20. Januar 2019 | seit 1999
TESTBERICHT
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Musik hören mit Oberon 5

Im Grössenvergleich nimmt sich die Oberon 5 von Dali eher zierlich aus.

Ich habe schon ein bisschen ein schlechtes Gewissen: Das verwendete Lautsprecherkabel von Création Absolue ist teurer als ein Paar Oberon 5 – wenn auch nur geringfügig. Der Vollverstärker von Lavardin Technologies ist ca. um den Faktor 4 teurer als der Lautsprecher, und über den MAN301-Server von Weiss will ich mich nicht weiter äussern. Ich brauche halt immer Geräte, denen ich wirklich vertrauen kann ...

Man nehme es mir nicht übel, aber ich verfüge hier leider nicht über Gerätschaften, die in einem gesunden Verhältnis zur Investition dieses Lautsprechers stehen würden. Allerdings hat mich schon oft der Verdacht beschlichen, dass es mit «je teurer, desto besser» ganz und gar nicht weit her ist.

Klangcharakter

Die Oberon 5 hat einen warmen Charakter, der leicht beschönigend wirkt. Ich sehe das positiv, weil Defizite bei den Aufnahmen weniger stark ins Gewicht fallen. In der Tat hat mich die Oberon 5 bei jeder gehörten Aufnahme und bei jeder Musikstilrichtung insofern überzeugt, als dass sie sich immer von einer guten, bisweilen angenehmen Seite gezeigt hat.

Aufstellung und Klangbühne

Dali verspricht ein breites Abstrahlverhalten. Damit begründet das Unternehmen, dass es nicht erforderlich ist, die Lautsprecher auf den Hörplatz einzuwinkeln. Dem breiten Abstrahlverhalten stimme ich zu: Der Sweet Spot ist relativ breit, und die tonalen Unterschiede im Hochtonbereich sind sehr gering – ob man nun direkt einwinkelt oder ob man die Lautsprecher exakt rechtwinklig zur Frontwand ausrichtet.

Die Definition von Stimmen und Instrumenten verbessert sich allerdings merklich, wenn man die Lautsprecher einwinkelt. Die Ortungsschärfe nimmt zu und die Tiefenstaffelung ebenfalls. Wer auf eine möglichst authentische Klangbühne Wert legt, dem empfehle ich, die Lautsprecher einzuwinkeln. Wer das partout nicht will, dem empfehle ich, die Distanz zwischen den zwei Oberon 5 deutlich kürzer zu machen als die Distanz zum Hörplatz. Das geht allerdings etwas auf Kosten der Panorama-Breite, aber man kann ja nicht alles haben.

Insgesamt ist die erzielbare Klangbühne und die Loslösung der Musik von den Lautsprechern ausgezeichnet und auch wirklich überraschend.

Bass und Dynamik

Die Tiefbasseigenschaften sind verblüffend. Auch die Präzision ist sehr passabel. Elektrobass und akustischer Bass lassen ein wenig Trockenheit vermissen, aber man hört eindeutig, um was für ein Instrument es sich handelt – und das ist keineswegs immer der Fall, schon gar nicht in dieser Preisklasse.

Punkto Dynamik kann ich ebenfalls ein gutes Zeugnis ausstellen, mit der Einschränkung, dass ich mit Dynamik auch Dynamik meine. Die Big-Band-Aufnahme «88 Basie Street» von Count Basie kam sehr gut herüber. Eine wirkliche Big Band, die grandios aufspielt.

Wenn Musik nur noch laut ist und nicht mehr dynamisch (Loudness-Übertreibungen etc.) oder wenn synthetischer Bass dominiert, dann muss man mit der Lautstärke zurück. Ich würde jedenfalls die Jungmannschaft mit Elektro und Hiphop nicht unbegleitet ans Werk gehen lassen ...

Summa Summarum

Die Oberon 5 klingen musikalisch und schön. Wer beim Musikhören noch nie einen Gänsehaut-Effekt erlebte, der bekommt ihn hier zum Spartarif.

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