TESTBERICHT
Test Panasonic 4K-Camcorder HC-X1000Test Panasonic 4K-Camcorder HC-X1000

Der HC-X1000, vorgestellt auf der letztjährigen Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin, gehört in die Kategorie der „Henkelmänner“, besitzt also einen Haltegriff mit eingebautem LC-Display, Mikrofonhalterung, Zoomwippe und hinten dran einen hochklappbaren Sucher. Damit ist er die Antwort auf Sonys 4K-Erstlings-Camcorder FDR-AX1 und dessen Profi-Ableger Z100. Das Konzept ist sehr ähnlich, doch der X1000 ist rund 1 kg leichter und ein Drittel kleiner. Und während der AX1 4K-Video im XAVC-S Format auf speziellen XQD-Speicherkarten aufzeichnet, begnügt sich das Panasonic Modell mit MP4-Aufnahme auf SD-Karten.

Beide Camcorder nehmen die Bilder über einen 1/2,3 Zoll BSI-Sensor auf. Damit erzielen sie eine fantastische Detailschärfe und Tiefenwirkung, haben jedoch Probleme bei ungünstigen Lichtverhältnissen. Dann erscheinen vor allem im Automatikmodus schnell Rauschen und Bildgriesseln auf den Aufnahmen. Durch den kleinen Sensor ist auch das Spiel mit der Schärfentiefe eingeschränkt, obwohl die Panasonic-Kamera drei eingebaute ND-Filter besitzt, um starke Lichter zu dämpfen und so mit möglichst offener Blende filmen zu können. Dennoch lassen sich bei geschickter Einstellung auch mit der X1000 schöne Hintergrundunschärfen („Bokehs“) erzielen.

Der Handgriff der X1000 ist fest mit dem Kamerabody verbunden und lässt sich nicht, wie etwa bei der neuen Sony PXW-X70, abschrauben und getrennt transportieren. Dieser Sony Full-HD-Camcorder ist im Prosumer-Bereich eine direkte Konkurrenz zum X1000, und filmt mit einem lichtstarken, grösseren 1 Zoll Aufnahmesensor. Er muss jedoch durch einen kostenpflichtigen Upgrade erst 4K tauglich gemacht werden.

Der HC-X1000 wird in Deutschland im Profi- wie im Consumermarkt vertrieben, in der Schweiz ausschliesslich im Consumerbereich.

Für Amateur oder Profi?

20-fache Optik, 4K 50p Video und Handgriff: Der Prosumer Camcorder HC-X1000 überzeugt mit inneren und äusseren Werten. Mit einem Gewicht von nur 1.7 kg lässt sich der handliche Camcorder auch über längere Zeit herumtragen.20-fache Optik, 4K 50p Video und Handgriff: Der Prosumer Camcorder HC-X1000 überzeugt mit inneren und äusseren Werten. Mit einem Gewicht von nur 1.7 kg lässt sich der handliche Camcorder auch über längere Zeit herumtragen.

Was unterscheidet denn nun ein Profigerät von einem Amateur-Camcorder? In erster Linie fallen die vielen Bedienungselemente am meist grösseren Gehäuse auf. Wo die möglichst kleine und kompakte Amateurkamera hauptsächlich über Touchscreen-Menüs und wenige winzige Knöpfe bedient wird, bevorzugt der Profi robuste Schalter und Tasten, die er auch im Dunkeln sicher trifft und mit denen sich die Einstellungen direkt verändern lassen. Vor allem wichtige Funktionen wie Schärfe, Blende und Zoom können durch griffige Objektiv-Ringe manuell bedient werden, direkt am Objektiv oder über anschliessbare Fernsteuerungen am Stativgriff. Consumer Camcordern fehlt so etwas ganz oder ist nur über kleine Einstellrädchen oder -Walzen machbar.  

Hinzu kommen manuelle Tonaussteuerung mit separaten Pegelreglern am Gerät und Anschlussbuchsen im professionellen XLR-Standard. Zudem ist das Gehäuse robuster aufgebaut und meist gegen Staub und Feuchtigkeit abgedichtet, um auch extreme Situationen im Produktionsalltag überstehen zu können. Schliesslich lassen sich bei vielen professionellen Camcordern die Objektive wechseln, um für jeden Einsatzzweck das optimale Bild zu erhalten. Die bessere Bildqualität von Profi-Equipment war früher das Hauptargument gegenüber Amateurgeräten. Die Einführung von Digital Video hat dies grundlegend geändert, und heute lässt sich kaum mehr unterscheiden, aus welcher Aufnahmequelle zum Beispiel die Fernsehbilder stammen.

