TESTBERICHT
AVC-A1H.AVC-A1H.

Flaggschiffe haben immer eine spezielle Ausstrahlung. Bei den AV-Receivern von Denon ist das nicht anders, besonders seit Denon keine getrennten Vor- und Endstufenlösungen mehr im Mehrkanalbereich anbietet. Die 1er-Serie, die seit einigen Jahren bzw. seit mehr als einem Jahrzehnt bei den Japanern das Mass der Dinge ist, wurde für das Jahr 2023 neu aufgelegt. Da stellt sich die Frage: Was will man da eigentlich noch verbessern? Im Heimkinobereich bieten sich rein technologisch betrachtet mehr Möglichkeiten als im klassischen HiFi. Nur um schon wieder die gängigsten Ton- und vor allem Bildformate umsetzen zu können, ist so ein Rhythmus von ein oder zwei Jahren fast unerlässlich. Wer will schon einen 8K-Fernseher zu Hause, wenn sein Receiver nur veraltete Formate durchstellen kann?

Unter der Klappe findet man manuelle Wahltasten für zwei weitere Wiedergabezonen. Nebst dem Hauptraum lassen sich noch zwei weitere Räume mit Musik beschallen. Dies macht bei insgesamt 15 eingebauten Endstufen absolut Sinn. In den wenigsten Fällen wird der AVC-A1H das maximal mögliche 9.4.6-Setup erfahren. Das heisst, schnell sind noch zwei oder vier Verstärker-Ausgänge «übrig». Warum also diese nicht für weitere Räume nutzen? Gerade das eingebaute Heos mach das Bedienen besonders beim Streaming simpel, einzig ein Smartphone wird benötigt.

Unter der wertigen Metallklappe finden sich unter anderem Tasten für Quick-Memory-Funktionen sowie Anschlüsse für USB-Datenträger und Kopfhörer.Unter der wertigen Metallklappe finden sich unter anderem Tasten für Quick-Memory-Funktionen sowie Anschlüsse für USB-Datenträger und Kopfhörer.

Klappe auf

Die Japaner habens einfach drauf. Als schlichte, elegante Majestät könnte man dieses Gerät etwas blumig umschreiben. Vor allem die schwarze Ausführung, die wir im Heimkinoraum bei Müller + Spring in Brugg (AG) in einem 7.1.4-Setup testen durften, hat einen wunderbaren Charme. Hinter der Frontklappe befinden sich einige Tasten, um das Gerät auch ohne Fernbedienung steuern zu können.

Dazu sind die vier Quickmemory-Tasten vorhanden, welche es auch via Fernbedienung ermöglichen, per Knopfdruck ein zuvor gespeichertes Setup direkt aufzurufen. Dies vereinfacht die Bedienung für die wichtigsten Funktionen massiv. Eine USB-A-Buchse ist ebenfalls vorhanden. Und nicht zu vergessen ist eine 6,3-mm-Kopfhörerbuchse. Vielleicht möchte man ja einfach mal etwas Musik hören und niemanden stören. Oder den Atmos-Sound auf zwei Kanäle heruntermischen lassen und den neusten Netflix-Brüller anschauen, wenn die anderen Mitbewohner schon im Reich der Träume sind.

Über die Anschlussvielfalt muss man nicht allzu viele Worte verlieren. Alles da, was man braucht. Besondere Erwähnung verdienen allerdings die zwei professionellen XLR-Eingänge für CD-Spieler und die vier(!) zusätzlichen XLR-Ausgänge für Subwoofer. Meistens stehen diese nicht gerade beim AVC, sondern einige Meter davon entfernt. Dank symmetrischer Übertragung hat der Brumm keine Chance. Clever gemacht!

Die Anschluss-Peripherie beim Denon-Flaggschiff lässt keine Wünsche offen. Auch Nutzer analoger Quellen (inkl. Phono und XLR-CD) kommen auf ihre Kosten.Die Anschluss-Peripherie beim Denon-Flaggschiff lässt keine Wünsche offen. Auch Nutzer analoger Quellen (inkl. Phono und XLR-CD) kommen auf ihre Kosten.

Haube auf

Fast ein bisschen kribbelig wird man, wenn man unter diese Haube schaut. 15 Endstufen mit Spitzenleistungen bis zu 210 Watt wollen ihren Platz finden und möchten auch die nicht verwendete Wärmeenergie abgeben. Mit dabei ist auch das Netzteil, das insgesamt 900 Watt umsetzen kann. Also Deckel abschrauben und Blick hinein. Sieben Endstufen links und acht Endstufen rechts geben ihre Wärme an einen massiven Kühlkörper ab. Gespiesen werden diese von einem Monstrum an Trafo und zwei riesigen Sieb-Elkos von der Grösse einer Kaffeetasse. Mit Gehäuse und allen PCBs kommen so satte 32 kg zusammen. Im Verhältnis mit den Aussenabmessungen ergibt sich eine spezifische Dichte von 0,8 kg/dm3, das ist fast so viel wie Wasser.

