18. März 2019 | seit 1999
TESTBERICHT
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Publikationsdatum
10. März 2019
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Sogenannte tri-koaxiale Lautsprecher kennen wir von Cabasse bereits: Das Modell Baltic 4 vereint einen 21-cm-Tieftöner mit einem 13-cm-Mittel- und einem 2,8-cm-Hochtöner in einer edel gestylten Kugel, die wahlweise auf einem Design-Ständer, auf einem Sideboard oder an der Wand platziert werden kann. Die passive Baltic überträgt allerdings «nur» hinunter bis 80 Hz und benötigt einen Subwoofer als Unterstützung im Bass. Ihr Paarpreis beträgt CHF 9400.

Umso erstaunlicher mutet an, dass Cabasse im Oktober letzten Jahres einen aktiven, tri-koaxialen Kugellautsprecher für weniger als CHF 6000 das Paar lanciert hat. Die neue Pearl kommt ganz ohne Subwoofer-Unterstützung aus und ist zudem punkto Connectivity dermassen umfangreich ausgestattet, dass man im Zusammenspiel mit einem Handy oder Tablet eine rundum komplette Hi-Res-taugliche Musikanlage vorfindet. 

Raffiniertes High-Tech auf engstem Raum

Schier unglaublich, wie viel High-Tech die französischen Ingenieure in den Kugellautsprecher hineinpacken konnten. Er beinhaltet ein vollwertiges 3-Wege-Lautsprechersystem. Dabei ist weniger der koaxiale 13-cm-Mittelhochtöner (den man so ähnlich von Cabasse bereits kennt) aufsehenerregend, als vielmehr der Umstand, dass auch noch ein 25-cm-Tieftöner darin Platz gefunden hat. Möglich wird dies dadurch, dass er um 180 Grad gedreht nach hinten abstrahlt. Bei einer entsprechend tiefen Trennfrequenz ist das kein akustischer Nachteil, sofern man das Phasenverhalten im Übergangsbereich in den Griff bekommt.

Der koaxiale Mittelhochtöner und der nach hinten arbeitende Tieftöner verfügen über jeweils eigene Gehäusevolumen. In der Mitte ist die Digitalelektronik angeordnet. Ein Teil der Kugeloberfläche arbeitet als Kühlkörper.

Hier hat die Pearl als digitaler Aktivlautsprecher den Vorteil, dass sich mittels digitaler Signalverarbeitung (DSP) sämtliche Wiedergabeparameter fast beliebig optimieren lassen. So kann man etwa den natürlichen Bassabfall des Treibers im geschlossenen Kugelgehäuse in weiten Grenzen kompensieren. Cabasse spezifiziert einen Frequenzumfang bis zu unglaublichen 14 Hz. Zwei Voraussetzungen sprechen tatsächlich für eine aussergewöhnliche Tiefbasswiedergabe: Der Bass verfügt über eine spezielle Sicke, die Membranauslenkungen bis zu 3 cm klaglos verkraften soll. Angetrieben wird er durch einen Class-D-Verstärker, der laut Cabasse unglaubliche 1000 Watt RMS leisten soll. Auch im Mittel- und Hochtonbereich werden je 300 Watt RMS zur Verfügung gestellt.

Wer an solchen Leistungsangaben zweifelt, sollte den Umstand berücksichtigen, dass Class D einen Wirkungsgrad von über 80 Prozent realisiert und die Abwärme dadurch relativ gering bleibt. Tatsächlich ist ein Teil des Kugelgehäuses rundum als Kühlkörper konzipiert und gibt im Betrieb spürbar Wärme ab. Und auch die im Datenblatt spezifizierte maximale Leistungsaufnahme von 1400 Watt deutet darauf hin, dass bei den Verstärkern richtiggehend geklotzt wurde. 

Riesige Leistungsreserven aus kompakten Abmessungen kennt man ja bereits vom Digitalspezialisten Devialet, dessen Phantom-Lautsprecher in den drei Ausführungen (Standard, Silber, Gold) ebenfalls mit gigantischen Watt-Angaben protzen. Vergleicht man die Cabasse Pearl mit den Phantom-Modellen, so kommt man nicht um den Eindruck herum, dass letztere bei der Entwicklung ganz klar im Fokus standen. Allerdings betrifft dies mehr die Digitalausstattung als den Lautsprecher selbst. Hier konnte man sich bei Cabasse trefflich am eigenen Know-how betreffend Kugelkonstruktionen orientieren.

Bereits mit der Artis L'Ocean hat Cabasse vorgemacht, was mit digitaler Aktivtechnik in einem Kugellautsprecher möglich ist.

Andererseits ist der französische Hersteller – auch was Class-D-Technologie betrifft – keineswegs ein Newcomer. So hat man bereits den Spitzenmodellen «La Sphère» und «L’Océan» äusserst leistungsfähige und dabei kompakte Class-D-Verstärker spendiert. Dies allerdings in einer ganz anderen Preisklasse. Dass man nun schlichtweg 1600 Watt in einen vergleichsweise bezahlbaren Kugellautsprecher integrieren konnte, erstaunt selbst den Kenner der Materie. Aber wie gesagt, Devialet hat es vorgemacht, und nun möchte auch Cabasse auf ganz eigene Weise demonstrieren, was im digitalen, vernetzten Zeitalter an technischer Meisterleistung möglich ist. 

118 dB Spitzenschalldruck soll schon eine einzelne Pearl in den Hörraum pumpen. Das sind eigentlich bereits professionelle P.A.-Werte. Aber natürlich ist die schicke Französin nicht für den Dauereinsatz bei dieser Lautstärke konzipiert. Immerhin muss man sich als Besitzer niemals Sorgen über fehlende Pegelreserven machen. Ebenso überflüssig ist der Einsatz eines zusätzlichen Subwoofers. Die Pearl verfügt über eine vollautomatische Einmessfunktion, mit deren Hilfe die Tieftonwiedergabe an den vorliegenden Hörraum angepasst werden kann. Dazu ist laut Cabasse ein Mikrofon in der Kugel integriert, welches die Raumakustik auslotet und den Frequenzgang im Bass anpasst.

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