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Filme machen
Die Videokamera: Im kreativen Filmmodus läuft die Panasonic Lumix GH6 zur Bestform auf.Im Videobereich macht der Lumix GH6 im Micro-FourThirds- und APS-C-Lager niemand etwas vor. Allein schon die Auswahl an Videoformaten ist beeindruckend – über 60 habe ich –, die alle intern aufgezeichnet werden können. Und mit dem Firmware-Update ab 5. Juli 2022 sollen noch weitere hinzukommen! Auch für das Aufnehmen auf externe Recorder.
Die GH6 ist die erste Lumix-Kamera, die intern 5,7K 30p Video im Apple ProRes 422 HQ Codec speichern kann. Mit 5,7K 4:2:0 10-bit 60p/50p und anamorphotischen 4:3-Modi in 5,8K 30p/25p/24p (oder 4,4K 60p) 4:2:0 10-bit bietet sie zudem höhere Auflösungen und höhere Bitraten und erfüllt so die Anforderungen an Bildqualität, Vielseitigkeit und Bandbreite, die für Film, Fernsehen und alle Arten der Videoproduktion erforderlich sind. Mehr Technisches dazu auf der nächsten Seite.
Verschiedene Zeitlupen-Varianten ermöglichen kreative Funktionen wie das «Speed Ramping» und halten selbst schnellste, für das Auge sonst unsichtbare Bewegungen eines Motivs fest.
Bei dieser Vielzahl an Einstellmöglichkeiten geht rasch die Übersicht verloren. Deshalb gibt es zum einen eine Filterfunktion im Videoformat-Menü und zum andern können oft benutzte Videoformate in einer Liste gesammelt werden. Wird dieses Listen-Menü mit den «Mein Menü»-Einstellungen kombiniert, ist man schnell in der Auswahlliste seiner Lieblingsformate.
Problemkind AF-C
Aus den anfänglichen Lumix-GH-Hybridkameras für Foto und Video wurden über die Jahre hinweg auf Bewegtbilder spezialisierte Arbeitsgeräte, die in der Branche einen sehr guten Ruf geniessen. Bis auf den kontinuierlichen Autofokus, der auch bei der GH6 immer noch nach Panasonics «Depth from Defocus»-Kontrast-AF-Technologie arbeitet.
Die gute Nachricht: Panasonic hat den kontinuierlichen AF bei der GH6 überarbeitet und um einiges schneller gemacht. Zudem lässt sich jetzt eine Fokusbegrenzung einstellen. Damit wird verhindert, dass zum Beispiel bei einem Interview die Schärfe plötzlich in den Hintergrund abhaut. Zusammen mit der Gesichts- und Augenerkennung funktioniert der AF-C nun um einiges besser als noch bei den Vorgängern.
Die schlechte Nachricht: Noch immer arbeitet der AF-C der GH6 nicht so zuverlässig wie alle seine Mitbewerber mit einem Phasenvergleichs- oder einem Hybrid-AF-System, welches Kontrast- und Phasendetektion kombiniert. Besonders bei Videoaufnahmen sieht das Schärfepumpen, auch wenn es nur sehr kurz ist, einfach nicht professionell aus.
Die ganze Problematik lässt sich umgehen, wenn man manuell scharfstellt, was engagierte Filmemacher sowieso tun. Dies ist meist nur beim szenischen Filmen möglich, wo man die Aufnahme beliebig oft wiederholen kann.
Wer ein «run & gun»-Filmer ist, Sportveranstaltungen, Hochzeiten oder Wildlife dokumentiert, ist zumindest teilweise auf den kontinuierlichen Autofokus angewiesen, will er nicht wichtige, meist unvorhersehbare «Action» verpassen. Es lohnt sich deshalb, sich etwas genauer mit den AF-Einstellungen der GH6 zu befassen und so seine Kamera auf unterschiedliche Aufnahmesituationen hin zu konfigurieren, damit auch das Scharfstellen in den meisten Fällen stimmt.