Der HC-X1000 bezeichnet sich als Prosumer Modell, also etwas zwischen den beiden Welten. Und das ist tatsächlich so. Wer schon mal mit einem Panasonic Amateurcamcorder der 9xx-Reihe gefilmt hat, dem werden die Touchscreen-Menüs, für „echte“ Profis eher ungewohnt, sehr bekannt vorkommen. Ein „Intelligenter Automatikmodus“ hat bei Profigeräten eigentlich nichts zu suchen, kann beim X1000 jedoch für „sorgenfreies“ Filmen eingeschaltet werden. Hilfreich allemal, wenn es plötzlich etwas hektisch zugeht und keine Zeit mehr bleibt für manuelle Einstellungen.

Mit einer Grösse von 16 x 17 x 32 cm und einem drehbereiten Gewicht von nur 1,7 kg tendiert der Camcorder eher in Richtung Amateur. Dennoch finden sich am kompakten Gehäuse, das vielleicht etwas zu viel „Plastik-Charme“ ausstrahlt, alle in der Profi-Welt typischen Anschlüsse und Bedienungselemente wieder. Neben drei Objektivringen für Blende, Schärfe und Zoom gibt es zahlreiche Tasten und Schalter an der Aussenfläche. Sechs davon sind frei belegbar, vier zusätzlich „virtuell“ auf dem Touchscreen einblendbar. Damit lassen sich oft benötigte Funktionen schnell und direkt aufrufen.

Eine sanft ansprechende grosse Zoomwippe am seitlichen Handgriff, eine zweite Zoomtaste am oberen Haltegriff, zuschaltbarer ND-Filter, zwei XLR-Tonanschlüsse für externe Mikrofone inklusive Phantomspeisung, Line/Mic-Umschalter, manuelle Aussteuerung mit oder ohne Limiter sowie ein hochklappbarer Sucher unterstreichen den Profibezug des Camcorders.

Optik und Bedienung

Üppige Ausstattung mit Profi-Features: Griffige Objektivringe und zahlreiche Tasten am Gehäuse erlauben direkten Zugriff auf die wichtigsten Funktionen.Üppige Ausstattung mit Profi-Features: Griffige Objektivringe und zahlreiche Tasten am Gehäuse erlauben direkten Zugriff auf die wichtigsten Funktionen.

Der 1/2,3 Zoll BSI-MOS-Sensor verfügt über gesamthaft 18,9 Millionen Pixel, wovon für 4K-Videoaufnahmen effektiv 8,29 MP für UHD (3840 x 2160), bzw. 8,85 MP für Cinema 4K (4096 x 2160) beansprucht werden. Mit der fest eingebauten Leica Dicomar Optik kann bis zu 20-fach optisch gezoomt werden. Auf Kleinbildformat umgerechnet entspricht dies bei UHD Aufnahmen 31 bis 626 mm, bei Cinema 4K 30 bis 600 mm. Die Anfangsblende beträgt dabei F1.8, voll eingezoomt noch F3.6.

Der optische Zoom kann mit der Funktion [i.Zoom] bei Full-HD Aufnahmen auf 40-fach verdoppelt werden, ohne dass die Bildqualität darunter leidet. Zusätzlich stehen digitale Zoomvergrösserungen bis Faktor 10 bereit, die man am besten ausgeschaltet lässt, da sie nur das Bild verschlechtern.

Die Aufnahmen lassen sich entweder über den neigbaren Farbsucher mit einer Auflösung von 1,266 Mio. Bildpunkten und Okularmuschel oder über das 8,9 cm grosse Display mit Touch-Bedienung überprüfen. Das Display mit 1,152 Mio. Bildpunkten lässt sich aus dem Haltegriff herausziehen, vertikal um 270 Grad drehen und bei Nichtgebrauch für mehr Mobilität und Sicherheit wieder im Griff versenken. Im 4K Betrieb arbeitet der Bildstabilisator nur optisch, in Full-HD zusätzlich mit elektronischer Unterstützung als 5-Achsen-Hybrid OIS, der Verwackler beim Filmen aus der Hand effizient abschwächt.

Die beiden XLR-Anschlussbuchsen für externe Mikrofone sind nicht nebeneinander, sondern einer vorne oben am Haltegriff und der andere hinten an der Seite angebracht. Dies ist ergonomisch sinnvoll durchdacht, kommen sich so die Kabel von Richtmikro vorne und z.B. Interview-Mikro mit längerem Kabel hinten nicht in die Quere.

