Gelenkig: Der Sucher der GFX 50S lässt sich in verschiedene Stellungen drehen. Was haben Hunde mit digitalen Mittelformatkameras zu tun? Sie sind immer zufällig dabei, wenn ich eine neue Kamera ausprobiere. Dies war so beim Test der Hasselblad X1D und jetzt wieder beim Test der Fujifilm GFX 50S.
Diesmal holte ich die Kamera bei Fujifilm in Dielsdorf ab und machte kurz Halt am Pistenende in Oberglatt. Prompt traf ich eine ehemalige Mitschülerin mit ihrem Hund. Der musste natürlich gleich als Fotomodell herhalten. Die Schulkollegin zierte sich, selbst mit aufs Foto zu kommen. Dass ich die Bilder mit einer spiegellosen Mittelformatkamera mit wahnsinnigen 50 Megapixel Auflösung aufnahm, war ihr auch ziemlich egal. Von aussen betrachtet sieht die Kamera eben gar nicht speziell aus.
Hält man die neue Fujifilm GFX 50S zum ersten Mal in den Händen, fällt auf, dass einem nichts auffällt. Ohne direkten Grössenvergleich erinnert ihr Aussehen und Gewicht an eine normale digitale Spiegelreflexkamera aus der Profi-Liga. Höchstens das Objektiv scheint etwas üppiger ausgefallen zu sein.
Das liegt an dem neu entwickelten, grossen G-Mount-Bajonett von Fujifilm, das einen Durchmesser von stolzen 65 Millimetern aufweist. Die Auswahl an dazu passenden Fujinon-GF-Objektiven ist zurzeit noch überschaubar, deckt jedoch die meisten Einsatzgebiete ab. Zudem lassen sich mit dem H-Mount-Adapter GFX auch Hasselblad-Objektive anflanschen.
Damit sind wir gleich beim engsten Mitbewerber der GFX 50S, der Hasselblad X1D. Im Unterschied zur Fujifilm präsentiert sich diese vor allem als Minimalistin und Beauty-Queen. Ihr Funktionsumfang beschränkt sich auf das Nötigste und das Design kommt schlicht und unauffällig daher.
Kleinere Fujifilm-Kameras kommen im stylischen Retro-Look daher. Dies trifft definitiv nicht auf die GFX 50S zu. Das kantige Gehäuse mit den vielen Tasten und überstehenden Drehrädchen wird kaum einen Schönheitspreis gewinnen. Vor allem der Monitor an der Rückseite tritt etwas bullig hervor. Wenn er dann noch aufgeklappt und der Sucher hochgestellt wird, sieht die GFX 50S gar schon etwas einschüchternd aus.
Die Zielgruppe dieser Kamera sind Profis und Foto-Enthusiasten. «Funktion kommt deshalb vor Design», war wohl das Motto der GFX-50S-Entwickler. Salopp ausgedrückt könnte man sagen, die Hasselblad nimmt man zum Vorzeigen und die Fujifilm zum Arbeiten.
Ein Schnäppchen für Profis
Die GFX 50S entstammt der X-Serie von Fujifilm, die 2011 mit einem APS-C-Sensor auf den Markt kam und bei vielen Profi- und Amateur-Fotografen grossen Anklang fand. Die hervorragende Bildqualität bei vergleichsweise geringen Abmessungen überzeugte Bildermacher in den unterschiedlichsten Bereichen.
Bald kam der Wunsch auf, diese hohe Bildqualität kombiniert mit einem grossformatigen Sensor auch in der kommerziellen und professionellen Studiofotografie einsetzen zu können. Anfang Jahr wurde schliesslich die GFX 50S vorgestellt. Eine Kamera, die laut Fujifilm auf Erfahrungen aus über 80 Jahren Image-Technologie und langer analoger Mittelformat-Tradition zählen kann. Das Resultat sei schlichtweg die beste Bildqualität überhaupt, die je aus einer Fujifilm-Kamera kam.
Das sind grosse Worte, doch der riesige Aufnahmesensor der Fujifilm GFX 50S bringt tatsächlich dermassen scharfe, plastische, detailreiche und durchzeichnete Aufnahmen mit aussergewöhnlich wenig Bildrauschen, wie ich es vorher noch nicht gesehen habe. Das alles hat natürlich seinen Preis. Allein das Kameragehäuse kostet 7520 Franken. Das günstigste Objektiv kommt auf knapp 2000 Franken. Dann noch ein Ersatzakku und der Batteriegriff dazu, und schon ist man bei 10'380 Franken angelangt.
Damit liesse sich schon ein Kleinwagen kaufen, ist aber letztendlich für Profis, die damit Poster in XXL-Format erstellen, eher ein Schnäppchen. Denn noch vor wenigen Jahren hätte eine solche Kamera gut und gern das Fünffache gekostet. Die im Juli 2014 erschienene digitale Mittelformatkamera Pentax 645Z mit derselben Auflösung wie die GFX 50S war mit knapp 10'000 Franken, nur für das Gehäuse, damals schon eine Preissensation. Das Gehäuse der Hasselblad X1D-50c ist aktuell für 9595 Franken zu haben.
Die deutlich niedrigeren Anschaffungskosten einer Fujifilm GFX 50S im Vergleich zu bisherigen digitalen Mittelformatkameras wird auch jüngeren oder nicht so gut betuchten Fotografen die Welt der Mittelformatfotografie öffnen.