Scharfstellen in der Praxis
Wie üblich startete ich im Modus «kreatives Filmen» den Schärfeverlagerungstest und erlebte gleich die erste Überraschung. Die Lumix GH6 hat es als erste aller meiner bisher ausprobierten GH- und S-Modelle(!) von Panasonic tatsächlich geschafft, durch eine – ähem, etwas schmutzige – Fensterscheibe hindurch nach draussen zu fokussieren bzw. die Schärfe jeweils schön dorthin und wieder zurückzuverlagern!
Das gelang bisher nur allen anderen Marken wie Sony, Canon, Nikon, Fujifilm und auch Olympus – jedoch noch keiner Panasonic. Die blieben einfach auf dem Fensterrahmen «fokussiert» stehen. Damit verfügt die GH6 meiner Meinung nach über den besten Autofokus aller MFT- und Vollformatfotokameras von Panasonic.
Wie wichtig eine Anpassung der AF-Parameter ist, zeigte sich bei den Aufnahmen draussen im Sonnenlicht von Wiesen- und Busch-Hintergrund auf eine Blume im Vordergrund. Dies gelang in den AF-Standard-Einstellungen, Geschwindigkeit 0 und Empfindlichkeit 0 mehr recht als schlecht. Manchmal wurde die Blume zügig erkannt und fokussiert, dann wieder überhaupt nicht oder erst nach einem «Anschubsen» per AF-ON- oder Auslöser-Taste während des Filmens. Mit dem bekannten Hin- und Her-Wabbern der Schärfeebene.
Dann stellte ich die Empfindlichkeit auf +1. Danach flutschte die Verlagerung bei vier von fünf Versuchen bestens. Leider ist eben diese Ungewissheit bzw. Unsicherheit nach wie vor vorhanden. Einmal wird problemlos auf das neue Motiv scharfgestellt, dann wieder nicht.
Liegen die Schärfeebenen nahe und parallel zur Kamera, wird zügig scharfgestellt. Muss jedoch vom Hintergrund auf ein Detail im Vordergrund gefahren werden, dauert es entsprechend länger und es kommt vermehrt zu kurzem Schärfepumpen.
Interessant war auch, dass beim Schwenken von rechts nach links mehr korrekte AF-Verlagerungen gelangen als von links nach rechts. Dann nochmals probiert und nun gelangen wieder beinahe alle Verlagerungen, unabhängig von der Schwenkrichtung. Es ist manchmal einfach zum Haareraufen.
Natürlich spielt auch das eingestellte Fokusfeld eine Rolle. Bei einzelnen Motiven habe ich mit der «1-Feld»- oder «1-Feld+»-Wahl die besten Ergebnisse erzielt, abhängig von der Grösse des Sujets.
Motiverkennung
Bei Personenaufnahmen ist das Einschalten der Motiverkennung für die Scharfstellung sehr hilfreich. Die Funktion «HUMAN» – ja, auch so in der deutschen Anleitung bezeichnet – unterscheidet zwischen menschlichen Gesichtern, Augen und Körpern. Bei «FACE/EYE» werden nur menschliche Gesichter und Augen erkannt, und bei «ANIMAL+HUMAN» neben Menschen auch Tiere. Das Handbuch zählt dazu speziell Vögel, Hunde einschliesslich Wölfe usw. und Katzen, einschliesslich Löwen usw. auf. Ich hatte jedoch auch Erfolg bei Ziegen, Mäusen, Enten und Gänsen.
Wird für das Fokusfeld nicht der AF-Gesamtbereich gewählt, erkennt die GH6 auch Menschen oder Tiere, die nur zum Teil in das AF-Feld hineinreichen, markiert diese gelb und fokussiert darauf. Werden dabei innerhalb des Fokusfelds Augen erkannt, wird auf das sich näher zur Kamera befindliche Auge fokussiert und mit einem weissen Fadenkreuz markiert.
Im Gegensatz zu anderen Kameramarken ist es bei der GH6 nicht möglich, das Auge zu wechseln, auf das scharfgestellt wird.