Eher in die Show-Abteilung gehört der Lichtring ums Objektiv, der bei Aufnahmebereitschaft in blau und bei Aufnahme in rot erstrahlt. Im Dunkeln ein interessanter Hingucker, der schnell für Gesprächsstoff mit Umstehenden sorgt. Zum Glück lässt sich diese Funktion auch komplett ausschalten. Etwas verwunderlich im digitalen Zeitalter sind die analogen Cinch-Ausgänge in Standardauflösung für Bild und Ton hinten an der Kamera. Neben dem grossen Akku mit einer sehr langen Laufzeit befinden sich zwei schnelle USB-Anschlüsse für einfachen Datentransfer. Darunter eine HDMI-Buchse, die im 2.0 Standard die Signale in 50p übertragen kann.

Volle manuelle Kontrolle

Schöner Rücken: XLR-Buchse für externes Mikrofon, unter dem hochgeklappten Sucher der wuchtige Akku, rechts daneben HDMI und USB 3.0 Anschlüsse.Schöner Rücken: XLR-Buchse für externes Mikrofon, unter dem hochgeklappten Sucher der wuchtige Akku, rechts daneben HDMI und USB 3.0 Anschlüsse.

Beim HC-X1000 sind alle wichtigen Funktionen manuell und unabhängig voneinander einstellbar. Amateurkameras lassen dies nur eingeschränkt zu, oft hebt eine Einstellung die andere wieder auf.

Nachdem der iA-Schalter („intelligente Automatik“- oder „Esel“-Schalter…) auf „Manu“ gestellt wurde, können an den Tasten links davon die Belichtung, der Weissabgleich und die Verstärkung (Gain) einzeln oder in Kombination angepasst werden. Die gewünschten Werte werden über eine Drehrolle, den „Push Dial“, angepasst. Die Drehrolle ist multifunktionell. Habe ich als Beispiel den Gain-Wert damit geregelt und drücke die Rolle nochmals, werden beim Weiterdrehen alternierend die anderen, auch noch auf manuell gestellten Funktionen angezeigt und können mit einem weiteren Rollendruck ausgewählt und verändert werden. Drückt man stattdessen direkt die Belichtungs-, Weissabgleichs- oder Gain-Taste, wird die Einstellung wieder automatisiert.

Diese Mehrfachfunktion der Rolle ist verwirrend, und trotz Einblendung der Werte am Bildschirm wird man sich zu Beginn öfters daran „verdrehen“. Besonders bei Funktionen, die das mehrmalige Drücken und Drehen erfordern. Wie etwa das Setzen eines individuellen Weissabgleichs oder der variablen Verschlusszeit (Synchro Scan).

Unabhängig von den obigen drei Manuellfunktionen lassen sich Schärfe und Blende über griffige Ringe am Objektiv regeln. Die 4K-Videoauflösung verzeiht keine „schlampigen“ Beinahe-Schärfen und entlarvt unscharfe Szenen gnadenlos. Bei der manuellen Fokussierung hilft deshalb eine Peaking-Anzeige (farbige Betonung der Bildkonturen) und eine bis zu 10-fache Vergrösserung des Aufnahmebildes.

Trotz grossem Schärfering und jahrelanger Erfahrung gelang es mir bei einer Theateraufführung mit wenig Licht nicht immer, die Schärfe genügend schnell manuell nachzuführen. Das hat auch damit zu tun, dass der freilaufende Ring, also ohne Endanschläge, nicht direkt mechanisch auf das Objektiv wirkt, sondern es indirekt verstellt wird. Beim Zoomen war es ähnlich, bei schnellem manuellem Drehen am Ring „lief“ er immer etwas nach. Beim Theater war mir der Autofokus jedenfalls haushoch überlegen, von zwei oder drei nervösen Suchmanövern bei fast völliger Dunkelheit mal abgesehen.

Es gibt noch weitere Fokussier-Hilfen. Ein Drücken der „Push AF“-Taste aktiviert den Autofokus temporär und eine „Bereichsfunktion“ ermöglicht die Scharfstellung durch Berühren des Motivs auf dem Bildschirm. Schliesslich lässt sich noch eine Fokusverlagerung mit bis zu drei Positionen programmieren, die dann automatisch abgefahren wird.

