21. Juli 2019 | seit 1999
MAGAZIN
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Dipolstrahler: Mitten in der Musik

Die P8 LTD war eine Holzbox. Viele Leute waren damals (und sind heute noch!) der irrigen Ansicht, dass Boxen mit Holzgehäuse wärmer klängen als die «kalt klingenden» Alu-Boxen. Wann kam die erste, von den High-Endlern anerkannte Alu-Box, wie war sie bestückt und was kostete sie?

Scheuch: Ich denke, mit der C40 haben wir den ersten Aluminium-Lautsprecher gebracht, der weltweit von allen Audiophilen mit Achtung und Respekt zur Kenntnis genommen wurde. Damals bei ihrem Erscheinen im Jahre 2000 kostete das Paar 40'000 Franken. Die C 40 war auch die erste Box mit dem grossen koaxialen Bändchen-System.

Eure Boxen wurden ab und zu mit Bass-Chassis mit Alu-Membranen, dann wieder mit Kunststoffmembranen ausgerüstet. Weshalb dieser Wechsel? Wo liegen die Vor- und Nachteile der Alu-Membranen?

Scheuch: Das Membranmaterial, das nur Vorteile hat, gibt es nicht. Wir verwenden je nach Anwendung und geforderten Eigenschaften unterschiedliche Membranmaterialien. Das lässt sich aber auch auf andere Komponenten eines Lautsprechers übertragen. Die Konstruktion muss einfach optimal und auf das Einsatzgebiet ausgerichtet sein.

2009: Der erste wirkliche Dipolstrahler war die Master One, deren koaxiales Bändchen-System gleichermassen nach vorne und hinten abstrahlte.

Mit Dipolstrahler haben Sie schon im Jahre 1997 bei den P10-Boxen experimentiert, bei welchen auf den Rückseiten je ein Hochtöner montiert war. Doch der erste wirkliche Dipolstrahler kam erst 2009 in Form der Master One auf den Markt. Was ist die Idee, die hinter dem Dipolstrahler steckt?
Greiner: Der Dipol hat natürlich den besonderen Reiz, ein sehr emotionales Klangbild zu erzeugen, bei dem man mitten in der Musik ist. Wenn es von der Aufstellung her passt, ist dies eine sehr attraktive Variante.

Bei der Master Line Source (MLS) verwirklichte Kurt Scheuch seine kühnsten Träume. Hinter dem Panel zu sehen: Daniel Rayman, seit 1998 bei Piega arbeitet und inzwischen zur rechten Hand von Kurt Scheuch geworden ist.

Der ultimative Dipolstrahler kam bekanntlich im Jahre 2014 als Master Line Source (MLS) auf den Markt und kostete satte 200'000 Franken das Paar. Haben Sie, Herr Scheuch, ganz einfach die damalige Infinity IRS aus dem Jahre 1988 kopiert oder stecken auch eigene Ideen dahinter?
Scheuch: Die IRS war ein sehr interessanter Lautsprecher, aber natürlich mit einer vergleichsweise steinzeitlichen Technologie. Mich reizte die Frage, was kommt dabei heraus, wenn wir einen grossflächigen Bändchen-Dipol gemäss dem Stand der Technik aufbauen. Gemeinsamkeiten haben die IRS und die MLS aber keine.

Weshalb haben Sie, Herr Greiner, als Finanzchef diesem kostspieligen Monster-Projekt grünes Licht gegeben? Hätte das finanziell nicht ins Auge gehen können?
Greiner: Da unsere Entwicklung sehr Kosteneffizient arbeitet, waren die meisten Aufwände in der Arbeitszeit zu finden. Der Aufwand für Prototypen war sicherlich höher als bei «normalen» Lautsprechern, war aber durchaus zu finanzieren.

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