
Dem deutschen Lautsprecher-Hersteller Teufel gelingt es immer wieder, mit innovativen Produkten für smarte, kabellose Musikbeschallung zu überraschen. Zwei neue Aktivlautsprecher mit integrierter Amazon-Sprachassistenz Alexa sind der neuste Coup.
Das Konzept Holist
Die beiden neuen Smart Speaker von Teufel, der Holist M und der Holist S, haben viele Gemeinsamkeiten, unterscheiden sich aber in einigen Eigenschaften wesentlich voneinander. Zuerst zu den Gemeinsamkeiten: Die Lautsprecher empfangen Musik kabellos per WLAN (2,4 oder 5 GHz) oder Bluetooth mit aptX sowie auch über ein 3,5-mm-Audiokabel. Über einen LAN-Anschluss verfügen die beiden Holist nicht.
Auch optisch sind die Gemeinsamkeiten gross: Die zylinderförmigen, im Grundriss aber sechseckigen Lautsprecher sind an den Seiten mit einer Stoffbespannung ausgestattet, während sich auf der Oberseite ein sechseckiges Bedienfeld mit berührungsempfindlichen Tasten befindet. Dieses Hexagon leuchtet je nach aktuellem Status oder gewählter Funktion in unterschiedlichen Farben, sodass man bei der Bedienung auf einen Blick erkennt, ob sich das Gerät beispielsweise gerade mit dem Netzwerk verbindet, ob Alexa zuhört oder auf welchem Pegel die Lautstärke eingestellt ist. Beide Geräte verfügen über Teufels Dynamore-Technologie für einen effektvollen Rundumklang.
Für Streaming stehen die Musikdienste Amazon Music, Spotify, Tidal, Napster sowie der Internetradio-Dienst TuneIn zur Verfügung. Nicht so leider für Schweizer Benutzer, die nicht alle Alexa-Skills verwenden können. Als externe Geräte können etwa ein CD-Gerät, ein Musikplayer oder auch ein Plattenspieler mit entsprechendem Phono-Vorverstärker über den Line-in-Anschluss verbunden werden. Die App spielt selbstverständlich auch die auf dem Smartphone gespeicherte Musik.

«Alexa, wer bist du?»
Die Holist sind nicht nur Speaker, sondern Smart Speaker. Sie verfügen also über eine gewisse «Intelligenz» und reagieren auf Sprachbefehle. Die Integrierte Sprachassistentin Amazon Alexa bietet, ähnlich wie Siri von Apple oder Google Assistant, die Möglichkeit, per Sprache mit dem Gerät beziehungsweise mit der dahinter stehenden Künstlichen Intelligenz (KI) zu kommunizieren. Anders als Siri oder Google Assistant ist Alexa offiziell in der Schweiz nicht mit lokalen Angeboten verfügbar.
Dennoch sind entsprechende Geräte auch in Schweizer Onlineshops verfügbar, denn viele Alexa-Dienste lassen sich problemlos auch hierzulande nutzen. Es fehlen aber diverse lokale Dienste wie etwa regionale Wetterabfragen oder Bestellmöglichkeiten für Heimlieferdienste etc. Ebenso kann etwa der Spotify-Skill nicht aktiviert werden, weil Schweizer «aufgrund von geographischen Beschränkungen nicht zur Aktivierung dieses Skills berechtigt» sind, wie es im Skills-Verzeichnis heisst, wo aber hunderte andere Skills verfügbar sind. Immerhin klappt das Musikspielen ab Spotify über die App und die Bluetooth-Verbindung des Smartphones.
