21. Juli 2019 | seit 1999
TESTBERICHT
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Meze Audio Classics & Neo: Hörprobe

Entwickler von Kopfhörern begeben sich häufig bei ihren Erstlingen auf die Suche nach einem klanglichen, goldenen Mittelweg. Etwas, das ein möglichst breites Publikum anzuziehen vermag. Diese Regel scheint zumindest bei Meze Audio zuzutreffen. Und wie es bereits in der Einleitung beschrieben wurde, hat mich Meze Audio hier nicht nur wegen dem makellosen Äusseren, sondern nicht zuletzt wegen der klanglichen Leistung auf einen Schlag überzeugen können.

Der Classics und der Neo sind jedoch keinesfalls die besten Kopfhörer, die ich jemals gehört habe. Unfair wäre hier ein Vergleich mit Kopfhörergiganten wie Sennheiser Orpheus, Stax, Hifiman Shangrila oder (Geheimtipp) Sonoma Model One von Warwick Acoustics. Diese Kosten das Zehn- bis Hundertfache und spielen zweifelsohne in einer ganz anderen Liga.

In ihrem Preissegment macht Meze Audio mit ihren Erstlingen aber dermassen viel richtig, dass es äusserst unklug wäre, diese nicht stark in Erwägung zu ziehen. In der Tat vergleiche ich den Classics und den Neo gerne mit Kopfhörern, die knapp das Doppelte kosten und eine vergleichbare klangliche Leistung erbringen.

Erster Punkt bei der Annäherung an einen hörerfreundlichen, goldenen Mittelweg: Vergraule die Hörerschaft nicht mit zu viel oder zu wenig Bass. Im Falle des Classics und des Neo wird eine gewisse klangliche Wärme mit der Anhebung des «mittleren» Basses erzeugt, welche bei langem Musikgenuss nicht ermüdet und gemeinhin als angenehm empfunden wird. Allerdings überborden hier die Testkandidaten keinesfalls, was den Eindruck von Natürlichkeit aufrecht erhält.

Die Mitten erscheinen leicht im Vordergrund und sind für den Preis der Kopfhörer mehr als ausreichend klar und detailliert. Alles andere wäre ein Fehler und würde dem sehr abgerundeten Eindruck des Klangbildes abträglich sein. Anschläge von Gitarrenseiten, Atemgeräusche und andere kleine Details sind bereits gut wiedergegeben, was ein «Mittendrin-Erlebnis» ermöglicht.

Diese Detailnähe zieht sich durch bis in die Höhen, welche erst ab 10 kHz deutlich abfallen. Hier schmeichelt Meze eher den westlichen Ohren, die in der Regel unangenehme Höhen scheuen. Dies allerdings ohne den Genuss von Zimbeln und dergleichen zu beschneiden. Die freundliche Zurückhaltung in den Höhen unterstreicht dabei das allgemein warme Klangerlebnis vom Classics und vom Neo.

Räumlich bilden der Classics und der Neo die ganze Partitur schon relativ gut ab. Instrumente sind klar getrennt, und nichts versinkt in einem matschigen Brei. Allerdings kommt hier nicht das Gefühl auf, vor oder auf einer Bühne zu stehen, geschweige denn einem «luftigen» Klangerlebnis beizuwohnen. Dies ist eine Kunst, welche Meze erst mit dem «offen» gebauten Empyrean eindrücklich demonstriert.

Soundtechnisch handelt es sich bei den Unterschieden zwischen dem Classics und dem Neo um Nuancen. Diese können jedoch bei genauerem Hinhören matchentscheidend bei einem Kauf sein. Unter dem Strich gebe ich hier dem Classics den Vorrang. Dieses Urteil basiert jedoch mehr auf meinen persönlichen Vorlieben und weniger auf einem objektiven Urteil. Grundsätzlich klingt der Classics für mich im Bass und den tieferen Mitten natürlicher und etwas detaillierter, wobei der Neo stattdessen hier mehr Druck, aber nicht unbedingt mehr Quantität liefert.

In ihrem Preissegment grundsolide – sowohl klanglich als auch in ihrer Bauart.
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