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Gewichtheben und Däumchendrehen
Grosse Schnauze: Hinter dem G-Mount-Bajonett befindet sich ein riesiger Sensor mit 8256 x 6192 Pixel Auflösung.Die GFX 50S ist Fujifilms erste spiegellose Mittelformatkamera ohne Tiefpassfilter. Wie bei Hasselblad kommt auch bei Fujifilm ein CMOS-Sensor mit einer Grösse von 43,8 x 32,9 mm zum Einsatz. Das ist rund 1,7-mal so gross wie ein Kleinbildsensor, gut viermal grösser als ein Sensor im APS-C-Format und 6,4-mal grösser als FourThird. Darauf befinden sich 51,4 Millionen effektive Pixel.
Der Bildwandler ist im 4:3-Seitenverhältnis ausgelegt und liefert maximal 8256 x 6192 Pixel. Mit diesen Abmessungen hat eine JPEG-Datei eine Grösse zwischen 20 und 25 Megabyte, je nach Bildinhalt. RAW-Dateien sind um 110 Megabyte gross. Neben 4:3 sind auch die Seitenverhältnisse 3:2, 16:9, 1:1, 65:24, 5:4 und 7:6 wählbar.
Für eine optimale Schärfe besitzt der Bildwandler kein Tiefpassfilter. Interessanterweise kommt beim Sensor des GFX 50S das übliche Vierermuster (Bayer-Matrix) mit Primärfarbenfilter zur Anwendung, und nicht etwa wie bei der X-T2 das von Fujifilm selbst entwickelte X-Trans-Verfahren mit einem 6 x 6 Raster bei der Farbfilteranordnung.
Die Vorderseite der Kamera wird ganz vom neuen G-Mount-Bajonett dominiert. Es hat einen Durchmesser von 65 mm und ein Auflagemass von nur noch 26,7 mm. Das ist sehr kurz im Vergleich zu herkömmlichen Mittelformat-Spiegelreflex-Kameras und erleichtert die Konstruktion von Adaptern für Objektive von Fremdherstellern. Der Abstand zwischen der Rücklinse des Objektivs und dem Sensor konnte ebenfalls verringert werden, was laut Fujifilm zu einer verbesserten Abbildungsleistung bei Weitwinkelobjektiven führen soll.
Neben dem Objektiv-Entriegelungsknopf links unten befinden sich etwas weiter oben die Funktionstaste Fn2 und links daneben das vordere Einstellrad, rechts vom Bajonett, knapp unter der oberen Kante, gibt es nur noch den Blitz-Synchronanschluss. Oberhalb und unterhalb der grossen Bajonettöffnung ist nicht mehr viel Platz vorhanden. Ein Zeichen dafür, dass Fujifilm das Gehäuse der 50S so kompakt wie möglich halten möchte.
Auf der Oberseite befinden sich links und rechts des Suchers die beiden Einstellräder, zahlreiche Tasten und ganz rechts, unterhalb des Ein/Aus-Schalters, ein monochromes LCD-Zusatzdisplay. Dieses hat keine fest eingravierten Symbole, die auf vielen anderen Kameras zu finden sind. Die Anzeigen, Texte wie Symbole, sind flexibel und lassen sich vom Benutzer anpassen. Sie sind zudem auch ohne Brille und draussen in der Sonne gut ablesbar.
Die linke Rückseite wird vom aufklappbaren Monitor eingenommen. Rechts davon sind drei weitere Funktionstasten, ein Joystick-ähnlicher Fokushebel, die Pfeiltasten mit Menü/OK-Taste in der Mitte, die Display- sowie die Quickmenü-Knöpfe untergebracht. Der Fokusmodusschalter, die Wiedergabe- und die Löschen-Taste sind gleich oberhalb des Monitors, noch in dessen breiten, etwas hervorstehenden Gehäuseumrandung, eingelassen.
Eine geniale Lösung ist Fujifilm beim Sucher eingefallen. Dieser lässt sich abnehmen, auf den optional erhältlichen Gelenkadapter EVF-TL1 einrasten und damit um ±45 Grad nach links oder rechts sowie zwischen 0 und 90 Grad nach oben schwenken.
Die GFX 50S ist Fujifilms erste spiegellose Mittelformatkamera ohne Tiefpassfilter. Wie bei Hasselblad kommt auch bei Fujifilm ein CMOS-Sensor mit einer Grösse von 43,8 x 32,9 mm zum Einsatz. Das ist rund 1,7-mal so gross wie ein Kleinbildsensor, gut viermal grösser als ein Sensor im APS-C-Format und 6,4-mal grösser als FourThird. Darauf befinden sich 51,4 Millionen effektive Pixel.
Der Bildwandler ist im 4:3-Seitenverhältnis ausgelegt und liefert maximal 8256 x 6192 Pixel. Mit diesen Abmessungen hat eine JPEG-Datei eine Grösse zwischen 20 und 25 Megabyte, je nach Bildinhalt. RAW-Dateien sind um 110 Megabyte gross. Neben 4:3 sind auch die Seitenverhältnisse 3:2, 16:9, 1:1, 65:24, 5:4 und 7:6 wählbar.
Für eine optimale Schärfe besitzt der Bildwandler kein Tiefpassfilter. Interessanterweise kommt beim Sensor des GFX 50S das übliche Vierermuster (Bayer-Matrix) mit Primärfarbenfilter zur Anwendung, und nicht etwa wie bei der X-T2 das von Fujifilm selbst entwickelte X-Trans-Verfahren mit einem 6 x 6 Raster bei der Farbfilteranordnung.
