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Auch nach dreissig Jahren intensiver Zusammenarbeit haben die Piega-Gründer Kurt Scheuch (links) und Leo Greiner das Lachen nicht verlernt.Auch nach dreissig Jahren intensiver Zusammenarbeit haben die Piega-Gründer Kurt Scheuch (links) und Leo Greiner das Lachen nicht verlernt.

Auch nach dreissig Jahren intensiver Zusammenarbeit haben die Piega-Gründer Kurt Scheuch (links) und Leo Greiner das Lachen nicht verlernt.

Um für die grossen Veränderungen, welche die Zukunft mit sich bringt, gewappnet zu sein, hat man sich bei Piega einiges überlegt. Deshalb wird sich das Unternehmen nicht nur personell und verkaufstechnisch verändern, sondern man forscht auch in Sachen neuartiger Piega-Produkte.

Wohnraumgerechte Akustik

Der Abhörraum der Firma Piega in Horgen wurde nicht nur einfach neu gestrichen und etwas aufgemöbelt. Die in Thalwil ansässige Firma Hitz stattete den Raum mit einer ProPhon-Akustik-Decke aus. Diese sieht zwar wie eine gewöhnliche Decke aus, funktioniert jedoch dank der porösen Absorber mit offenporiger Beschichtung für feine Oberflächen ganz raffiniert. Diese hochmusikalische Decke und einige andere Massnahmen verhelfen dem Raum zu einer wohnraumgerechten Akustik.

Heutige Wohnräume sind in der Regel nicht mehr wie noch vor einigen Jahren durch Hochflor-Teppiche und dicke Vorhänge überdämpft, sondern durch grosse Glasflächen akustisch eher ungünstig ausgelegt. Diesen Umständen muss man heute Rechnung tragen. Der neue Abhörraum von Piega liegt so in der goldenen Mitte: Er besitzt eine natürliche Nachallzeit und keine unsympathischen Flatter-Echos. Wer sich in diesem Raum unterhält, glaubt sich in einem normalen Wohnraum zu befinden.

Zudem hat man das Entwicklungslabor in einen anderen, neu hergerichteten Raum ausgelagert. Dort wirken nun sowohl der bewährte Klangtüftler Daniel Raymann als rechte Hand von Chefentwickler Kurt Scheuch, als auch ganz neu der Elektroniker Dominik Züger, der sich als Entwickler der Lautsprecher mit Schwerpunkt auf «Aktiv und neue Medien» einarbeitet.

Dank einer raffiniert funktionierenden ProPhon-Decke und diversen anderen Massnahmen entspricht die Akustik dieses Abhörraumes einem normalen Wohnraum.Dank einer raffiniert funktionierenden ProPhon-Decke und diversen anderen Massnahmen entspricht die Akustik dieses Abhörraumes einem normalen Wohnraum.

Um die Verbesserung der Abhör-Akustik selber zu erleben, führen mir die Piega-Leute zwei sehr unterschiedliche Lautsprecher vor. Es sind dies die bereits in einem Gruppentest geprüfte Piega Coax 511 mit einem Preis von 10'000.- CHF pro Paar sowie die mit einem Preis von 60'000.- CHF nicht für alle erschwingliche Master Line Source 2, die ja eine auf Wohnraumgrösse verkleinerte Master Line Source ist.

Schlanke Säulen, packender Klang

Die beiden Coax 511 werden nicht, wie man vermuten könnte, von den in der Mitte platzierten T+A-Boliden, sondern von den rechts gerade noch erkennbaren T+A-Komponenten PA2000R-Vollverstärker und CD-Spieler MP2000RMKII angesteuert.Die beiden Coax 511 werden nicht, wie man vermuten könnte, von den in der Mitte platzierten T+A-Boliden, sondern von den rechts gerade noch erkennbaren T+A-Komponenten PA2000R-Vollverstärker und CD-Spieler MP2000RMKII angesteuert.

So entschliesse ich mich, als erstes die mir bekannten Coax 511 anzuhören und lasse mich in den bequemen Sessel fallen. Daniel Raymann schliesst meinen Pioneer XDP-300R HiRes-Player an den T+A-PA2000R-Vollverstärker (Preis: 6250.- CHF) an. Zudem stellt er am HiRes-Player sicher, dass meine bei Highresaudio im DSD-Format gekauften Mozart-Violinkonzerte mit dem von mir hochgelobten Geiger Andrew Manze und dem Orchester The English Concert auch wirklich als originale DSD-Files und ohne Umweg übers PCM-Format abgespielt werden.

