TESTBERICHT
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ARTIKEL
Publikationsdatum
29. Dezember 2013
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Die Wiedergabe von gespeicherten Musikdaten auf hohem Klangniveau durchläuft einen Prozess, in den sich die dafür konzipierten Geräte unterschiedlich einfügen. Am weitesten verbreitet sind Netzwerkspieler, welche die Daten von einer Netzwerkfestplatte NAS streamen und, gesteuert über eine Mediathek, dem DA-Wandler zuspielen.

Andere Konzepte sehen die Speicherung im Gerät vor, lassen aber auch den Netzwerk-Zugriff auf weitere Speicherorte zu, oder sie überlassen die Mediathek einem PC/Mac, der dann mitlaufen muss. Die Funktion der CD-Speicherung und/oder der direkten CD-Wiedergabe findet man an unterschiedlichen Orten im Prozess: Am NAS, im PC/Mac oder im Gerät selbst. Am Ende steht das analoge Musiksignal oder auch ein digitales oder beides.

Bei der Frage der Schnittstelle hat sich noch kein klarer Trend entwickelt, weil alle Lösungen ihre Vor- und Nachteile aufweisen.

System Sony

Die HAP-Geräte von Sony verfügen über eine eingebaute Festplatte mit einer begrenzten Kapazität von 500 GB (HAP-S1) und 1 TB (HAP-Z1ES) mit optionaler Erweiterung zu einer externen USB-Festplatte. Damit lässt sich die Kapazität zur Genüge erweitern, aber warum eigentlich?

Die Musikdaten müssen zuerst von einem PC/Mac und seinen Speicherorten (NAS, Festplatte, externe Festplatte) auf die HAP-Geräte kopiert werden. Das macht man mit der „HAP Music Transfer“ Software vom PC/Mac aus. Die HAPs verfügen über Netzwerkanschlüsse und Wi-Fi.

Die HAP-Geräte haben eine eigene Mediathek mit Gracenote-Anbindung für die Metadaten-Bereitstellung via Internet. Die Musikwiedergabe und Organisation sind umfassend mit dem „HDD Audio Remote App“ (iPad oder Android Tablet) vorzunehmen. Die wichtigsten Wiedergabe-Funktionen und Anzeigen sind auch an den HAP-Geräten zu bedienen.

Die Ausgabe erfolgt analog, Digitalausgänge gibt es keine. Das „System“ HAP-S1 ist als kleiner Vollverstärker mit Lautsprecherausgang ausgelegt, mit zusätzlichem Cinch-Ausgang für Endstufen oder Aktivboxen. Der „Player“ HAP-Z1ES ist ein reines Quellengerät mit XLR- und Cinch-Ausgängen.

Downloads, CD-Ripps und Medienpflege macht man am PC. Mit den HAP-Geräten ist es ebenfalls möglich, die Metadaten zu bearbeiten. Veränderte Daten werden aber nicht zurück synchronisiert.

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Der Hörtest erfolgte auf einem Referenzsystem, bestehend aus der Linea SE Röhrenvorstufe von WLM und den WLM Allegra Röhren-Monos sowie den Gran Viola MKIII Lautsprechern. Als Vergleich zog ich den DSD-fähigen MAN301 Musikserver von Weiss hinzu. Das Musikmaterial wurde für den Test vom NAS auf den HAP-Z1ES kopiert während der MAN301 dieselben Titel direkt vom NAS streamte.

Beim ersten Hördurchgang verwendete ich unterschiedliches Material ohne zu vergleichen. Der allgemeine Eindruck war hervorragend. Ich hatte nie das Gefühl, dass mir in der gewohnten akustischen Umgebung auf dem mir so vertrauten System etwas fehlen würde oder sich wirklich anders anfühlte. Die Raumabbildung war tadellos in allen Dimensionen.

Ich konnte es nicht verkneifen bei AIF- und ALAC- sowie FLAC-Musikdaten die DSD-Mastering Engine „anzuwerfen“ und wieder auszuschalten, und zwar ganz bewusst im Blindtest mit Hilfe eines Assistenten. Ich konnte kleinste Unterschiede wahrnehmen, aber nie reproduzieren. Ich erwartete natürlich eine Verbesserung mit dem DSD-Remastering, tippte aber mehrmals daneben. Es klang ohne so gut wie mit.

Anne Sophie von Otter singt Haec Est Regina Virginum mit viel Brust. Im Hintergrund spannt sich die Musica Antiqua Köln wie ein vibrierender Schirm um die grosse Stimme. Mit dem MAN301 bewegt sich die Stimme um eine Nuance in Richtung Schlüsselbein, als würde sich die Sängerin ein wenig aufrichten. Der HAP-Z1ES legt auch ein wenig mehr Orchester auf den Teller, und alles wird minimal gewichtiger, verliert aber geringfügig an natürlicher Ausgewogenheit.

Die DSD 128 Version der Opus3 Analogaufnahme des Johann Dielemans Trio, My Heart Stood Still, gewinnt mit dem HAP-Z1ES auch ein wenig an Gravität und verliert aber etwas an Schnelligkeit und Attacke, als wäre die Luft im Raum dicker geworden. Der individuelle Hörgeschmack mag als Erklärung dienen und die Affinität zum teuren Weiss-Gerät mit globaler Reputation meinen Geist verwirren. Und doch glaube ich, hat man beim MAN301 noch etwas mehr herausgeholt, was man auch erwarten darf.

Am Ende des Tages wird nicht mehr verglichen, und der künftige Besitzer des HAP-Z1ES wird nur noch Musik damit hören, und wie, und das bei einem Preis von 2495 CHF.