Zwei vielversprechende Kandidaten mit brandheisser Aktualität.Für fünf Tage habe ich mich in die Einsamkeit der Alpen zurückgezogen, um mich einer meiner liebsten Beschäftigungen zu widmen: dem Testen neuer Kopfhörer. Diese Beschäftigung steht in krassem Gegensatz zur Stille der Abgeschiedenheit. Meine Begleiter sind (u. a.) der Hifiman Sundara und der frisch überarbeitete LCD-2 Classic von Audeze.
Nach dem Aufenthalt kann ich gute Neuigkeiten in die engen Stadtwohnungen und überbevölkerten Wohngemeinschaften bringen: Eine hervorragende und mittlerweile immer preiswertere Alternative ist im Vormarsch. Es ist die neuste Generation von offenen Magnetostat-Kopfhörern.
Der Aspekt der unisolierten, offenen Kopfhörerschale verleiht auf der Plusseite der Musik einen luftigen und weiten Charakter und hebt sich somit von dem engen «verkopften» Klang von geschlossenen Kopfhörern ab. Allerdings gelangen sowohl Musikgeräusche nach aussen als auch Umgebungsgeräusche zu den Ohren des Hörers, was somit offene Kopfhörer für Pendler unattraktiv macht.
Bisher galten offene Magnetostat-Kopfhörer vor allem bei Audiophilen mit wenig Platz und einem dicken Geldbeutel als der heilige Gral, zumal diese himmlisch klingenden Fetische gut und gerne zwei- bis fünftausend Franken kosten konnten. Wirklich gute Klangqualität wird wohl immer ein Nischenprodukt sein und fordert seinen Jüngern beachtlichen Tribut – zumindest bis anhin.
Doch was zeichnet Magnetostaten aus und was macht diese in der Szene der Audio-Enthusiasten so begehrt? Anders als bei den herkömmlichen dynamischen Kopfhörern wird keine Membran durch eine elektrisch getriebene Schwingspule angetrieben, sondern durch eine wenige Mikrometer dünne Folie, die mit elektrischen Leiterbahnen bedruckt ist und durch spezielle Magnete sehr differenziert zum Schwingen gebracht wird.
Diese Technik ermöglicht es den Magnetostaten, sowohl die Töne schneller und akkurater anzuspielen als auch einen transparenteren und höher auflösenden Klangcharakter zu erreichen. Nun, die Konkurrenz der Magnetostaten schläft nicht, doch dies ist ein anderes Thema. Der springende Punkt ist, dass bei diesen Geräten beim Hören so manchem Kopfhörer-Neophyten vor Bewunderung die Kinnlade herunterfallen dürfte.
Wenden wir uns nun den vielversprechenden Testkandidaten zu.
Hifiman Sundara: Ausstattung und Komfort
Der Name Sundara stammt aus der indischen Sprache Hindi und bedeutet direkt übersetzt «schön» oder «lieblich». Ich kann mit ganzem Herzen bestätigen, dass mich der Sundara sehr wohl entzücken konnte, und ich bin überzeugt, dass ich mit dieser Empfindung nicht allein sein werde – zumal es den Kopfhörer zu einem absoluten Einsteigerpreis von 549 Franken gibt (K55).
Der Sundara ist «vegan». Das heisst, dass bei dem Kopfband und bei den Ohrpolstern lediglich Kunstleder verbaut wurde. Ebenfalls erwähnenswert ist der atmungsaktive Kunststoff an der Innenseite der Ohrpolster, welcher das weit verbreitete Problem der unangenehmen Hitzeentwicklung verringert. Dazu kommt, dass trotz des Preises fast gänzlich auf Plastikteile verzichtet wurde.
«Vegane» Polsterung und die Metallbauweise geben ein gutes Bild auf die Qualität des Sundara.Der Kopfbügel des Sundara ist aus Federstahl, wobei die Halterungen und die Hörerummantelungen aus Aluminium bestehen. Lediglich bei der Abdeckung des Grössenreglers ist Plastik auffindbar.
Als mittlerweile eingefleischten Kabelfetischisten ist mir das (zum Glück) auswechselbare Kupferkabel aufgefallen, welches mir lediglich als zweckmässig erscheint. Durchmesser und Haptik gaben mir Anlass zur Skepsis, dass hier bereits das optimale Kabel verbaut wurde. Allerdings bestätige ich gerne, dass Kupfer dem eher kühleren Klang des Sundara für die meisten Ohren sehr wohl zuträglich sein dürfte.