Und was dann zu hören ist, erfreut meine Ohren, denn ich kenne diese Aufnahmen von der Wiedergabe bei mir zu Hause zur Genüge. Das Gespann mit dem T+A-PA2000R-Verstärker und den Coax 511 harmoniert perfekt. Mit welcher klanglicher Wärme und Schönheit diese exzellent aufgenommenen Streicherwerke von Mozart erklingen, gehört zum Besten, was ich je gehört habe.

Ausgewogen und mit einer faszinierenden Feinzeichnung erscheint hier Andrew Manzes unkonventionell gespielte Violine im Abhörraum. Der Solist wird auf natürliche Art und Weise in das Orchester integriert und erhebt sich nur bei wirklichen Solo-Passagen klar aus dem Orchestergefüge.

Der Mitteneindruck ist dermassen überzeugend, dass man bei geschlossenen Augen glaubt, einen zusätzlichen Mittenlautsprecher vor sich zu haben. Die räumliche Projektion mit lediglich zwei Kanälen überzeugt sogar mich, den unverbesserlichen 5.1-Freak. Und von den herrlichen, warm-brillanten und unerhört fein gezeichneten Klangfarben der Streicher kann ich nur schwärmen.

Big-Band-Sound aus den Fifties

Nicht diese legendäre LP aus dem Jahre 1958 in «Dynamic Stereo», aber deren Masterbänder wurden «digitally remastered» und liefern über die Coax 511 ein packendes Klangerlebnis.Nicht diese legendäre LP aus dem Jahre 1958 in «Dynamic Stereo», aber deren Masterbänder wurden «digitally remastered» und liefern über die Coax 511 ein packendes Klangerlebnis.

Nach diesen klassischen Streicherklängen nimmt es mich wunder, wie analoge Bänder aus dem Jahre 1958 klingen können, wenn sie professionell digital remastered wurden. Dazu wird die CD «Count Basie Plays Hefti» des Labels Real Gone Jazz in den nun angeschlossenen T+A-CD-Spieler MP2000RMKII gelegt. Und ich staune erneut. Diese Aufnahmen erklingen so frisch, als würden sie gerade live aus dem Konzertsaal in unseren Abhörraum übertragen. Dieser dynamische, packende Big-Band-Sound mit einem strahlenden Trompetensatz, unerhört realistisch röhrenden Saxophonen und sonor aufspielenden Posaunen katapultiert mich glatt aus dem Sessel! Das fährt tüchtig ein, und auch die Piega-Mannen sind von diesen vor rund 60(!) Jahren aufgenommen Klängen begeistert.

Weiter gehts mit dem Abhören der üblichen Teststücke von David Sanbornes «Tequila» mit seinen gewaltigen Kontra-C-Bässen, einem grossen Konzertflügel und so weiter. Was hier ganz klar zu hören ist: Die Coax 511 klingen nicht nur wegen den Coax-Bändchen-Systemen der 2. Generation so exzellent, sondern auch wegen den TIM-Modulen, welche die Gehäuse erstmals praktisch frei von Vibrationen machen. Dementsprechend klar, sauber und transparent spielen die Coax 511 vom tiefsten Subbass bis zum höchsten Diskant.

Vorhang auf!

Die Master Line Source 2 liefern im akustisch optimierten Abhörraum ein Klangbild, das schwer mit Worten aussagkräftig zu beschreiben ist.Die Master Line Source 2 liefern im akustisch optimierten Abhörraum ein Klangbild, das schwer mit Worten aussagkräftig zu beschreiben ist.

Die Master Line Source 2 ist eine kleinere Version der Master Line Source und soll somit auch für normale Wohnräume geeignet sein. Sie werden nun standesgemäss von folgenden Komponenten befeuert: Vorverstärker T+A P 3000HV, CD-Player T+A MP 3000HV, 2 Stück Endstufe 3000HV, Netzteil PS 3000HV.