Lichtregelung

Variable Aufnahme: Die beiden Slots nehmen Standard SD-Speicherkarten auf und lassen sich unterschiedlich konfigurieren. Links davon die User-Tasten, rechts die Audio-Sektion, unten manuelle Einstellungen und Multifunktions-Rad.Variable Aufnahme: Die beiden Slots nehmen Standard SD-Speicherkarten auf und lassen sich unterschiedlich konfigurieren. Links davon die User-Tasten, rechts die Audio-Sektion, unten manuelle Einstellungen und Multifunktions-Rad.

Mit der Iris-Taste wählt man zwischen automatischer oder manueller Blendensteuerung. Der Blendenring erlaubt eine sanfte Regelung des Lichteinfalls, ohne grobe Helligkeitssprünge dazwischen. Die Kamera schlägt bei zu viel Licht einen entsprechenden ND-Filter vor. Mit diesem integrierten optischen Filter lässt sich die Lichtmenge auf 1/4, 1/16 oder 1/64 reduzieren. Zur Belichtungskontrolle können zwei einstellbare Zebra-Anzeigen, ein Marker mit Luminanz-Pegelanzeige in Prozenten und ein etwas träge reagierendes Histogramm eingeblendet werden.

Bei zu wenig Licht hilft die Verstärkungs- oder Gain-Funktion. Das Bildsignal wird elektronisch verstärkt und damit das Bild aufgehellt. Es sind manuell Werte in 3 dB-Schritten von 0 bis 24 dB einstellbar, wobei jeweils 6 dB einer Blendenstufe entsprechen. Zusätzlich gibt es ein „Super-Gain“ mit 27 oder 30 dB Verstärkung. Da mit jedem Verstärkungswert auch die Bildstörungen, besonders das Bildrauschen oder –grieseln zunehmen, sollte die Gain-Funktion entsprechend zurückhaltend eingesetzt werden. Dazu lässt sich im Kamera-Setup ein maximaler Verstärkungswert für das automatische Gain bestimmen. Dieser gilt jedoch nicht für die „intelligente Automatik“, hier darf die Kamera „von sich aus“ bis zu 24 dB verstärken.

So kann es vorkommen, dass die Kamera im „iA“-Modus eine hohe Blende für einen möglichst grossen Schärfenbereich wählt, und den damit einhergehenden Lichtverlust mit einer kräftigen Gain-Anhebung ausgleicht. Das Resultat ist eine starke Körnung und unnötig hohes Rauschen im Bild.

Nicht optimal gelöst wurde meiner Meinung nach die Umschaltung zwischen manueller und automatischer Betriebsart. Hat man seine manuellen Werte einjustiert und schaltet kurz in den „iA“-Modus um und wieder zurück, hat die Kamera alle manuellen Einstellungen vergessen.

Ein unlogisches Detail nebenbei: am „iA / MANU“-Umschalter befindet sich „iA“ links, „MANU“ rechts. Alle drei Manuell-Funktionstasten (Gain, Weissabgleich, Verschlusszeit) schliessen jedoch links gleich an die „iA“-Tastenposition an. Sehr gut wurde dafür die Bedienung bei Sucherbetrieb gelöst. Sämtliche Einstellungen lassen sich über die Tasten und die Drehrolle vornehmen, ein Aufklappen des Touchscreens ist nicht nötig. Besonders im hellen Sonnenlicht wird man dies zu schätzen wissen.

Speicher: Länge, Sicherheit oder Background

Qual der Videoformatwahl: Die beste Bildqualität gibt’s in MP4 4K 50p mit 150 Mbit/sec. Daneben darf auch in MOV und AVCHD gefilmt werden.Qual der Videoformatwahl: Die beste Bildqualität gibt’s in MP4 4K 50p mit 150 Mbit/sec. Daneben darf auch in MOV und AVCHD gefilmt werden.

Die Speicherkärtchen in den beiden Slots können entweder einzeln, automatisch nacheinander, zur Sicherheit parallel oder im Background-Modus beschrieben werden. Bei Letzterem speichert eine Karte ununterbrochen z.B. die Aufnahmen der gesamten Hochzeitsfeier, während auf die andere nur Szenen kommen, bei denen man die Aufnahme-Taste gedrückt hat. Die Backgroundaufnahme ist leider nicht für 4K-Auflösung oder bei Datenraten über 50 Mbit/sec möglich. Hier kommt die Kamera an ihre Grenzen.

Die Pre-Rec Einstellung ist eine weitere Möglichkeit, keine Szene mehr zu verpassen. Dabei wird das Videobild 3 bis 4 Sekunden vor dem eigentlichen Drücken der Aufnahme-Taste in einer Endlosschleife gespeichert und bei Aufnahme-Start zuvorderst „eingefügt“.

