TESTBERICHT
Nordisches Flair: die Oberon 5 von Dali.Nordisches Flair: die Oberon 5 von Dali.

Die Box huldigt ganz klar einem ganz speziellen Sound.

Während man beim Kopfhörer Beats Solo HD von beats by dr. Dre die Bässe ganz gewaltig anhob, konzentrierten sich die dr.dre-Sound Magier hier auf die Höhenwiedergabe. Es wäre ja auch ungemein viel schwieriger, dem Bass einer solchen Box zur Brachialgewalt zu verhelfen als ganz simpel die Höhen soweit zu forcieren, dass es auch jeder wahrnimmt, dass da etwas „besonderes“ abläuft.

Im ersten Moment staunt man, über welche Brillanz diese System verfügt. Doch rasch bemerkt das auch nur einigermassen geschulte Gehör, dass diese ganz klar höhenlastige Box mit stark zischelndem Einschlag zu nerven beginnt. Durch die drastische Höhenanhebung werden Stimmen kehlig und bei jazzigen Big-Band-Sounds beginnen die Becken für hifi-verwöhnte Ohren unangenehm und ordinär zu zischen.

Jegliche Art von Musik erhält hier einen grellen Anstrich, sprich eine Verfärbung. Eine Violine klingt wie aus der Tiefkühltruhe, Rebecca Pidgeons Kehle scheint ausgetrocknet zu sein, und praktisch alle natürlichen Instrumente erhalten einen knallharten, metallischen Glanz.

Dass dieser Klangcharakter bei Rap, Hip Hop, Techno und so weiter einer gewissen jungen Hörerschaft die helle Freude in die Gesichter zaubern kann, sei hier ganz und gar nicht abgestritten. Doch liegt dieser Kangcharakter gewiss nicht im Bereich einer natürlichen Musikwiedergabe.

Positiv für diese junge Hörerschaft ist gewiss die Tatsache, dass das System sehr laut und bassstark spielen kann. So kann dieses Kultteil, wenn tüchtig aufgedreht, ein bemerkenswert kräftiges Klangspektakel bieten.

Messungen

Frequenzgang Beatbox beats by dr.dre (2dB/Div): Überaus klar ersichtlicher Höhenanstieg. In Fachkreisen Raketenabschussrampe genannt, bewirkt sie eine ganz markante Betonung der oberen Mitten und Höhen.Frequenzgang Beatbox beats by dr.dre (2dB/Div): Überaus klar ersichtlicher Höhenanstieg. In Fachkreisen Raketenabschussrampe genannt, bewirkt sie eine ganz markante Betonung der oberen Mitten und Höhen.

Die Frontplatte besteht aus Kunststoff und ist auf ein schön verarbeitetes MDF-Holzgehäuse aufgesetzt. Sie ist weiss im optischen Zusammenspiel mit dem weissen Gehäuse, sowie auch mit dem hellen Holzfinish (beziehungsweise in Schwarz beim Walnuss-Finish mit schwarzem Gehäuse). Die Stoffbespannung ist entweder grau oder schwarz, je nach Farbvariante. In jedem Fall ergibt sich eine schön abgestimmte und modern wirkende Optik mit einem Schuss nordischer Nüchternheit.

Die Stoffbespannung der satt steckbaren Abdeckung bespannt ein stabiles Kunststoffgitter – keine Chance für neugierige, zerstörerische Kinderfinger ...Die Stoffbespannung der satt steckbaren Abdeckung bespannt ein stabiles Kunststoffgitter – keine Chance für neugierige, zerstörerische Kinderfinger ...

Die zwei Tief-Mitteltontreiber haben einen Durchmesser von 5 1/4 Zoll (13,3cm). Die Holzfasermembran ist nicht nur optisch lecker, sie weist ähnlich wie Papiermembranen ein ideales Gewichts-Steifigkeits-Verhältnis auf und kennt keine spitzen Resonanzen. Man spricht von einer hohen inneren Dämpfung. Angetrieben werden die Systeme mit besagten SMC-Magneten.

Besonderes Lob verdient der Alu-Standfuss. Er verleiht dem Lautsprecher eine gewisse Leichtigkeit über dem Boden. Wenn man sich überlegt, wie viel ein Produktionswerkzeug für diesen Standfuss kostet, dann darf man sehr beeindruckt sein. Der grössere Standlautsprecher Oberon 7 kommt mit einem entsprechend grösseren Standfuss gleicher Machart.

Ob Teppiche (eher selten), Steinboden oder Parkett – man stellt sie einfach hin. Das ist praktisch und für genügende Entkopplung ist gesorgt. Dazu gibt es auch die passenden Spikes oder Gummiplättchen.

Dali (Danish Audiophile Loudspeaker Industries) sparen auch bei kostengünstigen Lautsprechern nicht am falschen Ort.

Der Fussrahmen aus Alu-Druckguss bewirkt eine schwebende Optik. Eine tadellose Standfestigkeit ist garantiert. Dazu gibt es Spikes oder Gummiplättchen.Der Fussrahmen aus Alu-Druckguss bewirkt eine schwebende Optik. Eine tadellose Standfestigkeit ist garantiert. Dazu gibt es Spikes oder Gummiplättchen.
Der Bassreflex-Port befindet sich auf der Rückseite und ist auf 43 Hz abgestimmt. Die Lautsprecher-Anschlüsse eignen sich für Banana-Stecker und Schraubklemmen.Der Bassreflex-Port befindet sich auf der Rückseite und ist auf 43 Hz abgestimmt. Die Lautsprecher-Anschlüsse eignen sich für Banana-Stecker und Schraubklemmen.

Was sagt die Technik?

Dali Oberon macht auch ohne Frontabdeckung eine gute Figur.Dali Oberon macht auch ohne Frontabdeckung eine gute Figur.