Schau mir ins Auge: Das Gesicht wird mit einem gelben Rahmen, das Auge mit einem weissen Fadenkreuz markiert und das ursprüngliche Fokusfeld beim linken Auge ignoriert.Bei Wahl des AF-Gesamtbereichs werden Gesicht, Augen und Körper (ganzer Körper oder obere Hälfte) sowie Körper von Tieren von der Kamera automatisch erkannt und der Fokus wird angepasst. Durch Berühren des weissen AF-Feldes oder Bewegen des Joysticks kann auf das gewünschte Feld gewechselt werden.
Gesichterwahl: Mehrere erkannte Gesichter werden weiss markiert, dasjenige im Fokus gelb. Das gewünschte kann per Fingertipp aufs Display oder mittels Joystick gewählt werden.Entenjagd
Beim Tracking mit kontinuierlichem Autofokus entscheiden Kontraste, Farb- und Grössenunterschiede zwischen verfolgtem Objekt und Hintergrund sehr stark, wie lange der AF-C dranbleibt. So folgte er einer schwimmenden Ente zuverlässig, bis er durch starke Licht-Reflexionen auf dem Wasser durcheinandergebracht wurde und den Fokus verlor.
Bei Viechern mit weissen Federn, die sich deutlich vom Hintergrund abhoben, liess er sich kaum abschütteln. Noch etwas zuverlässiger geht er zu Werke, wenn auch die Menschen/Tier-Motiverkennung aktiv ist. Bei der Entenverfolgung blieb die Panasonic GH6 die meiste Zeit hartnäckig am Motiv und «trackte» sie auch durch Äste und Blätter hindurch, bis diese zu dicht wurden.
Mein Fazit beim Autofokus der GH6: Mit eingeschalteter Motiverkennung ist der Unterschied bei der Treffsicherheit und Zuverlässigkeit des AF-C nicht mehr soo gross im Vergleich zu Sony, Canon, Nikon oder Olympus, aber halt immer noch vorhanden. Am meisten hat mich beim AF-C der GH6 das technisch bedingte kurze AF-Pumpen und Wabbern gestört. Weniger empfindlichen Zuschauern wird dies kaum auffallen.
Beim manuellen Scharfstellen unterstützt einem die GH6 mit einer Lupenfunktion, die das Bild automatisch beim Drehen des Fokusrings oder beim Drücken auf die Fokusfeld-Taste oder den Joystick vergrössert darstellt. Zusätzlich kann eine Kantenhervorhebung (Fokus-Peaking) in wählbarer Empfindlichkeit und Farbe angezeigt werden. Und schliesslich lässt sich noch eine Aufnahmedistanz-Gitterlinie einblenden.
Ausgezittert
Beim Filmen kann anstelle der optischen Stabilisatoren (O.I.S) in der Kamera oder im Objektiv ein elektronischer 5-Achsen-Hybrid-Bildstabilisator verwendet werden. Der Bildwinkel wird dabei zwar ein wenig kleiner, dafür ist er mit allen Objektiven kompatibel und die Beruhigungswirkung ist verblüffend.
Die Wirksamkeit dieses elektronischen Bildstabilisators kann durch Zuschalten der Funktion «Bildstabil. verstärken» noch erhöht werden. Mit diesem Effekt wird die Bildkomposition stabil gehalten werden, wenn man von einer festen Perspektive aus, ohne zu Schwenken, aufnehmen möchte. Als Beispiel habe ich an einem Vortrag den Redner mit dem Kit-Objektiv in Telestellung (Brennweite 120 mm, auf 35 mm Vollformat umgerechnet) aus freier Hand von meinem Sitzplatz aus aufgenommen.
Beim zweiten Beispiel wurde aus der Hand mit aktivem 5-Achsen-Hybrid-Bildstabilisator geschwenkt.
Broadcast- und Kinotauglich
Spezielle Videoaufnahmen
Im letzten Jahrtausend war die Videowelt noch in Ordnung, einfach und normiert. Hobbyfilmer und professionelle Kameraleute filmten hierzulande gleichermassen mit Camcordern im 4:3-PAL-Format mit 576 Zeilen und 50 Halbbildern pro Sekunde. Die Profis konnten dabei sündhaft teures Equipment einsetzen. Der Unterschied zur Videoqualität bei den Amateuren war auch für einen Laien deutlich sichtbar.