Die HC-X1000 lässt einem die Wahl zwischen den vier Aufzeichnungsverfahren MOV, MP4(LPCM), MP4 und AVCHD. Das von Sony bevorzugte XAVC- oder XAVC-S-Format wird nicht unterstützt. Videobildgrösse, Bildwechselfrequenz und Datenrate lassen sich für unterschiedliche Anwendungen in verschiedenen Kombinationen auswählen. In der höchsten Qualitätsstufe filmt die Kamera im MP4-Format mit UHD-Auflösung, also 3840 x 2160 Pixel, einer Datenrate von durchschnittlich 150 Mbit/sec, und mit 50 oder 60 Vollbildern pro Sekunde, je nach TV-Norm (PAL oder NTSC). Diese 50p oder 60p sind ein Novum in dieser Geräteklasse und entsprechend viele Daten fallen in kurzer Zeit an.

Panasonic empfiehlt für diese speicherhungrigen Videomodi SDHC- und SDXC-Karten der UHS Geschwindigkeitsklasse 3 (U3). Werden nicht kompatible Kärtchen verwendet, erscheint ein Warnhinweis. Im Gegensatz zu Sony Camcordern wird die Aufnahme jedoch nicht blockiert, sondern es kann trotzdem gefilmt werden, falls die Karte ähnlich schnell ist. Der Warnhinweis wird immer wieder eingeblendet.

Während das getestete Vorserien-Modell noch kein Cinema 4K (4096 x 2160 Pixel) und 4K (3840 x 2160) im MOV-Format beherrschte, ist dies seit dem Firmware-Upgrade auf 1.2 möglich. Cinema 4K wird immer mit 24p und einer Datenrate von 100 Mbit/sec aufgezeichnet. Bei 4K kann zwischen 60/50p mit 150 Mbit/sec und 30/25/24p mit 100 Mbit/sec gewählt werden.

In Full-HD-Auflösung (1920 x 1080) hat Panasonic den Codec aufgebohrt und bietet bis zu 200 Mbit/sec Datenrate in der sogenannten All-Intra-Kodierung an. Dabei wird jedes Videobild unabhängig von seinen Nachbarbildern kodiert, im Gegensatz zur Inter-Frame-Kodierung, bei der Bilder in Abhängigkeit zum Nachbarn kodiert werden (GOP). Die höhere Datenrate vermindert Bewegungsunschärfen und Bildstörungen, All-Intra benötigt bei der Videobearbeitung weniger Leistung, verbraucht jedoch mehr Speicherplatz auf der Karte.

150 oder 200 Mbit/sec tönen nach schnellen Datenraten, verblassen jedoch im Vergleich mit den mehrfach teureren Geräten der Profi-Liga mit 600 und mehr Mbit/sec. Dafür lassen sich die Dateien der HC-X1000 auch auf aktuellen Computersystemen ohne Aufrüstung in High-End-Boliden anschauen und bearbeiten.

Der Unterschied zwischen MP4(LPCM) und MP4 liegt in der maximalen Datenrate und vor allem in der Tonkomprimierung. MP4(LPCM) wie auch MOV nutzen Linear-PCM und MP4 das AAC-Verfahren. AVCHD nimmt den Ton in Dolby Digital (stereo) auf.

Individuell angepasst

Wiedergabebildschirm mit Miniaturbildern in Neuner-Darstellung.Wiedergabebildschirm mit Miniaturbildern in Neuner-Darstellung.

Die bevorzugten Kameraeinstellungen können in sechs Szenendateien gespeichert werden. Der Camcorder bringt bereits Werkseinstellungen mit, die dem eigenen Geschmack bzw. der jeweilige Aufnahmesituation angepasst werden können. Es würde diesen Bericht sprengen, alle 15 möglichen Parameter mit ihren jeweiligen Einstellungsmöglichkeiten zu erläutern. Hier darf dann jeder seine Kamera ganz individuell nach seinen Anforderungen konfigurieren, sei es in Farbintensität, Kontrastumfang, Dynamikbereich, Blendenmodus, Gamma-Profile oder Hautton-Darstellung, um nur ein paar Möglichkeiten zu nennen.

