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Publikationsdatum
31. März 2025
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Aktive Lautsprecher waren im HiFi-Bereich lange Zeit Exoten, galten aber den technikfokussierten Musikliebhabern immer als Mass der Dinge, wogegen ihnen in audiophilen Kreisen gerne die «Musikalität» und «Emotionalität» abgesprochen wird. Der technische Vorteil liegt in der Systemoptimierung von Verstärker, Lautsprecherchassis und Gehäuse. Die Frequenzbereiche werden vor der Verstärkung aufgeteilt und die einzelnen Chassis direkt von darauf leistungsmässig zugeschnittenen Verstärkern angesteuert. Auf avguide.ch wurde das Thema in vielen Artikeln und Produktebesprechungen behandelt, die am Ende aufgeführt sind.

Die passiven Lautsprecher dominieren nach wie vor den HiFi- und High-End-Bereich, weil sich damit von Kunden viel besser am Sound tüfteln lässt. Dagegen wurden im Studiobereich die Passiven von den Aktiven verdrängt. Aktiv sind jedoch auch Bluetooth-Lautsprecher sowie Multiroom- bzw. Streaming-Lautsprecher (à la Sonos). Diese Lösungen sind hochintegrierte, komplette Musikanlagen und werden per App bedient. Nur so ist es möglich, in so kleinen Volumina mit den technischen Anforderungen eine ordentliche Wiedergabe zu erzielen. Kosten-Nutzen-Verhältnisse sind bei allen diesen Systemen hoch.

Es ist verführerisch, diese Vorteile konsequent auch im High-End-Bereich zu nutzen. Etablierte Lautsprecherfirmen tun sich damit aber relativ schwer. Einerseits wissen sie um den «hifidelen Spieltrieb», womit Kunden ihren Anlagen eine persönliche Note geben können. Andererseits möchten sie ihre passiven Flaggschiffe nicht konkurrenzieren und es fehlt manchmal auch das Know-how für die Aktivtechnik. Wenn schon, dann werden eher Einsteigermodelle aktiv angeboten. Das Thema wird deshalb eher von Newcomern und kleineren Firmen abgedeckt. Es gibt aber Ausnahmen und der Trend zeigt in Richtung Aktivtechnik.

Digital-Aktiv dominiert

Fast alle High-End-Aktivsysteme verwenden Frequenzweichen im digitalen Bereich, basierend auf DSP (Digitale Signalprozessoren) und Verstärkern der einzelnen Wege in Class-D-Technik. Die Technik ist ausgereift, das Lautsprecherdesign kann sehr flexibel erfolgen und systembedingte Nachteile von Mehrwegesystemen können konsequent angegangen werden. Digitale Aktivsysteme lassen sich auf den Raum einmessen. Die grosse Flexibilität erlaubt eigenständige Lösungen, die passiv nicht realisierbar sind. Das gilt auch für die im Klangschloss ausgestellten Aktivsysteme. Unterschiede gibt es vor allem im akustischen Layout, bei der Komplexität und der Qualität der Komponenten.

Airplain acoustics

Die Geräte der jungen Schweizer Firma, geleitet vom erfahrenen Elektroingenieur Thomas Flammer, wurden auf avguide.ch schon ausführlich besprochen und erhielten exzellente Kritiken. Oberste Prämisse sind die saubere Impulsantwort und die phasenlineare Auslegung des Systems, eine Domäne von Digital-Aktiv-Systemen. Airplain nutzt die Technik konsequent, um aus relativ kompakten Gehäusen ein grosses Klangvolumen zu generieren. Diese sind sehr hochwertig in Edelstahl gefertigt, dadurch steif und gleichzeitig edel und zeitlos. Die Kunden dürfen aus vielen Ausführungen wählen.

Airplain Phli
Airplain Phli
Airplain Super Phli
Airplain Super Phli
Airplain Verstärkerboard
Airplain Verstärkerboard

Im Hochtonbereich werden als Spezialität weitgehend selbstentwickelte Airmotion-Transformer eingesetzt, die breitbandig bis weit in den Mitteltonbereich arbeiten. Aber auch in den restlichen Frequenzbereichen werden innovative Chassis von Purifi eingesetzt. In der digitalen Signalverarbeitung arbeitet Airplain mit der bekannten Schweizer Firma Weiss Engineering aus Uster zusammen, weshalb die Firmen im Klangschloss auch gemeinsam ausstellen. Die verwendeten Class-D-Endstufen, ebenfalls von Purifi, gelten als Mass der Dinge.

