TESTBERICHT
Nikon Z 9: Die spiegellose Vollformatkamera setzt in der professionellen Sport-, Wildtier- und Reportage-Fotografie neue Massstäbe.Nikon Z 9: Die spiegellose Vollformatkamera setzt in der professionellen Sport-, Wildtier- und Reportage-Fotografie neue Massstäbe.

Nikon zeigt Mut. Die neue Vollformatkamera Z 9 besitzt nicht nur keinen Spiegel, sondern verzichtet auch komplett auf einen mechanischen Verschluss. Die Belichtung erfolgt rein elektronisch. Dies hat es im Profibereich bislang noch nie gegeben.

Auch bei Geschwindigkeit und Auflösung geht die Nikon Z 9 neue Wege. Wo andere Hersteller entweder Modelle mit schnellen Serienbildern bei niedriger Auflösung oder hoher Auflösung bei niedriger Geschwindigkeit anbieten, kombiniert die Z 9 einfach beides.

Die Kamera schiesst bis zu 20 Bilder pro Sekunde in voller 45-Megapixel-Auflösung, im JPEG- und RAW-Format. Wer dies bisher wollte, musste zu deutlich teureren Kameras wie etwa der Sony Alpha 1 greifen.

Wer nur JPEGs in voller Auflösung benötigt, kann mit der Nikon Z 9 auch mit 30 Bildern pro Sekunde fotografieren oder in reduzierter 11 Megapixelgrösse sogar mit irrwitzigen 120 Bildern pro Sekunde.

Weitere technische Leckerbissen sind eine Verschlusszeit von bis zu 1/32'000stel Sekunde, ein ISO-Wert bis 102'400, 8K- und 4K-Videoaufnahmen über 2 Stunden am Stück ohne Überhitzung sowie 4K-Videos im ProRes-422-HQ-10-bit-Format. HLG- und N-Log-Aufnahmen sind selbstverständlich auch möglich.

Die Anzahl Autofokus-Messfelder wurden gegenüber der Nikon Z 7 II erheblich vergrössert und die Motiverkennung dank Deep-Learning-KI stark verbessert. Die elektronische Sucheranzeige ist erstaunlich hell und bietet eine kontinuierliche Echtzeitdarstellung.

Die ganze Technik wurde in ein robustes Gehäuse verpackt und wettergeschützt versiegelt. Wie schon bei der digitalen Spiegelreflexkamera Nikon D 6 sorgt auch bei der Z 9 ein tiefer Griff für sicheren Halt bei horizontalen und vertikalen Aufnahmen.

Die Nikon Z 9 kostet 6799 Franken. Dieser Preis mag für viele Hobby- und Amateurfotografen erstaunlich hoch erscheinen, doch Profis kalkulieren anders. Die Kamera ist für sie ein Werkzeug, mit dem sie ihren Lebensunterhalt verdienen müssen. Zudem hat die Nikon D 6 bei ihrer Einführung auch über 7000 Franken gekostet. So gesehen ist die neue Z 9 mit ihrer sensationellen Ausstattung fast schon ein Schnäppchen.

Mehrschichtig und rückseitig belichtet: Die Nikon Z 9 besitzt einen neu entwickelten «stacked BSI-CMOS-Sensor», dessen Technik erst die schnellen Auslesegeschwindigkeiten ermöglichen.Mehrschichtig und rückseitig belichtet: Die Nikon Z 9 besitzt einen neu entwickelten «stacked BSI-CMOS-Sensor», dessen Technik erst die schnellen Auslesegeschwindigkeiten ermöglichen.

Lautlos und flackerfrei

Ein rein elektronischer Verschluss ist an und für sich nichts Neues. Er kommt regelmässig dann zum Zug, wenn möglichst lautlos fotografiert werden soll. Dabei machte bisher immer der unerwünschte «rolling shutter»-Effekt Probleme. Hierbei werden vertikale Motive wie Laternenmasten, Fahnenstangen oder generell senkrechte Kanten im Bild verzerrt dargestellt, da der Kameraprozessor den Sensor nicht schnell genug auslesen kann. So werden Elemente unten im Bild später aufgezeichnet als jene oben. Besonders gut sieht man diesen Effekt beim Schwenken oder Fahren während der Aufnahme.

Die Nikon Z 9 liest den Sensor zwar immer noch Zeile für Zeile von oben nach unten aus, tut dies jedoch so unglaublich schnell, dass die Störungen kaum mehr vorkommen oder auffallen. Dies ist umso bemerkenswerter, da bei 45 Megapixel eine riesige Datenmenge zu verarbeiten ist.

Diese Leistung ermöglicht der neue, von Nikon-Ingenieuren entwickelte mehrschichtige CMOS-Vollformatsensor («stacked BSI-Sensor») und ein neuer Bildprozessor. Nikon verweist denn nicht ohne Stolz auf den ultraschnellen Expeed-7-Bildprozessor, der bis zu fünfmal schneller als zwei Expeed-6-Prozessoren zusammen arbeiten soll.

Und wenn man schon mal dabei ist, hat man auch gleich noch die Dunkelphasen bei Serienaufnahmen zwischen den Bildern abgeschafft. Dafür ist bei der Z 9 die Dual-Stream-Technologie verantwortlich, die das Sensorsignal verdoppelt und dann sowohl zum Sucher wie auch zum Bildprozessor führt. Damit kann das Sucherbild ununterbrochen mit 120 Bildern pro Sekunde aufgefrischt werden. Und wie Nikon hervorhebt, ohne dabei Fakebilder wie bei anderen Herstellern üblich erzeugen zu müssen.

Gut geschützt: Nein, dies sind keine Verschlusslamellen, sondern die automatische Abdeckung, die den Sensor der Nikon Z 9 vor Staub und Beschädigung bewahrt, sobald die Kamera ausgeschaltet wird.Gut geschützt: Nein, dies sind keine Verschlusslamellen, sondern die automatische Abdeckung, die den Sensor der Nikon Z 9 vor Staub und Beschädigung bewahrt, sobald die Kamera ausgeschaltet wird.

Als ich mit der Z 9 nun so zu fotografieren begann, zeigte sich schnell ein anderes Problem. Es gibt jetzt weder eine akustische noch visuelle Rückmeldung, ob das Foto tatsächlich aufgenommen wurde. Dagegen bietet die Z 9 mehrere Lösungen an.

Akustisch lässt sich ein Auslöseton in verschiedenen Lautstärken und Tonhöhen auswählen und damit das typische Verschlussgeräusch simulieren. Optisch gibt es die Möglichkeit, die Anzeige kurz zu verdunkeln oder weisse Balken rund ums Bild oder nur an den Seiten aufleuchten zu lassen, sobald der Auslöser gedrückt wurde.

Es hat Klick gemacht: Das Verschlussgeräusch lässt sich zur akustischen Bestätigung einer Fotoaufnahme simulieren.Es hat Klick gemacht: Das Verschlussgeräusch lässt sich zur akustischen Bestätigung einer Fotoaufnahme simulieren.

Ein simuliertes Klickgeräusch als Aufnahmebestätigung ist übrigens nicht nur für die Fotografin oder den Fotografen wichtig. Professionelle Fotomodelle sind sich seit Jahren das Auslöser-Klicken und Spiegel-Klackern von Spiegelreflexkameras gewohnt und darauf «geeicht». Sobald es klickt, ist das Foto geschossen und sie können wieder eine entspanntere Pose einnehmen.

Dicker Akku

Die Nikon Z 9 wird durch den neuen Akku EN-EL18d mit Strom versorgt. Er hat dieselben Abmessungen wie die Akkus für die D 6 und frühere Kameras (EN-EL18c, 18b, 18a, 18). Somit können diese auch für die Nikon Z 9 verwendet werden, bringen jedoch eine etwas geringere Leistung.

Der neue Akku lässt sich auch direkt in der Kamera über die USB-C-Schnittstelle laden. Im Lieferumfang befindet sich zudem ein externes Ladegerät mit USB-Anschluss, USB-C auf USB-A-Kabel sowie ein dazu passendes Netzteil.

Die Nikon Z 9 kann via USB-Anschluss per USB-C-Netzteil, via Computer oder Powerbank mit Strom für längere Aufnahmezeiten versorgt werden. Der Akku muss sich dazu in der Kamera befinden.

