Gute Soundqualität auch unterwegs: Immer mehr Leute tauschen ihre kleinen Ohrstöpsel gegen ausgewachsene On- oder Around-Ear Kopfhörer. Wir präsentieren acht beliebte und trendige Modelle und sagen, wie sie sich als Kultobjekte und klangliche Freudenspender verhalten.
Grosse, auffällige Kopfhörer liegen im Trend: Sie bieten meist einen qualitativ besseren Sound als In-Ear Modelle, dämpfen Umgebungsgeräusche wirksamer und eignen sich zudem perfekt als modisches Accessoire. Wer statt herkömmlichem Schwarz lieber Rot, Grau oder Hellblau mag, dem wird eine immer grössere Auswahl geboten. Auch zum Telefonieren eignen sich diese Kopfhörer, denn ein im Kabel integriertes Mikrofon und eine Taste, um Anrufe entgegen zu nehmen, gehören ja heute schon beinahe zum Standard.
Welche Modelle in der Schweiz besonders beliebt sind, kann man in jedem gut besetzten Zug oder beim Gang durch die Innenstadt herausfinden. Für den avguide.ch Vergleichstest haben wir uns kurzerhand ins Getümmel des Zürcher Hauptbahnhofs gestürzt, den Menschenmassen auf die Kopfhörer gestarrt und vor allem zwei bestimmte Hörer immer wieder gesehen. Welche es sind, verraten wir in diesem Test.
Für den Vergleichstest herausgepickt haben wir „The Crash“ von Philips in Zusammenarbeit mit O'Neill, „Custom pro“ von Beyerdynamic, „Solo HD“ von Beats Audio, „Zinken“ von Urbanears, „Oldskool 33 1/3“ von Fischer Audio, „Major“ von Marshall, „Urban Raver“ von Denon und „Momentum“ von Sennheiser.
Bewertet wurden Design, Verarbeitung, Tragekomfort und als wichtigstes Kriterium die Wiedergabequalität. Einen Kopfhörer zu finden, der äusserlich gefällt und auch in Sachen Soundqualität punktet, ist nicht einfach. Wir verraten daher, welche unserer acht Testkandidaten eine Investition wert sind.
Das Making-of: Foto-Session bei Schnee und Regen in der Roten Fabrik Zürich. avguide.ch Fotograf und VJ Stefan Wehrle in Aktion.Robuste Soundmaschine
Philips O'Neill The CrashBereits ein halbes Dutzend Kopfhörer haben Philips und O'Neill zusammen entwickelt. Bezeichnungen wie „The Bend“ oder „The Stretch“ stehen für robuste Kopfhörer, welche auch mal gegen die Halfpipe knallen dürfen, ohne dabei gleich in die Brüche zu gehen. So auch deren neuster Wurf, „The Crash“. Eine imposante Erscheinung, welche 420 Gramm schwer ist und eindeutig über die massivste Bauweise unter den Testkopfhörern verfügt.
Bezüglich Tragekomfort schneidet er dank dem breiten, weich gepolsterten Kopfband erstaunlich gut ab. Der Anpressdruck ist richtig gewählt und Druckstellen entstehen auch nach mehreren Stunden nicht.
Umgebungsgeräusche lassen die grossen Lederpolster kaum zu, da die Ohren wie von Saugnäpfen umschlossen werden. Die im Kabel integrierte Fernbedienung macht den Crash zu einem vollwertigen Headset, mit welchem auch mal telefoniert werden kann. Das mit Stoff ummantelte Kabel und der Stecker aus Aluminium machen einen hochwertigen Eindruck und sind präzise verarbeitet.
Nachdem der Kopfhörer mit Klassik, Jazz und Pop auf klangliche Feinheiten geprüft worden war und dabei einen ganz passablen Eindruck machte, liessen wir es uns nicht nehmen, ihn noch mit Crossover zu befeuern. Beim Song „Wake up“ von „Rage Against the Machine“ kann er seine Stärken voll ausspielen. Schlagzeug und Bass erzeugen einen gewaltigen Druck, welcher bis in den tiefsten Keller reicht.