Die Vorderseite der Kamera wird ganz vom neuen G-Mount-Bajonett dominiert. Es hat einen Durchmesser von 65 mm und ein Auflagemass von nur noch 26,7 mm. Das ist sehr kurz im Vergleich zu herkömmlichen Mittelformat-Spiegelreflex-Kameras und erleichtert die Konstruktion von Adaptern für Objektive von Fremdherstellern. Der Abstand zwischen der Rücklinse des Objektivs und dem Sensor konnte ebenfalls verringert werden, was laut Fujifilm zu einer verbesserten Abbildungsleistung bei Weitwinkelobjektiven führen soll.
Neben dem Objektiv-Entriegelungsknopf links unten befinden sich etwas weiter oben die Funktionstaste Fn2 und links daneben das vordere Einstellrad, rechts vom Bajonett, knapp unter der oberen Kante, gibt es nur noch den Blitz-Synchronanschluss. Oberhalb und unterhalb der grossen Bajonettöffnung ist nicht mehr viel Platz vorhanden. Ein Zeichen dafür, dass Fujifilm das Gehäuse der 50S so kompakt wie möglich halten möchte.
Auf der Oberseite befinden sich links und rechts des Suchers die beiden Einstellräder, zahlreiche Tasten und ganz rechts, unterhalb des Ein/Aus-Schalters, ein monochromes LCD-Zusatzdisplay. Dieses hat keine fest eingravierten Symbole, die auf vielen anderen Kameras zu finden sind. Die Anzeigen, Texte wie Symbole, sind flexibel und lassen sich vom Benutzer anpassen. Sie sind zudem auch ohne Brille und draussen in der Sonne gut ablesbar.
Die linke Rückseite wird vom aufklappbaren Monitor eingenommen. Rechts davon sind drei weitere Funktionstasten, ein Joystick-ähnlicher Fokushebel, die Pfeiltasten mit Menü/OK-Taste in der Mitte, die Display- sowie die Quickmenü-Knöpfe untergebracht. Der Fokusmodusschalter, die Wiedergabe- und die Löschen-Taste sind gleich oberhalb des Monitors, noch in dessen breiten, etwas hervorstehenden Gehäuseumrandung, eingelassen.
Eine geniale Lösung ist Fujifilm beim Sucher eingefallen. Dieser lässt sich abnehmen, auf den optional erhältlichen Gelenkadapter EVF-TL1 einrasten und damit um ±45 Grad nach links oder rechts sowie zwischen 0 und 90 Grad nach oben schwenken.
Fototechnik vom Feinsten
Während der rückseitige 3,2 Zoll (8,1 cm) grosse Monitor schon über scharfe 2,36 Millionen Bildpunkte verfügt, liegt der 0,5 Zoll (1,3 cm) grosse OLED-Sucher mit seinen rund 3,69 Millionen Punkten nochmals eine Klasse höher. Damit schlägt er auch den Hasselblad-Sucher mit seinen 2,35 Megapixel deutlich – nicht nur in der Auflösung, auch bei der Bildwiederholungsrate.
Die zwei SD-Speicherkarten-Einschübe an der rechten Kameraseite sind beide UHS-II-kompatibel und können auf verschiedene Weise genutzt werden. In der Standardeinstellung wird auf die zweite Karte gespeichert, wenn die erste voll ist. Im Sicherungsmodus wird jedes Bild auf beiden Karten gespeichert, und bei «Sequenziell» die RAW- und JPEG-Aufnahmen getrennt auf eine Karte geschrieben.
An der linken Seite wurden alle Anschlüsse und das Akkufach untergebracht. Die Kamera verfügt über einen Micro-HDMI- und Micro-USB-Anschluss, Fernauslöserbuchse und Gleichstromeingang, ein Mikrofon- und ein Kopfhöreranschluss ist ebenfalls vorhanden. Das Gehäuse der GFX 50S ist staub- und spritzwassergeschützt und bis -10 Grad kälteresistent.
Einziges Zoom bislang: Das Fujinon GF 32-64mm F4 R LM WR entspricht einer KB-Brennweite von 25 bis 51 mm.Verschluss-Sache
Während die Hasselblad X1D auf den Zentralverschluss im jeweiligen Objektiv vertraut, setzt Fujifilm auf einen Schlitzverschluss in der Kamera. Damit sind kurze Verschlusszeiten bis zu 1/4000 Sekunde möglich. Noch kürzere Zeiten von bis zu 1/16'000 Sekunde erlaubt der rein elektronische Verschluss oder eine Kombination von mechanischem und elektronischem Verschluss.
Die kürzeste Blitzsynchronzeit der GFX 50S liegt bei 1/125 Sekunde. Hier ermöglicht die X1D dank Zentralverschluss uneingeschränkte Blitzsynchronisation. Doch Fujifilm hat weitergedacht. Beim Verwenden eines Objektivs mit eingebautem Verschluss, z.B. von Hasselblad, kann gewählt werden, ob der Verschluss in der Kamera oder im Objektiv zum Einsatz kommen soll. Irgendwie clever, nicht.
