Geschichte und Äusserlichkeiten
Äusserlich bleibt der LCD-4 mit den restlichen LCD-Kopfhörern weitgehend uniform. Das Gesamtgebilde ist wuchtig, jedoch nicht unelegant. Der Holzring besteht aus Makassar-Ebenholz, welcher das Innere des Kopfhörers einfasst.Die Geschichte von Audeze (sprich Englisch "Odyssey") geht zurück in das Jahr 2008, als die drei Gründer von Audeze mit Technologien, die bis dann für die NASA entwickelt wurden, zu experimentieren begannen. Sie erkannten, dass sich daraus perfekte Komponenten für planar magnetische Kopfhörer ergaben. Der LCD-1-Kopfhörer entstand als Erstlingswerk aus dieser Kombination von neuer Technologie und älteren Erkenntnissen von planaren Kopfhörer-Designs.
Der wirkliche Durchbruch schaffte Audeze jedoch mit den eher basslastigen LCD-2-Kopfhörern und den legendären LCD-3. Letztere fanden in der audiophilen Szene den grössten Zuspruch und wurden von einigen gar als "the voice of god", "die Stimme Gottes", betitelt – ein gewaltiges Lob für eine Firma, die nicht einmal ein Jahrzehnt besteht. Bald legte Audeze den einfacher spielbaren LCD-X nach, auf den im Test noch genauer eingegangen wird.
Äusserlich bleibt der LCD-4 mit den restlichen LCD-Kopfhörern weitgehend uniform. Das Gesamtgebilde ist wuchtig, jedoch nicht unelegant. Der Holzring besteht aus Makassar-Ebenholz, welcher das Innere des Kopfhörers einfasst.
Die Ohrpolster sind ganz klar Audeze in ihrer Form und sorgen für mehr als ausreichenden Tragekomfort bei längeren Musiksitzungen. Das Einzige, was daran kritisiert werden kann, ist dass diese speziell bei wärmerem Klima bald sehr feuchtwarm werden. Nebenbei sei noch erwähnt, dass die Lammleder-Ohrpolster wahrscheinlich bald auch in einer veganen Kunstledervariante erhältlich sind.
Beim Bügel geht Audeze einen neuen Weg mit dem zusätzlichen Karbonband, welches das Lederband unterstützt. Durch das beachtliche Gewicht des gut 550 Gramm schweren Vorgängers konnten je nach Form des Schädels unangenehme Druckpunkte entstehen, welche den Musikgenuss trüben konnten. Diese Komfortmängel gehören trotz den 700 Gramm beim LCD-4, dank des zusätzlichen Karbonbandes, der Vergangenheit an.
Für die Esoteriker unter den Audioenthusiasten sei hier noch das schwarz und silber geflochtene Mini-XLR-Kabel erwähnenswert, das bei den Vorgängern nicht vorhanden war und zumindest bezüglich Verarbeitung deutlich besser abschneidet.
Alles in allem bleibt bei den Äusserlichkeiten viel Altbewährtes mit einigen Verbesserungen punkto Komfort. Der ganze Kopfhörer vermittelt mir einen sehr angenehmen Eindruck von Premiumqualität, und ich ertappte mich immer wieder, wie ich ihn gedankenverloren lächelnd in den Händen wog und aus unterschiedlichen Perspektiven erkundete.
Hörtest: Einleitung
Der LCD-4 verlangt unbedingt nach einer angemessenen Quelle, damit sein Potenzial zum Vorschein kommt.Eingehend zum Test habe ich den LCD-4 mit dem Box-Schwergwicht eines Muhammad Ali verglichen. Deswegen ist es nur fair, wenn dieser mit anderen Kopfhörer-Schwergewichten verglichen wird.
Eine wichtige Anmerkung muss hier gemacht werden, bevor wir zu der eigentlichen Kür, dem Hörtest kommen. Audeze ist eine unglaublich innovationsfreudige Firma von Musikenthusiasten. Man bemerkt dies, wenn man deren Aktivitäten fünf Monate verfolgt. Kaum ein Modell bleibt in dieser kurzen Zeit komplett unüberarbeitet. Die ganze Kopfhörerproduktion unterliegt der konstanten Suche nach der audiophilen Perfektion.
Genauso verhält es sich auch mit den neuen LCD-4. Nach wenigen Wochen wurde ein neues Diaphragma bei der neusten Überarbeitung der LCD-4-Linie eingebaut, was dazu führte, dass der Kopfhörer neu 200 statt den ursprünglichen 100 Ohm Impedanz aufweist.
Nicht unbedingt eine gute Neuigkeit für Audiophile, die gerne portable Geräte für ihre Kopfhörer nutzen. Zwar konnte mein geschätzter Onkyo DP-X1 den LCD-4 ohne weiteres und mit ausreichender Lautstärke anspielen. Verglichen mit dem hinzugezogenen stationären UAD Apollo Quad Studiowandlers, der über einen extrem hochwertigen Kopfhörerverstärkerausgang verfügt, spielten die portablen DA-Wandler den LCD-4 mit einem unbefriedigenden, konturlosen und butterweichen Klang ab. Der LCD-4 verlangt unbedingt nach einer angemessen Quelle, damit sein Potenzial zum Vorschein kommt.

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