Power pur: Der neue Lithium-Ionen-Akku EN-El18d der Nikon Z 9 bringt kräftige 3300 mAh und ist in rund vier Stunden vollständig aufgeladen.Power pur: Der neue Lithium-Ionen-Akku EN-El18d der Nikon Z 9 bringt kräftige 3300 mAh und ist in rund vier Stunden vollständig aufgeladen.

Handbücher und Anleitungen

Etwas weniger professionell sieht es bei der Dokumentation zur Kamera aus. Der Z 9 liegt ein gedrucktes deutschsprachiges Benutzerhandbuch bei. Von den 70 Seiten befassen sich 20 mit Sicherheits- und Warnhinweisen, Warenzeichen- und Lizenzbestimmungen sowie Garantie-Informationen. Der Rest beschreibt nur das Kameragehäuse sowie die grundsätzliche Kamerabedienung.

Wer mehr über die Kamera wissen möchte, wird auf das Referenzhandbuch im Web verwiesen, das auf Deutsch nur im Browser online betrachtet werden kann. Es handelt sich zudem um eine schlampige automatische Google-Übersetzung aus dem Englischen. So stehen die Bildformate und Bildgrössen unter dem Titel «Lagerung», die Serienbilder findet man unter «Veröffentlichung», «Freigabemodus» und die Belichtungsreihe nennt sich «Klammerung». Zudem werden die deutschen Erklärungen mit englischen Menü-Abbildungen dokumentiert.

Ein Tipp dazu: Am besten besucht man ein englisches Download-Center und lädt sich das englische Referenzmanual als pdf-Datei herunter. Am einfachsten findet man dieses Manual, indem man bei der URL des deutschsprachigen Download-Centers das «de» mit «en» überschreibt und die Seite neu lädt.

Dann erhält man den über 900(!) Seiten starken «Reference Guide» und hat für die nächsten Wochen genügend Bettlektüre. Die hohe Seitenzahl lässt einem auch die unzähligen Menüeinstellungen und Einsatzmöglichkeiten der Z 9 erahnen.

Als wenn dies nicht schon genug an Lesestoff wäre, gibt es zusätzlich noch den 25-seitigen «Professional Setting Guide – Sports AF Edition» und einen 14-seitigen «Professional Technical Guide – N-Log 3D LUT». Im ersten werden die optimalen Autofokus-Einstellungen für verschiedene Sportarten vorgeschlagen. Der zweite Guide befasst sich mit der Anwendung des Nikon N-Log 3D LUT («lookup table») in Videobearbeitung und Color-Grading.

Professionell geht anders: Deutsche Erklärungen mit englischen Menü-Abbildungen.Professionell geht anders: Deutsche Erklärungen mit englischen Menü-Abbildungen.

Knöpfe, Schalter, Rädchen, Touchscreen

Genug Einstellmöglichkeiten: Die Nikon Z 9 lässt sich über viele Tasten und Rädchen bedienen und den Vorlieben des Benutzers anpassen.Genug Einstellmöglichkeiten: Die Nikon Z 9 lässt sich über viele Tasten und Rädchen bedienen und den Vorlieben des Benutzers anpassen.

Professionelle Sport- und Wildtier-Fotografinnen und -fotografen sind sich ans Schleppen massiver Objektive und voluminöser Kameragehäuse gewöhnt. Daran ändert auch die neue Nikon Z 9 nichts. Mit über 1300 Gramm für das Gehäuse allein ist sie die schwerste aller spiegellosen Vollformat-Systemkameras.

Wie bei Profikameras üblich, besitzt auch die Z 9 einen integrierten Hochformatgriff mit entsprechenden Bedienungselementen. Damit ist sie mit Abmessungen von 149 x 149.5 x 90.5 Millimetern zwar etwas kleiner als eine Nikon D 6 DSLR, bleibt aber die bislang grösste Kleinbild-Systemkamera ohne Spiegel.

Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen lag sie ausgezeichnet in meiner Hand. Die Finger umfassen die Griffe im Quer- und Hochformat sicher und bequem und finden festen Halt am Gehäuse.

Wer bisher mit einer Nikon D 6 fotografiert hat, wird sich schnell an die Z 9 gewöhnen. Gehäuseform und Anordnung der Bedienungselemente sind ähnlich, obwohl einige Tasten umplatziert wurden. Am auffälligsten ist das Fehlen des rückwärtigen Displays unterhalb des Monitors sowie der Wegfall sämtlicher Knöpfe auf der linken Seite des Displays der D 6.

Die Entriegelung des Speicherkartenfachs wird zudem bei der Z 9 anders ausgeführt. Ich benötigte einige Anläufe, bis ich es «intus» hatte. Die beiden Slots nehmen CFexpress Type B und XQD-Memory-Karten auf. Für die Karte im zweiten Fach können vier verschiedene Speichervarianten gewählt werden. So kann sie als «Overflow» oder Backup dienen oder es können RAW-Bilder und JPEG-Fotos getrennt und in unterschiedlicher Qualität abgespeichert werden.

Doppel gemoppelt

Sonst sind alle Tasten da, die sich Profis gewohnt sind. Es gibt eigene AF-ON-Knöpfe für horizontale sowie vertikale Haltung der Kamera, ebenso sind jeweils zwei Multifunktions-Joysticks, zwei der Nikon-typischen «i»-Tasten, zwei ISO-Knöpfe, die beiden vorderen und hinteren Einstellrädchen und natürlich auch zwei Auslöser vorhanden.

Die doppelten Bedienungselemente am Hochformatgriff können ausgeschaltet werden, was ich einige Male vergass und mich dann wunderte, wieso die Z 9 plötzlich ein Foto schoss, obwohl ich den oberen Auslöser überhaupt nicht berührt hatte. Ich war unbeabsichtigt an die zweite Auslösetaste gekommen. Das Bild zeigte eine wundervolle Ansicht des Strassenbelags.

Den Live-View-Wähler mit der Live-View-Taste, der bei der D 6 den Spiegel hochklappte, benötigt die Z 9 natürlich nicht mehr. Die Foto/Video-Umschaltung geschieht nun mit dem Selektor rechts neben dem Sucher. Im Selektor ist auch die «Display»-Taste untergebracht.

Aufgeräumte Oberseite: Links die Tasten für die Betriebswahl, rechts vorne Auslöser mit Ein/Aus-Schalter, Video-, ISO- und Belichtungs-Taste, links darunter das Schulterdisplay der Nikon Z 9.Aufgeräumte Oberseite: Links die Tasten für die Betriebswahl, rechts vorne Auslöser mit Ein/Aus-Schalter, Video-, ISO- und Belichtungs-Taste, links darunter das Schulterdisplay der Nikon Z 9.

Auf der Oberseite der Kamera befinden sich links der Aufnahmebetriebsartenwähler sowie Tasten für Blitz-, Modus-, Serienbilder- und Mehrfachaufnahme-Einstellungen. Rechts vorne sind unter dem Ein/Aus-Schalter und Auslöser die Videotaste, die ISO-Einstellung und die Belichtungskorrektur angeordnet.

Darunter zeigt das Kontrolldisplay die wichtigsten aktuellen Kameraeinstellungen an, getrennt nach Foto- und Videoaufnahme. Um Energie zu sparen, werden das Kontrolldisplay wie auch der Monitor und die Sucheranzeige nach 30 Sekunden gedimmt und dann ganz gelöscht. Kurz den Auslöser antippen erweckt sie wieder zum Leben. Wird die Kamera ganz ausgeschaltet, verbleibt nur noch die Anzeige der Anzahl möglicher Fotos und die Speicherkartenbelegung auf dem Kontrolldisplay.

Der elektronische OLED-Sucher besitzt mit rund 3,7 Millionen Punkten nicht die grösste Auflösung seiner Klasse, bietet mit seiner 0,8-fachen Vergrösserung jedoch ein richtig grosses Bild und dank der 100%-Abdeckung einen sehr guten Überblick. Durch das Fehlen von Dunkelphasen bleibt er immer hell und hat mich wirklich positiv überrascht. Es gibt damit keinen Grund mehr, dem optischen Sucher nachzuweinen.

Der Augensensor des Suchers lässt sich so konfigurieren, dass er sich nur einschaltet, wenn man ihn tatsächlich vors Auge hält. Wird auch noch der Monitor deaktiviert, spart man am meisten Energie.