Zurzeit sind von Fujifilm sechs GF-Objektive mit Brennweiten zwischen 23 und 120 mm erhältlich (Stand November 2017). Beim Umrechnen auf die Kleinbildformat-Brennweite gibt es hier keine Verlängerung. Durch den grösseren Sensor der 50S werden die Optiken im Gegenteil um den Faktor 0,79 «kürzer». So entspricht das Fujinon GF 63mm F2.8 R WR der Standard-KB-Brennweite von 50 mm, das Fujinon GF 23mm F4.0 R LM WR einem 18er-Weitwinkel und das GF 110mm F2.0 R LM WR einem idealen Porträt-Objektiv mit 87 mm KB-Brennweite.
Dies sind alles Festbrennweiten, auch das GF 120mm F4 R LM OIS WR Macro und das kürzlich erschienene GF 45mm F2.8 R WR gehören in diese Kategorie. Wer sich damit sein Motiv näher heranholen möchte, muss mit dem Turnschuh-Zoom vorliebnehmen, also mit seinen eigenen Füssen. Das einzige Zoom-Objektiv bislang in der GF-Reihe ist das Fujinon GF 32-64mm F4 R LM WR, das einer KB-Brennweite von 25 bis 51 mm entspricht.
Die GF-Objektive haben einen Blendenring mit Auto- und C(ommand)-Position. Damit lassen sich Blendeneinstellungen mit den Einstellrädern an der Kamera ändern. Die Objektive sind laut Fujifilm für eine Auflösung von bis zu 100 Megapixeln gerechnet. Alle Objektive sind wie die Kamera staub- und spritzwassergeschützt.
Einziges Zoom bislang: Das Fujinon GF 32-64mm F4 R LM WR entspricht einer KB-Brennweite von 25 bis 51 mm.Gewichtheben und Däumchendrehen
Was haben Hunde mit digitalen Mittelformatkameras zu tun? Sie sind immer zufällig dabei, wenn ich eine neue Kamera ausprobiere. Dies war so beim Test der Hasselblad X1D und jetzt wieder beim Test der Fujifilm GFX 50S.
Diesmal holte ich die Kamera bei Fujifilm in Dielsdorf ab und machte kurz Halt am Pistenende in Oberglatt. Prompt traf ich eine ehemalige Mitschülerin mit ihrem Hund. Der musste natürlich gleich als Fotomodell herhalten. Die Schulkollegin zierte sich, selbst mit aufs Foto zu kommen. Dass ich die Bilder mit einer spiegellosen Mittelformatkamera mit wahnsinnigen 50 Megapixel Auflösung aufnahm, war ihr auch ziemlich egal. Von aussen betrachtet sieht die Kamera eben gar nicht speziell aus.
Hält man die neue Fujifilm GFX 50S zum ersten Mal in den Händen, fällt auf, dass einem nichts auffällt. Ohne direkten Grössenvergleich erinnert ihr Aussehen und Gewicht an eine normale digitale Spiegelreflexkamera aus der Profi-Liga. Höchstens das Objektiv scheint etwas üppiger ausgefallen zu sein.
Das liegt an dem neu entwickelten, grossen G-Mount-Bajonett von Fujifilm, das einen Durchmesser von stolzen 65 Millimetern aufweist. Die Auswahl an dazu passenden Fujinon-GF-Objektiven ist zurzeit noch überschaubar, deckt jedoch die meisten Einsatzgebiete ab. Zudem lassen sich mit dem H-Mount-Adapter GFX auch Hasselblad-Objektive anflanschen.
Damit sind wir gleich beim engsten Mitbewerber der GFX 50S, der Hasselblad X1D. Im Unterschied zur Fujifilm präsentiert sich diese vor allem als Minimalistin und Beauty-Queen. Ihr Funktionsumfang beschränkt sich auf das Nötigste und das Design kommt schlicht und unauffällig daher.
Kleinere Fujifilm-Kameras kommen im stylischen Retro-Look daher. Dies trifft definitiv nicht auf die GFX 50S zu. Das kantige Gehäuse mit den vielen Tasten und überstehenden Drehrädchen wird kaum einen Schönheitspreis gewinnen. Vor allem der Monitor an der Rückseite tritt etwas bullig hervor. Wenn er dann noch aufgeklappt und der Sucher hochgestellt wird, sieht die GFX 50S gar schon etwas einschüchternd aus.
Die Zielgruppe dieser Kamera sind Profis und Foto-Enthusiasten. «Funktion kommt deshalb vor Design», war wohl das Motto der GFX-50S-Entwickler. Salopp ausgedrückt könnte man sagen, die Hasselblad nimmt man zum Vorzeigen und die Fujifilm zum Arbeiten.
Individuelles Konzept: Wem das mechanische Einstellen nicht liegt, darf die GFX 50S auch «moderner» und mit Automatiken bedienen.
Individuelles Konzept: Wem das mechanische Einstellen nicht liegt, darf die GFX 50S auch «moderner» und mit Automatiken bedienen.Die Fotos können im elektronischen Sucher oder auf dem LCD-Monitor angesehen werden. Ersteres wollte mir einfach nicht gelingen. Dabei hatte ich doch über die kleine «View Mode»-Taste am Sucher ausdrücklich den Sensor-Betrieb eingestellt, bei dem sich der Sucher automatisch einschaltet, wenn sich das Auge nähert. Mein Fehler war, dass ich diese Taste immer nur im Foto-Aufnahme-Modus und nicht bei der Foto-Wiedergabe gedrückt hatte.