Vor diesem Hörerlebnis frage ich mich, was denn gegenüber dem vorhin so bravourös aufspielenden Coax-511-T+A-Gespann eigentlich noch besser sein könnte.

Und dann kommt der freudige Schock: Gleich bei den ersten Klängen geht ein Vorhang auf und gibt die Klangbühne frei für ein scheinbar leibhaftig vor mir befindliches Kammerorchester.

Bei geschlossenen Augen fühle ich mich in den vorderen Reihen des Zürcher Tonhalle-Saales, das Orchester steht leicht erhöht auf dem Podium. Die Darstellung dieses grossen Klangkörpers mit einer klar umrissenen Breiten- und Tiefenstaffelung darf eigentlich schon gar nicht mehr wahr sein. Und was mich am meisten verblüfft ist die Tatsache, dass das Klangbild trotz der ausgeprägten Räumlichkeit absolut stabil und klar umrissen vor mir erscheint. Die Instrumente werden mit exzellenter Feinzeichnung dargestellt.

Noch immer in diesem Klangrausch schwelgend, könnte ich noch lange und ausführlich über das Erlebte berichten. Doch das würde den Rahmen dieses Berichtes wieder einmal sprengen und zu einer erneuten Rüge durch den Chefredaktor führen. Immer wieder mahnt mich Daniel Schmid, nicht zu ausführlich fürs gestresste Web zu schreiben und rät mir, mich endlich kurz zu fassen und alles rasch auf den Punkt zu bringen!

Es soll hier aber doch noch erwähnt werden, dass bei rockig-poppigen Sounds, gerade bei mitteltiefen Bässen um 80 Hz für meinen Geschmack eine gewisse ...
Wie bitte ...? Ja ja ...! Ich hör' ja schon auf ...

Neue Leute, neue Verkaufsstrategien

Präsentieren sich in «Orgelpfeifen-Aufstellung»: Der langjährige Chefentwickler Kurt Scheuch (Mitte) mit seinem bewährten Sound-Techniker Daniel Raymann (links) und dem ganz neu im Piega-Entwicklungslabor tätigen Dominik Züger.Präsentieren sich in «Orgelpfeifen-Aufstellung»: Der langjährige Chefentwickler Kurt Scheuch (Mitte) mit seinem bewährten Sound-Techniker Daniel Raymann (links) und dem ganz neu im Piega-Entwicklungslabor tätigen Dominik Züger.

Nach erfolgter Hörsession kommt es zum Gespräch mit den beiden Piega-Gründern Leo Greiner und Kurt Scheuch, die vor über 30 Jahren die Firma Piega gründeten und nun auf Ende 2017 zurücktreten, um einer jüngeren Führer-Gruppe Platz zu machen.

Schon jetzt sei verraten, dass die neue Führung von Piega aus folgenden Personen bestehen wird: Manuel Greiner für Marketing und Export, Alex Greiner für Verkauf Schweiz und Leitung der Firma Lake Side mit den Produkten T+A und Marantz, Thomas Müller für Finanzen und Produktion. Im Verwaltungsrat werden Leo Greiner, Kurt Scheuch und der Anwalt Christoph Schmid agieren. Sie werden den jungen, voll motivierten, aber auch nicht unerfahrenen Draufgängern erst mal etwas auf die Finger schauen.

Die neuen Leute der Piega-Führungscrew werden Anfang 2018 bei avguide.ch in einem ausführlichen Report zu Worte kommen.

Auch bezüglich der Verkaufsstrategie werden Änderungen eintreten. Laut Kurt Scheuch nimmt die Zahl der Fachhändler laufend ab. Da liegt es auf der Hand, den Online-Handel wenigstens bei gewissen Lautsprechern zu berücksichtigen.
Dass die beiden preisgünstigeren Serien TMicro und Classic nun auch online bei Galaxus/Digitec erhältlich sind, ist nur ein erster Schritt.

Obwohl Piega nach wie vor keinen Direktverkauf macht, können sich an einem Kauf interessierte Musikhörer(-innen) nach Voranmeldung (044 725 90 42) im oben beschriebenen Raum ihre bevorzugten Lautsprecher mit Elektronik von T+A und Marantz in aller Ruhe anhören und sich von Daniel Raymann, der rechten Hand von Chefentwickler Kurt Scheuch, beraten lassen.

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