Aktive Lautsprecher waren im HiFi-Bereich lange Zeit Exoten, galten aber den technikfokussierten Musikliebhabern immer als Mass der Dinge, wogegen ihnen in audiophilen Kreisen gerne die «Musikalität» und «Emotionalität» abgesprochen wird. Der technische Vorteil liegt in der Systemoptimierung von Verstärker, Lautsprecherchassis und Gehäuse. Die Frequenzbereiche werden vor der Verstärkung aufgeteilt und die einzelnen Chassis direkt von darauf leistungsmässig zugeschnittenen Verstärkern angesteuert. Auf avguide.ch wurde das Thema in vielen Artikeln und Produktebesprechungen behandelt, die am Ende aufgeführt sind.
Die passiven Lautsprecher dominieren nach wie vor den HiFi- und High-End-Bereich, weil sich damit von Kunden viel besser am Sound tüfteln lässt. Dagegen wurden im Studiobereich die Passiven von den Aktiven verdrängt. Aktiv sind jedoch auch Bluetooth-Lautsprecher sowie Multiroom- bzw. Streaming-Lautsprecher (à la Sonos). Diese Lösungen sind hochintegrierte, komplette Musikanlagen und werden per App bedient. Nur so ist es möglich, in so kleinen Volumina mit den technischen Anforderungen eine ordentliche Wiedergabe zu erzielen. Kosten-Nutzen-Verhältnisse sind bei allen diesen Systemen hoch.
Es ist verführerisch, diese Vorteile konsequent auch im High-End-Bereich zu nutzen. Etablierte Lautsprecherfirmen tun sich damit aber relativ schwer. Einerseits wissen sie um den «hifidelen Spieltrieb», womit Kunden ihren Anlagen eine persönliche Note geben können. Andererseits möchten sie ihre passiven Flaggschiffe nicht konkurrenzieren und es fehlt manchmal auch das Know-how für die Aktivtechnik. Wenn schon, dann werden eher Einsteigermodelle aktiv angeboten. Das Thema wird deshalb eher von Newcomern und kleineren Firmen abgedeckt. Es gibt aber Ausnahmen und der Trend zeigt in Richtung Aktivtechnik.
Digital-Aktiv dominiert
Fast alle High-End-Aktivsysteme verwenden Frequenzweichen im digitalen Bereich, basierend auf DSP (Digitale Signalprozessoren) und Verstärkern der einzelnen Wege in Class-D-Technik. Die Technik ist ausgereift, das Lautsprecherdesign kann sehr flexibel erfolgen und systembedingte Nachteile von Mehrwegesystemen können konsequent angegangen werden. Digitale Aktivsysteme lassen sich auf den Raum einmessen. Die grosse Flexibilität erlaubt eigenständige Lösungen, die passiv nicht realisierbar sind. Das gilt auch für die im Klangschloss ausgestellten Aktivsysteme. Unterschiede gibt es vor allem im akustischen Layout, bei der Komplexität und der Qualität der Komponenten.
Airplain acoustics
Die Geräte der jungen Schweizer Firma, geleitet vom erfahrenen Elektroingenieur Thomas Flammer, wurden auf avguide.ch schon ausführlich besprochen und erhielten exzellente Kritiken. Oberste Prämisse sind die saubere Impulsantwort und die phasenlineare Auslegung des Systems, eine Domäne von Digital-Aktiv-Systemen. Airplain nutzt die Technik konsequent, um aus relativ kompakten Gehäusen ein grosses Klangvolumen zu generieren. Diese sind sehr hochwertig in Edelstahl gefertigt, dadurch steif und gleichzeitig edel und zeitlos. Die Kunden dürfen aus vielen Ausführungen wählen.
Im Hochtonbereich werden als Spezialität weitgehend selbstentwickelte Airmotion-Transformer eingesetzt, die breitbandig bis weit in den Mitteltonbereich arbeiten. Aber auch in den restlichen Frequenzbereichen werden innovative Chassis von Purifi eingesetzt. In der digitalen Signalverarbeitung arbeitet Airplain mit der bekannten Schweizer Firma Weiss Engineering aus Uster zusammen, weshalb die Firmen im Klangschloss auch gemeinsam ausstellen. Die verwendeten Class-D-Endstufen, ebenfalls von Purifi, gelten als Mass der Dinge.
Die Komponenten werden komplett in der Schweiz in Manufakturbetrieben gefertigt und von Airplain endmontiert und kontrolliert. Das Programm hat in kurzer Zeit eine respektable Grösse erreicht, um diverse Ansprüche und Anwendungen zu bedienen. Im Klangschloss stellen Airplain und Weiss im Raum 7 im 2. OG aus.