Nachdem dies geklärt war, konnte ich meine gespeicherten Bilder auch bei hellstem Sonnenschein problemlos durch den Sucher wiedergeben und beurteilen. Dazu lassen sich mittels «Disp/Back»-Taste umfangreiche Informationen einblenden. Neben Bildbasisdaten- und Histogrammen-Darstellung kann auch der Bildbereich um den Fokussierpunkt herum vergrössert werden. Über den Touchscreen sind auch Fingergesten wie Weiterblättern per Wischen und Vergrössern durch Fingerspreizen möglich.
Im Wiedergabe-Menü «RAW-Konvertierung» lassen sich JPEG-Kopien von RAW-Aufnahmen erstellen und dabei verschiedene Einstellungen anwenden. Da die Originalbilddaten davon unbeeinflusst bleiben, kann ein einzelnes RAW-Foto auf viele verschiedene Arten verarbeitet werden. Belichtungskorrektur, Weissabgleich, Bildgrösse, Qualität, Filmsimulation und weitere Einstellungen lassen sich einfach anpassen und als JPEG- oder 8-Bit-TIFF-Datei speichern.
Die GFX 50S entstammt der X-Serie von Fujifilm, die 2011 mit einem APS-C-Sensor auf den Markt kam und bei vielen Profi- und Amateur-Fotografen grossen Anklang fand. Die hervorragende Bildqualität bei vergleichsweise geringen Abmessungen überzeugte Bildermacher in den unterschiedlichsten Bereichen.
Bald kam der Wunsch auf, diese hohe Bildqualität kombiniert mit einem grossformatigen Sensor auch in der kommerziellen und professionellen Studiofotografie einsetzen zu können. Anfang Jahr wurde schliesslich die GFX 50S vorgestellt. Eine Kamera, die laut Fujifilm auf Erfahrungen aus über 80 Jahren Image-Technologie und langer analoger Mittelformat-Tradition zählen kann. Das Resultat sei schlichtweg die beste Bildqualität überhaupt, die je aus einer Fujifilm-Kamera kam.
Das sind grosse Worte, doch der riesige Aufnahmesensor der Fujifilm GFX 50S bringt tatsächlich dermassen scharfe, plastische, detailreiche und durchzeichnete Aufnahmen mit aussergewöhnlich wenig Bildrauschen, wie ich es vorher noch nicht gesehen habe. Das alles hat natürlich seinen Preis. Allein das Kameragehäuse kostet 7520 Franken. Das günstigste Objektiv kommt auf knapp 2000 Franken. Dann noch ein Ersatzakku und der Batteriegriff dazu, und schon ist man bei 10'380 Franken angelangt.
Damit liesse sich schon ein Kleinwagen kaufen, ist aber letztendlich für Profis, die damit Poster in XXL-Format erstellen, eher ein Schnäppchen. Denn noch vor wenigen Jahren hätte eine solche Kamera gut und gern das Fünffache gekostet. Die im Juli 2014 erschienene digitale Mittelformatkamera Pentax 645Z mit derselben Auflösung wie die GFX 50S war mit knapp 10'000 Franken, nur für das Gehäuse, damals schon eine Preissensation. Das Gehäuse der Hasselblad X1D-50c ist aktuell für 9595 Franken zu haben.
Die deutlich niedrigeren Anschaffungskosten einer Fujifilm GFX 50S im Vergleich zu bisherigen digitalen Mittelformatkameras wird auch jüngeren oder nicht so gut betuchten Fotografen die Welt der Mittelformatfotografie öffnen.
Ferngesteuert
Sieht aus wie eine Profi-DSLR und man kann auch so damit fotografieren – einfach etwas langsamer und bewusster.Smartphone-Knipser und Besitzer einer Kompakt- oder Spiegelreflexkamera müssen sich bei der GFX 50S in mehreren Dingen umgewöhnen. Am besten schaltet man gleich einige Gänge zurück. Schnell mal draufhalten und ein Foto aus der Hüfte schiessen ist zwar möglich, jedoch wird man vom Resultat kaum begeistert sein.
Durch seine systembedingte Trägheit zwingt einem das Mittelformat eine langsamere Vorgehensweise im Vergleich zum Kleinbild auf. Bereits beim ersten Auslösen spürt man, dass hier eine grössere «Masse» bewegt wird, alles etwas länger dauert und irgendwie auch satter tönt.
Dennoch darf man sich vom gewohnten Mittelformat-Fotografier-Stil mit seiner Unhandlichkeit verabschieden. Die 50S ist viel beweglicher und erlaubt ganz neue Blickwinkel.
Dabei muss man sich immer bewusst sein, dass die 50S keine Bildstabilisierung kennt, weder in der Kamera und bislang nur in einem Objektiv. Man braucht also eine sehr ruhige Hand, wenn man ohne Stativ unterwegs ist. Wer gestochen scharfe Aufnahmen wünscht, sollte für die Belichtungszeit mindestens den berühmten Kehrwert der Brennweite einstellen, besser noch etwas kürzer. Sonst sorgen Zittern und Verwackeln schnell für Bewegungsunschärfe und unsaubere Wiedergabe von Details.
Durch den grossen Sensor bleibt zudem der Schärfebereich auch bei hohen Blendenwerten sehr gering. Damit lässt sich ein Hintergrund sehr komfortabel freistellen, also in der Unschärfe versinken lassen. Umgekehrt ist eine genaue Fokussierung für knackscharfe Fotos sehr wichtig.