Die Gitarrensounds von Tom Morello und die Stimme von Zack de la Rocha treiben die Membranen zu Höchstleistungen. Wer hingegen eher zarte Klänge mag, wird zwar die feine Auflösung im Obertonbereich und die angenehmen klingenden Mitten schätzen, insgesamt aber kaum auf seine Kosten kommen, da die Basswiedergabe ständig einen Tick zu kräftig ausfällt. Zuhause ist die robuste Soundmaschine von Philips und O'Neill dann schon viel eher in den Bereichen Crossover, Punk, Rock und Hip-Hop.
Er kostet 479 Franken und ist für den harten Ausseneinsatz beim Snowboarden oder Skaten bestens geeignet.
Aktiver Ausserirdischer
Denon Urban Raver AH-D400Urban Raver, so heisst unser Testkandidat aus dem Hause Denon. Das Spezielle ist dessen integrierter Verstärker, welcher für kräftige und kontrollierte Bässe sorgen soll. Der Akku hält rund 12 Stunden und kann via USB-Kabel geladen werden. Falls die Batterie trotzdem mal leer sein sollte, so kann vom aktiven in den passiven Modus geschaltet werden. Wie sich dies auf den Klang auswirkt, wird im Hörtest genauer beschrieben.
Mit seinem auffälligen, futuristischen Äusseren wirken der Urban Raver und auch dessen Nutzer wie von einem andern Stern. Einerseits durch seine sehr breite Bauweise und den Hochglanzlook, andererseits durch die im aktiven Modus blau hinterleuchteten Elemente. Diese markanten Räder sind Bedienelemente und funktionieren in Kombination mit iPhone, iPod und iPad. So kann zum Beispiel die Lautstärke durch Drehen des linken Rades eingestellt werden. Durch Drücken des rechten Rades können Anrufe entgegen genommen werden. Unüblich ist die Positionierung des Mikrofons für Telefongespräche, dieses ist in der linken Ohrmuschel unsichtbar eingebaut. Die Polsterung des Urban Raver ist äussert komfortabel, schirmt gut ab und erinnert an ein geschmeidiges Ledersofa. Kein Drücken oder Quetschen und selbst nach stundenlangem Tragen noch bequem. Punkto Verarbeitung kann nichts bemängelt werden.
Wie viele aktuelle Kopfhörermodelle setzt auch der Urban Raver von Denon auf eine kräftige Basswiedergabe. Jedoch nicht einfach mit simplem Wummern und Dröhnen, sondern mit präzisen und tiefen Bässen. Geeignet ist er für viele Musikstile wie zum Beispiel Techno, Pop oder Rock. Aber auch die leisen Töne beherrscht er gekonnt: Die Streicher auf der avguide.ch Test-CD werden äusserst natürlich, nie grell und dennoch brillant wiedergegeben. Das Klavier des Jazz Trios klingt ausgewogen und besonders bei den Obertönen kommt die feinzeichnende Art des Urban Raver zum Vorschein. Was auffällt ist, dass das Klangbild bei eingeschaltetem Verstärker wesentlich lebendiger wirkt, während im ausgeschalteten Modus die Mitten stärker betont werden. Möchte man richtig aufdrehen, so gelingt dies dank des integrierten Verstärkers auch in Kombination mit einem schwachen MP3-Player oder Smartphone.
Wer auf der Suche nach einem bequemen Kopfhörer mit einem feingezeichneten, trotzdem gewaltigen Klang ist und sich am extravaganten Design des Urban Raver nicht stört, bekommt für 399 Franken einen Top-Kopfhörer mit integriertem Verstärker.
Retro-Design aus Russland
Fischer Audio Oldskool 33 1/3Ein leichter und kleiner On-Ear Kopfhörer ist der Oldskool 33 1/3 von Fischer Audio. Geliefert wird er zusammen mit einem stabilen Transportcase, welches mit Jeans-Stoff überzogen wurde und daher bestens zum Retro-Design des Kopfhörers passt. Nicht nur das Modell Oldskool, sondern auch die Master Series Wood des 2006 gegründeten, russischen Herstellers sind teilweise aus Holz gefertigt oder zumindest damit verziert. Die restlichen Teile des Oldskool sind aus Kunststoff und wirken weder billig noch besonders hochwertig. Ob einem die Kombination zwischen schwarzem Kunststoff und rötlichem Padouk-Holz gefällt, ist Geschmackssache. Uns jedenfalls gefällt der Ansatz, statt nur Metall und Plastik auch mal Holz zu verwenden.