Display klappbar

Noch vor einigen Jahren waren bewegliche Touchdisplays an Profi-Kameraboliden undenkbar. Zu filigrane Mechanik und anfällig auf Beschädigung und Verschmutzungen. Die Kunden sehen dies heute anders und nachdem Canon die EOS R 3 sogar mit dreh- und schwenkbarem Selfie-Display liefert, gibt es auch an der Nikon Z 9 einen in vier Richtungen klappbaren Monitor.

Er lässt sich sowohl horizontal wie vertikal nach unten und oben neigen und ermöglicht damit ohne grosse Verrenkungen Aufnahmen in Frosch- und Vogelansicht. Und mit dem ausgeklappten Display vor dem Bauch lässt sich sehr schön unauffällig und wo nötig absolut lautlos fotografieren. Nicht mal der Finger muss zum Auslöser, man tippt einfach kurz auf den Touchscreen und schon ist die Aufnahme im Kasten.

Das Display der Z 9 kann jedoch nicht in Selfie-Position nach vorne geschwenkt werden. Für Profis ist diese Funktion wohl eher nebensächlich. Ich hätte mir sie dennoch gewünscht, denn nur so liesse sich der Monitor auch mit dem Display nach innen zugeklappt vor Verschmutzung und Beschädigung geschützt transportieren.

Der Monitor der Z 9 ist mit 8 cm gleich gross wie der Touchscreen der Nikon D 6, besitzt mit 2,1 Millionen jedoch etwas weniger Punkte als dieser. Dennoch erkennt man auch in der Sonne problemlos etwas darauf, da sich seine Helligkeit in 11 Stufen regeln lässt.

Ausgefeilte Mechanik: Der Bildschirm der Nikon Z 9 lässt sich bei vertikaler Kamerahaltung auch vertikal aufklappen.Ausgefeilte Mechanik: Der Bildschirm der Nikon Z 9 lässt sich bei vertikaler Kamerahaltung auch vertikal aufklappen.

Tasten oder Tippen

Die Anordnung der Bedienungselemente spiegelt die jahrelange Nikon-Erfahrung wider. Unabhängig davon, ob ich die Kamera quer oder hoch hielt, ich hatte sie immer fest im Griff und konnte alle Rädchen und Tasten bequem erreichen. Selbst die drei zwischen Griff und Bajonett «eingezwängten» Funktionstasten sind nach etwas Übung blind zu ertasten.

Die Nikon Z 9 lässt sich auch über den Touchscreen sehr einfach bedienen. Dazu muss meist nicht einmal das Menü aufgerufen werden. Viele Anzeigen auf dem Display sind während des Fotografierens oder Filmens direkt per Antippen veränderbar.

Wie schon bei der Nikon Z 6 und Z 7, bzw. deren Nachfolgern, lässt sich auch bei der Z 9 direkt per Fingertipp aufs Display das gewünschte Motiv scharfstellen und wenn gewünscht beim Fingerentfernen gleich eine Aufnahme auslösen. Oder auch nur das AF-Feld bestimmen, ohne zu fokussieren und ohne auszulösen.

Während ich bei günstigeren Nikon-Kameras immer einige Tasten umprogrammiert und auch den Touchscreen oft benutzt habe, war dies bei der Z 9 überhaupt nicht nötig. Für alle wichtigen Funktionen sind eigene Tasten, Joystick und Rädchen vorhanden. Hat man sich deren Position einmal eingeprägt, braucht man kaum mehr den Blick vom Sucher zu nehmen. Auch den Touchscreen habe ich die meiste Zeit links liegen lassen.

Tastenbelegung, Menü und Personalisierung

Bedienungszentrale: Mit dem Betriebsartenwähler, seinen oben angebrachten Funktionstasten und dem vorderen und hinteren Einstellrad hält man die Nikon Z 9 bequem unter Kontrolle.Bedienungszentrale: Mit dem Betriebsartenwähler, seinen oben angebrachten Funktionstasten und dem vorderen und hinteren Einstellrad hält man die Nikon Z 9 bequem unter Kontrolle.

Wie schon die Nikon D6 besitzt auch die Z 9 kein herkömmliches Programmwahlrad mehr. Die klassischen Einstellungen P, A, S oder M wählt man durch Drücken der MODE-Taste links oben auf der Kamera und durch Drehen des hinteren Einstellrades.

Auf die gleiche Weise wird über die BKT-Taste, die gegenüber der MODE-Taste liegt, die gewünschte Reihenaufnahme (Bracketing) ausgewählt, über die Taste links davon die Serienbildgeschwindigkeit und über die rechte Taste der Blitzmodus.

Unter diesen vier Tasten befindet sich der arretierbare Betriebsartenwähler für Einzelbild, langsame Serienbilder, schnelle Serienbilder und Selbstauslöser. Die hinterste Position aktiviert den «high-speed»-Aufnahmemodus mit 30 oder 120(!) Bildern pro Sekunde.

Gleichzeitig kann in dieser Position zusammen mit der gedrückten Serienbildtaste sehr schnell und direkt mittels vorderem und hinterem Einstellrädchen die Betriebsart sowie die dazugehörenden Bilder pro Sekunde ausgewählt werden. Ich hatte die Z 9 meistens in dieser Position und konnte schnell auf verschiedene Motive reagieren.

Die gleiche Logik gilt auch für die ISO-, WB- und Autofokus-Taste. Mit dem hinteren Einstellrad werden die Grundparameter und mit dem vorderen die Detailwerte eingestellt. Mit der ISO-Taste lässt sich so bequem zwischen ISO-Automatik und einem Festwert wechseln.

Wer die Kamera lieber über den Touchscreen dirigiert, ändert wichtige Werte am schnellsten über das i-Menü, das nach Drücken der i-Taste erscheint.

Drück mich: Das i-Menü der Nikon Z 9 zeigt die wichtigsten Einstellungen für Fingertipper auf einen Blick.Drück mich: Das i-Menü der Nikon Z 9 zeigt die wichtigsten Einstellungen für Fingertipper auf einen Blick.

Menü aufgeräumt

Das Menüsystem der Z 9 wurde gegenüber den Vorgängern etwas vereinfacht, indem zum Beispiel Ein/Aus-Menüpunkte direkt in der obersten Ebene eines Menüs ausgewählt und mit den Pfeiltasten nach rechts und links umgeschaltet werden. Es ist nicht mehr nötig, dazu in ein Untermenü zu verzweigen.

Dies ist eine kleine Umstellung und zu Beginn wollte ich aus lauter Gewohnheit mit der rechten Pfeiltaste in ein Untermenü und habe dabei unbewusst die Funktion ein- oder ausgeschaltet. Dann noch ohne Kontrolle das Menü verlassen und ich habe mich gewundert, wieso die Kamera nicht mehr wie erwartet reagiert, oder was dieses «Starlight-View»-Symbol auf dem Display soll.

Neu gibt es jetzt unter «Netzwerkmenü» ein eigenes Register für die Kommunikationseinstellungen wie Flugmodus, LAN, FTP-Server oder USB-Funktionen. Doch nach wie vor ist das Menü der Z 9 sehr weit verzweigt und manche Funktionen sind unter verschiedenen Register zu finden. So ist zwar ein eigenes Videoaufnahmemenü vorhanden, aber die Feineinstellungen fürs Filmen wie etwa AF-Geschwindigkeit und AF-Tracking-Empfindlichkeit findet man unter den allgemeinen «Individualfunktionen» im untersten Abschnitt unter Buchstaben «g», Video.

Wunschprogramm: Neben den vorderen drei Funktionstasten links vom Bajonett lassen sich auch weitere Bedienungselemente an der Nikon Z 9 nach eigenem Gusto umbelegen.Wunschprogramm: Neben den vorderen drei Funktionstasten links vom Bajonett lassen sich auch weitere Bedienungselemente an der Nikon Z 9 nach eigenem Gusto umbelegen.

Die Z 9, wie sie dir gefällt

Bei dieser Vielfalt an Einstellungsmöglichkeiten ist es sehr hilfreich, dass man häufig benutzte Konfigurationen speichern kann. Dazu stehen vier Benutzerspeicher («Shooting Menu Banks A, B, C, D») zur Verfügung. Diese können standardmässig über die Funktionstaste F1 vorne an der Kamera oder über das Menü ausgewählt werden.