Die GFX 50S unterstützt einem dabei mit ihrem Kontrastautofokus, der standardmässig ein 9x13-Raster (117 AF-Punkte) nutzt, das sich auf 424 Punkte (25 x 17) erweitern lässt. Der Kontrast-AF ist gegenüber einer Phasenvergleichsmessung zwar nicht rasend schnell, doch die 50S reagierte je nach Lichtverhältnis und Motiv beim Fotografieren recht zügig und stellte meist in Sekundenbruchteilen scharf. Dabei gibt sie zwei Piepsignale ab, und das Fokusmessfeld und die Fokusanzeige leuchten grün. Kann nicht scharfgestellt werden, zeigt das Messfeld rot, das Symbol «!AF» erscheint und die Fokusanzeige blinkt weiss. Das typische Fokuspumpen konnte ich in dunklen Situationen manchmal feststellen, es hielt sich aber in Grenzen.
Über den Touchscreen oder den Joystick kann der Fokussierpunkt sehr schnell angepasst werden. Mit dem hinteren Einstellrad legt man dabei die Grösse des Fokusmessfelds fest. Zur Kontrolle lässt sich der momentane Fokussierbereich für präzises Scharfstellen grösser anzeigen.
Auch beim manuellen Fokussieren vergrössert die Kamera beim Drehen des Scharfstellrings automatisch den ausgewählten Fokussierbereich. Zusätzlich kann ein «Fokus-Peaking», im Menü mit «Glanzlicht Fokus» bezeichnet, zur Unterstützung aktiviert werden. Dank des sehr guten Suchers lässt sich damit schnell und genau manuell auf den Punkt scharfstellen.
Serienbilder sind mit der GFX 50S auch möglich. Die drei Bilder pro Sekunde reissen einem kaum vom Hocker, sind aber für eine Mittelformatkamera schon sehr rasant. Da der Autofokus dabei gut mitkommt, liegt das Problem eher in der Anzahl RAW-Aufnahmen, die sich hintereinander aufzeichnen lassen. Bei komprimierten RAWs ist nach 13 Fotos, bei unkomprimierten nach 8 Fotos Schluss. JPEGs lassen sich endlos aufnehmen, bis die Karte voll ist.
Bei Einzelfotos wie bei Serienbildern lässt sich der Autofokus dem Sujet anpassen. Es stehen Einzelpunkt-, Zonen- und Weit/Tracking-AF zur Verfügung. Sogar eine intelligente Gesichts- und Augenerkennung ist vorhanden, mit der Wahlmöglichkeit, auf welches Auge denn fokussiert werden soll.
Selbstverständlich beherrscht die 50S neben Serienbildern auch das «Bracketing». Es sind automatische Belichtungsreihen mit unterschiedlichen Werten für Helligkeit, Weissabgleich, ISO-Empfindlichkeit, Dynamikbereich und Filmsimulation möglich.
Menüsystem und Tasten-Anpassung
Menüsystem und Tasten-Anpassung
Die Fotos können im elektronischen Sucher oder auf dem LCD-Monitor angesehen werden. Ersteres wollte mir einfach nicht gelingen. Dabei hatte ich doch über die kleine «View Mode»-Taste am Sucher ausdrücklich den Sensor-Betrieb eingestellt, bei dem sich der Sucher automatisch einschaltet, wenn sich das Auge nähert. Mein Fehler war, dass ich diese Taste immer nur im Foto-Aufnahme-Modus und nicht bei der Foto-Wiedergabe gedrückt hatte.
Nachdem dies geklärt war, konnte ich meine gespeicherten Bilder auch bei hellstem Sonnenschein problemlos durch den Sucher wiedergeben und beurteilen. Dazu lassen sich mittels «Disp/Back»-Taste umfangreiche Informationen einblenden. Neben Bildbasisdaten- und Histogrammen-Darstellung kann auch der Bildbereich um den Fokussierpunkt herum vergrössert werden. Über den Touchscreen sind auch Fingergesten wie Weiterblättern per Wischen und Vergrössern durch Fingerspreizen möglich.
Im Wiedergabe-Menü «RAW-Konvertierung» lassen sich JPEG-Kopien von RAW-Aufnahmen erstellen und dabei verschiedene Einstellungen anwenden. Da die Originalbilddaten davon unbeeinflusst bleiben, kann ein einzelnes RAW-Foto auf viele verschiedene Arten verarbeitet werden. Belichtungskorrektur, Weissabgleich, Bildgrösse, Qualität, Filmsimulation und weitere Einstellungen lassen sich einfach anpassen und als JPEG- oder 8-Bit-TIFF-Datei speichern.
Ferngesteuert
Sieht aus wie eine Profi-DSLR und man kann auch so damit fotografieren – einfach etwas langsamer und bewusster.Langsamer fotografieren
Während die Hasselblad X1D auf den Zentralverschluss im jeweiligen Objektiv vertraut, setzt Fujifilm auf einen Schlitzverschluss in der Kamera. Damit sind kurze Verschlusszeiten bis zu 1/4000 Sekunde möglich. Noch kürzere Zeiten von bis zu 1/16'000 Sekunde erlaubt der rein elektronische Verschluss oder eine Kombination von mechanischem und elektronischem Verschluss.
