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TESTBERICHT
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Publikationsdatum
24. Mai 2019
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Rega ist bekannt für ungewöhnliche Herangehensweisen. Das sichtbarste Beispiel ist die Optik: Aus fünf Metern Distanz oder mit ungeputzter Brille sehen fast alle Rega-Plattenspieler nahezu gleich aus. Dasselbe gilt für die Rega-Tonarme. Das Statement ist klar: Es geht dem britischen Traditionshersteller um Eigenständigkeit, innere Werte und nicht um die mittlerweile gut verbreitete Geschmacksanbiederung.

Beim neuen Planar 8 von Rega geht es um das Prinzip der Masse, und zwar der Masse der Zarge. Das erlebt man wie ich etwa so: Als ich den Plattenspieler, natürlich ohne Teller, sprich dessen Zarge mit vormontiertem Tonarm aus der (übrigens hervorragenden) Verpackung hob, glaubte ich, eine Drohne angefordert zu haben – eines dieser fliegenden Spielzeuge. Mit einer Hand hob ich das Ding mit Spinnengriff aus dem Karton und setzte es auf die Unterlage am Bestimmungsort.

Die ultraleichte Zarge des Planar 8 besteht aus einem Sandwich aus Tancast-8-Polyurethan-Schaum und zwei Lagen Kunststofflaminat. Die maximale Steifigkeit zwischen Tellerlager und Tonarmlager wird durch beidseitig auflaminierte Metallstreben erzielt.

Das Prinzip heisst «stressed beam» und soll unerwünschte, durch Vibrationen erzeugte, Resonanzen verhindern – die Ursache für unnatürliche Verzerrungen in der Musik. Im Widerspruch zur verbreiteten Überzeugung sollen gerade schwere Zargen mit hoher Masse mechanische Energie vom Antriebsmotor oder vom Tellerlager besser – also «unerwünscht besser» – auf den Tonabnehmer übertragen. Die Transmission unerwünschter Energie soll demnach mit dieser ungewöhnlichen Konstruktion effektiver verringert werden als mit den in dieser Preisklasse verbreiteten, schweren Geräte.

Und so geht es auch gleich weiter: Die Konstruktion des Tellerlagers erzeugt gemeinsam mit seiner Befestigung an der Zarge ebenfalls eine geringe Masse, die in verringertem Mass Energie auf die Zarge übertragen kann. Der Subteller besteht aus einem Stück gedrehtem Aluminium mit einer Stahl-Spindel in einem Messinggehäuse.

Aus dieser Perspektive sieht man die untere Verstrebung der Lager: das Tellerlager von aussen (Messing) und der Aluminium-Subteller mit den Rundriemen des Antriebs.

Der Antrieb erfolgt über ein Paar der neu entwickelten und hochpräzisen Rundriemen. Neu ist der Compound, also die Mischung, welche laut Rega eine über viele Jahre besonders hohe Elastizitätskonstanz garantiert. Auch diese Rundriemen werden bei Rega produziert, und zwar in sehr präzisen Werkzeugen. Bei Rundriemen dieser Art ist der exakte Durchmesser für die Gleichlaufkonstanz sehr wichtig. Kann es sein, dass aus diesem Grund Rundriemen bei Plattenspielern klar in der Minderheit sind?

Kurze Riemen – und dazu noch präzise Rundriemen und dann auch noch deren zwei – haben viele Vorteile: Der Antrieb ist viel direkter. Die Traktion ist höher als bei langen, flachen und weichen Riemen. Solche Antriebe lassen sich, in Verbindung mit massereichen Plattentellern, nicht so leicht aus der Ruhe bringen. Verluste in der Feindynamik führen oft zu einem langweilig wirkenden Klang mit einer gewissen Mattheit. Das macht sich bei besonders dynamischen Passagen bemerkbar, also dann, wenn die plötzlich stärkere Modulation in der Plattenrille eine geringfügige Bremswirkung erzeugt. Man kann das nicht nur hören, man kann es auch messen.

Voraussetzung für den Einsatz von Rundriemen ist aber ein ruhiger Motor: eine Samtpfote von einem Motor und ein guter Plattenteller. Fortsetzung folgt.

Ein Paar präzise und langlebige Rundriemen verbinden den Motor-Pulley mit dem Subteller. Das ist ein schöner Anblick.
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