Interessant sind die beiden Gamma-Einstellungen „Cine-Like D“ und „Cine-Like V“. Sie sollen „dem Video eine Gestaltung ähnlich einem Kinofilm geben“, so das Handbuch. Weiter wird empfohlen, dabei das Bild „etwas dunkler“ zu belichten. Der Hintergrund dabei ist, dass mit den „Cine-Like“-Profilen ein flaches Videobild aufgenommen wird, das sich noch weiter über die Bildeinstellungen hinsichtlich Schärfe, Kontrast und Farbsättigung einstellen lässt und sich besser für nachträgliche Farbkorrekturen eignet.

Dazu passt, dass die HC-X1000 nicht nur in UHD-Auflösung (3840 x 2160 Pixel), sondern eben auch in echter Cinema 4K-Auflösung (4096 x 2160 Pixel) aufnehmen kann, so dass zumindest theoretisch auch Kinoverwertungen möglich wären. Dagegen spricht die interne Farbabtastung (4:2:0), das nicht wechselbare Objektiv und der kleine Sensor, der sich nur bedingt für szenisches Filmen mit gezielten Schärfeverlagerungen eignet.

Wer seinen Camcorder noch weiter personalisieren möchte, kann aus 23 Funktionen wählen und sie einer der zehn frei belegbaren „User“-Tasten zuweisen. Wobei ab Werk bereits sinnvolle Standardzuweisungen bestehen. So ist User-Taste 5 mit der Fokussierhilfe „Focus Assist“ und Taste 6 mit der Aufnahmerückschau „Rec Check“ belegt und auch entsprechend beschriftet. Die User-Tasten 1 bis 4 sind hingegen neutral gehalten, und bei den „virtuellen“ Tasten 7 bis 10 auf dem Touchscreen wird die aktuell zugewiesene Funktion abgekürzt angezeigt. Einzelne User-Tastenfunktionen können auch über das Menü eingestellt werden.

Für Standbilder bietet die Kamera mehrere Möglichkeiten. So kann die „Capture“-Funktion auf eine User-Taste gelegt und damit Fotos geschossen werden. Dies funktioniert auch während der Aufnahme von Videos. Fotos können auch nachträglich in der Kamera während der Wiedergabe als Einzelbild gespeichert werden. Eine weitere Möglichkeit ist die „Freeze Frame“-Funktion, die auch einer User-Taste zugewiesen wird. Damit friert das Aufnahmebild ein, während der Ton weiter aufgezeichnet wird. Ideal für unbewegte Objekte wie Schilder, Gemälde oder Gebäude, die damit absolut verzitterungsfrei aufgenommen werden.

Die Bildgrösse hängt vom jeweiligen Videoaufnahmeformat ab und beträgt somit maximal 4096 x 2160 Pixel. Dies entspricht einem 8 Megapixel-Bild und benötigt beim Abspeichern als jpg-komprimierte Datei noch rund 3,5 bis 4 MByte.

Mittels WiFi und der Panasonic „Image App“ kann der Camcorder direkt oder über einen drahtlosen Zugang (Wireless Access Point) per Smartphone oder Tablet inklusive Livebildvorschau fernbedient werden. Die Verbindung klappt dabei am einfachsten mit NFC-kompatiblen Geräten. Im Gegensatz zu den meisten Consumer-Geräten sind dabei nicht nur Bildkontrolle, Fokussierung und Aufnahmestart/stopp möglich, sondern auch Zoom, Blenden-, Gain- und Verschlusseinstellungen, Weissabgleich sowie weitere Funktionen fernbedienbar.

Ansichtssache

Standbild aus Videosequenz: Noch im Camcorder kann bei Wiedergabe mittels Foto-Symbol rechts ein Einzelbild gespeichert werden.Standbild aus Videosequenz: Noch im Camcorder kann bei Wiedergabe mittels Foto-Symbol rechts ein Einzelbild gespeichert werden.

Über die „Thumbnail“-Taste wird zwischen Aufnahme und Wiedergabe umgeschaltet. Man kann die Aufnahmen nach Datum oder nach Aufnahmeformat sortiert anschauen. In der Miniaturbild-Anzeige lassen sich bis zu 20 Vorschaubilder auf einer Seite oder eine Sequenz mit detaillierten Aufnahmedaten anzeigen.

Die beste Wiedergabequalität gibt es über die HDMI-Buchse. Ein Kabel dazu wird mitgeliefert. Wenn dann noch der Fernseher oder Monitor einen HDMI 2.0 Anschluss für 4K-Videomaterial mit 50 oder 60 Bildern pro Sekunde aufweist, steht dem optimalen Bildgenuss nichts mehr im Wege. Aber auch auf einem Full-HD Fernseher betrachtet sind die herunterskalierten Bilder ein Augenschmaus. Vor allem, wenn bei genügend Licht gefilmt wurde. Hier kommt dann das Potenzial von HD-Aufnahmen erst richtig zur Geltung.

