TESTBERICHT
Seite 2 / 4

Musikalisch souveräne Vorstellung

DL-A110-Tonabnehmer von Denon wurde für den Hörtest verwendet.DL-A110-Tonabnehmer von Denon wurde für den Hörtest verwendet.

Der MC-Tonabnehmer DL-A110 von Denon ist bei mir auf zwei unterschiedlichen Tonarmen und Laufwerken im Einsatz. Die im Graphit-Headshell eingebaute DL-103-Tondose eignet sich mit dem sphärischen Diamantschliff auch für frühe Stereo- und Mono-Pressungen. Ich kenne den Klang der DL-103/DL-A110 sehr gut und entschloss mich deshalb für den Einsatz auf dem SL-1200GR2. Da der Überhang des Headshells exakt festgelegt ist, brauchte ich am Technics-Tonarm nur die Auflagekraft und das Antiskating einzustellen. Den VTA brauchte ich nicht zu verändern. Die Auflagekraft des Systems liegt übrigens bei 2,5 bis 2,8 Gramm.

Sie können den SL-1200GR2 natürlich mit einem Tonabnehmer unter 100 CHF betreiben, je nach dem mit guten Ergebnissen. Man kann aber auch sehr viel tiefer in die Tasche greifen. Das Potenzial des SL-1200GR2 ist gegen oben ziemlich offen. Für den Testbetrieb schien mir eine anspruchsvolle Tonzelle gerade richtig.

Als Phono-Vorverstärker diente mein Aria von REGA. Meines Wissens nicht mehr die aktuelle Version, aber trotzdem ein grossartiges Gerät. Im Verhältnis zum Kaufpreis des SL-1200GR2 schlugen Tonabnehmer plus Phono-Vorverstärker noch mit ca. 2000 CHF ins Kontor. Die analoge Quelle war dann also insgesamt 4000 CHF wert. Ich finde, Sie sollten das wissen.

Bei den Kabeln griff ich frech in die Verpackung des SL-1200GR2. Beipack-Kabel haben meiner Erfahrung nach oft nur einen schlechten Ruf. Zugegeben: Bei den Cinch-Kabeln nahm ich dann aber doch einen Austausch vor. Dann zügelte ich vom Schreibtisch an die Hauptanlage ins Wohnzimmer. Ein bisschen warmlaufen war angesagt.

Man sollte Strom- und Signalkabel beim SL-1200GR2 anschliessen, bevor man ihn an die endgültige Position bringt. Es ist etwas umständlich. Die Stecker sind unter der Zarge angebracht. Es gibt in der Verpackung aber eine ganz praktische Vorrichtung, sodass man beide Hände freibekommt. Am Ende wird man belohnt: Durch die Konstruktion der Anschlüsse kann man den SL-1200GR2 nahe an die Rückwand stellen.

VTA sieht gut aus, nicht?VTA sieht gut aus, nicht?

Souveränität und Detailtreue

Die Borodin-Aufnahme von DECCA (SXL 6036) mit dem gleichnamigen Borodin Quartett ist für mich rein gefühlsmässig – und relativ unbefleckt mit vertieftem Wissen über interpretatorische Details – schlicht eine kammermusikalische Offenbarung. Die Musiker dieses Quartetts spielten ab 1945 zusammen und waren auch im kalten Krieg im Westen sehr bekannt. Die Feinsinnigkeit, die unbeschreibliche Präzision und die Intensität ihrer Darbietung, 1962 in den Decca-Studios in London aufgenommen, kommt mit dem GR2 und dem Denon-System ausgezeichnet zur Geltung. Souverän und völlig unverkrampft zaubert der Technics-Plattenspieler diese Aufnahme in meinen Hörraum. Ich übertreibe hier keineswegs.

Die Auszüge aus der Ballettmusik «La Fille Mal Gardée» von Ferdinand Hérold, dirigiert von Harold Lanchberry, ebenfalls 1962 von Decca (SXL 2313) eingespielt, sind bekannt für die Wucht und die schiere Grösse des Orchesters. Ein wunderbares Wechselspiel von feinsinnigen, romantischen Passagen und gigantischen Orchester-Tuttis. Man sieht hier das Ballett vor sich, und wie die Eigenschaften des Plattenspielers dieses ungeheuer vielschichtige Klanggebilde aus der modulierten Rille zaubert, ist wirklich erstaunlich.

Feinste Originalpressungen sorgfältigster Tonaufnahmen aus dem «Golden Age of Stereo».Feinste Originalpressungen sorgfältigster Tonaufnahmen aus dem «Golden Age of Stereo».

Die Wucht des Schlagzeugs von Larry Bunker und besonders dessen Pauke im Song «Stars Fell On Alabama» der unvergleichlichen Billie Holiday kommt mit meiner Schallplatte einfach besser über die Bühne als die digitalen Versionen, die ich kenne. Je nach Abspielgerät variiert das ganz erheblich und verliert sich je nachdem.

