TESTBERICHT
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Kompromissloser Verstärker

Der Aethos hat ein durchgängiges Dual-Mono-Design. Abgesehen vom gemeinsamen Gehäuse und der Stromversorgung sind die zwei Verstärkerpfade konsequent getrennt. Die Endstufen können sehr hohe Ströme für kurze Zeit bereitstellen. Die Eigenschaft ist eine wichtige Voraussetzung für hohe Dynamik und Stabilität an verschiedenen Lasten/Lautsprechern. Für die Endverstärkung arbeiten pro Kanal jeweils vier Sanken-Leistungstransistoren.

Als ich den Hörraum betrat, lief der Aethos schon Stunden im Standby und fühlte sich trotz problemloser Belüftung schön handwarm an.Als ich den Hörraum betrat, lief der Aethos schon Stunden im Standby und fühlte sich trotz problemloser Belüftung schön handwarm an.

Zurück zu Daniel D'Agostino. Er war sicher nicht der einzige, der mit für das «Wettrüsten» im US-High-End-Audio verantwortlich war. Aber er war Teil davon. Immer grössere Verstärkerboliden für immer grössere, leistungshungrigere Superlautsprecher für Wilson und andere wurden gebaut. Die Möglichkeiten bei Krell wurden ihm zu eng, und so entschloss er sich dazu, sein eigenes Ding aufzuziehen.

Die Kombination von Leistung und maximaler Qualität ist nicht einfach zu verwirklichen. Doch Leistung soll nicht von Nachteil sein, im Standby-Modus braucht es sie nicht. Die Momentum M400 sollen deshalb eine weit geringere Verlustleistung und Wärme generieren, wenn kein Signal anliegt, als es früher üblich war. Leistung verlangt auch nicht per se nach grossen Lautsprechern – und grosse Lautsprecher verlangen auch in den USA nicht mehr zwingend nach brachialer Leistung.

Gross sind sie immer noch, und vor allem schwer. 41 kg und fast einen halben Meter tief sind sie, aber sie wirken viel dezenter und edler als frühere Boliden dieser Art. Es gibt keine Kühlkörperoptik mehr. Die massiven Seitenteile aus Kupfer sind zwar Kühlkörper, aber die Wärmeleitfähigkeit von Kupfer ist deutlich besser, zudem ist das Temperaturmanagement sehr ausgeklügelt. Mit 400 Watt @ 8 Ohm (und 1600 Watt @ 2 Ohm) verfügen sie über genügend viel Leistung, doch Leistung scheint hier nicht im Mittelpunkt zu stehen.

Der Momentum M400 Monoblock wurde bereits im Herbst 2016 von Ken Kessler («HiFi News») zum besten Verstärker gekürt, den D'Agostino jemals gebaut hat. Eine wertvolle Einschätzung, schliesslich ist Ken Kessler ist eine wichtige und unabhängige Stimme.

Die Fotostrecke ist momentan nicht verfügbar.

Als einzige Quelle für den Hörtest diente der Aurender A10 (5990 CHF) mit seinem hervorragenden DAC. Ein Musikserver mit Bestand: avguide.ch testete den A10 bereits im Jahr 2017. Als Lautsprecher kamen die Spendor A7 (3990 CHF/Paar) zum Zug und am Ende zum Vergleich noch die Classic 100 von Spendor (10'990 CHF/Paar). Mit dem Rega Aethos für 4290 CHF und der günstigeren Lautsprecher-Variante ergibt sich ein Systempreis von 14'270 CHF ohne Kabel. Die verwendeten Kabel, vorwiegend Cardas, beförderten den Systempreis dann auf knapp unter 20'000 CHF. Das ist eine realistische Investition für High-End-Audio.

Als Quelle leistete der A10 von Aurender ausgezeichnete Dienste. Wir hatten das Spitzengerät von Aurender schon 2017 im Test.Als Quelle leistete der A10 von Aurender ausgezeichnete Dienste. Wir hatten das Spitzengerät von Aurender schon 2017 im Test.

Ich musste schmunzeln: Auf dem Aurender A10 war noch eine Playliste von mir gespeichert, von 2017, als ich den A10 getestet hatte. Wenn man sich beruflich viel mit Musikwiedergabe beschäftigt, ändert man seine Gewohnheiten und Präferenzen dann und wann. Mir ergeht es jedenfalls so. Und plötzlich fand ich viele der alten Tracks wieder, die ich schon länger nicht mehr präsent hatte.

