
Die Wiedergabe von gespeicherten Musikdaten auf hohem Klangniveau durchläuft einen Prozess, in den sich die dafür konzipierten Geräte unterschiedlich einfügen. Am weitesten verbreitet sind Netzwerkspieler, welche die Daten von einer Netzwerkfestplatte NAS streamen und, gesteuert über eine Mediathek, dem DA-Wandler zuspielen.
Andere Konzepte sehen die Speicherung im Gerät vor, lassen aber auch den Netzwerk-Zugriff auf weitere Speicherorte zu, oder sie überlassen die Mediathek einem PC/Mac, der dann mitlaufen muss. Die Funktion der CD-Speicherung und/oder der direkten CD-Wiedergabe findet man an unterschiedlichen Orten im Prozess: Am NAS, im PC/Mac oder im Gerät selbst. Am Ende steht das analoge Musiksignal oder auch ein digitales oder beides.
Bei der Frage der Schnittstelle hat sich noch kein klarer Trend entwickelt, weil alle Lösungen ihre Vor- und Nachteile aufweisen.
System Sony
Die HAP-Geräte von Sony verfügen über eine eingebaute Festplatte mit einer begrenzten Kapazität von 500 GB (HAP-S1) und 1 TB (HAP-Z1ES) mit optionaler Erweiterung zu einer externen USB-Festplatte. Damit lässt sich die Kapazität zur Genüge erweitern, aber warum eigentlich?
Die Musikdaten müssen zuerst von einem PC/Mac und seinen Speicherorten (NAS, Festplatte, externe Festplatte) auf die HAP-Geräte kopiert werden. Das macht man mit der „HAP Music Transfer“ Software vom PC/Mac aus. Die HAPs verfügen über Netzwerkanschlüsse und Wi-Fi.
Die HAP-Geräte haben eine eigene Mediathek mit Gracenote-Anbindung für die Metadaten-Bereitstellung via Internet. Die Musikwiedergabe und Organisation sind umfassend mit dem „HDD Audio Remote App“ (iPad oder Android Tablet) vorzunehmen. Die wichtigsten Wiedergabe-Funktionen und Anzeigen sind auch an den HAP-Geräten zu bedienen.
Die Ausgabe erfolgt analog, Digitalausgänge gibt es keine. Das „System“ HAP-S1 ist als kleiner Vollverstärker mit Lautsprecherausgang ausgelegt, mit zusätzlichem Cinch-Ausgang für Endstufen oder Aktivboxen. Der „Player“ HAP-Z1ES ist ein reines Quellengerät mit XLR- und Cinch-Ausgängen.
Downloads, CD-Ripps und Medienpflege macht man am PC. Mit den HAP-Geräten ist es ebenfalls möglich, die Metadaten zu bearbeiten. Veränderte Daten werden aber nicht zurück synchronisiert.
Konzeptbeurteilung

Das Kopieren bereits vorhandener Musikdaten auf die HAP-Geräte ist umständlich, hat aber den Vorteil, dass man die typischen Streaming-Probleme umgeht. Je nach Netzwerk-Umgebung und Belastung kann es beim Streaming zu Unterbrüchen bei der Wiedergabe kommen. Beim Sony-Konzept erfolgt die Wiedergabe unbeeinflusst vom heimischen Netzwerk.
Das Kopieren ist zeitintensiv und wird bei grossen Datenmengen zur (einmaligen) Geduldsprobe. Die Kopie eines CD-Inhalts im AIF-Format dauert in etwa so lange wie eine speditiver CD-Ripp – deutlich langsamer, als wenn man Daten von einem NAS direkt auf eine Festplatte kopiert. Im Test erfolgte das Kopieren via LAN. Der Kopiervorgang ist intelligent, weil inkrementell bei der Aktualisierung.
Die Speicherkapazitäten der eingebauten Festplatten sind eher klein. Dabei propagiert Sony hochauflösende Formate und speziell DSD. USB-fähige Festplatten mit 2 TB wären überall billig zu haben. Die Erweiterungsmöglichkeit löst das Problem auf jeden Fall.
Die Datensicherung ist Sache der PC/Mac-Umgebung.
Das Fehlen von Digitalausgängen weist das Sony-System als proprietär aus. Damit wird der Anwendungsbereich der HAP-Geräte etwas eingeschränkt. Das tun auch andere Hersteller so, wie das prominente Beispiel von LINN zeigt. Allerdings ist der DA-Wandler hier DSD-fähig und DSD darf nicht digital ausgegeben werden.