Der SL-1200GR2 spielte problemlos im oberen Drittel aller Plattenspieler, Tonarme und Tonabnehmer mit, mit denen ich diese Aufnahme und Pressung bislang gehört habe. Diese wirklich sehr subjektive Einordnung, quasi aus der Erinnerung geboren, soll das erstaunliche Niveau der analogen Musikwiedergabe unterstreichen, mit der ich es hier zu tun hatte. Der Song haute mich um. Das Wechselspiel von Holiday, Harry Edison, Ben Webster (mit einem seiner grossartigen Soli) Jimmy Rowles, Barney Kessel und einige mehr, zeugt von der Einmaligkeit des Jazz in jener Zeit.

«It's the Talk of the Town» wurde von Coleman Hawkins im Village Gate Jazz Club 1962 als Song angekündigt, den man nicht mehr so oft zu hören bekommt. Fast entschuldigend eröffnet der bescheiden wirkende Star des Tenor-Saxofons eine Darbietung, die mit Tommy Flanagan am Piano, Major Holley am Bass und Ed Locke am Schlagzeug in die Geschichte eingegangen ist. Swing und Groove sind hier so präsent und so wirklich – dabei ist es doch schon so lange her. Die Lebendigkeit der Live-Aufnahme und die Exaktheit der Wiedergabe mit dem Technics-Plattenspieler war eindrücklich und lobenswert.

Man kann das Licht im Raum dimmen oder sogar ganz löschen: Der SL1200GR2 gibt ein wunderschönes Bild ab und ist jederzeit gut ausgeleuchtet.Man kann das Licht im Raum dimmen oder sogar ganz löschen: Der SL1200GR2 gibt ein wunderschönes Bild ab und ist jederzeit gut ausgeleuchtet.

Sony hat mit der a7 II eine ganz spannende Systemkamera auf den Markt gebracht und einiges an Technologie reingepackt. Eine leichtere Vollformat-Kamera und dann noch mit stabilisiertem Sensor kriegt man derzeit wohl nirgends, und dank bereits guten Berichten zu weiteren Modellen der a7 Reihe muss man beim Kamerakauf die a7 II unbedingt auch in Betracht ziehen.

Highlight der neuen Alpha 7 Mark II von Sony ist der integrierte Fünf-Achsen-Bildstabilisator, wie ihn auch Olympus realisiert hat, wenn auch auf dem deutlich kleineren Micro-Four-Thirds-Format. Im Vergleich zur Vorgängerin, der A7, soll der Hybridautofokus um 30 % schneller arbeiten. Die Deckkappe ist nun aus Magnesium und der Handgriff etwas grösser, die Kamera gewinnt etwas an Volumen, was der Bedienbarkeit zu Gute kommt - Auslöser und Drehrad sind besser zu erreichen.

Der verbaute Vollformatsensor (35,8 x 23,9 mm) fasst satte 24,3 Megapixel, und die gesamte Kamera wiegt rund 600 g. Das ist für eine Vollformatkamera definitiv ein Leichtgewicht!

Der Bildstabilisator der A7 II kompensiert leichte Bewegungen nach vorne, hinten, rechts und links und kann zudem auch kreisförmige Bewegungen ausgleichen. Vorteil des Stabilisators in der Kamera ist natürlich jener, dass die Objektive zwangsläufig keinen mehr brauchen. Sony E-Mount Objektive weisen aber meist einen internen Stabilisator auf, bei Sony Steadyshot genannt. Das Geniale hier: beide Bildstabilisationen, also jene der Kamera und des Objektivs, werden miteinander kombiniert. Adaptiert man Fremdobjektive oder Sony A-Mounts, greift einfach die interne. 

Der neue SL-1200GR2 von Technics ist eine ausgezeichnete Wahl – und dies nicht nur für Technics-Fans und Vinyl-Begeisterte, die vor allem den hohen Bedienungskomfort suchen. Er ist auch eine ausgezeichnete Wahl im Feld der individualisierten Geräte namhafter Manufakturen. Er ragt in klanglicher Hinsicht je nach Ausschöpfung seines Potenzials bis weit über seine Preisgrenze von 2000 CHF hinaus. Auch beweisen die akribisch herbeigeführten Verbesserungen gegenüber der dritten Generation die Kompetenz des Direktantrieb-Erfinders Technics. Der weitgehende Verzicht auf die Zurschaustellung auffälliger äusserer Unterscheidungsmerkmale zum Vormodell zeugt von Stil und Klasse.

Übersicht zu diesem Artikel
Seite 1:
Seite 2:
Seite 3:
Seite 4: