Den richtigen Kopfhörer zu finden, ist wahrlich nicht einfach. Die Qual der Wahl beginnt bereits bei der Bauart: In Ear, On Ear oder Around Ear? Offen oder geschlossen? Kopf- oder Nackenbügel? Klein und kompakt oder Hauptsache guter Sound?
Grundsätzlich kommt es vor allem auf den Gebrauch und die gewünschte Wiedergabequalität an. Sennheiser bietet im Bereich der Kopfhörer seit Jahren eine beinahe unüberschaubare Anzahl von Varianten an, und kategorisiert diese daher nach Verwendungszweck in Hi-Fi, Travel, DJ, Sport, usw. In diesem Doppeltest nehmen wir die beiden Topmodelle der 400er-Serie genauer unter die Lupe. Zu finden sind sie auf der Herstellerwebsite - übrigens unter Hi-Fi und TV. Konzipiert sind sie nicht nur für das Wohnzimmer, sondern als Mehrzweck-Kopfhörer für drinnen und draussen. So ist auch das Erscheinungsbild des HD 439 und des HD 449 entsprechend auffällig.
Der HD 439 von Sennheiser - Ein geschlossener Around Ear Kopfhörer mit markanten Designmerkmalen.Kopfhörer als Stilelement
Im öffentlichen Verkehr sind hie und da Personen anzutreffen, welche sich mit grossen, ohrumschliessenden Kopfhörern vom Umgebungslärm abschirmen. In erster Linie möglicherweise aus klanglichen Gründen, vielleicht aber auch weil es zu ihrem Stil gehört. Der deutsche Hersteller Sennheiser möchte mit der 400er-Serie klar junge und junggebliebene Menschen ansprechen.
Die Grundform der Hörermuschel entspricht dem typischen Sennheiser Around Ear Kopfhörer, bekannt zum Beispiel auch aus der Sennheiser 500er-Serie. Die beiden Modelle HD 439 und HD 449 kommen jedoch weit weniger klassisch daher. Elemente wie der verchromte Metallstreifen beim HD 449 oder die turbinenähnlichen Verzierungen beim HD 439 fallen auf.
Gefertigt sind beide Modelle aus robustem, flexiblem Kunststoff. Die Unterschiede liegen hauptsächlich in der Materialwahl für Ohrpolster und Kopfband. Beim HD 439 sind diese mit einem Stoff überzogen, welcher unangenehm anzufassen ist und den Kopfhörer eher abwertet. Im Falle des HD 449 sind diese Teile mit schwarzen Kunstleder überzogen und wirken hochwertiger. Beide Modelle sind bis ins Detail sauber verarbeitet.
Sowohl der HD 439 (hier im Bild) als auch der HD 449 sind sehr präzise verarbeitet und bieten angenehmen Tragekomfort.Gut gepolstert und gedämmt
Im Test sind sowohl der HD 439 als auch der HD 449 während Stunden angenehm zu tragen und passen sich jeder Kopfform und Grösse an. Der Anpressdruck ist optimal gewählt und sorgt so für eine gute Reduktion der Umgebungsgeräusche. Da beide Modelle geschlossener Bauart sind, werden Personen in näherer Umgebung (bei angemessener Lautstärke) kaum zum Mithören genötigt.
Im Bereich der Ausstattung gibt es hingegen klare Unterschiede: Der HD 439 wird mit zwei unterschiedlich langen, abnehmbaren Anschlusskabeln geliefert. Diese messen 1,4 und 3 Meter. Für den Anschluss an die heimische Stereo-Anlage oder ein Mischpult ist ein 6,3 mm Adapter im Lieferumfang enthalten.
Anders ist das Konzept beim HD 449: Das Anschlusskabel kann nicht entfernt, sondern nur verlängert werden. Eigentlich schade, da so ein defektes Kabel nicht ersetzt werden kann. Wie beim HD 439 ergibt sich aber auch hier eine maximale Kabellänge von 3 Metern. Zusätzlich zum vergoldeten 6,3mm Klinken-Adapter wird beim HD 449 eine Transporttasche aus Stoff mitgeliefert.
Dominant prangt das Herstellerlogo auf dem verchromten Metallstreifen und verleiht dem HD 449 in Kombination mit den Kunstleder Wertigkeit.Bass, Bass, Bass
Zum Schluss noch das wichtigste Kriterium: der Hörtest. Vorneweg kann gesagt werden, dass keine klanglichen Unterschiede zwischen dem HD 439 und dem HD 449 zu vernehmen waren. Im Test wurden die exakt gleichen Stellen eines Stücks angehört und miteinander verglichen.
Wie auf der Verpackung angepriesen, sind die Bässe tatsächlich äusserst präsent. Je nach Musikstil, wie zum Beispiel Hip-Hop, ergibt dies auch einen Sinn. Die Beats sind druckvoll und kommen gut zur Geltung. Ein Jazz-Stück in identischer Lautstärke und mit den gleichen Einstellungen (also bei ebenfalls ausgeschaltetem Equalizer) anzuhören, ist hingegen nicht empfehlenswert. Der Kontrabass in „Harlem Nocturne“ von David Sanborn dröhnt und wummert. Die interessanten Nuancen gehen verloren.
Im Mitteltonbereich zeichnen sich die beiden Kopfhörer der HD 400-Serie von Sennheiser durch einen warmen Klang aus. Sowohl Blechbläser als auch Klavier werden natürlich wiedergegeben und wirken nie aggressiv. Die Mitten dürften im Gesamtmix jedoch einen Tick lauter sein.
In den höchsten Frequenzbändern hinterlassen die beiden HD 400er ebenfalls einen guten Eindruck. Für einen Kopfhörer dieser Klasse sind erstaunlich viele Details zu hören. So machen die Feinheiten in der Auflösung auch den Nachklang der Schlagzeugbecken lebendig; die Kirchenorgel erklingt in ihrem ganzen spektralen Reichtum.
Dank geschlossener Bauweise und guter Abschirmung können beide HD 400 Modelle auch problemlos im Tram, Zug oder Bus verwendet werden.Fazit
Die beiden Kopfhörer HD 439 und HD 449 von Sennheiser positionieren sich in der Mittelklasse. Im Bereich der Verarbeitung gibt es nichts zu bemängeln. Beim HD 439 hätte ebenfalls das Kunstleder als Überzugsmaterial der Polsterung gewählt werden sollen. Hier hat der HD 449 die Nase vorne. Im Bereich des Anschlusskabels gehen die Punkte jedoch an den HD 439. Besonders bei häufigem Transport in einem Rucksack oder dergleichen ist ein abnehmbares Kabel von Vorteil. Ein Kabelbruch kann so vermieden werden. Die satt anliegenden Polster reduzieren Geräusche von und gegen Aussen auf ein Minimum.
Klanglich waren im Hörtest beide Kopfhörer-Modelle identisch. Bässe und Hochtöne werden tendenziell eher zu stark, die Mitten minimal zu schwach betont. Bereits der Equalizer in einem MP3-Player kann hier für die nötigen Korrekturen sorgen, falls überhaupt gewünscht.
Das Design dieser Around Ears wirkt jung, frisch und auffällig. Der HD 439 kostet 99.-, der HD 449 119.- Franken. Ein realistischer Preis, zu welchem man einen guten Mittelklasse-Kopfhörer mit viel Bass bekommt.

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