Das Manko der geografischen Beschränkung lässt sich vermutlich umgehen, wenn etwa ein deutsches oder ein US-Amazon-Konto verknüpft wird. Für die lokale Wetterabfrage dürfte dies jedoch nicht gerade hilfreich sein. Alexas Fähigkeiten werden «Skills» genannt. Sie reagiert prompt, wenn man beispielsweise sagt «Alexa, spiele Radio SRF1.», «Alexa, stelle den Timer auf fünf Minuten.», «Alexa, lauter.», «Alexa, erzähle einen Witz.», «Alexa, wie wird das Wetter in Zürich?» usw. Je nach aktivierten Skills hat Alexa viele weitere Fähigkeiten.
Jeder Befehl beziehungsweise jede Frage wird mit dem Aufruf «Alexa» begonnen, um die Aufmerksamkeit der Sprachassistenz zu erlangen. Das kann etwa beim Kochen, wenn man keine Hand frei hat, praktisch sein, um etwa einen Timer zu stellen, ein Rezept abzurufen oder die Musik zu wechseln. Damit die Holist-Geräte ihre Benutzer aus allen Richtungen verstehen, sind sie mit vier (Holist M) beziehungsweise mit zwei (Holist S) HD-Mikrofonen ausgerüstet.
Standardmässig hört Alexa immer mit. Die Mikrofone sind also aktiv und reagieren unmittelbar, wenn jemand in ihrer Nähe «Alexa» sagt. Fragen werden nicht im Gerät selbst verarbeitet, sondern via Internetverbindung zu den Amazon-Servern gesendet und dort von den KI-Algorithmen ausgewertet und beantwortet. Wem es unangenehm ist, dass da ständig jemand mithört, kann die Mikrofone per Tastendruck auf der Oberseite der Geräte oder über die App jederzeit stumm schalten (Taste mit Mikrofon-Symbol).
Holist M, der Grosse
Der Holist M ist 40 cm hoch, 27 cm breit und ist mit seinen 6,6 Kilo eine massige Erscheinung. Der 3-Wege-Lautsprecher ist folgendermassen bestückt: Ein Hochtöner (25 mm) und ein Mitteltöner (101 mm) geben den Schall nach oben weg. An der Front befindet sich ein Breitbandlautsprecher (76 mm), der vor allem für die Sprachwiedergabe und beim Modus «Direkt» zum Zug kommt. Unten befindet sich ein Tieftöner (165 mm), der nach allen Seiten abstrahlt. Betrieben wird das Ganze durch einen Class-D-Verstärker mit 120 Watt Leistung.
Damit ist der Holist M betreffend Dimensionen und Leistung um Welten grösser und stärker als ähnliche Alexa-Geräte. Und er klingt auch so! Zum Vergleich dienen etwa der Echo Dot und der Echo Plus von Amazon. Auch das kleine Gerät Echo Show hat gegenüber dem Holist M soundmässig nicht viel zu melden, hat aber andere Vorteile und spielt mit seinem 10-Zoll-Display in einer eigenen Kategorie. Sämtliche bisherigen Alexa-Lautsprecher sind wesentlich kleiner und verfügen nicht über eine vergleichbare Lautsprechertechnologie. Beim Holist M hat also HiFi-Qualität einen grossen Stellenwert. Den Teufel Holist M gibt es in Schwarz und in Weiss zu einem Preis von 459 Franken.

Raumklang aus einzelner Box
Eine Integration in ein Mehrkanal-System ist nicht vorgesehen. Stereo können die Holist-Lautsprecher nicht, da mehrere Holist nicht gekoppelt werden können. Dennoch ist es erstaunlich, welch räumlichen Klang die grosse Holist M in verschiedenen Raumgrössen generiert. Möglich macht dies die Anordnung der einzelnen Lautsprecher sowie die Dynamore-Technologie von Teufel. Diese weitet das Stereo-Panorama laut Hersteller aus, indem «die im linken und rechten Kanal ausgegebenen identischen Signalanteile technisch so angepasst werden, dass das wahrgenommene Stereopanorama weit über die tatsächlichen Ausmasse hinaus vergrössert wird.» Dies habe den ähnlichen Effekt, wie dies üblicherweise mit zwei getrennten Lautsprechern erzeugt wird.
