19. März 2019 | seit 1999
TESTBERICHT
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Einstellrad und Blendenring

Wie damals: Die X-T3 wird über mechanische Einstellräder und einem Blendenring am Objektiv bedient.

Für den Test stand uns die Kombination von X-T3 und dem Fujinon-Objektiv XF 16-55mm F2.8 R LM WR zur Verfügung. Auf Kleinbildformat umgerechnet deckt diese Optik den Bereich von 24 bis 84 mm ab. Den neuen Batteriegriff VG-XT3 schraubten wir ebenfalls unter die Kamera.

So ausgerüstet wiegt das Ganze gut 1630 Gramm. Ohne Batteriegriff sind es immerhin noch 1285 Gramm, also nicht unbedingt ein Leichtgewicht, doch man «spürt» ein wertiges Teil in seiner Hand. Ohne Griff findet bei grösseren Pranken der kleine Finger nicht so richtig Halt. Mit dem Batteriegriff befindet man sich hier einfach auf der sicheren Seite.

Als «Leckerbissen» gab mir Fujifilm noch die grösste und schwerste Festbrennweite aus dem Fujifilm-X-Programm mit, das neue Fujinon-Objektiv XF 200 mm F2 R LM OIS WR. Es ist mit 6399 Franken auch das teuerste, dafür kriegt man eine Anfangsblendenöffnung von F2 bei einer Brennweite von 200 Millimetern, und damit die höchste Lichtstärke und geringste Schärfentiefe.

Mit Abmessungen von 21 x 12 Zentimetern und einem Gewicht von 2260 Gramm schleppt man einen imposanten Brocken mit sich herum. Er fällt zusätzlich durch seine angenehm helle Farbe auf und katapultiert einem gleich in die Profi-Liga der Canon- und Nikon-Sportfotografen. Aufs Kleinbildformat umgerechnet schiesst man nun mit einer Brennweite von 305 mm, die sich mit dem mitgeliefertem 1.4-fachen Telekonverter auf 427 mm erweitern lässt. Die Offenblende wird dabei auf F2.8 reduziert.

Die Gegenlichtblende sollte bei diesem grossen Objektivdurchmesser unbedingt angebracht werden, was leider etwas «niffelig» ist. Sie lässt sich nicht einfach per Bajonett vorne einklinken, sondern muss per Rändelschraube und Klemmvorrichtung befestigt werden. Dafür hält sie jetzt umso sicherer. Die Blende hat vorne einen dicken Gummiring und ist so stabil, dass man das Objektiv mit angeflanschter Kamera darauf abstellen kann.

Eine fest eingebaute, drehbare Stativschelle erleichtert die Montage am Stativ. Neben dem in Drittelschritten einrastenden Blendenring sitzt weiter vorne am Objektiv ein breiter schwarzer Ring für die präzise manuelle Scharfstellung. Gleich daneben gibt es Fokustasten für die AF-On- und AF-Lock-Funktion, oder man ruft damit eine vorher gespeicherte Schärfeposition ab. Das Wechseln zwischen Autofokus und manueller Schärfe ist nur an der Kamera möglich, am Objektiv selbst befindet sich kein Umschalter, dafür ein Schiebeschalter für Fokusbegrenzung ab 5 Meter und Aktivierung des eingebauten Bildstabilisators.

Imposante Erscheinung: Die Kamera wird am über 2 Kilogramm schweren Fujinon-XF-200mm-Objektiv befestigt, nicht umgekehrt.

Nach alter Väter Sitte

Wer das erste Mal eine X-Kamera von Fujifilm in den Händen hält, wird sich an die etwas andere Bedienungsphilosophie gewöhnen müssen. Vor allem Leute, die mit einem Touch-Gerät auf die Welt kamen, wird es anfangs merkwürdig vorkommen, analoge mechanische Rädchen verstellen zu müssen.

Foto-Einsteiger oder -Umsteiger von anderen Systemen werden auch vergeblich nach einer Automatik-Taste oder dem PSAM-Wahlrad suchen. Man findet keine Symbole für Porträts, Landschaften oder Sport, ja nicht mal das «Blüemli» für Makroaufnahmen ist vorhanden.

Die Bedienung der Kamera erfolgt hauptsächlich über drei mechanische Wahlräder, die komplett aus Aluminium gefertigt sind. Zwei davon sind «doppelstöckig» und lassen sich mit einem «Lock-&-Release-Mechanismus» verriegeln. Mit ihnen werden Verschlusszeit, ISO-Empfindlichkeit, Belichtungsmessmethode und Aufnahmebetriebsart eingestellt.