Die kürzeste Blitzsynchronzeit der GFX 50S liegt bei 1/125 Sekunde. Hier ermöglicht die X1D dank Zentralverschluss uneingeschränkte Blitzsynchronisation. Doch Fujifilm hat weitergedacht. Beim Verwenden eines Objektivs mit eingebautem Verschluss, z.B. von Hasselblad, kann gewählt werden, ob der Verschluss in der Kamera oder im Objektiv zum Einsatz kommen soll. Irgendwie clever, nicht.
Zurzeit sind von Fujifilm sechs GF-Objektive mit Brennweiten zwischen 23 und 120 mm erhältlich (Stand November 2017). Beim Umrechnen auf die Kleinbildformat-Brennweite gibt es hier keine Verlängerung. Durch den grösseren Sensor der 50S werden die Optiken im Gegenteil um den Faktor 0,79 «kürzer». So entspricht das Fujinon GF 63mm F2.8 R WR der Standard-KB-Brennweite von 50 mm, das Fujinon GF 23mm F4.0 R LM WR einem 18er-Weitwinkel und das GF 110mm F2.0 R LM WR einem idealen Porträt-Objektiv mit 87 mm KB-Brennweite.
Dies sind alles Festbrennweiten, auch das GF 120mm F4 R LM OIS WR Macro und das kürzlich erschienene GF 45mm F2.8 R WR gehören in diese Kategorie. Wer sich damit sein Motiv näher heranholen möchte, muss mit dem Turnschuh-Zoom vorliebnehmen, also mit seinen eigenen Füssen. Das einzige Zoom-Objektiv bislang in der GF-Reihe ist das Fujinon GF 32-64mm F4 R LM WR, das einer KB-Brennweite von 25 bis 51 mm entspricht.
Die GF-Objektive haben einen Blendenring mit Auto- und C(ommand)-Position. Damit lassen sich Blendeneinstellungen mit den Einstellrädern an der Kamera ändern. Die Objektive sind laut Fujifilm für eine Auflösung von bis zu 100 Megapixeln gerechnet. Alle Objektive sind wie die Kamera staub- und spritzwassergeschützt.
Fazit
Fotografieren mit der Fujifilm GFX 50S ist einfach anders. Die «langsame» Kamera zwingt einen, bewusster zu fotografieren. Man hat plötzlich mehr Zeit, sich auf das Bild zu konzentrieren und die Komposition entspannter wahrzunehmen. Mir ging es jedenfalls so. Vielleicht nervt es am Anfang, doch dieses «slow down» wird schlussendlich zu besseren Bildern führen.
Man arbeitet wieder vermehrt mit dem Stativ oder sucht Abstützungs- oder Auflage-Möglichkeiten für die Kamera. Trotzdem ist dank kompakten Abmessungen, relativ geringem Gewicht und sehr gutem Handgriff auch ein freihändiges Arbeiten möglich.
Die Ähnlichkeit mit einer DSLR kann dort von Vorteil sein, wo man nicht unbedingt mit teurem Mittelformat-Equipment auffallen möchte. An die Ecken und Kanten der 50S gewöhnt man sich rasch und lernt, ihre Qualitäten als fotografisches Arbeitspferd sehr zu schätzen.
Die manuelle, «Old Style»-Bedienung mag zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig sein, wird aber durch zahlreiche Automatiken wieder relativiert. Die wichtigsten Einstellungen sind dank der Quick-Menü-Taste bequem und schnell abrufbar.
Für Filmemacher eignen sich andere Kameras besser. Die Videofunktion ist zwar dabei, aber eigentlich nicht notwendig. Oder wenn, dann gleich mit 4K/UHD-Auflösung.
Fotografieren mit Mittelformat macht süchtig. Man fühlt sich wieder als Künstler oder Handwerker. Die Hundebilder haben der Schulkollegin übrigens sehr gut gefallen. Vielleicht entschliesst sie sich doch noch für eigene Aufnahmen. Dann steht wohl wieder ein Besuch bei Fujifilm an.
Ich jedenfalls habe die Kamera nur schweren Herzens zurückgebracht. Nach einem Blick auf meinen Kontoauszug war es wohl das Beste.
Smartphone-Knipser und Besitzer einer Kompakt- oder Spiegelreflexkamera müssen sich bei der GFX 50S in mehreren Dingen umgewöhnen. Am besten schaltet man gleich einige Gänge zurück. Schnell mal draufhalten und ein Foto aus der Hüfte schiessen ist zwar möglich, jedoch wird man vom Resultat kaum begeistert sein.
Durch seine systembedingte Trägheit zwingt einem das Mittelformat eine langsamere Vorgehensweise im Vergleich zum Kleinbild auf. Bereits beim ersten Auslösen spürt man, dass hier eine grössere «Masse» bewegt wird, alles etwas länger dauert und irgendwie auch satter tönt.
Dennoch darf man sich vom gewohnten Mittelformat-Fotografier-Stil mit seiner Unhandlichkeit verabschieden. Die 50S ist viel beweglicher und erlaubt ganz neue Blickwinkel.
Dabei muss man sich immer bewusst sein, dass die 50S keine Bildstabilisierung kennt, weder in der Kamera und bislang nur in einem Objektiv. Man braucht also eine sehr ruhige Hand, wenn man ohne Stativ unterwegs ist. Wer gestochen scharfe Aufnahmen wünscht, sollte für die Belichtungszeit mindestens den berühmten Kehrwert der Brennweite einstellen, besser noch etwas kürzer. Sonst sorgen Zittern und Verwackeln schnell für Bewegungsunschärfe und unsaubere Wiedergabe von Details.