Im Test ist Dynamore denn auch gut hörbar: Dank der Lautsprecherstellungen und Dynamore Surround können am Holist M nicht nur der ungefilterte 360-Grad-Klang («Neutral»), sondern zusätzlich auch die zwei Soundmodi «Direkt» und «Wide» gewählt werden. Im Gegensatz zum neutralen Modus kommen bei «Direkt» und «Wide» spezielle Klangfilter zum Einsatz. Bei «Direkt» wird der Schall an der Front konzentriert, die Mitten erhalten spürbar mehr Druck. Beim Durchprobieren mehrerer Musikstile, Radiosendungen und Podcasts zeigt sich, dass gesprochene Sprache in dieser Stellung am klarsten und am besten verständlich rüberkommt.

Stellt man den Schalter, der sich übrigens auf der Rückseite beim Sockel des Geräts befindet, auf «Wide», erscheint ein deutlich anderes Klangbild. Es wird räumlicher, egal, wo man sich im Raum gerade befindet. Im grössten Raum unseres Tests und mit ein paar anwesenden Personen und gelegentlichem Stimmengewirr war diese Soundmodus-Stellung die angenehmste. Sitzt man aber alleine vor demselben Lautsprecher und hört konzentriert die Musik, scheint die «Neutral»-Stellung für die meisten Musikstücke genau die richtige, klarste, ehrlichste zu sein.
Neben dem physischen Wahlschalter für die Klangmodi befindet sich auch der Bass-Regler. Die Lautstärkeregelung erfolgt über das Bedienelement auf der Oberseite des Geräts. Somit kann man manuell direkt am Gerät ganz gut am gewünschten Klangbild herumschrauben. Über die Tasten auf der sechseckigen Touch-Fläche stellt man zudem Play, Pause, Titel-Skip, Mikrofon-Stummschaltung sowie Bluetooth ein. Weiter gibt es einen Button für den analogen AUX-Eingang. Zudem befindet sich in der Mitte (beim «T») die sogenannte Action-Taste. Damit wird Alexa aktiviert, der Timer beendet oder die WLAN-Konfiguration neu gestartet. Für alles Weitere ist die Holist-App zuständig.

Holist S, der Kleine
Der Holist S ist 22,5 cm hoch, 14,3 cm breit und wiegt 1,6 Kilo. Wie beim Holist M ist eine 360-Grad-Beschallung mit Dynamore Surround dabei. Der kleine Lautsprecher mit 2-Wege-System und integriertem Subwoofer klingt dadurch für seine Grösse sehr gut – auch wenn er im direkten Vergleich mit dem Holist M deutlich schmalbrüstiger ist und weniger Raumklang, Fülle und Details an den Tag legen kann. Kein Wunder, schliesslich muss der viel kleinere Lautsprecher mit einem nach oben gerichteten Breitbandlautsprecher (25 mm), einem Tieftöner (89 mm) sowie einem 25-Watt-Class-D-Verstärker mit weniger potenten Hifi-Technik auskommen als sein grosser Bruder.
Dennoch muss man sagen, dass gerade der Raumklang dem kleinen Lautsprecher ganz gut gelingt. Dafür zuständig dürfte vor allem Dynamore und die Tatsache sein, dass der Schall auf einen Kegel und somit in alle Richtungen geleitet wird. Und schliesslich muss sich ein Holist S normalerweise in einem Haushalt auch gar nicht mit einem Holist M vergleichen lassen. Er erledigt seine Aufgabe ganz gut, einen mittelgrossen Raum mit Musik, Internetradio oder Podcast zu beschallen und Kommandos für Alexa entgegenzunehmen.

