F2 R LM OIS WR + 1.4x Extender, 1/800 sec., f/11, ISO 3200, WB Wolken, Filmtyp Provia.
Traktor-Serienbild 03: Objektiv Fujinon XF200mm F2 R LM OIS WR + 1.4x Extender, 1/800 sec., f/11, ISO 3200, WB Wolken, Filmtyp Provia.
Traktor-Serienbild 03: Objektiv Fujinon XF200mm F2 R LM OIS WR + 1.4x Extender, 1/800 sec., f/11, ISO 3200, WB Wolken, Filmtyp Provia.
Traktor-Serienbild 04: Objektiv Fujinon XF200mm F2 R LM OIS WR + 1.4x Extender, 1/800 sec., f/11, ISO 3200, WB Wolken, Filmtyp Provia.
Traktor-Serienbild 04: Objektiv Fujinon XF200mm F2 R LM OIS WR + 1.4x Extender, 1/800 sec., f/11, ISO 3200, WB Wolken, Filmtyp Provia.
Traktor-Serienbild 05: Objektiv Fujinon XF200mm F2 R LM OIS WR + 1.4x Extender, 1/800 sec., f/11, ISO 3200, WB Wolken, Filmtyp Provia.
Traktor-Serienbild 05: Objektiv Fujinon XF200mm F2 R LM OIS WR + 1.4x Extender, 1/800 sec., f/11, ISO 3200, WB Wolken, Filmtyp Provia.
Traktor-Serienbild 06: Objektiv Fujinon XF200mm F2 R LM OIS WR + 1.4x Extender, 1/800 sec., f/11, ISO 3200, WB Wolken, Filmtyp Provia.
Traktor-Serienbild 06: Objektiv Fujinon XF200mm F2 R LM OIS WR + 1.4x Extender, 1/800 sec., f/11, ISO 3200, WB Wolken, Filmtyp Provia.
Traktor-Serienbild 07: Objektiv Fujinon XF200mm F2 R LM OIS WR + 1.4x Extender, 1/800 sec., f/11, ISO 3200, WB Wolken, Filmtyp Provia.
Traktor-Serienbild 07: Objektiv Fujinon XF200mm F2 R LM OIS WR + 1.4x Extender, 1/800 sec., f/11, ISO 3200, WB Wolken, Filmtyp Provia.

Während die X-T2 noch den optionalen Batteriegriff als «Power-Booster» für eine Serienbildrate über 8 Bilder pro Sekunde benötigte, schiesst die X-T3 auch noch 11 Bilder mit mechanischem Verschluss ohne Nachbrenner. Interessant wird es, wenn auf den elektronischen Verschluss gewechselt wird. Nun hat man die Möglichkeit, mit 20 Bildern in voller Bildauflösung oder mit bis zu 30 Bildern pro Sekunde und einem Sensor-Crop von 1,25 zu fotografieren. Die Auflösung beträgt dann noch 16,6 statt 26 Megapixel.

Ein neuer «Sport-Sucher-Modus» erleichtert das Aufnehmen eines sich bewegenden Motivs. Die X-T3 blendet in diesem Modus eine Flächenmarkierung in der Mitte des LCDs/Suchers ein, die dem 1,25-fachen Crop (ca. 16,6 Megapixel) entspricht, und nimmt den Bereich innerhalb der Markierung auf. Damit sieht man die Bewegungen des Motivs mit grösserem Umfeld und kann besser abschätzen, wo und wann es sich in die Markierung bewegt.

Dies ist besonders nützlich für die Sport- und Tierfotografie und erleichtert die perfekte Momentaufnahme. Der Sportsucher ist in den Modi, die eine Auslösung mit elektronischem Verschluss erlauben, jedoch nicht verfügbar.