DSD aber halbherzig
Am meisten verwundert das Fehlen eines SACD-Rippers. Sony propagiert das DSD-Format, so lange DSD Musikdaten als Download gekauft werden. Das Rippen von SACD’s (DSD-Layer) ist nach wie vor nicht vorgesehen. Musikhörer mit umfangreichen SACD-Sammlungen werden die Musik in dieser Qualität also nochmals kaufen müssen, so sie denn als DSD Download einmal vollständig angeboten wird. Man dürfte von Sony, dem Gralshüter von DSD, ein beherzteres Vorangehen erwarten.
Bedienung und Betrieb
Die Bedienung der beiden Geräte ist praktisch identisch.
Musiktransfer

Das entsprechende HAP-Gerät wird mit dem Netzwerk via Ethernet-Kabel oder WLAN verbunden. Bei WLAN muss der Router in den Systemeinstellungen der HAP-Geräte gewählt werden. Der Musiktransfer erfolgt am PC/Mac nach Installation der Software „HAP Music Transfer“ für Mac und PC. Das Programm erkennt das HAP-Gerät.
In den Inhaltseinstellungen können alle mit dem PC/Mac verbundenen Musikspeicherorte auf Festplatten oder NAS ausgewählt und aktiviert werden. Die HAP-Geräte unterstützen viele Datenformate. Vor dem Datentransfer können Datenformate gewählt oder ausgeschlossen werden. Das ist praktisch, wenn man verlustbehaftete Formate wie MP3 oder AAC nicht übertragen will.
In den Übertragungseinstellungen kann man die Datenübertragung starten und wählen, ob die Daten auf die interne Festplatte der HAPs oder auf die externe Festplatte (Speichererweiterung) übertragen werden sollen. Abhängig von der Datenmenge kann dieser Vorgang lange dauern. Während der Übertragung ist das Gerät aber funktionsfähig und kann Musik abspielen.
Die Festplatte(n) der HAP-Geräte sind über das Netzwerk immer zugänglich und können falls gewünscht auch kopiert werden.
Nach erfolgter Übertragung kann der PC/Mac ausgeschaltet werden. Er ist für die Musikwiedergabe nicht vonnöten. Will man den Inhalt aktualisieren, wiederholt man den Vorgang. Dabei werden nur die Veränderungen übertragen (inkrementell).
Musikwiedergabe
Die Geräte arbeiten mit einem übersichtlichen, schönen Display, gottseidank ohne Touchscreen, mit einer einfachen Menüführung, aktiviert mit einem Drehschalter und wenigen Tasten. Die Musikwahl erfolgt nach den üblichen Kriterien wie Album, Interpret usw. Bei grossen Mediatheken wird es unübersichlich.
DSEE (Digital Sound Enhancement Engine)
Beide Geräte verfügen über DSEE, mit dem das Frequenzspektrum von verlustbehafteten Musikformaten verbessert werden soll. DSSE schaltet sich bei der Wiedergabe von MP3 oder AAC dazu, sofern gewünscht. Die Funktion ist ausschaltbar.
DSD-Remastering beim HAP-ZE1S
Die HAP-Geräte unterstützen DSD 64 und DSD 128. Mit dem DSD-Remastering werden beim HAP-ZE1S alle PCM-Formate wie WAV, AIFF, FLAC, ALAC usw. vor der Wiedergabe in DSD umgewandelt. Man kann sich über die Wirkung der Umwandlung nativer PCM-Daten in DSD streiten, oder man kann es auf einen Hörvergleich ankommen lassen. Die Funktion lässt sich während der Wiedergabe ein- und ausschalten. DSD-Remastering ist eine einmalige Funktion, die es nirgendwo sonst gibt.
Die HDD-Audio App

Die HAP-Geräte lassen sich bequem und umfassend mit der HDD-Audio App von iPads oder Android Tablets steuern. Darstellung und Bedienung entsprechen dem Stand der Technik solcher Oberflächen. Die Musik kann nach Alben, Titeln, Interpreten und Genres dargestellt werden. Ferner sind Favoriten und Playlisten definierbar. Praktisch ist der sogenannte „Full Browser“, der in vier Spalten die relationale Wahl von Genres, Interpreten, Alben und Titel ermöglicht.
Zusatzfunktionen sind Internet-Radio und die „SensMe Channels“. Dabei geht es um eine automatisch generierte Struktur der vorhandenen Musik nach Stimmungen. Das geht in die Richtung von iTunes Genius. Musik Streaming Dienste (Spotify etc.) werden noch nicht unterstützt. Diese Entwicklung werde aber aufmerksam beobachtet, so Sony.