Heute nimmt ein Freizeitfilmer mit einer filmenden Fotokamera in einer höheren Qualität auf als die TV-Anstalten senden können. Die Kameras bieten unzählige technische, gestalterische und künstlerische Möglichkeiten, aus denen er auswählen muss. So auch die Panasonic Lumix GH6.
Viele Videofunktionen der Kamera richten sich an professionelle Filmemacher. Durch ihren verhältnismässig günstigen Preis wird sie auch von manchen engagierten Videoamateuren eingesetzt werden. Damit diese bei den vielen Film- und Videobranchenbegriffen im Menü nicht nur Bahnhof verstehen, empfiehlt es sich sehr, das Handbuch etwas genauer zu studieren, auch wenn es über 800 Seiten umfasst.
ProRes 422, Farbtiefe, Chromasubsampling
Nun wird es etwas technisch. Die Lumix GH6 besitzt einen Multiformat-Sensor. Er verfügt mit brutto 26,5 Megapixel über genügend Fläche, um Bilder mit identischem Bildwinkel bei gleicher Brennweite unabhängig vom gewählten Seitenverhältnis 4:3, 17:9, 16:9 oder 3:2 aufzuzeichnen. Dadurch kommen sowohl Videofilmer als auch Fotografen mit 25,2-Megapixel-Nettoauflösung über alle Bildformate hinweg in den Genuss des gleichen diagonalen Bildwinkels ohne Einschränkung im Weitwinkel-Bereich. Zudem können die Pixel ohne grosses Herunterrechnen oder Weglassen eins zu eins übernommen werden.
Die Lumix GH5 II kann mit einer maximalen Videoauflösung von C4K-Video mit 4096 x 2160 Pixel filmen. Mit der GH6 sind nun 5,7K mit 5728 x 3024 Pixel im 17:9-Format oder 5.8K mit 5760 x 4320 Pixel im 4:3-Anamorph-Format möglich.
Von 17:9 bis 4:3: Der Micro-FourThirds-Bildkreis der Panasonic Lumix GH6 deckt alle Videobildformate ab.Wer die beste 5,7K-Videoqualität möchte, darf unkomprimiert im Apple ProRes 422 HQ Codec aufzeichnen. Dann werden pro Sekunde jedoch bis zu 1,9 Gigabit oder 1945,6 Megabit an Daten auf die CFexpress-Karte geschrieben! Zum Vergleich: Das MiniDV-Format mit 720 x 576 Pixel schrieb 1995 pro Sekunde noch 25 Megabit aufs Band.
Bei dieser Datenmenge ist schnell jedes Speicherkärtchen voll und jeder Standard-PC beim Bearbeiten am Anschlag. Ich habe gleich wieder auf das MOV-Format umgestellt, das 5,7K im HEVC-Code mit «nur» noch 300 Megabit pro Sekunde aufzeichnet.
Im MOV-Datenformat stellt die GH6 die meisten Videoqualitätsstufen bereit. Dabei ist die Farbtiefe ausnahmslos auf 10 Bit festgelegt. Die Farbtiefe entscheidet darüber, wie viele Farbabstufungen dargestellt werden können. Bei 8 Bit sind es 256, bei 10 Bit 1024. Eine hohe Farbtiefe vermeidet Treppchenmuster und Banding-Effekte. Ausserdem sind besonders dunkle und helle Stellen im Bild detailreicher und bieten mehr Reserven bei der Nachbearbeitung.