Der Taste F2 wurde die Wahl des Bildverhältnisses sowie der Bildqualität (JPEG, NEF RAW) zugewiesen. Mit F3 lassen sich die Anzeigen im Livebild ein- und ausschalten und mit dem F4-Knopf links neben dem Sucher die Bildprofile durchblättern.

Natürlich dürfen neben den Funktionstasten auch weitere Bedienungselemente individuell angepasst werden, wenn gewünscht auch getrennt nach Foto- und Videofunktionen. Selbst die Optionen, die im «i»-Menü erscheinen, sind auf die eigenen Bedürfnisse einstellbar.

Überhaupt lässt sich die Z 9 in weiten Teilen auf die eigenen Aufnahmegewohnheiten hin konfigurieren, sei es durch Umbelegungen von Funktionen, Ändern des Verhaltens einer Taste oder durch die Auswahl bevorzugter Anzeigen bei Aufnahme und Bilderwiedergabe.

Wem dies noch nicht reicht, speichert seine ständig gebrauchten Positionen im Menüpunkt «Mein Menü» zusammengefasst ab. Zusätzlich stehen dort noch die letzten 20 benutzten und automatisch aufgezeichneten Einstellungen abrufbereit.

Benutzerdefiniertes Anpassen der Tasten im Videomodus.Benutzerdefiniertes Anpassen der Tasten im Videomodus.
Unter «Mein Menü» können häufig gebrauchte Menü-Positionen an einem Ort gespeichert werden.Unter «Mein Menü» können häufig gebrauchte Menü-Positionen an einem Ort gespeichert werden.

Kontakt nach aussen

Neben einem USB-C-Anschluss, einer HDMI-A-Buchse in Standardgrösse, dem 3,5-mm-Mikrofon- und Kopfhörer-Eingang sowie einer zehnpoligen Multifunktions- und Fernsteuerungsbuchse bietet die Z 9 auch einen eingebauten RJ-45 Gigabit-LAN-Anschluss.

Wer den Handgriff genauer betrachtet, findet dort noch eine Abdeckung. Dahinter versteckt sich ein Anschluss für ein Kensington-Sicherheitsschloss. Sicher kein Luxus bei einer solch teuren Kamera.

Verbindungsfreundlich: An der Nikon Z 9 findet der Profi alle gewünschten Anschlüsse.Verbindungsfreundlich: An der Nikon Z 9 findet der Profi alle gewünschten Anschlüsse.

Professionelle Kameras besitzen in den wenigsten Fällen ein eingebautes Blitzgerät. Dies gilt auch für die Nikon Z 9, die jedoch einen ISO 519 Blitzsynchronanschluss zur Verfügung stellt. Das Blitzen mit rein elektronischem Verschluss beherrschen zurzeit auch nur wenige Hersteller. Nikon kann es einsetzen und damit auch das Nikon Creative Lighting System (CLS). Darüber hinaus ist mit der Z 9 sogar das Fokus-Bracketing mit Blitzauslösung möglich!

Neben Fokus-Bracketing beherrscht die Z 9 natürlich auch die klassischen Belichtungsreihen und sogar Reihenaufnahmen mit unterschiedlichen Blitzstärken, Weissabgleichen und Active-D-Lighting-Werten. Mit drei, fünf, sieben oder neun Belichtungen pro Reihe lassen sich problemlos HDR-Bilder erstellen.

Daneben kann die Z 9 über ihre HDR-Funktion zwei Bilder auch direkt in der Kamera zusammensetzen und als neues HDR-Foto abspeichern. Die Stärke des HDR-Effekts kann der Kamera überlassen (AUTO) oder selber in vier Stufen eingestellt werden.

Mehrfachbelichtungen mit bis zu zehn Aufnahmen lassen sich zudem direkt in der Kamera zu einem Foto zusammensetzen. Dabei sind vier verschiedene Überblendungsmodi wählbar.

Fokusverlagerung mit Blitz: Als eine von wenigen Kameras beherrscht die Nikon Z 9 das Fokus-Bracketing mit Blitzauslösung. Mit «Intervall bis nächste Aufnahme» wird die Pause zwischen zwei Blitzen bestimmt.Fokusverlagerung mit Blitz: Als eine von wenigen Kameras beherrscht die Nikon Z 9 das Fokus-Bracketing mit Blitzauslösung. Mit «Intervall bis nächste Aufnahme» wird die Pause zwischen zwei Blitzen bestimmt.
Scharf von vorn bis hinten: Das Bild dieser rund 8 cm langen Spielzeuglok besteht aus 30 Aufnahmen mit Fokusverlagerung, die dann in der Software Affinity Photo automatisch zusammengerechnet wurden.Scharf von vorn bis hinten: Das Bild dieser rund 8 cm langen Spielzeuglok besteht aus 30 Aufnahmen mit Fokusverlagerung, die dann in der Software Affinity Photo automatisch zusammengerechnet wurden.

Menschen, Tiere, Fahrzeuge

Rechts oder links: Werden beide Augen durch den Gesichts/Augen-Autofokus der Nikon Z 9 erkannt, darf zwischen beiden gewählt werden.Rechts oder links: Werden beide Augen durch den Gesichts/Augen-Autofokus der Nikon Z 9 erkannt, darf zwischen beiden gewählt werden.

Die Nikon Z 9 unterstützt bei Foto- und Filmaufnahmen den mit der Nikon Z 7II und Nikon Z 6II eingeführten Gesichts/Augen- und Tiererkennungs-Autofokus. Neu hinzugekommen ist die Fahrzeugerkennung.

Die Motiverkennung arbeitet bereits in der «Automatisch»-Einstellung verblüffend treffsicher. Sie ist besonders hilfreich, wenn zwischen verschiedenen Motivarten hin- und hergewechselt wird. Zum Beispiel bei Pferd und Reiter, Fahrer und Fahrzeug.

Wird die «Personen»-Einstellung gewählt, markiert die Z 9 erkannte Gesichter mit einem Rechteck. Kann sie auch noch die Augen identifizieren, wird die Markierung dort angezeigt. Erkennt die Kamera mehrere Gesichter oder Augen, kann per Pfeiltasten das gewünschte ausgewählt werden. Bewegt sich ein erkanntes Gesicht, verfolgt es die Kamera und führt den Fokuspunkt nach.

In den Praxistests gelang die Erkennung bei genügend Licht problemlos und schnell. Die Augen wurden auch beim leichten Wegdrehen des Kopfes zur Kamera und durch Haarsträhnen und Brillen hindurch scharfgestellt. Verlässt ein Gesicht den Bildausschnitt und kommt es wieder zurück, wird es in den meisten Fällen sofort wieder erfasst und «getrackt». Im Vergleich dazu brachten Sony- und Canon-Kameras eine noch etwas zuverlässigere Erkennungsrate.

Optimierte AF-Tiererkennung

Stark verbessert wurde gegenüber der Z 6II und Z 7II die Erkennungsrate bei Tieren. Im Handbuch werden unter der «Tiere»-Einstellung Hunde, Katzen oder Vögel aufgeführt. Während bei meinem Nikon Z 6II-Test vor einem Jahr die Augen gefiederter Motive kaum erkannt wurden, hatte die Z 9 auch bei Enten, Gänsen und Vögeln im Flug wie auch bei Ziegen keine Probleme damit. Hier wurde viel am Augenerkennungs-Algorithmus geschraubt und die Erkennungs-Zuverlässigkeit kann jetzt beinahe mit Mitbewerbern wie Sony oder Canon gleichziehen.

So wurden die Augen bei helleren Katzen und Hunden sehr gut erkannt, sobald jedoch dunkle, getigerte oder «tarnfarbige» Felle vor dem Objektiv erschienen, wurde oft nur noch das Gesicht identifiziert und scharfgestellt. Wird dabei eine kleine Blende gewählt, werden natürlich auch die Augen scharf abgebildet.

Den Nachbarshund erkannte die Kamera jedenfalls problemlos und stellte auf seine Augen scharf. Die Augenerkennung kann auch bei kontinuierlichem Autofokus hinzugeschaltet werden und funktioniert ebenso beim Videofilmen.

Vehikel-Erkennung

Interessant ist auch die «Fahrzeug»-Einstellung. Unter Fahrzeuge fallen laut Handbuch Autos, Motorräder, Züge, Flugzeuge oder Fahrräder. Wie aus gut unterrichteten (englischen) Kreisen verlautete, sollen auch Rasenmäher erkannt werden.