Virtuelles Plattenregal
Die Steuerung der Musikwiedergabe, wie man heute den virtuellen Gang zum Plattenregal wohl oder übel nennen muss, ist durchdacht und einfach zu bewältigen. Die Listendarstellung mit Cover-Art und Text bewirkt allerdings nicht nur an den Geräten, sondern auch auf der App bei grossen Mediatheken ein Mass an Unübersichtlichkeit, welche durch Scrollen und Wahl der Anfangsbuchstaben nur bedingt umgangen werden kann. Eine zusätzliche Gitter-Darstellung der Albumbilder wäre wünschenswert und intuitiver.
HAP-Z1ES Audio Player: Beurteilung und Hörtest
Als reiner Audio-Player ausgelegt, verfügt der HAP-Z1ES über analoge Ausgänge mit fixem Pegel, symmetrisch (XLR) und asymmetrisch (Cinch). Es gibt weder Digital-Eingänge noch -Ausgänge. Es erstaunt, dass der kleinere HAP-S1 über S/PDIF-Digitaleingänge verfügt. Ein USB-Eingang dient ausschliesslich der Speichererweiterung für die interne Festplatte mit 1 TB. Hinzu kommt ein Ethernet-Anschluss. Ein IR-Anschluss steht für einen externen IR-Empfänger bereit (im Lieferumfang). Das Gerät kann damit die IR-Signale der Fernbedienung bei versteckter Platzierung besser empfangen. Die Fernbedienung umfasst die Funktionen Play/Pause und Titelsprung. Sie ist aus Plastik, was mich nicht stört, weil ich sie nie brauchen würde.
Ich habe auch bei High End Geräten nichts gegen den Einsatz von Blech, aber die Top-Platte des HAP-Z1ES ist zu dünnes Blech. Die Frontseite ist exemplarisch schön und exakt verarbeitet. Den „Hi-Res"-Aufkleber an der Front kann man getrost entfernen. Es wird nie gelingen, ihn exakt winklig anzubringen.
Hörtest
Der Hörtest erfolgte auf einem Referenzsystem, bestehend aus der Linea SE Röhrenvorstufe von WLM und den WLM Allegra Röhren-Monos sowie den Gran Viola MKIII Lautsprechern. Als Vergleich zog ich den DSD-fähigen MAN301 Musikserver von Weiss hinzu. Das Musikmaterial wurde für den Test vom NAS auf den HAP-Z1ES kopiert während der MAN301 dieselben Titel direkt vom NAS streamte.
Beim ersten Hördurchgang verwendete ich unterschiedliches Material ohne zu vergleichen. Der allgemeine Eindruck war hervorragend. Ich hatte nie das Gefühl, dass mir in der gewohnten akustischen Umgebung auf dem mir so vertrauten System etwas fehlen würde oder sich wirklich anders anfühlte. Die Raumabbildung war tadellos in allen Dimensionen.
Ich konnte es nicht verkneifen bei AIF- und ALAC- sowie FLAC-Musikdaten die DSD-Mastering Engine „anzuwerfen“ und wieder auszuschalten, und zwar ganz bewusst im Blindtest mit Hilfe eines Assistenten. Ich konnte kleinste Unterschiede wahrnehmen, aber nie reproduzieren. Ich erwartete natürlich eine Verbesserung mit dem DSD-Remastering, tippte aber mehrmals daneben. Es klang ohne so gut wie mit.
Anne Sophie von Otter singt Haec Est Regina Virginum mit viel Brust. Im Hintergrund spannt sich die Musica Antiqua Köln wie ein vibrierender Schirm um die grosse Stimme. Mit dem MAN301 bewegt sich die Stimme um eine Nuance in Richtung Schlüsselbein, als würde sich die Sängerin ein wenig aufrichten. Der HAP-Z1ES legt auch ein wenig mehr Orchester auf den Teller, und alles wird minimal gewichtiger, verliert aber geringfügig an natürlicher Ausgewogenheit.
Die DSD 128 Version der Opus3 Analogaufnahme des Johann Dielemans Trio, My Heart Stood Still, gewinnt mit dem HAP-Z1ES auch ein wenig an Gravität und verliert aber etwas an Schnelligkeit und Attacke, als wäre die Luft im Raum dicker geworden. Der individuelle Hörgeschmack mag als Erklärung dienen und die Affinität zum teuren Weiss-Gerät mit globaler Reputation meinen Geist verwirren. Und doch glaube ich, hat man beim MAN301 noch etwas mehr herausgeholt, was man auch erwarten darf.