Durch den grossen Sensor bleibt zudem der Schärfebereich auch bei hohen Blendenwerten sehr gering. Damit lässt sich ein Hintergrund sehr komfortabel freistellen, also in der Unschärfe versinken lassen. Umgekehrt ist eine genaue Fokussierung für knackscharfe Fotos sehr wichtig.
Die GFX 50S unterstützt einem dabei mit ihrem Kontrastautofokus, der standardmässig ein 9x13-Raster (117 AF-Punkte) nutzt, das sich auf 424 Punkte (25 x 17) erweitern lässt. Der Kontrast-AF ist gegenüber einer Phasenvergleichsmessung zwar nicht rasend schnell, doch die 50S reagierte je nach Lichtverhältnis und Motiv beim Fotografieren recht zügig und stellte meist in Sekundenbruchteilen scharf. Dabei gibt sie zwei Piepsignale ab, und das Fokusmessfeld und die Fokusanzeige leuchten grün. Kann nicht scharfgestellt werden, zeigt das Messfeld rot, das Symbol «!AF» erscheint und die Fokusanzeige blinkt weiss. Das typische Fokuspumpen konnte ich in dunklen Situationen manchmal feststellen, es hielt sich aber in Grenzen.
Über den Touchscreen oder den Joystick kann der Fokussierpunkt sehr schnell angepasst werden. Mit dem hinteren Einstellrad legt man dabei die Grösse des Fokusmessfelds fest. Zur Kontrolle lässt sich der momentane Fokussierbereich für präzises Scharfstellen grösser anzeigen.
Auch beim manuellen Fokussieren vergrössert die Kamera beim Drehen des Scharfstellrings automatisch den ausgewählten Fokussierbereich. Zusätzlich kann ein «Fokus-Peaking», im Menü mit «Glanzlicht Fokus» bezeichnet, zur Unterstützung aktiviert werden. Dank des sehr guten Suchers lässt sich damit schnell und genau manuell auf den Punkt scharfstellen.
Serienbilder sind mit der GFX 50S auch möglich. Die drei Bilder pro Sekunde reissen einem kaum vom Hocker, sind aber für eine Mittelformatkamera schon sehr rasant. Da der Autofokus dabei gut mitkommt, liegt das Problem eher in der Anzahl RAW-Aufnahmen, die sich hintereinander aufzeichnen lassen. Bei komprimierten RAWs ist nach 13 Fotos, bei unkomprimierten nach 8 Fotos Schluss. JPEGs lassen sich endlos aufnehmen, bis die Karte voll ist.
Bei Einzelfotos wie bei Serienbildern lässt sich der Autofokus dem Sujet anpassen. Es stehen Einzelpunkt-, Zonen- und Weit/Tracking-AF zur Verfügung. Sogar eine intelligente Gesichts- und Augenerkennung ist vorhanden, mit der Wahlmöglichkeit, auf welches Auge denn fokussiert werden soll.
Selbstverständlich beherrscht die 50S neben Serienbildern auch das «Bracketing». Es sind automatische Belichtungsreihen mit unterschiedlichen Werten für Helligkeit, Weissabgleich, ISO-Empfindlichkeit, Dynamikbereich und Filmsimulation möglich.
Fotografie neu entdecken: Die fantastischen Bilder aus der GFX 50S können süchtig machen.Fotografieren mit der Fujifilm GFX 50S ist einfach anders. Die «langsame» Kamera zwingt einen, bewusster zu fotografieren. Man hat plötzlich mehr Zeit, sich auf das Bild zu konzentrieren und die Komposition entspannter wahrzunehmen. Mir ging es jedenfalls so. Vielleicht nervt es am Anfang, doch dieses «slow down» wird schlussendlich zu besseren Bildern führen.
Man arbeitet wieder vermehrt mit dem Stativ oder sucht Abstützungs- oder Auflage-Möglichkeiten für die Kamera. Trotzdem ist dank kompakten Abmessungen, relativ geringem Gewicht und sehr gutem Handgriff auch ein freihändiges Arbeiten möglich.
Die Ähnlichkeit mit einer DSLR kann dort von Vorteil sein, wo man nicht unbedingt mit teurem Mittelformat-Equipment auffallen möchte. An die Ecken und Kanten der 50S gewöhnt man sich rasch und lernt, ihre Qualitäten als fotografisches Arbeitspferd sehr zu schätzen.
Die manuelle, «Old Style»-Bedienung mag zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig sein, wird aber durch zahlreiche Automatiken wieder relativiert. Die wichtigsten Einstellungen sind dank der Quick-Menü-Taste bequem und schnell abrufbar.
Für Filmemacher eignen sich andere Kameras besser. Die Videofunktion ist zwar dabei, aber eigentlich nicht notwendig. Oder wenn, dann gleich mit 4K/UHD-Auflösung.
Fotografieren mit Mittelformat macht süchtig. Man fühlt sich wieder als Künstler oder Handwerker. Die Hundebilder haben der Schulkollegin übrigens sehr gut gefallen. Vielleicht entschliesst sie sich doch noch für eigene Aufnahmen. Dann steht wohl wieder ein Besuch bei Fujifilm an.
Ich jedenfalls habe die Kamera nur schweren Herzens zurückgebracht. Nach einem Blick auf meinen Kontoauszug war es wohl das Beste.

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