Standardmässig wird das gesamte erkannte Fahrzeug markiert, bei Zügen nur der vorderste Wagen, bzw. die Lok, und bei Flugzeugen der Umriss, die Nase oder das Cockpit, je nach Grösse des Flugzeugs.

Beim Fotografieren von Autos auf einer etwas weiter entfernten Strasse zeigte sich schön, wie die Grösse des Motivs die Zuverlässigkeit von Erkennen und Verfolgen beeinflusst. So wurden Lieferwagen und grössere SUVs immer erkannt und «getrackt». Bei Personenwagen gab es deutlich weniger Treffer. Hier wurden oft nur dunkelfarbige Wagen, die sich deutlich vom Hintergrund abhoben, erkannt. Die Geschwindigkeit der Autos spielte dabei keine Rolle.

Der Autofokus wie die Motiverkennung kann auch komplett ausgeschaltet werden. Die Z 9 unterstützt das manuelle Scharfstellen mit Richtungsanzeigern sowie Kantenhervorhebung («focus peaking») und grüner Im-Fokus-Rechteck-Anzeige in Sucher und Monitor. Zudem lässt sich das Bild für eine genauere Ansicht vergrössert darstellen.

Menü zur Auswahl der Motiverkennung.
Menü zur Auswahl der Motiverkennung.
Menü für die Einstellung der AF-Messfelder.
Menü für die Einstellung der AF-Messfelder.
Menü zur Feineinstellung des AF-Verhaltens.
Menü zur Feineinstellung des AF-Verhaltens.
Menü für die Anpassung der AF-Schärfenachführung.
Menü für die Anpassung der AF-Schärfenachführung.
Menü zur Bestimmung der Anzahl Fokusmessfelder.
Menü zur Bestimmung der Anzahl Fokusmessfelder.
Vogelauge gefunden. Anzeige des AF-Feldes.
Vogelauge gefunden. Anzeige des AF-Feldes.
Vogelerkennung durch Zweige und Blätter hindurch.
Vogelerkennung durch Zweige und Blätter hindurch.
Hundegesicht- und Augen-Erkennung bei mehrfarbigem Fell.
Hundegesicht- und Augen-Erkennung bei mehrfarbigem Fell.
Bei grösseren Flugzeuge wird auf das Cockpit scharfgestellt.
Bei grösseren Flugzeuge wird auf das Cockpit scharfgestellt.

Autofokus-Tuning

Das 493-Autofokus-Messfeld-System der Z 9 umfasst 405 automatische AF-Messfelder. Das sind fünfmal mehr als bei der Z 7II. Hinzu kommen 10 AF-Messfeldmodi zur optimalen AF-Einstellung für jede Aufgabe. Eine «Deep-Learning-KI» ermöglicht laut Nikon die fortschrittlichste gleichzeitige Erkennung von bis zu neun verschiedenen Motivtypen.

Das Verhalten der automatischen Scharfstellung lässt sich dem Aufnahmeobjekt anpassen. Einzel- oder Dauerfokus, Art und Grösse des Messfelds, automatische oder selbst gewählte Objekterkennung und Verfolgung sowie Tracking-Empfindlichkeit können bestimmt werden. So sorgt zum Beispiel die AF-Messfeldsteuerung «Grosses Messfeld (L)» durch die Beschränkung des fokussierten Bereichs für eine saubere Erfassung von Augen und Gesichtern.

Wer die Nikon Z 9 im Sportbereich einsetzen möchte, liest am besten erst mal den 25-seitigen «Professional Setting Guide – Sports AF Edition» durch. Dort werden neben den grundlegenden Autofokus-Einstellungen auch Empfehlungen für einzelne Sportarten erläutert. Die Auswahl reicht von Fussball, Bodenturnen, Schwebebalken, Ringen, Barren, Sprint, Hoch-, Weit- und Dreisprung, Hürden, Marathon, Hammer- und Diskuswerfen über Schwimmen, Tauchen, Tischtennis, Skateboarding bis hin zu Motorsport.

Wichtig ist vor allem die Unterscheidung zwischen Einzel- und Teamsportart für die Wahl des AF-Bereichs. Das 3D-Tracking wird für die Verfolgung von meist freistehenden Einzelpersonen empfohlen. Der dynamische AF-Bereich ermöglicht dagegen bei Mannschaftssport das schnelle Wechseln von einem zum anderen Spieler.

Dann lässt sich noch feintunen, wie schnell die AF-Verfolgung auf sich bewegende Motive und Hindernisse dazwischen reagieren soll. Schliesslich lässt sich ein AF-Bereich vorbestimmen und während der Aufnahmen zwischen ihm und dem aktuellen Bereich umschalten.

Zu guter Letzt kann auch die AF-Bereichswahl eingeschränkt werden, damit man in der Hitze der Aufnahme nicht ungewollt eine nicht passende Option anwählt.

Viele dieser Empfehlungen kann man auch für die Aufnahme von Wildtieren, Vögeln oder anderen sich schnell und unvorhersehbar bewegender Motiven ausprobieren. Ich erzielte damit beim «Tracken» von Enten gute Erfolge.

Dauerfeuer

Die Nikon Z 9 schiesst mit bis zu 20 Bildern pro Sekunde im JPEG- und RAW-Format und mit Fokus- und Belichtungs-Nachführung. Dies genügt für die meisten schnellen Motive im Sportbereich, ist aber auch bei Pressekonferenzen von Vorteil, um genau den passenden Gesichtsausdruck eines Redners zu zeigen.

Für diese Serienbilder-Zahl darf die Belichtungszeit nicht länger als 1/250 Sekunde betragen. Geht man darunter, sinkt auch die Anzahl Bilder pro Sekunde etwas.

Noch etwas schneller geht es, wenn nur JPEGs in voller Auflösung genügen. Dann kann auch mit 30 Bildern pro Sekunde fotografiert werden, oder in reduzierter 11 Megapixelgrösse sogar mit irrwitzigen 120 Bildern pro Sekunde. Damit lässt sich jede Tröpfchen-Bewegung einfrieren. Von der in kürzester Zeit anfallenden Datenmenge und Zeit für die Bilderauswahl schweigen wir jetzt mal höflich.

Verblüffend war für mich, wie es die Z 9 schaffte, eine handtellergrosse graue Drohne im Flug in perfekter Schärfe des Drohnenkörpers und mit der «richtigen» Unschärfe der rotierenden Propeller einzufangen. Vor einem blauen Himmel ist dies ja relativ einfach, aber hier war der Hintergrund dunkel und ungleichmässig.

Für eine optimale Verarbeitung und Speicherung der Serienbilder empfiehlt Nikon CFexpress- oder XQD-Karten mit einer Gesamtdatenübertragungsrate von mindestens 250 MB/s. Für normale Videoaufnahmen reichen auch 45 MB/s (300x) und für höhere Videoauflösungen oder -datenraten ist man mit 250 MB/s auf der sicheren Seite.

Nikon selbst verwendet für die Angaben von Karten- und Buffer-Kapazität bei verschiedenen Bildqualitäten in NEF RAW und JPEG eine «ProGrade Digital COBALT 1700R 325 GB»-Speicherkarte.

 Serienbildmodus und Flugzeug-Erkennung helfen, den genauen Moment zu erwischen. Sehen Sie die kritische Beobachtung der Landung durch den Rotmilan auf der Stange?
Serienbildmodus und Flugzeug-Erkennung helfen, den genauen Moment zu erwischen. Sehen Sie die kritische Beobachtung der Landung durch den Rotmilan auf der Stange?
Erstes Bild der Serie «Schuss aufs Tor».
Erstes Bild der Serie «Schuss aufs Tor».
Zweites Bild der Serie «Schuss aufs Tor».
Zweites Bild der Serie «Schuss aufs Tor».
Drittes Bild der Serie «Schuss aufs Tor».
Drittes Bild der Serie «Schuss aufs Tor».
Handtellergrosse graue Drohne im Flug vor dunklem Hintergrund.
Handtellergrosse graue Drohne im Flug vor dunklem Hintergrund.
Genauer Moment bei ausgebreiteten Schwingen und scharfen Augen dank Vogelerkennung, 15er-Serienbild, AF-C und 1/1000 s. Rotmilan im Flug.
Genauer Moment bei ausgebreiteten Schwingen und scharfen Augen dank Vogelerkennung, 15er-Serienbild, AF-C und 1/1000 s. Rotmilan im Flug.
Ein Milchtropfen, eingefroren mit 120 Bildern pro Sekunde.
Ein Milchtropfen, eingefroren mit 120 Bildern pro Sekunde.