Zum Beispiel «She Makes Me Feel so Good» von Lyle Lovett (Album: «Joshua Judges Ruth») oder die Nummer «Back to Back» der Montgomery Brothers (Album: «Groove Yard»). Und wenn es für mich ein Jazz-Album gibt, das «Groove» verkörpert, dann jenes. Die Nummer ist so gut, dass sie fast immer gut herüberkommt, egal wo man sie abspielt, sogar auf Kopfhörer (hihi ...). Doch steckt der Teufel im Detail: Die Präsenz und die im Raum entstehende Aura der Instrumente (gesungen wird da nicht) war nahezu unvergleichlich, eigentlich  nie gehört. Ich war echt platt und dachte, die Klangbühne hätte eine vierte Dimension. Ein unsinniger Erklärungsversuch.

Dann weiter die Violinsonate Nummer 10 von Ludwig van Beethoven auf einer Aufnahme von Wilson Audio mit David Abel. Man findet sie übrigens auf Qobuz in HiRes (Hier der Link). Auch bei dieser Kammermusikaufnahme war der Raum durchschreitbar und nicht bloss erkennbar. Man hatte fast Boden unter den Füssen. Die Symphonie Imaginaire von Jean Philippe Rameau, eine imaginäre Komposition aus seinem barocken Werk (er war der J. S. Bach Frankreichs) präsentierte sich mit enorm viel Verve und eben auch so raumfüllend und einnehmend.

Mit der Spendor Classic 100 ging es dann noch in die Vollen mit «Partition» von Beyoncé. Es ging dabei mehr um Basskontrolle als um Schönheit. Der Aethos ging ungebremst ans Werk, will heissen, dass Kontrolle nichts mit Bremsen zu tun hatte – eher mit Beschleunigung. Die Bass-Impulse waren sehr exakt und ausgesprochen realistisch.

Fazit

Insgesamt kann man den Aethos von Rega so beschreiben: Der Verstärker macht einen unverschämt guten Raum (oder Bühne) und klingt tonal sehr musikalisch und geradezu süffig. Er scheint mit unterschiedlichen Lautsprechern keine Mühe zu bekunden und weiss, wie man mit der elektroakustischen Energie beim Bass umgeht. Der Aethos ist hervorragend gebaut und verkörpert gleichzeitig pures Understatement. Ob sich Rega damit einen Gefallen tut, ist nicht sicher. Der berühmte britische Hersteller hat ein wenig dieses «Einsteiger-Image» mit dem Attribut von viel Qualität fürs Geld. Ein Vollverstärker wie der Aethos braucht sich jedoch vor diesen übertriebenen US-Protzkisten nicht zu verstecken. Er ist einfach für Leute gemacht, denen es um die Musik geht.

Persönlich gefällt mir die bescheidene Zurückhaltung dieser Rega-Referenzgeräte. Understatement.Persönlich gefällt mir die bescheidene Zurückhaltung dieser Rega-Referenzgeräte. Understatement.
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STECKBRIEF
Modell:
Aethos
Profil:
Kompromissloser Line-Verstärker sowohl in klanglicher Hinsicht, als auch hinsichtlich Konstruktion und Verarbeitungsqualität.
Pro:
Macht einen unverschämt guten Raum (Klangbühne)
Sehr musikalischer, süffiger Klang
Perfekte Basskontrolle
Contra:
Line-Verstärker und that's it
Preis:
4,390.00 CHF
Hersteller:
Jahrgang:
2021
Vertrieb:
Masse:
433 x 95 x 360 mm
Gewicht:
17,5 kg
Farbe:
schwarz
Airplay:
Nein
Bluetooth:
Nein
Chromcast:
Nein
Roon Ready:
Nein
Spotify Connect:
Nein
Symmetrischer Eingang:
Nein
WiFi:
Nein
Analog Input:
5 Line, 1 Direct, 1 Recording - RCA (Cinch)
Analog Output:
1 x Kopfhörer, 2 x Tape, 1 x Vorverstärker
Frequenzgang:
10 Hz – 30 kHz ± 3dB
Maximale Leistung:
156 Watt
Verstärkerleistung 8 Ohm:
125 Watt