Wer den Camcorder im Aufnahmemodus an ein 4K-kompatibles TV-Gerät anschliesst, kriegt leider nur Full-HD Bilder mit 1920 x 1080 Pixeln zu sehen. Auch wenn das Aufnahmeformat auf 4K oder Cinema 4K steht. Das dabei eventuell entstehende Geräusch, die von Kameramikrofon und TV-Lautsprecher hervorgerufene Audiorückkopplung, erklärt das Handbuch ganz unprofessionell mit „quietschendes, ungewöhnliches“ Geräusch.

Über die Cinch-Buchsen für analoges Video und Audio lässt sich der Camcorder sogar noch an einen 4:3 PAL-Fernseher anschliessen. Eine Down-Converter-Funktion passt das Breitbildvideo an das normale TV-Gerät an. Von High-Definition ist dann natürlich nichts mehr zu sehen.

Die in Profi-Kreisen übliche SDI-Buchse für HD-Video, Time-Code oder Synchronsignale fehlt dem HC-X1000. Dafür ist die Datensicherung oder Archivierung gut und einfach gelöst. Über schnelle USB 3.0 -Anschlüsse nimmt der Camcorder als externes Laufwerk oder als Kartenleser mit PC oder Mac Kontakt auf (Device-Modus).

Das Kopieren kann über Drag-and-Drop oder dem Verwaltungsprogramm des Computers erfolgen, oder man benutzt die kostenlose HD-Writer Software von Panasonic. Sie verwaltet die Video- und Fotodaten auf einer Festplatte und schreibt sie auf Speichermedien wie Blu-ray Discs, DVDs oder SD-Karten. Oder man schliesst im Host-Modus eine Festplatte direkt an die Kamera an und kopiert die Videoaufnahmen der beiden Speicherkärtchen. Ab dieser Festplatte können die gesicherten Aufnahmen auch wieder via Kamera auf einem Fernseher betrachtet werden.

Die Beurteilung der Videoqualität ist einmal mehr Ansichtssache. Hier besonders, da sich bei der HC-X1000 sehr viele bildbeeinflussende Parameter verändern lassen. Hinzu kommt, dass die Darstellung auf verschiedenen Fernsehern und Monitoren, 4K-kompatibel oder Full-HD, sehr unterschiedlich aussehen kann. Zudem fallen bei diesen hohen Auflösungen Bildfehler, Griesseln, Wabern und Rauschen umso mehr und störender auf, da man auch noch genauer hinschaut.

Wer sich etwas länger mit den unterschiedlichen Einstellungen beschäftigt, die „intelligente Automatik“ verlässt und für seine wichtigsten Aufnahmesituationen optimale Szenendateien erstellt, bringt erstaunliche Bilder aus diesem Camcorder. Die Herausforderung besteht darin, die sehr gute Schärfe dank 4K-Video und kleinem Sensor mit möglichst wenig Rauschen und Bildstörungen in lichtschwachen Situationen beizubehalten. So kann bei vielen Aufnahmen die manuelle Begrenzung des Gain-Wertes und die Anpassung des Gammas ausschlaggebend sein.

Der bei CMOS-Sensoren unvermeidliche Rolling-Shutter-Effekt wird im Camcorder etwas korrigiert, ist aber vor allem bei schnellen Bewegungen aus der Hand gut wahrnehmbar. Ruckende Bilder waren auch bei 4K-Auflösung dank 50p kein Thema. Hier unterscheidet sich der HC-X1000 wohltuend von den meisten Amateur- und Prosumer-Geräten mit 24 oder 25p. Wenn Videobilder stottern oder rucken, dann ist dies für mich kein Kino-Feeling, sondern es sind schlicht und einfach technisch fehlerhafte Sequenzen.

Aussenaufnahmen im Automatik-Modus bei genügend Licht waren sehr scharf und vor allem in Full-HD überwältigend. Da 4K-Videoaufnahmen für die Weitergabe zur Zeit meist sowieso in Full-HD heruntergerechnet werden, kann der Camcorder sehr gut als Lieferant für hochwertiges Full-HD Quellmaterial dienen. Die Detailfülle, Schärfe und Räumlichkeit der konvertierten Bilder ist einfach fantastisch. Trotzdem kann auch der 1/2,3 Zoll Chip des HC-X1000 die physikalischen Einschränkungen kleiner Sensorflächen nicht umgehen. Bei wenig Licht tritt in homogenen Flächen Farbrauschen auf und in extremen Hell-Dunkel-Übergängen treten leichte Farbsäume in lila und türkis auf. Bei weniger Licht draussen wollte die Kamera die Schärfe beibehalten und überzog die Sträucher und Blätter mit einem unübersehbaren Griesseln.