Bildqualität und Bildprofile

Ausreichend Bildpunkte: Die 45,7-Megapixel-Auflösung der Nikon Z 9 ermöglicht fantastische Bildausschnitte.Ausreichend Bildpunkte: Die 45,7-Megapixel-Auflösung der Nikon Z 9 ermöglicht fantastische Bildausschnitte.

Die Nikon Z 9 bringt dieselbe Auflösung wie die Z 7II, besitzt jedoch einen völlig neuen Bildsensor mit mehrschichtiger Architektur und BSI-CMOS. Damit ist erst die sehr schnelle Auslesegeschwindigkeit möglich. Gleichzeitig wird auch mehr Licht eingefangen, was wiederum der Bildqualität zugutekommt.

Ein eingebauter Bildstabilisator, in der Nikon-Welt als «VR» («Vibration Reduction») bezeichnet, kompensiert Bewegungen über fünf Achsen, indem der beweglich gelagerte Bildsensor horizontal, vertikal und in der Rotation verschoben wird. Die Stabilisation funktioniert auch mit bereits vorhandenen Nikkor-F-Objektiven, auch bei solchen ohne Bildstabilisator, wenn sie mit dem optionalen Bajonettadapter FTZ oder FTZ II verwendet werden. Bei Objektiven mit eigenem Stabilisator arbeiten beide Systeme gemeinsam.

Die Stabilisierung macht ihre Arbeit sehr gut und beim Fotografieren bei wenig Licht mit offener Blende muss damit nicht gleich ein höherer ISO-Wert eingestellt werden. Man belichtet einfach etwas länger.

Detailtreu und feinstrukturiert

Die Bildqualität der Z 9 lässt sich in 13 Qualitätsstufen beeinflussen und reicht von einer verlustlosen 14-Bit-Rohdaten-Kompression mit 8256 x 5504 Pixeln bis zum kleinsten JPEG-Format mit 2688 x 1792 Pixeln. Bei JPEG-Dateien kann noch zwischen maximaler Qualität oder ungefähr gleicher Datengrösse gewählt werden. Was bedeutet, dass mehr oder weniger stark komprimiert wird.

Die Z 9 liefert eine sehr gute Bildqualität. Bunte Farbsäume oder sonstige Farbstörungen waren kaum auszumachen. Daran sind sicher auch die guten Testobjektive nicht ganz unschuldig. Die enorme Pixelmenge des Sensors zeigte sich in einer herausragender Schärfe, einer hohen Detailtreue mit Darstellung feinster Strukturen und in feinsten Farbabstufungen.

Was nicht nur mich begeistert hat, ist die Möglichkeit, im Nachhinein kleine Bildausschnitte festzulegen und dabei immer noch genügend Pixelreserven zu haben. So kann man auch Motive, an die man zu wenig nah herankommt, «gross» herausbringen.

Bei hohen Kontrasten während der Aufnahme lohnt es sich, mit den verschiedenen «Active D-Lighting»-Einstellungen der Z 9 zu experimentieren. Damit lässt sich oft das Überstrahlen von hellen Flächen, vor allem bei Landschaftsaufnahmen unter grellem Himmel, vermeiden.

Kontraste beeinflussen: Das Ausprobieren der verschiedenen «Active D-Lighting»-Einstellungen der Z 9 lohnt sich.Kontraste beeinflussen: Das Ausprobieren der verschiedenen «Active D-Lighting»-Einstellungen der Z 9 lohnt sich.

Trotz der sehr hohen Auflösung von 45.7 Megapixel hält sich das Rauschen auch bei höheren ISO-Werten im Rahmen. Bis ISO 3200 gibt es nichts zu Nörgeln. Je nach Motiv sind auch Aufnahmen bei ISO 6400 oder gar 12’800 noch gut annehmbar. Bei Werten am Limit der Standard-ISO-Einstellung, also 25'600, kommt dann der Anti-Rauschfilter stark zum Einsatz und «matscht» die Aufnahmen zu. Details gehen im Rauschen unter.

Die Farbdarstellung der Aufnahmen kann auf viele Arten beeinflusst werden. Sie waren mir in der Standardeinstellung etwas zu knackig. Für einige Betrachter hatten die Fotos zudem eine etwas zu kühle Farbanmutung, schienen zu bläulich. Anderen fiel dies überhaupt nicht auf.

Ich habe dann «neutral» gewählt, was für manche wieder zu blass und farblos wirkte. Für mich sind die JPEG-Fotos jedenfalls gelungen und können ohne weiteres Bearbeiten verwendet werden. Wer neben JPEG auch noch im RAW-Format fotografiert, kann sich natürlich im erweiterten Bearbeitungsspielraum austoben.

Picture-Control

Bei einer Kamera für Profis gibt es weder Motivprogramme noch Spezialeffekte wie «Baby-Geburtstag». Als Ersatz springt bei der Z 9 das «Picture-Control-System» mit über 20 verschiedenen Bildkonfigurationen ein. Diese lassen sich für ausgewählte Stimmungen auch noch weiter modifizieren.

Neben den üblichen Einstellungen wie «Standard», «Neutral», «Brillant», «Monochrom», «Porträt» oder «Landschaft» gibt es auch exotische Varianten wie etwa «Ausgewogen», «Traum», «Morgen», «Pop», «Sonntag», «Verblichen», «Jeans», «Pink», «Holzkohle» oder «Russ».

Wer möchte, darf seine RAW-Aufnahmen direkt in der Kamera nachträglich bearbeiten. Die Werkzeugauswahl reicht dabei von Beschneiden, Verkleinern, Ausrichten über verschiedene Korrekturen bis hin zu den Picture-Control-Filtern. Selbst ein nachträgliches «D-Lighting» ist möglich. Fotos im NEF-(RAW-)Format können als neue JPEG-Varianten gespeichert werden.

Direkt in der Kamera: Nachträgliches Ändern der Picture-Control-Konfiguration zu «Sonntag» bei einer RAW-Aufnahme.Direkt in der Kamera: Nachträgliches Ändern der Picture-Control-Konfiguration zu «Sonntag» bei einer RAW-Aufnahme.

Für die Bilderstrecke wurden die originalen JPEG-Dateien direkt aus der Nikon Z 9 genommen und nur auf Web-Grösse reduziert. Bemerkungen bei den Bildern: BW = Verwendete Objektiv-Brennweite; Belichtungsmodus P = Programm, A = Blendenvorwahl bzw. Zeitautomatik, S = Zeitvorwahl bzw. Blendenautomatik, M = manuelle Einstellung; Blende; Verschlusszeit; ISO-Empfindlichkeit; WB = Weissabgleich; PC = Picture-Control; Anmerkungen. Die Nikon Z 9 besass die Firmware-Version 01.11.

