25. April 2019 | seit 1999
TESTBERICHT
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Test des Empyreans: Die höchsten Gefilde des Himmels?

Das Flaggschiff von Meze Audio.

Nur wenige Kopfhörer vermögen in mir ein Gefühl von Ehrfurcht hervorzurufen. Dies liegt nicht nur an der klanglichen Leistung, sondern an der Grösse der Kelle, mit die technischen Entwicklungen beim Empyrean angerührt wurden. Daneben wirken die gerade vorgestellten Modelle, der Neo und der Classics, geradezu rudimentär. Anderseits ist das bei einer Preisdifferenz von gut 2800 Franken auch zu erhoffen.

Das Geheimnis hinter dem Klang des Empyrean geht einen neuen Weg, der für die Weiterentwicklung der Magnetostat-Kopfhörer einige Akzente für die Zukunft setzen dürfte. Die Klangmembrane sowie die Art, wie diese in Schwingung gebracht wird, wurde hier vollkommen überarbeitet.

Das Rinaro Isoplanar Array.

Die «Rinaro Isoplanar»-Membran in der Mitte lieferte die ukrainische Firma Rinaro, welche durch die ehemals staatliche Förderung viel Geld und Zeit in die Entwicklung stecken konnte. Sie wird durch zwei Neodym-Magnete, welche symmetrisch auf jeder Seite der Membran angeordnet sind, zum Klingen gebracht. Idee in hinter dieser «Hybrid-Anordnung» ist die Erzeugung eines effizienten, auf beiden Seiten gleich stark wirkenden Magnetfelds. Dies führt zu einer gleichmässigen Aktivierung über die gesamte Membranfläche. Der Frequenzumfang umfasst dabei unglaubliche 4–110'000 Hz. Definitiv ein «Overkill», zumal das erwachsene menschliche Gehör meist kaum weiter hört als 15'000 Hz.

Ein weiteres Problem bei der präzisen 3D-Klangwiedergabe bei Kopfhörern adressiert Rinaro mit Unterteilung in zwei Spulen, welche auf der Membran angebracht sind. Die Schlangenförmige Rückspule kümmert sich dabei um die tieferen Frequenzen, wobei sich die Spiralspule im unteren Drittel der Membran den mittleren bis hohen Frequenzen widmet. Da sich Letztere direkt über dem Gehörgang befindet, gelangen Schallwellen direkt und ohne Verzögerung ins Gehör. Trotz diesen technischen Tüfteleien haben es die Entwickler geschafft, einen extrem leichten Kopfhörertreiber zu kreieren, was schlussendlich dem Tragekomfort des Endprodukts ungemein zuträglich ist.

Vielseitig ausgetüftelt.

Bei der Kopfhörerentwicklung oft stiefmütterlich behandelt, jedoch in deren Wirkung auf die Klangwiedergabe nicht unerheblich sind die Ohrpolster. Hier hat der Käufer die Wahl zwischen einem Kunstleder- und einem Mikrofaserohrpolster. Ein wichtiges Detail für Menschen, die sich Sorgen machen über die Auswirkungen der Elektromagneten auf das menschliche Gehirn, ist dabei das ferromagnetische Gitter, das den Hörer von dem Magnetfeldern des Kopfhörertreibers abschirmt. Dieses ist in beiden Ohrpolstern eingebaut.

Ergonomisch ist der Empyrean einwandfrei. Das Gewicht von 430 Gramm wird durch das «geflügelte» Kopfhörerband und den Springstahlbügel optimal über den Schädel verteilt. Dabei ist zu vermerken, dass das Gewicht des Empyrean deutlich höher sein könnte, wäre das aus einem Stück(!) gefräste Exoskelett des Kopfhörers nicht aus Aluminium. In Sachen Tragekomfort erlaubt sich der Empyrean keine Patzer. Die stattliche Grösse und Form sollte auf jeden Kopf passen, wobei der eher lockere Sitz einer ausgedehnten Musiksession zu Hause oder im Tonstudio keinen Abbruch tun sollte. Da der Empyrean über eine offene Bauweise verfügt, ist er für den Pendlerverkehr ohnehin nicht geeignet.

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