18. Februar 2019 | seit 1999
TESTBERICHT
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Zauber der Röhren

Das Innere des Hybrid-Vollverstärkers SV-237MK zeigt einen tadellos sauberen Aufbau und ein kraftstrotzendes Netzteil. Dank riesiger Kühlköper wird der Verstärker im Betrieb kaum mehr als handwarm.

Zunächst interessierte der Verstärker ohne den CD-Player. Also flugs den HiRes-Player Pioneer XDP-300R als Auffrischung des Klanggedächtnisses an den Forte-Audio-Transistor-Vintage-Verstärker (Vorstufe F44, Endstufe Model 6) angeschlossen, die sich in unzähligen Vergleichen als potente, klangneutrale Verstärkerkombination bewährt haben, und via Piega Coax 311 angehört. Der Klang gerade bei Streichern ab Files mit 24bit/96 kHz ist klar, sauber und exzellent durchzeichnet. Der Kontrabass kommt abgrundtief und setzt knackig seine Akzente unter das Klanggeschehen. Da hier kaum noch klangliche Wünsche offen bleiben, darf man sich fragen, was denn da noch besser werden kann. Doch dann kommt der Vincent SV-237MK an die Reihe.

Und nun öffnet sich eine andere Klangwelt, nämlich diejenige der Röhren! Dieser Klang ist schwer zu beschreiben, denn er ist eigentlich unbeschreiblich! In ihm liegt ein ganz besonderer Zauber, eine ganz besondere Faszination! Es ist dies keine Schönfärberei, die alles mit einer eklig süssen Zuckerglasur überzieht, sondern eine gesteigerte Pracht der Klangfarben, eine ebenfalls gesteigerte Vitalität, ein Erlebnis, das unter die Haut geht und den kalten Riesel auslöst, der leider so selten den Rücken hinunter perlt ...

So erscheinen Violinen in allen Tonlagen brillant, jedoch ohne Schärfe, und Celli entfalten ihr unerhört schönes, warmes Klangtimbre. Hier fasziniert der Körper und das vibrierende Holz dieses Instruments. Ganz ähnlich dann das Erlebnis bei Blechbläsern. Man hört es sofort: Dieser edel schmetternde Klang stammt von erstklassigen Musikern mit ebenso hervorragenden Instrumenten. Anders als bei einigen meiner Röhrenverstärkern (Quad, Fisher und Rogers) steht in meinem eher kleineren Abhörraum Leistung ohne Ende zur Verfügung, und die extremen Attacken dieser Instrumente kommen dynamisch und absolut verzerrungsfrei. Man wisse: Auch eine clippende Röhren-Endstufe klingt trotz ihres Soft-Clippings gerade bei Blechbläsern keineswegs angenehm!

Zum Bass ist zu bemerken, dass er hier – ganz im Gegensatz zu vielen reinen Röhrenverstärkern – nicht nur brachial tief hinunterreicht, sondern gerade die Zupfer eines Jazz-Kontrabassisten extrem schnell einsetzen und bei Bedarf auch wieder blitzartig ausschwingen lässt. Anders ausgedrückt: Diese MOSFET-Endstufe hat die Bassmembranen der angeschlossenen Lautsprecher perfekt unter Kontrolle.

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