Für die Belichtungskorrektur steht das kleinere dritte Rad zur Verfügung. Es lässt sich nicht verriegeln und ist deshalb etwas zäher zu verstellen. Alle Einstellwerte auf den Rädern sind vertieft aufgebracht und sollten dadurch auch nach längerer, intensiver Nutzung noch gut ablesbar sein.

Die beiden oberen und das dritte Drehrad sind seitlich geriffelt und schnell und sicher fassbar. Die unteren Einstellräder wurden gegenüber der X-T2 zwar etwas höher ausgelegt, gehen jedoch immer noch etwas harzig, und wenn sie sich in ihren Endpositionen nahe am Sucheraufbau befinden, braucht es spitzige Finger, um sie wieder zurückzustellen.

Nach Lektüre der «ersten Schritte» im Handbuch ist klar: Einer allgemeinen Automatik am nächsten kommt noch die Programmautomatik, eben der Modus P. Logischerweise stehen dann auch die Modi S, A und M zur Auswahl.

In den P-Modus gelangt man, indem das Einstellrad für die Belichtungszeit auf der Kameraoberseite und der Blendenring am Objektiv auf A gedreht werden. Nun erscheint ein P im Display und man kann wie gewohnt weitere Zeit-Blenden-Kombinationen, die die gleiche Belichtung bewirken, per Drehrad auswählen (Programm-Shift).

Durch die entsprechenden Einstellungen an Blendenring und Belichtungsrad werden so auch die übrigen Modi erreicht. Belichtungskorrekturen gelingen über das separate Einstellrad, «mechanisch» umfasst der Korrekturbetrag +/- drei Lichtwerte. Steht das Rad auf C (für benutzerdefiniert), lässt sich die Belichtungskorrektur mittels Drehrädchen auf Werte zwischen -5 und +5 LW in 1/3-Lichtwertschritten erweitern. Auch die Verschlusszeit wählt man «mechanisch» vor und bestimmt über das hintere Rädchen elektronisch die Zwischenwerte.

Steht das ISO-Drehrad auf Position A (Auto), ist eine von drei selbst bestimmbaren ISO-Limiten aktiv und passt die Werte automatisch den Aufnahmebedingungen an. Manuell dürfen Werte zwischen 160 und 12'800 ISO gewählt werden. Für Spezialfälle stehen noch 25'600 oder 51'200 (high) und 80, 100 oder 125 (low) bereit.

Einstellräder und Tasten: Links ISO-Werte, rechts Verschlusszeiten, Belichtungskorrektur und dazwischen Auslöser- und Funktionstaste.

Wem diese traditionelle Bedienung nicht so liegt, kann die wichtigen Einstellungen im umfangreichen Konfigurationsmenü auf das vordere und hintere Drehrädchen legen. So habe ich Blendenring und ISO-Rad auf A geparkt, die nun standardmässig automatisch arbeiten würden, jedoch im Ring- und Rad-Einstellungsmenü von «Auto» auf «Befehl» geschaltet. Das Verschlusszeit-Rad noch auf T stellen, und schon lässt sich mit dem vorderen Rädchen bequem die Blende verstellen, nach einem Druck darauf der ISO-Wert anpassen und am hinteren Rädchen die Verschlusszeit regulieren.

Der Vorteil: Ich kann auch beim Werteändern dauernd durch den Sucher blicken. Mein Auge muss nicht erst auf die Zahlen auf Einstellrad oder Blendenring schauen. Dies ist auch im Dunkeln von Vorteil, da es keine Beleuchtung am Blendenring und den Belichtungsrädern gibt.

Da man beide Bedienungsarten kombinieren kann, hat jeder Anwender die Möglichkeit, die X-T3 nach seiner ganz persönlichen Arbeitsweise einzurichten. Überhaupt besitzt die Kamera sehr viele Einstellmöglichkeiten, was sich auch im Umfang des 324-seitigen Handbuchs niederschlägt. Oft benötigte Funktionen lassen sich vom Benutzer auf verschiedene Arten für einen schnelleren Zugriff zusammenfassen.

Er kann Kameraeinstellungen für wiederkehrende Aufnahmesituationen in sieben unterschiedlichen Kombinationen speichern. Weiter sind sechs direkte Funktionstasten an der Kamera, das Drücken des hinteren Drehrädchens sowie vier Wischfunktionen über das Display frei belegbar. Dazu steht eine Auswahl aus 50 Funktionen zur Verfügung. Dann darf er noch einen eigenen Menüpunkt mit bis zu 16 Elementen erstellen. Und auch das eigene «Quickmenü» lässt sich aus über 30 Menü-Optionen zusammenschustern.

Schnellzugriff: Im Register «Mein Menü» finden bis zu 16 häufig gebrauchte Einstellungen Platz.
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