Am Ende des Tages wird nicht mehr verglichen, und der künftige Besitzer des HAP-Z1ES wird nur noch Musik damit hören, und wie, und das bei einem Preis von 2495 CHF.
HAP-S1 Audio System: Beurteilung und Hörtest

Als Audio-System ausgelegt ist im HAP-S1 zusätzlich ein Vollverstärker mit 2 x 40 W integriert. Um dieser Funktion gerecht zu werden, bietet HAP-S1 zwei Analogeingänge und S/PDIF Digitaleingänge. Über einen Line-Ausgang kann man Endstufen oder Aktivlautsprecher befeuern. Ein Kopfhörer-Ausgang rundet das Komplettgerät ab. Das Gerät ist sehr kompakt und enthält einen praktisch geräuschlosen Lüfter. Die Fernbedienung ist dieselbe, ohne weiteren Kommentar. Dazu der USB-Eingang für die schnell erforderliche Erweiterung der internen 500 GB Festplatte, dazu ein Ethernet Eingang.
Abgespeckt wurde gegenüber dem HAP-Z1ES im Bereich der Stromversorgung, dem Clock und dem DA-Wandler. Auch die DSD-Re-Mastering Engine steht hier nicht zur Verfügung.
Das Gehäuse ist im Gegensatz zum teureren HAP-Z1ES wertiger ausgeführt und wirkt wie ein Monolith aus Aluminium. Schrauben sind keine zu sehen, abgesehen dort, wo man nicht hinschauen kann. Die Maschine ist optisch und haptisch ein Knüller.
Hörtest
Da es sich beim HAP-S1 um ein Komplettgerät handelt, testete ich ihn über die Lautsprecherausgänge, verbunden mit den sagenhaften W5 Kleinlautsprechern von Boenicke Audio. Die W5 sind leistungshungrig und damit eine sinnvolle Herausforderung.
Ich war sehr positiv überrascht, welch überzeugende Basskontrolle das Gerät an den W5 ausübt. Da gibt es wenig zu beanstanden. Der Klangcharakter ist ausgesprochen luftig mit einer überzeugenden Klangbühne und Integrität, aus einem Guss. Mit DSD-Aufnahmen entstand ein besonders hohes Mass an Realismus mit Selbstverständlichkeit und Natürlichkeit ausgestattet. Der HAP-S1 ist durchaus in der Lage, veritable und relativ leistungshungrige Lautsprecher zu bedienen und bietet ja immer auch noch die Option, über Endstufen zu operieren.
Ich werde das Gefühl nicht los, dass Sony hier ganz bewusst den Wolf in den Schafspelz gesteckt hat. Der HAP-S1 ist ein audiophiles Einsteigergerät auf hohem Niveau und öffnet Tür und Tor zum heimischen Wohlklang in der neuen Hi-Res Ära. Mit einem Preisschild, auf dem 1105 CHF steht, kann man sich auch noch schöne Lautsprecher leisten.
Fazit
Ich möchte endlich einmal meine SACDs rippen, und zwar ohne eine Playstation der ersten Generation zu erwerben und dann viele Stunden auf einschlägigen Foren zu verbringen, bis das der DSD Code geknackt ist. Diesen Wunsch hat uns Sony nicht erfüllt.
Die vom Netzwerk unabhängige Musikwiedergabe ist eine wirklich gute Alternative zum verbreiteten Streaming und funktioniert auch dann, wenn der Router einmal seinen Dienst versagt. Sollte das passieren, dann kommt die von mir verschmähte IR-Fernbedienung doch noch zum Zug, falls dann die Batterien auffindbar sind, und sonst geht es auch am Gerät.
Ich bin mir sicher, dass die DSEE (Digital Sound Enhancement Engine) ihre Sache gut macht, doch war es mir nicht möglich, das zu testen. Ich finde leider keine MP3 und AAC in meinem Repertoire. Das DSD-Remastering beim HAP-ZE1S überzeugt mich nicht wirklich. Ich glaube mich in der Annahme bestätigt, dass wirklich gute Aufnahmen immer überzeugen, ob in PCM oder DSD.
Sonst bleiben aber kaum Wünsche offen. Beide Geräte übertreffen meine Erwartungen. Sie funktionieren durchdacht und problemlos, und sie klingen in Relation zum Preis herausragend.