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Publikationsdatum
14. Mai 2026
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In jedem digitalen Wiedergabegerät steht am Ende der Wandlungsprozess vom digitalen Datenstrom zum analogen Spannungsverlauf – die eigentliche Digital-Analog-Wandlung. Heute übernimmt diese Aufgabe in praktisch allen Geräten ein integrierter Schaltkreis, ein DAC-Chip. Die marktbeherrschende Topologie ist der Delta-Sigma-Wandler: Er arbeitet mit Oversampling und Noise-Shaping, ist günstig in der Fertigung, präzise messbar und liefert hohe Dynamikwerte. Audio Note (UK) hat diesen Weg seit jeher abgelehnt und stattdessen auf ältere R2R-Wandler-ICs gesetzt, die ohne Oversampling und ohne digitale Filter direkt aus dem Datenstrom konvertieren. Die Begründung von Audio Note: weniger digitale Signalverarbeitung, natürlicheres Klangbild.

Mit dem Izvor-Modul geht Audio Note nun einen Schritt weiter und ersetzt auch den integrierten R2R-Chip durch eine vollständig diskret aufgebaute Schaltung. Statt eines integrierten Chips sitzen einzelne Präzisionswiderstände auf einer Platine, die nach dem Prinzip des Widerstandsleiter-Netzwerks (R2R-Ladder) verschaltet sind. Jedes Bit des Eingangssignals schaltet einen Pfad im Netzwerk, die Summenspannung am Ausgang ergibt den analogen Signalwert.

Der theoretische Vorteil eines diskret aufgebauten Ladder-DACs liegt in der Bauteilauswahl: Widerstandstoleranzen, Temperaturkoeffizienten und Schalter lassen sich gezielt selektieren, was in einem IC nicht möglich ist. Die Topologie kommt ohne Oversampling und digitale Filter aus, das Impulsverhalten ist direkt, ohne Vor- oder Nachschwinger.

Worum geht es bei den Vor- und Nachschwingern? Jedes digitale Filter, wie es in Delta-Sigma-Wandlern zum Einsatz kommt, fügt einem impulsförmigen Signal Schwingungen hinzu – vor und nach dem eigentlichen Impuls. Die Nachschwinger sind eine mathematische Folge der Bandbegrenzung, die Vorschwinger ein Artefakt der digitalen Filterung, das zeitlich vor dem Ereignis auftritt. Ein Non-Oversampling-Wandler ohne digitales Filter erzeugt diese Schwingungen nicht, handelt sich im Gegenzug aber Aliasing-Artefakte und einen leichten Hochtonabfall ein.

Demgegenüber stehen die bekannten Schwächen dieser Bauweise: R2R-Architekturen sind anfällig für Nichtlinearitäten durch Widerstandstoleranzen, was zu Verzerrungen und Monotonieproblemen führen kann. Delta-Sigma-Wandler erreichen messtechnisch deutlich höhere Werte bei Klirrfaktor und Rauschabstand. Ob diese Messvorteile auch in einem hörbaren Klangvorteil resultieren, ist seit Jahren Gegenstand kontroverser Debatten – die Hörerfahrung mit gut konstruierten R2R-DACs spricht für viele Anwender eine andere Sprache als das Messprotokoll.

Audio Note setzt im Izvor auf eigene 1-Watt-Widerstände mit unter 1 Prozent Toleranz. Entwickler Darko Greguras spricht von «zeitlicher Unschärfe» bei handelsüblichen 5-Watt-Typen – ein Begriff, der mehr nach Hörimpression als nach Messgrösse klingt.Audio Note setzt im Izvor auf eigene 1-Watt-Widerstände mit unter 1 Prozent Toleranz. Entwickler Darko Greguras spricht von «zeitlicher Unschärfe» bei handelsüblichen 5-Watt-Typen – ein Begriff, der mehr nach Hörimpression als nach Messgrösse klingt.

Audio Note reiht sich mit dem Izvor in einen Kreis von Herstellern ein, die diskret aufgebaute Ladder-DACs verfolgen – darunter MSB, Holo Audio, Aqua Acoustic Quality, Mojo Audio oder Denafrips. Der englische Hersteller bringt dabei die Konsistenz einer kompletten Geräteumgebung mit, von der Wandlerstufe über die Röhrenausgangsstufe bis zum Lautsprecher aus eigener Fertigung.

Konkrete Angaben zur technischen Auslegung des Izvor-Moduls hält Audio Note bislang zurück. Weder die Anzahl der Wandlungsbits, noch die Art der Schalter (mechanisch, Halbleiter, Reed-Relais) noch die Art der verwendeten Widerstände sind kommuniziert.

Wer bereits einen Audio-Note-DAC besitzt, soll diesen über ein angekündigtes Upgrade-Programm aufrüsten können. In der Schweiz vertreibt Ouïr Ton & Technik in Ibach (SZ) die Produkte von Audio Note (UK). Preise sind bei Ouïr zu erfragen.

www.ouir.ch