Z 50 mm f/1.2 S, BW 50 mm, M, f/1.2, 1/100 sec., ISO 500, WB Leuchtstoff Cool White, PC neutral.
Z 50 mm f/1.2 S, BW 50 mm, M, f/1.2, 1/100 sec., ISO 500, WB Leuchtstoff Cool White, PC neutral.
Z 24 - 200 mm f/4-6.3 VR, BW 115 mm, M, f/6.3, 1/160 sec., ISO 360, WB Wolken, PC neutral.
Bild-Nr. 1344 Augen
Z 24 - 200 mm f/4-6.3 VR, BW 115 mm, M, f/6.3, 1/160 sec., ISO 360, WB Wolken, PC neutral. Bild-Nr. 1344 Augen
Z 24 - 200 mm f/4-6.3 VR, BW 115 mm, M, f/6.3, 1/160 sec., ISO 360, WB Wolken, PC neutral, Bildausschnitt.
Z 24 - 200 mm f/4-6.3 VR, BW 115 mm, M, f/6.3, 1/160 sec., ISO 360, WB Wolken, PC neutral, Bildausschnitt.
Z MC 105 mm f/2.8 VR S, 105 mm, BW 105 mm, M, f/8.0, 1/160 sec., ISO 8’000, WB Auto, PC neutral.
Z MC 105 mm f/2.8 VR S, 105 mm, BW 105 mm, M, f/8.0, 1/160 sec., ISO 8’000, WB Auto, PC neutral.
Z MC 105 mm f/2.8 VR S, 105 mm, BW 105 mm, M, f/8.0, 1/160 sec., ISO 12’8000, WB Auto, PC neutra
Z MC 105 mm f/2.8 VR S, 105 mm, BW 105 mm, M, f/8.0, 1/160 sec., ISO 12’8000, WB Auto, PC neutra
Z 24 - 200 mm f/4-6.3 VR, BW 200 mm, M, f/6.3, 1/1’000 sec., ISO 450, WB Wolken, PC Standard, Spot-Belichtungsmessung, Bildausschnitt.
Z 24 - 200 mm f/4-6.3 VR, BW 200 mm, M, f/6.3, 1/1’000 sec., ISO 450, WB Wolken, PC Standard, Spot-Belichtungsmessung, Bildausschnitt.
Z 24 - 200 mm f/4-6.3 VR, BW 200 mm, M, f/6.3, 1/1’000 sec., ISO 200, WB Wolken, PC Standard, Spot-Belichtungsmessung.
Z 24 - 200 mm f/4-6.3 VR, BW 200 mm, M, f/6.3, 1/1’000 sec., ISO 200, WB Wolken, PC Standard, Spot-Belichtungsmessung.
Z 24 - 200 mm f/4-6.3 VR, BW 200 mm, M, f/6.3, 1/125 sec., ISO 2200, WB Sonne, PC Standard, Bildausschnitt.
Z 24 - 200 mm f/4-6.3 VR, BW 200 mm, M, f/6.3, 1/125 sec., ISO 2200, WB Sonne, PC Standard, Bildausschnitt.
Z 24 - 200 mm f/4-6.3 VR, BW 200 mm, M, f/6.3, 1/500 sec., ISO 640, WB Wolken, PC Standard, Bildausschnitt.
Z 24 - 200 mm f/4-6.3 VR, BW 200 mm, M, f/6.3, 1/500 sec., ISO 640, WB Wolken, PC Standard, Bildausschnitt.
Z 24 - 200 mm f/4-6.3 VR, BW 200 mm, M, f/6.3, 1/500 sec., ISO 1’100, WB Wolken, PC Standard, Bildausschnitt.
Z 24 - 200 mm f/4-6.3 VR, BW 200 mm, M, f/6.3, 1/500 sec., ISO 1’100, WB Wolken, PC Standard, Bildausschnitt.
Z 24 - 200 mm f/4-6.3 VR, BW 115 mm, M, f/6.3, 1/500 sec., ISO 800, WB Wolken, PC Standard.
Z 24 - 200 mm f/4-6.3 VR, BW 115 mm, M, f/6.3, 1/500 sec., ISO 800, WB Wolken, PC Standard.

Kinoreife Videoleistung

Bewegtbild und Ton: Die Nikon Z 9 mit angeschlossenem Rode-Mikrofon.Bewegtbild und Ton: Die Nikon Z 9 mit angeschlossenem Rode-Mikrofon.

Während Canon zweigleisig fährt und neben der eher fotolastigen Profikamera EOS R3 für Videofilmer eine Kino-Version der EOS R5, die R5 C, anbietet, packt Nikon bei der Z 9 professionelles Foto und Video in dasselbe Gehäuse.

Viele Videoformate und -funktionen wurden von der Nikon Z 7II übernommen und zum Teil erheblich erweitert. So kann man in 8K/UHD (7680 x 4320 Pixel) mit bis zu 30 Bilder pro Sekunde (30p) filmen. 4K/UHD (3840 x 2160 Pixel) geht sogar bis 120p. Bis 4K/UHD 60p ist die Aufnahme auch in Apples ProRes-Format möglich.

Ein Firmware-Update (geplant für Frühjahr 2022) wird die Aufnahme von RAW 8K-Filmen in 60p ermöglichen und ein Oversampling aus 8K für 4K/UHD-Filme mit 60p erlauben.

Die maximale ununterbrochene Aufnahmelänge beschränkt sich bei bisherigen Z-Modellen auf 30 Minuten. Mit der Z 9 darf man nun rund viermal länger am Stück filmen. Erst bei 125 Minuten ist Schluss.

Als Videodateiformat kommt MOV oder MP4 zum Einsatz. Als höchste Qualitätsstufe steht beim Filmen und kamerainterner Aufzeichnung der Codec ProRes 422 HQ 10-bit zur Verfügung. Hier beträgt die Farbunterabtastung 4:2:2 und man darf im Standard Dynamikumfang (SDR) oder Nikons N-Log aufzeichnen.

Im H.265-Codec mit 10-bit Auflösung (4:2:0 Farbabtastung) erlaubt die Z 9 auch Aufnahmen in High Dynamik Range (HDR) mit der HLG-Technologie (Hybrid Log Gamma). Der damit erzielbare höhere Kontrastumfang ist verblüffend und faszinierend anzuschauen. Natürlich muss der Fernseher oder Monitor dafür HLG-kompatibel sein, sonst gibt es die Bilder nur in SDR.

An der Bildqualität der Videoaufnahmen in UHD- und Full-HD-Auflösung gibt es nichts zu meckern. Besonders bei Filmen bis 30p ist das Bild hervorragend, da hier aus der 8K-Sensorauflösung per «Downsampling» heruntergerechnet wird.

Nikons «Active D-Lighting» funktioniert auch beim Filmen und dunkle Sujets werden damit noch mit vielen Details aufgezeichnet. Hier lohnt sich wie beim Fotografieren ein Ausprobieren der verschiedenen «D-Lighting»-Stärken.

Videomenü, Bildgrösse Seite 1, 8K/UHD bis 4K/UHD.
Videomenü, Bildgrösse Seite 1, 8K/UHD bis 4K/UHD.
Videomenü, Bildgrösse Seite 2, 4K/UHD bis Full-HD.
Videomenü, Bildgrösse Seite 2, 4K/UHD bis Full-HD.
Videomenü, Bildgrösse Seite 3, Full-HD.
Videomenü, Bildgrösse Seite 3, Full-HD.
Videomenü, Dateitypen ProRes, H.265, H.264.
Videomenü, Dateitypen ProRes, H.265, H.264.
Videomenü, Farb- und Dynamikumfänge. Verwirrend als «Tonmodus» übersetzt.
Videomenü, Farb- und Dynamikumfänge. Verwirrend als «Tonmodus» übersetzt.
Videomenü, Autofokus-Motiverkennung auch beim Filmen.
Videomenü, Autofokus-Motiverkennung auch beim Filmen.
Individualfunktions-Menü, Autofokus-Feineinstellungen für Video.
Individualfunktions-Menü, Autofokus-Feineinstellungen für Video.

Und Action!

Unter der Taste «DISP» neben dem Sucher befindet sich der Foto/Video-Umschalter, der die Z 9 fürs Filmen bereitmacht. Die Starttaste für die Videoaufzeichnung liegt gleich neben dem Foto-Auslöser. Dieser hat im Videobetrieb standardmässig keine Funktion, kann jedoch als Video-Start/Stopp belegt werden. Dann ist auch eine Fernsteuerung per Funk oder Kabel für Filmaufnahmen möglich.

Die meisten Fotoeinstellungen sind auch beim Filmen aktiv. Sie lassen sich auf Wunsch speziell für Videoaufnahmen anpassen oder mit der Option «Gemäss Fotoeinstellungen» als aktuelle Werte für Fotos übernehmen. Die Videoeinstellungen habe ich meistens über das Menü via «i»-Taste verändert und meine am häufigsten gebrauchten Funktionen in «Mein Menü» abgelegt.

Die Belichtungssteuerung über Blende und Verschluss sind beim Filmen im «P» und «S» Modus eingeschränkt, das heisst automatisiert. Erst im «A»-Modus hat man Kontrolle über die Blende. Der Profi filmt am besten im manuellen Modus. Dort lässt sich neben Blende und Verschlusszeit auch die ISO-Empfindlichkeit regeln und auch ein oberes Limit für die ISO-Automatik setzen.

Dazu kann man den Einstellring eines Nikkor-Z-Objektivs mit einer benutzerdefinierbaren Funktion belegen und so zum Beispiel Blende und Belichtungskorrektur leise und komfortabel ändern.