Eine weitere Qualitätssteigerung ist die 4:2:2 Farbunterabtastung, auf gut Deutsch auch Chromasubsampling genannt, gegenüber von 4:2:0. Die 4 im Verhältnis bedeutet dabei, dass die beiden Farbkomponentensignale jeweils mit einem Viertel der Auflösung des Helligkeitssignals gespeichert werden. Die zweite Ziffer steht für die Abtastrate der beiden Farbkanäle Cb und Cr in der oberen Reihe eines Pixelblocks. Die dritte Ziffer beschreibt denselben Wert, jedoch für die untere Pixelreihe. Kurz gefasst ergibt 4:2:2 die «kräftigeren» Farben, benötigt jedoch mehr Speicherplatz.
Wer seine eigenen Videoaufnahmen bisher «nur» in 4:2:0 8-Bit aufnahm, wird beim Betrachten der 4:2:2 10-Bit Videos der Lumix GH6 auf einem grossen 4K-OLED-TV ins Schwärmen kommen. Die Aufnahmen wirken sehr natürlich, Farben erstrahlen richtig gesättigt und trotzdem sehr fein abgestuft. Im Vergleich zu normalen Videos erscheinen sie äusserst plastisch, beinahe schon dreidimensional, was nicht nur mir positiv aufgefallen ist. Leider können diese Qualität nicht viele Computermonitore, Smartphones oder Tablets eins zu eins darstellen.
Dynamik-Booster
Nein, hier geht es nicht ums Impfen. Die Lumix GH6 kann den Sensor mit zwei nativen ISO-Empfindlichkeiten auslesen und damit Echtzeit-HDR-Kompositionen mit einer Belichtung ausgeben. Dadurch kann ein Video mit grösserem Dynamikumfang aufgenommen werden.
Diese Dynamikbereich-Anhebung ist jedoch nur bis zu einer Bildrate von maximal 60 Bildern pro Sekunde möglich. Zudem wird dabei im Standard-Bildstil die Untergrenze der ISO-Empfindlichkeit auf 800 limitiert, zusammen mit Bildstil HLG und V-Log sogar auf 2000.
ISO-Warnung: Information zum Einsatz der Dynamikbereich-Anhebung bei der Panasonic Lumix GH6.Man kommt beim Filmen am Tag kaum ohne starke ND-Filter aus, will man eine «cinematische» Unschärfe des Hintergrunds hinbekommen. Ich habe einen variablen ND-Filter vors Objektiv geschraubt und konnte damit die Belichtung beim Filmen mit Offenblende optimal steuern.
Für die Kontrolle der Videoaufnahme können Wave-Form-Monitor, Vector-Scope, numerische Helligkeitsanzeige, Zebramuster, roter Aufnahmerahmen und Sicherheits-Rahmenmarkierung in verschiedenen Seitenverhältnissen eingeblendet werden. «Aufnahme-läuft»-Anzeigen, sogenannte Tally-Lichter, gibt es auf der Vorder- und Rückseite der GH6. Ein Farbbalken-Generator mit pegelbarem Testton ist ebenfalls eingebaut. Und damit sind wir bei der Tonaufnahme.
Graufilter zwingend: Wer mit der Panasonic GH6 draussen mit Dynamikbereich-Anhebung filmt, ist auf starke ND-Filter angewiesen.Vier-Kanal-Audio
Erstmals bei Lumix-Kameras sind 4-Kanaltonaufnahmen in 48- oder 96-kHz in 24-Bit möglich. Dazu wird der optionale DMW-XLR1-Adapter, den es bereits für die GH5 gibt, benötigt. Damit lassen sich zum Beispiel ein Funkmikro an XLR-1 und ein Richtmikrofon an XLR-2 betreiben und gleichzeitig über die internen oder zwei weitere, an der Kamera-Mikrofonbuchse angeschlossene externe Mikrofone Umgebungsgeräusche aufnehmen.
Für die Tonaussteuerung und -kontrolle hat sich Panasonic eine einfache wie geniale Lösung einfallen lassen. Über eine eigene Audiotaste an der Oberseite der Kamera lassen sich alle für die Tonaufnahme benötigten Funktionen blitzschnell bildschirmfüllend aufrufen, einstellen und ebenso schnell wieder entfernen. Diese praktische Möglichkeit habe ich noch bei keiner anderen Kamera gesehen. Eine Kopfhörerbuchse besitzt die GH6 selbstverständlich auch.