Weitere innere Werte sind auf den ersten Blick sichtbar (das abgesetzte HEOS-Streaming-Modul) und andere hingegen nicht. Dazu zählen beispielsweise diverse weitere Streaming-Möglichkeiten wie Spotify, TuneIn und Airplay 2 sowie die Möglichkeit, via UPnP/DLNA Musik bis 24Bit/192kHz bzw. DSD-Streams bis 5.6 MHz abzuspielen. Zudem gibt es eine Novum: Neben dem bewährten Audyssey-Einmesssystem kann der glückliche Besitzer ein Upgrade erwerben und danach das semiprofessionelle DiracLive zum Einmessen verwenden. Dazu benötigt man zwar etwas Know-how, aber aus meiner Erfahrung ist dies eine der besten Möglichkeiten, Lautsprecher auf einen Raum zu optimieren. Noch eine kleine Randbemerkung: Das auf der Denon-Homepage vorhandene Häkchen bei «AM-FM-Tuner» kann ich nicht bestätigen. Es ist schlicht kein Antenneneingang vorhanden. Der Name sagts ja schon: AVC nicht AVR(eceiver). Doch mal ehrlich: Gibt es noch Leute da draussen, die Musik via UKW hören?

Unter der Haube: 15 Endstufen mit massivem Netzteil.Unter der Haube: 15 Endstufen mit massivem Netzteil.

Eintauchen in fremde Welten

Doch nebst allem, was der AVC-A1H so kann, muss er vor allem eines können: Kinoliebhaber in eine virtuelle Audiowellt einwicklen, dass er oder sie das Gefühl hat, sich auf einem anderen Planeten zu befinden – vor allem, wenn sich beispielsweise ein Film wie «Avatar» im UHD-Bluray-Player dreht. Wie eingangs erwähnt, fand der Hörtest mit insgesamt zwölf Lautsprechern statt. Vorne zwei Standlautsprecher, den Center und Subwoofer sowie insgesamt acht LCR-Lautsprechern für Seiten-, Rück- und Höhenkanäle. Alle stammen von Sonus Faber, einzig der Subwoofer kam von SVS.

Nach kleinem Nachjustieren der hinteren Kanäle war die Soundkulisse umwerfend. Realistisch tauchten wir in fremde, aber auch bekannte Klangwelten ein, ganz leise und sanft, aber auch brachial und gewaltig. Dem 12-kg-Denon-Schnittkerntrafo geht nicht so schnell der Saft aus. Es machte Freude, mit geschlossenen Augen bekannte Filmausschnitte zu hören (u. a. «Oblivion» als normale BD oder «Matrix» als UHD-BD mit Dolby Atmos) und sich die Welt vorzustellen, in der sich der Protagonist gerade bewegt.

Der eingebaute Upsampler (DTS-X) schaffte es auch bei Abmischungen ohne Höhenkanäle, diese sehr realistisch nachzubilden. Unter anderem bei «Oblivion» der Überflug über die Stadionruine, aber auch das durch die Decke gehende Geräusch der Stahlseile bei der Szene, in welcher «Tech49» versucht, einer fiesen Falle zu entgehen.

Nebst tollem Sound vom UHD-Bluray-Player (Reavon UBR-X200) kann der Denon auch mit Musik ab Stereo-Konserve komplett überzeugen. Dann steht die geballte Strommenge für die zwei Hauptkanäle zur Verfügung. Das hört man auch dann, wenn Kraft im Bassbereich verlangt wird. Dann knickt der AVC-A1H nicht ein und kann problemlos auch grössere Standboxen ohne Subwoofer-Unterstützung antreiben. Genau hier dürfte einer der grösseren Unterschiede vorhanden sein im Vergleich zu kleineren, einfacheren Heimkino-Receivern.

So wurde bei Müller + Spring getestet: mit einem Set aus 11 Lautsprechern von Sonus Faber und mit einem aktiven SVS-Subwoofer.So wurde bei Müller + Spring getestet: mit einem Set aus 11 Lautsprechern von Sonus Faber und mit einem aktiven SVS-Subwoofer.

Fazit

Dieses Gerät macht es einem einfach, ein Fazit zu schreiben. Wir konnten definitiv keine Schwachpunkte ausloten, zumindest nicht in der Zeit, in welcher uns das Gerät zur Verfügung stand. Das Gerät deckt weitestgehend alle Bedürfnisse eines anspruchsvollen Heimkinoliebhabers ab, bietet ausreichend Leistungsreserven, ist gut zu bedienen und bietet umfangreiche Streaming-Möglichkeiten. Der Kaufpreis scheint mir gerechtfertigt, denn wie gesagt, 15 Endstufen alleine kosten schon einiges; und die einwandfreie Verarbeitung zeugt von einem sorgfältigen Zusammenbau. Für mindestens zehn Jahre dürfte wohl bei den Besitzern dieser Maschine kein Bedürfnis nach mehr aufkommen.

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