Die Komponenten werden komplett in der Schweiz in Manufakturbetrieben gefertigt und von Airplain endmontiert und kontrolliert. Das Programm hat in kurzer Zeit eine respektable Grösse erreicht, um diverse Ansprüche und Anwendungen zu bedienen. Im Klangschloss stellen Airplain und Weiss im Raum 7 im 2. OG aus.

ModulART von Wave Control & Konkret Akustik

Die Zürcher Oberländer Connection aus einem erfahrenen Lautsprecherentwickler und einem jungen Verstärkerspezialisten verfolgt technisch einen ähnlichen Ansatz wie Airplain: DSP-Frequenzweichen, DAC von Weiss Engineering und hochwertige Class-D-Endstufen steuern die Aktivlautsprecher. Die ganze Technik wird jedoch in eine externe Schaltzentrale ausgelagert, an die sich diverse Quellgeräte anschliessen lassen.

ModulART von Wave Control & Konkret Akustik
ModulART von Wave Control & Konkret Akustik
ModulART von Wave Control & Konkret Akustik
ModulART von Wave Control & Konkret Akustik
ModulART von Wave Control & Konkret Akustik
ModulART von Wave Control & Konkret Akustik
ModulART von Wave Control & Konkret Akustik
ModulART von Wave Control & Konkret Akustik

Diese Basis dient für ein Hochleistungs-4-Wege-Schallsystem, das eine respektable Grösse aufweist und im Wohnraum seinen Platz einfordert – ein klassischer Statement-Lautsprecher. Der Aufbau in drei Kuben, mit zwei Subwoofern mit Dipolabstrahlung und einem Kopfteil als klassischer 3-Weg-Monopol, wirkt ungekünstelt und wie ein Stück Minimal Art. Die Dipolsubwoofer mit grosskalibrigen 15-Zoll-Basschassis und spezieller Slot-Loaded-Front versprechen ultratrockene Bässe bei geringeren Raumanregungen. Der 3-Wege-Aufbau mit hochwertigen Scan-Speak-Chassis ist dagegen klassisch geschlossen, der Kubus extrem versteift und jedes Chassis arbeitet in seinem optimalen Übertragungsbereich. Die DSP-Technik erlaubt es, dieses komplexe System wie aus einem Guss arbeiten zu lassen.

Das System feiert im Klangschloss im 3. OG, Raum 9a seine Premiere. Lassen Sie sich dies nicht entgehen! ModulART soll ausschliesslich auf Bestellung und individuell nach Kundenwunsch gefertigt werden.

Kii Audio

Vor gut 10 Jahren betrat ein neuer Hersteller die Szene mit einem aufsehenerregenden Digital-Aktivsystem, der Kii Three. Sie eroberte die Audiowelt im Sturm. Später folgte der Unterbau Kii Three BXT. Als Spezialität nutzt Kii Audio die Möglichkeiten, um die Lautsprecher bis in den Bassbereich nierenförmig nach vorne abstrahlen zu lassen, wie sie es systembedingt im Mittelhochtonbereich ohnehin tun. Damit erreicht das System eine geringere Raumanregung, insbesondere zur Rückwand, und eine höhere Flexibilität bei der Aufstellung.

Das Gehäuse wird bewusst kompakt gehalten, doch dank geschickter Entzerrung im Bass erscheint der Sound sehr gross. Die Lautsprecher fanden rasch grosse Akzeptanz im Heimbereich, aber auch im professionellen Bereich, und erhielten spartenübergreifend Bestnoten. Der Unterbau BXT hob die Pegelfestigkeit an und verstärkte die Richtwirkung in noch tiefere Frequenzbereiche.