Gross im Bild: Für die Tonkontrolle gibt es bei der Panasonic Lumix GH6 eine eigene Taste zum Aufruf der bildschirmfüllenden Anzeige.Spezielle Videoaufnahmen
Neben gewöhnlichen Aufnahmen wartet die Lumix GH6 mit besonderen Videotechniken auf, die im Kapitel «Aufnahme spezieller Videos» auf rund 40 Seiten im Handbuch beschrieben werden. Die meisten davon sind ausschliesslich im kreativen Filmmodus möglich und oft auf bestimmte Formate oder Speicherkarten- oder Akkutypen beschränkt.
Meistens wird man von der Kamera darauf hingewiesen, wieso etwas in dieser Konstellation nicht funktioniert, leider aber nicht immer. Wer zum Beispiel in 4K/UHD mit 120p filmen möchte, sieht diese Menüposition ausgegraut und kann sie nicht einstellen, wenn gleichzeitig die Dynamikbereich-Anhebung aktiv ist. Da es keinen Hinweis darauf gibt, wieso dies so ist, probiert man erst mal herum, bis man die Lösung im Kleingedruckten der Anleitung findet: Bei aktiver Dynamikbereich-Anhebung sind nur Bildraten bis 60p möglich.
Beim Einstellen der variablen Bildrate auf 300p für faszinierende Zeitlupenvideos verzweifelte ich auch beinahe. So konnte ich am Vormittag problemlos damit filmen, beim Wiederaufrufen derselben Funktion am Nachmittag war plötzlich nur noch eine Bildrate bis 50p möglich. Die Dynamikbereich-Anhebung war nicht eingeschaltet und auch sonst eigentlich alles korrekt.
Schliesslich erinnerte ich mich daran, dass ich über Mittag den Original-Akku der GH6 zum Aufladen herausgenommen und mit einem GH5-Akku ersetzt hatte. Seine Leistung reichte nur zu einer 50p-Einstellung. Kaum war der GH6-Akku wieder drin, konnte ich glücklich die 300p anwählen.
Zeitdehnung und -verkürzung
Die GH6 ermöglicht es, coole Zeitlupen- und Zeitraffervideos aufzunehmen, indem man eine Bildrate beim Filmen benutzt, die sich von der Aufnahmebildrate unterscheidet. Wähle ich dazu noch Full-HD als Videoformat, kann ich zwischen 1 und 300 Bilder pro Sekunde einstellen. Bei 300p erfolgt eine 12-fache Verlangsamung, die Filme werden dann mit nur noch 8 Prozent der normalen Geschwindigkeit wiedergegeben.
Als Einschränkung muss man dabei manuell scharfstellen und es wird kein Ton aufgezeichnet. Mit etwas Übung und Geduld gelingen dennoch interessante Zeitstudien. Was sonst dem Auge verborgen bleibt, sorgt bei verlangsamter Betrachtung für so manches Aha-Erlebnis oder Schmunzeln.
Neben variabler Bildrate sind auch Zeitlupenvideos mit fixer hoher Bildrate möglich. Diese funktionieren dann mit Autofokus und Audioaufnahmen.
V-Log, LUT, HLG
Mit Bildstilen wird die farbige Anmutung der Aufnahmen bestimmt, wenn gewünscht getrennt für Fotos und Videos. Wer «einfach nur filmen» und die Videos gleich vorzeigen möchte, wählt einen zum Motiv passenden Bildstil wie Landschaft, Porträt, Lebhaft, Natürlich, Monochrom oder einen Kinolook wie L.ClassicNeo oder Cinema-like – und gut ist.
Wer seine Aufnahmen nachbearbeiten und «color graden» möchte, greift zu flachen Bildprofilen, die genügend Reserven für eine intensive Farbkorrektur bieten. Die GH6 hält dafür, im Gegensatz zu den V-Log-Light-Varianten ihrer Vorgänger ein «richtiges» V-Log für den besonders grossem Farbraum der professionellen VariCam-Serie von Panasonic bereit.