Smartphone-Knipser und Besitzer einer Kompakt- oder Spiegelreflexkamera müssen sich bei der GFX 50S in mehreren Dingen umgewöhnen. Am besten schaltet man gleich einige Gänge zurück. Schnell mal draufhalten und ein Foto aus der Hüfte schiessen ist zwar möglich, jedoch wird man vom Resultat kaum begeistert sein.
Durch seine systembedingte Trägheit zwingt einem das Mittelformat eine langsamere Vorgehensweise im Vergleich zum Kleinbild auf. Bereits beim ersten Auslösen spürt man, dass hier eine grössere «Masse» bewegt wird, alles etwas länger dauert und irgendwie auch satter tönt.
Dennoch darf man sich vom gewohnten Mittelformat-Fotografier-Stil mit seiner Unhandlichkeit verabschieden. Die 50S ist viel beweglicher und erlaubt ganz neue Blickwinkel.
Dabei muss man sich immer bewusst sein, dass die 50S keine Bildstabilisierung kennt, weder in der Kamera und bislang nur in einem Objektiv. Man braucht also eine sehr ruhige Hand, wenn man ohne Stativ unterwegs ist. Wer gestochen scharfe Aufnahmen wünscht, sollte für die Belichtungszeit mindestens den berühmten Kehrwert der Brennweite einstellen, besser noch etwas kürzer. Sonst sorgen Zittern und Verwackeln schnell für Bewegungsunschärfe und unsaubere Wiedergabe von Details.
Durch den grossen Sensor bleibt zudem der Schärfebereich auch bei hohen Blendenwerten sehr gering. Damit lässt sich ein Hintergrund sehr komfortabel freistellen, also in der Unschärfe versinken lassen. Umgekehrt ist eine genaue Fokussierung für knackscharfe Fotos sehr wichtig.
Die GFX 50S unterstützt einem dabei mit ihrem Kontrastautofokus, der standardmässig ein 9x13-Raster (117 AF-Punkte) nutzt, das sich auf 424 Punkte (25 x 17) erweitern lässt. Der Kontrast-AF ist gegenüber einer Phasenvergleichsmessung zwar nicht rasend schnell, doch die 50S reagierte je nach Lichtverhältnis und Motiv beim Fotografieren recht zügig und stellte meist in Sekundenbruchteilen scharf. Dabei gibt sie zwei Piepsignale ab, und das Fokusmessfeld und die Fokusanzeige leuchten grün. Kann nicht scharfgestellt werden, zeigt das Messfeld rot, das Symbol «!AF» erscheint und die Fokusanzeige blinkt weiss. Das typische Fokuspumpen konnte ich in dunklen Situationen manchmal feststellen, es hielt sich aber in Grenzen.
Über den Touchscreen oder den Joystick kann der Fokussierpunkt sehr schnell angepasst werden. Mit dem hinteren Einstellrad legt man dabei die Grösse des Fokusmessfelds fest. Zur Kontrolle lässt sich der momentane Fokussierbereich für präzises Scharfstellen grösser anzeigen.
Auch beim manuellen Fokussieren vergrössert die Kamera beim Drehen des Scharfstellrings automatisch den ausgewählten Fokussierbereich. Zusätzlich kann ein «Fokus-Peaking», im Menü mit «Glanzlicht Fokus» bezeichnet, zur Unterstützung aktiviert werden. Dank des sehr guten Suchers lässt sich damit schnell und genau manuell auf den Punkt scharfstellen.
Serienbilder sind mit der GFX 50S auch möglich. Die drei Bilder pro Sekunde reissen einem kaum vom Hocker, sind aber für eine Mittelformatkamera schon sehr rasant. Da der Autofokus dabei gut mitkommt, liegt das Problem eher in der Anzahl RAW-Aufnahmen, die sich hintereinander aufzeichnen lassen. Bei komprimierten RAWs ist nach 13 Fotos, bei unkomprimierten nach 8 Fotos Schluss. JPEGs lassen sich endlos aufnehmen, bis die Karte voll ist.
Bei Einzelfotos wie bei Serienbildern lässt sich der Autofokus dem Sujet anpassen. Es stehen Einzelpunkt-, Zonen- und Weit/Tracking-AF zur Verfügung. Sogar eine intelligente Gesichts- und Augenerkennung ist vorhanden, mit der Wahlmöglichkeit, auf welches Auge denn fokussiert werden soll.
Selbstverständlich beherrscht die 50S neben Serienbildern auch das «Bracketing». Es sind automatische Belichtungsreihen mit unterschiedlichen Werten für Helligkeit, Weissabgleich, ISO-Empfindlichkeit, Dynamikbereich und Filmsimulation möglich.