Kii-Audio-Lautsprecher bei AV Spalinger. Im Bild das Top-Modell: die Kii Three mit dem ergänzenden Bassmodul Kii Three BXT.
Kii-Audio-Lautsprecher bei AV Spalinger. Im Bild das Top-Modell: die Kii Three mit dem ergänzenden Bassmodul Kii Three BXT.
Der Einfluss der Raumakustik wird – insbesondere im Bass – massiv verringert.
Der Einfluss der Raumakustik wird – insbesondere im Bass – massiv verringert.
Zum zehnjährigen Firmenjubiläum lanciert Kii Audio mit der Seven einen neuen Aktivlautsprecher mit einem attraktiven Peis-Leistungs-Verhältnis.
Zum zehnjährigen Firmenjubiläum lanciert Kii Audio mit der Seven einen neuen Aktivlautsprecher mit einem attraktiven Peis-Leistungs-Verhältnis.
Rückseite der Kii Seven mit diversen Einstellmöglichkeiten.
Rückseite der Kii Seven mit diversen Einstellmöglichkeiten.

Die verwendete Elektronikkomponenten sind Eigenentwicklungen, die teilweise als OEM-Produkte auch anderen Firmen angeboten werden. Hinter allen technischen Entwicklungen steckt ein Name: Bruno Putzeys. Der clevere und erfahrene Holländer hat mit seiner Arbeit für diverse Firmen massgeblichen Anteil daran, dass die Aktivtechnik sich in den letzten Jahren verbreitet hat. Anders als die ersten erwähnten Firmen dachte Kii Audio ihre Produkte immer in einer industriellen Dimension mit relativ hohen Stückzahlen. Man startete mit einem erfahrenen Team, konnte Risikokapital auftreiben und bald auch die erste Fabrik eröffnen.

Mit dieser Erfolgsgeschichte im Hintergrund lancierte die Firma vor einem Jahr die Kii Seven, ein noch kompakteres Gerät mit denselben Eigenschaften wie die Kii Three, das auch ein Streaminglautsprecher ist. Dies und der geringere Preis sollen grössere Kundensegmente ansprechen. Im Test von avguide.ch sorgte die Kii Seven erst kürzlich für Furore.

Im Klangschloss sind die Kii Seven und die Kii Three sowohl an den Musikvorträgen von Lothar Brandt im reformierten Kirchgemeindehaus zu hören als auch durchgehend zwischen den Vorträgen während den Messezeiten (ab Freitag ca. 13 Uhr).

Custom Active by Illusonic

Als Gegenstück zu Kii Audio steht das Projekt von Illusonic. Die neu entwickelten Aktivlautsprecher sind nicht dazu gedacht, kommerzialisiert zu werden, sondern dienen der Firma nur als präzise Abhörmonitore für die Weiterentwicklung ihrer Raumklangprozessoren. Firmenchef Christof Faller lernte zufällig die Spezialisten für sensorgeregelte Aktivtechnik von Audio Chiemgau kennen und begeisterte sich für deren technischen Ansatz. Nach einem erfolgreichen ersten Projekt mit einem sensorgeregelten aktiven Subwoofer war der Weg bereit für Hauptlautsprecher mit derselben Technologie. Die Kombination wird im Klangschloss im Sodbrunnenraum zu hören sein, als 3-kanaliger Aufbau mit identischen Lautsprechern für Links-Mitte-Rechts.

Präzise aktive Abhörmonitore für die Weiterentwicklung ihrer Raumklangprozessoren von Illusonic.
Präzise aktive Abhörmonitore für die Weiterentwicklung ihrer Raumklangprozessoren von Illusonic.
Elektronik der Illusonic-Abhörmonitore
Elektronik der Illusonic-Abhörmonitore

Audio Chiemgau ist als Firma kaum bekannt, kann aber eine illustre Referenzliste vorweisen, insbesondere die Firma Silbersand von Friedrich Müller, dem Gründer von Backes & Müller. In einem eigenen Kapitel werden die Vorzüge der verwendeten Technik dargelegt, hauptsächlich massive Reduktion von diversen Verzerrungen, wie sie bei passiven, aber auch bei aktiven Lautsprechern mit klassischem Aufbau entstehen. Die Frequenzweiche wird per DSP programmiert, was Illusonic erlaubt, sie direkt in deren Audio-Prozessoren umzusetzen. Die aufwändigen analogen Verstärker mit der Sensorregelung sind direkt in die Lautsprecher eingebaut.