Die flache Gammakurve von V-Log zeigt im Sucher und auf dem Monitor ein blasses, milchiges Bild. Dieses wird durch sogenannte LUTs (Look-Up Tables) in der Nachbearbeitung auf Normwerte korrigiert und mit dem gewünschten Bildlook versehen. LUT-Daten im «.vlt»- und «.cube»-Format können von der Panasonic-Support-Website heruntergeladen werden.
Damit das «richtige» Aussehen schon während der Aufnahme überprüft werden kann, lassen sich LUT-Dateien auch in die GH6 laden und am Monitor und im Sucher anzeigen. Es können bis zu 4 LUT-Datensätze registriert werden. Ein LUT mit der standardisierten Rec.709-Norm ist bereits in der GH6 vorinstalliert.
Mit LUTs korrigieren: V-Log-Aufnahmen ohne Ansichtshilfe kommen kontrastarm und milchig daher.Wird der Bildstil auf «Hybrid-Log-Gamma» eingestellt, ermöglicht die GH6 auch Aufnahmen im High Dynamic Range (HDR) mit der HLG-Technologie (Hybrid-Log-Gamma). Der damit erzielbare höhere Kontrastumfang ist verblüffend und faszinierend anzuschauen. Natürlich muss der Fernseher oder Monitor dafür HLG-kompatibel sein, also den Standard ITU-R BT.2100 unterstützen, sonst gibt es die Bilder nur in SDR (Standard Dynamic Range). Mein OLED-Fernseher schaltete jedenfalls problemlos auf HDR um, sobald er ein HLG-Videosignal aus der Lumix GH6 zugespielt bekam.
Unter «Spezielle Videoaufnahmen» fällt auch die Möglichkeit der GH6, Videos mit 5,8K- oder 4,4K-Auflösung im anamorphen Standard mit einem Seitenverhältnis von 4:3 aufzunehmen. Während einer anamorphen Aufnahme ist es möglich, die entstauchten Bilder und den Bildwinkel anzuzeigen, die sich beim Zuschneiden nach der Entstauchung ergeben. Ebenso lässt sich der geeignete Bildstabilisator für die verwendeten anamorphotischen Objektive bestimmen.
WiFi, Bluetooth und Lumix Sync-App
Die Lumix GH6 ist mit Bluetooth und WiFi 2,4 GHz und 5 GHz ausgestattet. Das gewährleistet nicht nur eine stabile Verbindung für eine reibungslose Fernbedienung via Smartphone oder Tablet, auch die Übertragungsgeschwindigkeit von Foto-/Videodaten wird durch das 5-GHz-Band erhöht.
Die Kompatibilität mit Bluetooth 5.0 BLE (Bluetooth Low Energy) ermöglicht eine ständige Verbindung bei minimalem Stromverbrauch. Damit lässt sich eine einfache Auslöser-Fernbedienung oder eine «Kamera-Fern-Aufwach-Funktion» aufbauen.
Mit zwei meiner älteren Android-Tablets wollte die Lumix Sync-App nicht zusammenarbeiten. Erst mit Smartphones ab Android 7 klappte dann die Verbindung.
Gut vernetzt: Die Panasonic Lumix GH6 kann per Sync-App Bilder aufs Handy importieren, per Smartphone Kameraeinstellungen verändern oder via Bluetooth Bilder knipsen und Videoaufnahmen starten.Die Panasonic-Software «Lumix Tether» erlaubt kabelgebundene Aufnahmen über einen Rechner. Dazu wird der Rechner mit der Kamera per USB verbunden. Dann lässt sie sich komfortabel fernsteuern und das Bild während der Aufnahme auf dem grossen PC-Bildschirm anzeigen. Ausserdem kann die HDMI-Ausgabe bei der Tethering-Aufnahme an einen externen Monitor oder Fernseher erfolgen. «Lumix Tether» unterstützt PCs ab Windows 10 (64-Bit) und macOS ab 10.13 bis 11.4. Die Schnittstelle sollte mit USB 3.1 kompatibel sein.

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