Hifiman Sundara: Hörtest
Hier sollte es bestimmt etwas zu meckern geben, handelt es sich bei dem Hifiman Sundara mit seinen 549 Franken doch um den günstigsten Magnetostat-Kopfhörer, den ich bis dato testen durfte. Nun, traditionellerweise antworte ich auf die Frage, welcher denn nun der beste Kopfhörer ist, mit dem Satz, welcher der Legende nach im Apollotempel von Delphi stand: «Erkenne dich selbst».
Diese Erkenntnis der eigenen, inneren Wahrheit, ist eine direkte Metapher zu dem, was der Sundara mit der Musik macht – und das ist ganz nach meinem momentanen Geschmack. Statt der Musik und somit dem Hörer eine starke klangliche Färbung aufzudrücken, verschreibt sich der Sundara einer detailgetreuen, klaren und transparenten Wiedergabe des Musikstücks, wie es im Tonstudio beabsichtigt wurde.
Die ganze Präsentation ist bis auf ein Maximum detailliert. So sehr, dass der Sundara diesbezüglich meiner Referenz, dem doppelt so teuren AEON, Konkurrenz macht. Jeder Ton in der geräumigen Klangbühne scheint von einer Luftigkeit umgeben, was natürlich mit der offenen Bauweise des Sundara beabsichtigt wurde. Die Musikpräsentation ist kühl, transparent, ja sogar ein wenig distanziert im Vergleich zum Gros der anderen Magnetostaten.
Das soll keinesfalls heissen, dass der Sundara uns das warme und reiche Timbre der tieferen Frequenzen vorenthält. Allerdings gehört der Sundara nicht zu den Kopfhörern, der diese Frequenzen wegen der allgemeinen Popularität aufbauscht und diese als Hauptsensation künstlich zur Schau stellt. Wer aber die niederen Frequenzen gerne verstärken möchte, der greife getrost zum Equalizer.
Mit einer Leichtigkeit und einer unerschütterlichen treue der Originalaufnahme gegenüber spielt sich der Sundara in die Herzen all jener, die von der Musik nicht künstlich gefesselt werden wollen, sondern die innehalten und hinhören wollen in Bewunderung der Darbietung, welche sich für offene Ohren entfaltet.
Der Hifiman Sundara vermag trotz des kühlen Klangcharakters Herzen zu erwärmen.Audeze LCD-2: Ausstattung und Komfort
Der neue LCD-2 Classic versetzt mich ein paar Jahre zurück, als Magnetostaten einerseits – unter Kennern – der letzte Schrei und andererseits horrend teuer waren. Gut, Letzteres ist auch heute ein weit verbreiteter Fakt. Mit grosser Genugtuung nehme ich zur Kenntnis, wie einer der teuersten Kopfhörerhersteller nun mit einer wirklich abgespeckten Variante des mehrfach überarbeiteten LCD-2 weniger gutbetuchten Musikenthusiasten die Hand reicht.
Classic: Der Name ist durch und durch Programm.Wenn auch reduziert in seinem Lieferumfang, macht der LCD-2 Classic alles andere als einen schäbigen Eindruck. Auf eine Plastikbauweise wird bei auch dem Budget-Audeze (799 CHF bei K55) wie immer verzichtet. Das Holz ist dem Metall gewichen und das übliche Leder des Kopfbandes ist nun auch seperat als Kunstleder erhältlich. Bei den Magneten wurde leider keine «Fazor»-Technologie verbaut, welche die Präzision der Musikwiedergabe um einiges erhöht hatte. Diese Technologie war damals bei den ersten Exemplaren der LCD-2-Reihe noch nicht präsent.
In Sachen Komfort bleibt der Classic ebenfalls auf Linie, haben sich die abgeschrägten Kopfhörerpolster und der typische Audeze-Schieber für die Grössenregelung über die Jahre doch bewährt. Es ist zweckmässig, drückt nirgends und hat optisch den typischen Audeze-Charme.
Eine willkommene Neuerung ist das Kabel, das anders als bei Urmodell des LCD-2 einen sehr wertigen Eindruck macht. Allerdings empfehle ich für Benutzer von Audioplayern einen 3.5-mm-Klinken-Adapter zu kaufen, da dieser wie auch eine Transportbox nicht im Lieferumfang enthalten ist.