PSI Audio – Monitore für die Landenberg Sessions

Die Schweizer Spezialisten für aktive Studiomonitore sind im Klangschloss die Einzigen, die rein analoge Aktivlautsprecher präsentieren, damit aber ebenfalls eine präzise Impulsantwort umsetzen können. Das Phasenverhalten wird mit Allpassfiltern von 200  Hz bis 20 kHz linearisiert und die Membranbewegungen werden über die adaptive Ausgangsimpedanz der selbst entwickelten Verstärker gesteuert, dies in allen Frequenzbereichen. Diese Eigenentwicklungen bilden seit 30 Jahren das Herz von deren Aktivtechnik und werden im Studiobereich hochgeschätzt. Vor einigen Jahren begann die Firma, sämtliche Modelle mit selbst gebauten Hochtönern auszurüsten und später auch mit eigenen Mitteltönern für die 3-Wege-Modelle.

PSI Audio – Monitore für die Landenberg Sessions
PSI Audio – Monitore für die Landenberg Sessions
PSI Audio A23
PSI Audio A23
PSI Audio Elektronik
PSI Audio Elektronik

Der kompaktere 3-Wege-Monitor wird Aufnahmeleiter Ralph Zünd als Abhörmonitor für die Landenberg Sessions dienen. Er selbst arbeitet in seinem Studio seit vielen Jahren mit den grossen 3-Wege-Monitoren von PSI Audio und schätzt die ehrliche, präzise und unangestrengte Wiedergabe. Als einer der ganz Wenigen, die noch mit Bandmaschine aufnehmen (straight2tape®), ist es für ihn elementar, dass die Monitore das Signal nicht digital wandeln und analog belassen. Das wäre ein Sakrileg!

Wer die Landenberg Sessions besucht, wird nach der jeweiligen Session die Gelegenheit haben, direkt im Konzertsaal kurze Sequenzen über diese Monitore anhören zu können. Dies ist eine optimale Vorbereitung für den Sessions Stream, wenn dasselbe Signal über sämtliche ausgestellten Musikanlagen zu hören sein wird.

Sind aktive Lautsprecher den passiven überlegen?

Diese Frage treibt Audiophile seit langem um und führt zu hitzigen Debatten. Vom rein technischen Standpunkt betrachtet ist die Aktivtechnik die überlegene Technik. Deren Vorzüge kommen insbesondere bei dynamischen Mehrwegelautsprechern zum Tragen, wie sie grossmehrheitlich üblich sind.

Jedoch ist die (subjektive) Qualität der Wiedergabe nicht alleine davon abhängig. Es spielen viele andere Kriterien mit: Die Qualität der Lautsprecherchassis, des Gehäuses, das System-Layout, das Abstrahlverhalten usw. Passive Systeme lassen sich viel stärker auf spezielle klangliche Vorlieben hin optimieren, gerade durch die Wahl des Verstärkers, aber auch des DAC, Plattenspielers usw. Wer HiFi als Hobby betreibt, wer audiophile Entdeckungsreisen machen möchte, oder etwa auch Spass an Vintage-HiFi hat, der wird sich mit aktiven Systemen eher schwertun. Wer würde nicht dem Charme eines Röhrenverstärkers erliegen oder eines anderen exotischen Gerätes? Und dies überträgt sich auf die Wahrnehmung der Musik. Zuhause beim Musikhören zählt der Genussfaktor und nicht alleine die technische Perfektion. Wer dagegen vor allem unkompliziert, platzsparend, mit wenigen Geräten und in hoher Qualität Musik hören will, der wird den aktiven Ansatz schätzen.

Klangschloss Greifensee vom 11.-13. April
Tagesticket inkl. Landenberg Sessions: 30 CHF



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Markus Thomann Gastautor

Markus Thomann war als Architekt tätig, bevor er vor gut 25 Jahren seine Passion für Audiotechnik professionalisierte und die Firma Klangwerk gründete. Unter diesem Label stellt er exklusive Lautsprecher her und betreibt in Zürich ein Fachgeschäft. Jeden Frühling organisiert er zudem das «Klangschloss», eine Audiomesse im Schloss Greifensee.