Verbesserter Sucher

Die Auflösung des elektronischen Suchers wurde von den 2,36 Millionen Bildpunkten der X-T2 auf 3,69 Millionen bei der X-T3 erhöht. Damit gehört er zu den leistungsfähigsten im Segment der spiegellosen Systemkameras. Laut Fujifilm bietet er eine ultrakurze Reaktionszeit von nur 0,005 Sekunden und gibt mit einer schnellen Bildwiederholrate von 100 Bildern pro Sekunde auch dynamische Bewegungen im Sucherbild aussergewöhnlich flüssig wieder.

Wird durch den Sucher geschaut, kann gleichzeitig der Monitor zum Auswählen des Fokusbereichs verwendet werden. Welche Monitorfläche dabei aktiv ist, lässt sich ebenfalls bestimmen. Der Fotograf kann damit das Fokusfeld direkt per Daumen ändern, ohne sein Auge vom Sucher nehmen zu müssen.

Auch die Menü-Navigation lässt sich per Joystick via Sucher ausführen, was natürlich auch am Display möglich ist. Hier ist der Touch-Modus leider nicht aktiv. Das heisst, die Menü-Register können nicht direkt per Fingertipp ausgewählt werden. Sehr schade, umso mehr, da man ja bereits ein Touch-Display hat und Fokussieren, Auslösen sowie Anzeigen-Einblenden per Berührung funktionieren.

Dafür lassen sich dank der hohen Sucher-Auflösung die Fotos auch unter strahlender Sonne sicher beurteilen. Wer dies schon mal auf dem Display einer Spiegelreflexkamera versucht hat, wo es ja anders nicht geht, wird den elektronischen Sucher sehr zu schätzen wissen.

Beim Fotografieren oder Filmen im Dunkeln stört man sich oft am hellen Display, das einen unangenehm blendet oder das Gesicht beleuchtet. Für diese Situationen lässt sich die X-T3 neu in einen Nachtmodus versetzen. Ich habe den Menüpunkt dazu erst nach längerem Suchen gefunden. Wer kann sich schon unter «Informat Kontrastanpassung» etwas vorstellen? Nach Anwählen von «dunkles Umgebungslicht» leuchtet der Monitor der Kamera diskret in augenschonendem Schwarz und Rot.

Ebenfalls neu ist die Funktion «Pre-Aufnahme». Dabei beginnt die Kamera zu fotografieren, sobald der Auslöser halb gedrückt wird. Sie speichert eine Reihe von Aufnahmen, bis der Auslöser ganz hinuntergedrückt wird. Somit sollten nie mehr wichtige Aufnahmen verpasst werden. Diese Funktion ist nur mit dem elektronischen Verschluss möglich.

Bracketing und WiFi-Verbindung

Mit der X-T3 lassen sich neben Serienbildern auch Automatikreihen erstellen. Bei diesem «Bracketing» variiert die Kamera während einer Serie von Bildern automatisch bestimmte Einstellungen. So gibt es Automatikreihen für Belichtung, ISO, Weissabgleich, Dynamik und sogar für die verschiedenen Filmsimulationen. Mehrfachbelichtungen, Fotos mit Filtereffekten, Panoramabilder und Intervallaufnahmen mit Timer stehen ebenfalls im Repertoire der Kamera.

Die App «Fujifilm Camera Remote» steuert viele Kameraeinstellungen drahtlos per Smartphone oder Tablet und eignet sich ideal für Gruppenfotos oder Selbstporträts. Sobald die Verbindung hergestellt wurde, kann man die Kameraeinstellungen drahtlos per Bluetooth steuern und Fotos und Video fernauslösen, durch die Bilder auf der Kamera blättern und ausgewählte Bilder per WLAN im Netz sichern oder Standortdaten zur Kamera hochladen.

Manchmal hakte es noch etwas bei der Verbindungsaufnahme, oder die Rückmeldung von der Kamera war langsam. Unter Android blockierte die Verbindung manchmal ganz und musste neu gestartet werden.

Ferngesteuert: Viele Einstellungen können mit der App «Fujifilm Camera Remote» über Smartphone oder Tablet per Bluetooth und WiFi vorgenommen werden.
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