Gesichter werden in der Standardeinstellung (Szenendatei 1) bei Tageslicht farblich neutral und natürlich dargestellt. Die extreme Schärfe, die natürlich auch Falten und Unreinheiten unschmeichelhaft hervorhebt, kann mit der „Skin Tone Detail“-Einstellung abgeschwächt werden und lässt die Haut sanfter erscheinen.

Eine längere Theateraufführung mit teils sehr dunklen Bühnenbildern bot einen interessanten Praxistest. Der erste Versuch mit auf 6 dB limitierter Gain-Verstärkung, längerer Belichtungszeit und manueller Scharfstellung ging so ziemlich in die Hose. Das Bild war zwar genügend hell, zog bei Bewegungen von Personen jedoch unschön nach. Kaum in den Griff zu kriegen war die korrekte Schärfe, wenn die Kamera voll auf die Bühne einzoomte. Trotz Fokus-Assistenz waren in den düsteren Bildern kaum Kanten auszumachen, und Unschärfen fielen gerade durch die sonstige Schärfe im Bild noch mehr auf.

Der zweite Versuch mit normaler Belichtung und Autofokus überraschte dann sehr. Die Bilder waren gesamthaft etwas dunkler, kamen jedoch noch immer genügend durchzeichnet und ohne Nachzieher herüber. Der Autofokus arbeitete hervorragend und sorgte durchwegs für knackscharfe Bilder. Eine positive Überraschung auch beim gefürchteten Griesseln, das sich dank Gain-Limiter sehr in Grenzen hielt. Da ich die Blende manuell dem jeweiligen, professionell ausgeleuchteten Bühnenbild anpasste, gab es auch keine überstrahlten, konturlosen weissen Köpfe der Darsteller. Ein Effekt, der sehr oft bei Consumer-Camcordern zu beobachten ist. Dort ist das Gesamtbild allgemein heller, aber Darsteller im Scheinwerferlicht werden hoffnungslos überbelichtet aufgezeichnet.

Standbilder, „gecaptured“ aus den Theateraufnahmen, liess ich bis zu DIN A3 Grösse auf Fotopapier ausbelichten. Und überraschte damit so manchen gestandenen Fotografen. Für den einen sahen die Fotos zwar schon etwas zu „videomässig“ und „geplättet“ aus, für den anderen könnte sich dieser Look, nicht zuletzt auch dank Handy- und Tablet-Fotos, durchaus etablieren. Alles Ansichtssache eben.

Fazit

Verblüffende Qualität: Das 4K Foto aus den Theateraufnahmen liess sich problemlos bis DIN A3 auf Fotopapier ausbelichtenVerblüffende Qualität: Das 4K Foto aus den Theateraufnahmen liess sich problemlos bis DIN A3 auf Fotopapier ausbelichten

Der HC-X1000 glänzt mit 4K 50p Video, professioneller Ausstattung und vielen Anpassungsmöglichkeiten. Mit der intelligenten Automatik lässt sich sofort losfilmen. Er kann auch völlig manuell bedient werden und ist damit ein Allzweckwerkzeug für viele Videoeinsätze im Event- und Reportagebereich.

Nicht ganz überzeugen können seine Funktionen für szenisches Filmen. Er bietet zwar Cinema 4K Auflösung, eingebaute ND-Filter und „Cine-Like“-Profile, verschenkt jedoch Bildqualität und Schärfentiefe-Gestaltung durch den kleinen Sensor und das fest eingebaute Objektiv.

Die 4K-Videobilder des HC-X1000 beeindrucken durch fantastische Schärfe und überzeugen noch mehr in Full-HD, direkt aus der Kamera oder im Computer heruntergerechnet. Die vielen Standard-Videoformate und die Speicherung auf normale SD-Karten ermöglichen kostengünstiges Filmen und Bearbeiten auf verschiedenen Plattformen.

Für Reisende mit kleinem Gepäck ist er viel zu gross, doch für engagierte Amateure und professionelle Event-Filmer ermöglicht dieser handliche Prosumer Camcorder einen erschwinglichen Einstieg ins 4K Profi-Lager.