Als der Ultimate Ears BOOM Lautsprecher Anfang 2013 auf den Markt kam, gab es schon einige portable Speaker mit Akku. Die Boom hat sich aber seinen Marktanteil erkämpft, auch durch das tolle und robuste Design, sowie durch innovative Features und Software Updates. Jetzt hat Ultimate Ears eine weitere Sonderedition der UE Boom angekündigt: die Crystal Edition, eine exklusive Designausführung für Apple, die seit Ende Juli in ausgewählten Apple-Geschäften erhältlich ist. Zu dem Anlass haben wir uns eine UE Boom genauer angesehen.

Musik hören mit Oberon 5

Ich habe schon ein bisschen ein schlechtes Gewissen: Das verwendete Lautsprecherkabel von Création Absolue ist teurer als ein Paar Oberon 5 – wenn auch nur geringfügig. Der Vollverstärker von Lavardin Technologies ist ca. um den Faktor 4 teurer als der Lautsprecher, und über den MAN301-Server von Weiss will ich mich nicht weiter äussern. Ich brauche halt immer Geräte, denen ich wirklich vertrauen kann ...

Man nehme es mir nicht übel, aber ich verfüge hier leider nicht über Gerätschaften, die in einem gesunden Verhältnis zur Investition dieses Lautsprechers stehen würden. Allerdings hat mich schon oft der Verdacht beschlichen, dass es mit «je teurer, desto besser» ganz und gar nicht weit her ist.

Klangcharakter

Die Oberon 5 hat einen warmen Charakter, der leicht beschönigend wirkt. Ich sehe das positiv, weil Defizite bei den Aufnahmen weniger stark ins Gewicht fallen. In der Tat hat mich die Oberon 5 bei jeder gehörten Aufnahme und bei jeder Musikstilrichtung insofern überzeugt, als dass sie sich immer von einer guten, bisweilen angenehmen Seite gezeigt hat.

Aufstellung und Klangbühne

Dali verspricht ein breites Abstrahlverhalten. Damit begründet das Unternehmen, dass es nicht erforderlich ist, die Lautsprecher auf den Hörplatz einzuwinkeln. Dem breiten Abstrahlverhalten stimme ich zu: Der Sweet Spot ist relativ breit, und die tonalen Unterschiede im Hochtonbereich sind sehr gering – ob man nun direkt einwinkelt oder ob man die Lautsprecher exakt rechtwinklig zur Frontwand ausrichtet.

Die Definition von Stimmen und Instrumenten verbessert sich allerdings merklich, wenn man die Lautsprecher einwinkelt. Die Ortungsschärfe nimmt zu und die Tiefenstaffelung ebenfalls. Wer auf eine möglichst authentische Klangbühne Wert legt, dem empfehle ich, die Lautsprecher einzuwinkeln. Wer das partout nicht will, dem empfehle ich, die Distanz zwischen den zwei Oberon 5 deutlich kürzer zu machen als die Distanz zum Hörplatz. Das geht allerdings etwas auf Kosten der Panorama-Breite, aber man kann ja nicht alles haben.

Insgesamt ist die erzielbare Klangbühne und die Loslösung der Musik von den Lautsprechern ausgezeichnet und auch wirklich überraschend.

Bass und Dynamik

Die Tiefbasseigenschaften sind verblüffend. Auch die Präzision ist sehr passabel. Elektrobass und akustischer Bass lassen ein wenig Trockenheit vermissen, aber man hört eindeutig, um was für ein Instrument es sich handelt – und das ist keineswegs immer der Fall, schon gar nicht in dieser Preisklasse.

Punkto Dynamik kann ich ebenfalls ein gutes Zeugnis ausstellen, mit der Einschränkung, dass ich mit Dynamik auch Dynamik meine. Die Big-Band-Aufnahme «88 Basie Street» von Count Basie kam sehr gut herüber. Eine wirkliche Big Band, die grandios aufspielt.

Wenn Musik nur noch laut ist und nicht mehr dynamisch (Loudness-Übertreibungen etc.) oder wenn synthetischer Bass dominiert, dann muss man mit der Lautstärke zurück. Ich würde jedenfalls die Jungmannschaft mit Elektro und Hiphop nicht unbegleitet ans Werk gehen lassen ...

Summa Summarum

Die Oberon 5 klingen musikalisch und schön. Wer beim Musikhören noch nie einen Gänsehaut-Effekt erlebte, der bekommt ihn hier zum Spartarif.

Fazit

Die Dali-Oberon-Familie.Die Dali-Oberon-Familie.

Die Oberon 5 von Dali gehört zu den besten Lautsprechern, die für etwa 1000 Franken in ihrem trauten Heim musizieren können – und es dürfte auch relativ schwierig sein, für 1500 Franken oder vielleicht noch mehr etwas Besseres zu finden. Sie sind eine echte Kampfansage gegen die immer beliebteren One-Box-Lautsprecher mit ihrem künstlichen Raumklang und den üppigen Versprechen ihrer Protagonisten.

Gewiss braucht man dazu auch noch einen Verstärker und eine passable Quelle, so dass man unter 2000 Franken vermutlich nicht ans Ziel kommt. Aber mal ehrlich: Ist das zu viel Geld, um über vermutlich lange Zeit einfach toll Musik hören zu können? Damit meine ich eine überzeugend wirklichkeitsnahe Klangdarbietung vor Ihrer Nase oder die überzeugende Illusion der Anwesenheit von Musikern.

Wie viele andere Hersteller streckt sich Dali an die Decke, um Stereo überzeugend und wirklich zahlbar (wieder) unter die Leute zu bringen. Mit der Oberon 5 und ihren Geschwistern gelingt den Dänen ein überzeugender Steilpass vors Tor.

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