Audeze scheint anders als viele andere Hersteller nicht beim Kabel zu sparen.Audeze LCD-2 Classic: Hörtest
Der LCD-2 Classic geht einen ganz anderen Weg als der Sundara. Hier hat man sich dem Hörgenuss verschrieben, der auch nach Stunden als wohlklingend und anstrengungslos beschrieben werden kann.
Mit «wohlklingend» ist ein neutraler oder angehobener Frequenzgang gemeint, der nach 1 kHz abfällt. Dieser Abfall bei den Frequenzen ist nicht weiter schlimm für Musikliebhaber, die empfindlich auf Schärfe bei den Höhen reagieren.
Der LCD-2 Classic ist keinesfalls extrem gefärbt. Bis 1 KHZ ist er sogar total neutral. Er ist anders als der Sundara alles andere als distanziert. Nicht selten habe ich mich in die ersten Reihen eines Konzertes versetzt gefühlt – das rockt! Jeder Ton ist voluminös und alles andere als blutarm, was man beispielsweise dem Sundara vorwerfen könnte.
Ein Nachteil dieses «Nahe am Geschehen»-Effekts ist der Verlust einiger kleiner Details. Trotzdem ist die Musik eindrucksvoll von einer Luftigkeit geprägt, wie ein riesiger Konzertsaal mit leichtem Hall und viel Raum zwischen den Instrumenten. Das Ganze ist ein wundervolles Zusammenspiel und Interagieren der verschiedensten Instrumente, gestützt auf den berüchtigten hochdynamischen Audeze-Bass.
Zugegeben, in der mittlerweile riesigen Kopfhörer-Flotte von Audeze gibt es detailliertere, höher auflösende und transparentere Exemplare. Der LCD-2 Classic hat aber neben seiner überzeugenden Leistung auch einen sentimentalen Wert. Er ist derjenige Magnetostat, der die Firma Audeze als feste und heute nicht wegzudenkende Grösse im Kopfhörermarkt etabliert hat.
Der LCD-2 Classic ist eine Hommage an andere Modelle, mit der sich die Firma nun selber feiert – und mit einem günstigen Preis alle einlädt mitzufeiern. Der heutige LCD-2 klingt nicht mehr so wie der Classic, und wer gerne ein Stück metaphorische Kopfhörergeschichte abbeissen möchte, der kann den Classic und den heutigen LCD-2 im K55 in Zürich vergleichen.
Ein Meilenstein: der LCD-2 Classic.Fazit und Steckbriefe
Wie ich es bereits während vieler meiner Testberichte erwähnt habe, wird gute Klangqualität im Massenmarkt immer ein Nischenprodukt bleiben. Dementsprechend unerbittlich werden in der Regel Käufer dieser Nische zur Kasse gebeten. Und das hat oft nicht nur mit teuren Entwicklungskosten zu tun, sondern vielmehr mit dem Fakt, dass dies Firmen aufgrund der fehlenden Konkurrenz schlicht und ergreifend können.
Dementsprechend freudig begrüsse ich jede neue Firma, die sich in die Nische der Magnetostat-Kopfhörer wagt. Der Erfolg von Firmen wie MrSpeakers hat zu einem Klima des «gesunden Wettkampfes» beigetragen. Das Erscheinen des Sundara und des LCD-2 Classic sehe ich als unmittelbares Resultat aus diesem Wettkampf. Gut so! Denn die Gewinner aus diesem Wettkampf sind nicht zuletzt wir, die Endverbraucher.
Mein Fazit, was den LCD-2 Classic und nicht zuletzt den Sundara angeht ist, dass die beiden Giganten Audeze und Hifiman die Zeichen der Zeit erkannt haben. Ich gestehe, dass mich persönlich der Sundara als Gesamtpacket mehr überzeugt hat als der Classic, der in meinen Augen vor allem die lang herbeigesehnte Preisreduktion in der Riege der LCD-Flaggschiffe darstellt.
Allerdings werden nicht alle den Sundara so mögen wie ich, zumal dieser einen heutzutage wenig populären, kühlen Klangcharakter vorweist. All jene werden in der Wärme des LCD-2 Classic mehr Zuspruch finden. Wer auch immer ein erwachendes Interesse für einen dieser beiden Magnetostaten in sich fühlt, oder sich spontan auf eine Testreise in die Tiefe des Kaninchenbaus hochwertiger Kopfhörer begeben will, dem kann ich das K55 mit seinem Kopfhörer-Testcenter ans Herz legen.
Beide sind offen – und trotzdem für sehr unterschiedliche Geschmäcker geeignet.
Alle Themen