Am Sockel auf der Rückseite befinden sich der neben dem Stromanschluss ein analoger Audioeingang (3,5 mm Klinke). Leider hängt am Stromkabel auch das Netzteil, das im kleinen Teufel-Lautsprecher keinen Platz mehr gehabt hat. Daneben gibt es einen Reset-Knopf. Anders als beim Holist M bietet der Holist S auch keinen Regler für die Basswiedergabe und auch keinen Schalter für die Wahl des Klangmodus. Den Holist S ist in Schwarz oder Weiss verfügbar, zu einem Preis von 229 Franken.
Holist-App von Teufel
Die Holist-Lautsprecher werden entweder direkt über die Touch-Tasten auf der Oberseite, die Regler an der Rückseite unten oder per Sprache bedient. Natürlich klappt alles auch über die Holist-App, über welche die Lautsprecher zudem eingerichtet und mit den gewünschten Streamingdiensten oder anderen Musikquellen verbunden werden.
Für die Holist-Lautsprecher hat Teufel die entsprechende Holist-App kreiert, die es für iOS- und Android-Geräte gibt. Das Set-up über die App ist einfach: WLAN-auswählen, Gerät hinzufügen und je nach Wunsch Musikquelle ansteuern und Wiedergabe steuern. Der leuchtende Hexagon-Ring informiert über die jeweilige Verwendung und den Verbindungsstatus.
Fazit
Bei vielen anderen Smart Speaker steht die Sprachassistenz im Vordergrund, die Tonqualität scheint oft zweitrangig zu sein. Das heisst: Ein solches Gerät dient als Schnittstelle, um per Sprache andere Geräte zu bedienen, Informationen abzurufen oder einfach um per Sprache Musik zu spielen, wenn man etwa in der Küche oder während der Arbeit keine Hand frei hat. Bei Teufel Holist – insbesondere beim Modell M – scheint die Klangqualität hingegen das zentrale Anliegen zu sein, während die Anbindung an Amazon Alexa eine angenehme Zusatzfunktion ist. Insbesondere für Benutzer in der Schweiz, die nicht die volle Funktionalität zur Verfügung haben.
Der Holist S leistet für seine geringe Grösse viel und ist wohl der ideale Küchen-Speaker, der als smarter, vernetzter Assistent das alte Küchenradio mehr als ersetzt. Aber auch für alle anderen kleineren Räume tut er gute Dienste und spielt Musik ab Smartphone und anderen Quellen in guter Qualität ab. Für Benutzer mit höheren Anforderungen an den Klang sei jedoch der Holist M empfohlen. Eine hochwertige Musikbeschallung im grossen Wohnzimmer ist dem kleinen Holist S nicht zuzumuten.
Beim Holist S ist das externe Netzteil zu bemängeln. Leider hat diese kleine, 1,6 Kilogramm leichte Gerät keinen Akku. Ein solcher hätte die Verwendung des Geräts wesentlich flexibler gemacht. Dass ein LAN-Anschluss fehlt, dürfte hingegen für die meisten Benutzer verkraftbar sein. Beim Holist M gibt es kaum etwas zu bemängeln. Ein Akku wäre bei dem 6,6-Kilo-Gerät wohl von Vorteil. Ein Nachteil beider Holist-Geräte ist für Schweizer Benutzer jedoch die Tatsache, dass gewisse Alexa- bzw. Amazon-Dienste in der Schweiz nicht genutzt werden können.
Der Holist M ist ein ausgewachsenes Hifi-System und hat durchaus die Fähigkeit, auch in etwas grösseren Räumen eine Party zu schmeissen – auch wenn solche Anlässe zu Zeiten von Corona kaum stattfinden dürften. Und falls man doch mal wieder zuhause ein paar Personen versammelt, Musik hört und redet, sollte man keinesfalls vergessen, die überaus aufmerksamen Mikrofone stumm zu schalten. Denn wehe, wenn irgend jemand das Wort «Alexa» spricht: Sogleich unterbricht die Sprachassistentin die Musik und meldet sich zum Dienst. Das kann lustig sein, aber auch nervig.