Der Tonpegel lässt sich manuell in 20 Stufen regeln. Der Frequenzgang kann von «Wide» auf «Menschliche Stimmen» eingeschränkt werden und wirkt auf interne wie externe Mikrofone. Ein Windfilter ist ebenfalls zuschaltbar, beeinflusst jedoch nur die internen Stereomikrofone. Zur Tonkontrolle ist eine Kopfhörerbuchse eingebaut.

Ready for Action: Eine «aufgeriggte» Nikon Z 9 mit externem Monitor/Rekorder und Kompendium.Ready for Action: Eine «aufgeriggte» Nikon Z 9 mit externem Monitor/Rekorder und Kompendium.

Wie beim Fotografieren lässt sich das Autofokus-Verhalten auch beim Filmen dem Sujet anpassen, indem Motiv-Erkennung, AF-Geschwindigkeit und AF-Tracking-Empfindlichkeit individuell eingestellt werden.

Der Autofokus-Verlagerungstest war für die Z 9 bereits mit der Standardeinstellung kein Problem. Die automatischen Übergängen zwischen den Schärfepunkten erfolgten in angenehmer Geschwindigkeit, auch problemlos durch Fensterscheiben hindurch nach draussen.

Die AF-Verlagerungen sind auch per Fingertipp auf den gewünschten Schärfepunkt im Touchscreen möglich. Je nach Motiv vollzieht sich dies mehr oder weniger sanft und gleichmässig, was sich jedoch mit dem Anpassen der AF-Geschwindigkeit beeinflussen lässt.

Entenverfolgung

Das zuverlässige Erkennen und Verfolgen von Motiven hängt wie schon beim Fotografieren von verschiedenen Bedingungen ab. Neben der richtigen Kameraeinstellung spielen auch Wetter, Hintergrund und die Grösse und Beweglichkeit des Objekts eine wichtige Rolle.

Bei der Entenverfolgung im nahegelegenen Stadtweiher zeigte die Nikon Z 9 jedoch eindrücklich, was sie seit der Z 7II dazugelernt hat. Die Ente wurde auch durch Äste und Blätter hindurch zuverlässig «getrackt».

Auch bei der Gefiederwäsche blieb der Autofokus am Auge und Kopf des Tieres «kleben» und schweifte nicht in die Umgebung oder den Hintergrund ab.

In einer Vogelvoliere hatte der Autofokus dann etwas Mühe, dem Geschaukel des Sittichs zügig zu folgen. Tapfer kämpfte er sich jedoch immer wieder in die Schärfe zurück. Hier brächten weitere Versuche mit anderen Fokusfeld-Varianten sicher noch bessere Resultate.

Die Erkennung und Verfolgung einer Zugkomposition lief perfekt ab. Einen «rolling shutter»-Effekt konnte ich nicht feststellen. Die Masten blieben senkrecht im Bild, auch als die Kamera vorbeischwenkte.

Nur im Videomodus gibt es die Option «Subject-Tracking AF», die versucht, ein vorher per Rechteck auf dem Display markiertes Motiv in der Schärfe zu halten. Der Nikon Z 9 gelang dies um einiges besser als der Versuch des Baggerführers, mit seiner Schaufel eine Wandverkleidung herauszubrechen.

Kommt man mit der Autofokus-Automatik der Z 9 nicht mehr weiter, darf natürlich auch beim Filmen manuell fokussiert werden. Als Hilfe lässt sich eine Kantenhervorhebung (Fokus-Peaking) im Sucher oder auf dem Bildschirm anzeigen. Unter den «Individualfunktionen» lassen sich die Stärke und die Farbe der Hervorhebung bestimmen.

Während des Filmens lässt sich zudem auf eine 1:1-Darstellung (100 %) des Bildes einzoomen. Ebenso kann bei Wiedergabe-Pause in das Videobild gezoomt werden.

Eine Warnung gegen überbelichtete Flächen im Bild, im Videojargon «Zebra» genannt, gibt es bei der Z 9 natürlich auch. Dabei können das Muster sowie die Ansprechschwelle der Anzeige ausgewählt werden.

Ethernet, SnapBridge und Fernsteuerung

Für Profis zählen nicht nur Bildqualität und Bedienungskomfort einer Kamera. Sie müssen ihre Aufnahmen in den meisten Fällen möglichst schnell weiterleiten. Dafür ist die Nikon Z 9 bestens gerüstet.

Über ihren eingebauten Ethernet-Anschluss kann sich die Kamera entweder direkt oder über ein vorhandenes Netzwerk mit FTP-Servern verbinden. Dann lassen sich Bilder während der Wiedergabe zum Hochladen auswählen oder können auch bei der Aufnahme automatisch hochgeladen werden.

Sobald das Foto auf der Karte in der Kamera gespeichert wurde, beginnt der Upload. Es muss sich somit zwingend eine Speicherkarte in der Kamera befinden. Videos werden nicht automatisch hochgeladen. Sie müssen manuell bei der Wiedergabe zum Upload ausgewählt werden.

Mit der «SnapBridge»-App können aufgenommene Fotos und Filme ebenfalls sehr einfach via WiFi auf ein Smartgerät wie Handy oder Tablet übertragen und in sozialen Netzwerken geteilt werden. Die App ermöglicht zudem das Herunterladen der neuesten Kamerafirmware sowie die Fernsteuerung von Foto- und Videoaufnahmen.

Mit der kostenlosen Nikon «Webcam Utility» lässt sich die Z 9 als Webcam für Videokonferenzen verwenden. Hierbei wird das Live-Sucherbild der Kamera via USB an das entsprechende Programm weitergegeben.

Gut vernetzt: Die Nikon Z 9 lässt sich über Kabel, WiFi, Bluetooth und USB mit der Aussenwelt verbinden.Gut vernetzt: Die Nikon Z 9 lässt sich über Kabel, WiFi, Bluetooth und USB mit der Aussenwelt verbinden.

Fazit

Werkzeug für Profis: Mit der Nikon Z 9 kriegen professionelle Fotografen wie auch Filmemacher ein ausgezeichnetes Arbeitsmittel in die Hand.Werkzeug für Profis: Mit der Nikon Z 9 kriegen professionelle Fotografen wie auch Filmemacher ein ausgezeichnetes Arbeitsmittel in die Hand.

Dieser Testbericht konnte nur einen kleinen Teil der umfangreichen Einsatzmöglichkeiten der Nikon Z 9 beschreiben. Wer sich die Kamera zulegt, sollte sich unbedingt die Zeit nehmen, um alle Einstellungen wenigstens einmal im dicken Manual durchzusehen.

Von Nikon Schweiz gibt es zudem Tageskurse, wo die wichtigsten Menüpunkte detailliert und mit Bezug zur Praxis besprochen werden.

Besonders beim Autofokus sind unzählige Kombinationen möglich. Dass damit auch die sogenannten Youtube-Foto-Experten überfordert sind, zeigen zahlreiche, zum Teil geharnischte Foreneinträge über die richtige Auswahl von AF-Methode und Messfeld-Steuerung.

Das spiegellose Topmodell von Nikon bringt zwar nicht in allen Disziplinen die perfekte Leistung, doch die Kombination von hoher Bildauflösung und schnellen Serienbildern zu diesem Preis ist im Moment einzigartig.

Wer als professioneller Fotograf und Videofilmer unterwegs ist und sich von Grösse und Gewicht der Z 9 nicht abschrecken lässt, erhält ein ausgezeichnetes Werkzeug, das ihn in den verschiedensten Situationen durch ergonomische Bedienung, automatische Motiverkennung und vielen Einstellmöglichkeiten unterstützt und die Arbeit erleichtert.

avguide.ch meint

Hat Nikon mit der Z 9 das Ende der Ära der digitalen Spiegelreflexkameras eingeläutet? Ich denke schon. In diese Kamera wurde alles eingebaut, was es zurzeit an neuer digitaler Foto- und Videotechnik gibt. Dazu kommen der mutige Entscheid für das Weglassen des mechanischen Verschlusses, der extrem helle Sucher ohne Dunkelphasen, internes 8K-Video mit über 2 Stunden Aufnahmezeit und der superschnelle 45,7 Megapixel grosse CMOS-Vollformatsensor.

Hat sich das Warten gelohnt? Bestimmt für professionelle Nikon-Anwender, die in der Foto- wie Videowelt zu Hause sind und einen spiegellosen Ersatz für ihre D 6 suchten. Für alle andern, die nicht unbedingt in allen Bereichen diese geballte Leistung benötigen, gibt es günstigere Alternativen.