Bezüglich Tragekomfort fällt die Bilanz dieses originellen Kopfhörers sehr durchzogen aus. Aufgrund des geringen Gewichts spürt man ihn zwar kaum, da jedoch der Anpressdruck dermassen schwach ist, verrutschen die Ohrmuscheln bei der kleinsten Bewegung. Durch die leicht nach aussen gewölbten und nicht sehr schmiegsamen Ohrpolster wird dieser Effekt noch verstärkt. Die Auflagefläche ist nicht gross genug, und schon beim Aufsetzen muss die optimale Position mühsam gesucht werden. Dass eine Reduktion der Umgebungsgeräusche bei einer solchen Bauweise nicht optimal sein kann, versteht sich von selbst. Nur gerade die allerhöchsten Frequenzen mag der Oldskool zu dämmen.
Im Hörtest führte der schwache Anpressdruck, der auch durch Zurechtbiegen des zu schwachen Bügels nicht erhöht werden konnte, zu einem dünnen Sound, welcher in lärmiger Umgebung mit nervigen Geräuschen gespickt wird. Erst wenn der Hörer etwas an das Gehör gedrückt wird, was ja eher praxisfremd ist, entfaltet sich ein akzeptabler Bass. Die Mitten klingen ausgewogen und verleihen dem Oldskool einen warmen Sound. Die Höhen klingen zwar brillant, können aber je nach Stück schnell in Richtung Zischen ausarten. Im Stück „New York New York“ von „Grandmaster Flash & the Furios Five“ ist dieses besonders gut zu vernehmen, da eine Art Schellenkranz ständig angeschlagen wird und wegen seiner Grellheit auf Dauer zu nerven beginnt. Der Bass hingegen dürfte ruhig einen Zacken kräftiger sein.
Mit dem Oldskool 33 1/3 hat der russische Hersteller Fischer Audio einen interessanten und originellen Kopfhörer auf den Markt gebracht. Dies trifft jedoch primär auf das Design zu. Um damit Musik in guter Qualität hören zu können, ist er wegen des geringen Anpressdrucks derzeit nicht geeignet. Würden die Höhen ein wenig verringert, der Anpressdruck dezent erhöht und die Polsterung weicher gemacht, so könnte auf Basis des Oldskool durchaus mal ein guter und leichter On-Ear Kopfhörer entstehen.
Zu haben ist er derzeit zu einem Preis von 179 Franken.
Der Farbenfrohe
Den Urbanears Zinken gibt es in den verschiedensten Modefarben. Hier nur drei der zahlreichen möglichen Varianten....Überall anzutreffen sind derzeit die Kopfhörer Plattan und Zinken der schwedischen Marke Urbanears, die in verschiedenen Farben und Ausführungen erhältlich sind. Sie können auch zum Telefonieren verwendet werden. In unserem Test prüfen wir das Modell Zinken, welches mit „Developed with the professional DJ in mind“ angepriesen wird, auf Herz und Nieren und sagen, wo Vor- und Nachteile liegen.
Punkto Design lässt der Zinken nichts anbrennen: Nur mit einer Farbe kommt er aus und auch die klare, unverschnörkelte Form gefällt. Die gummierte Oberfläche fühlt sich angenehm und hochwertig an. Genial ist das Anschlusskabel, nicht etwa wegen des integrierten Mikrofons, sondern weil es beidseitig verwendbar ist. Möchte man den Zinken an grosse Kopfhörerbuchsen anschliessen, so ist kein Adapter notwendig. Einfach das Kabel umdrehen, an der andern Ohrmuschel einstecken und schon hat man statt einen 3,5 Millimeter Stecker für das Smartphone einen 6,3 Millimeter Kopfhörerstecker für das Mischpult oder die Stereoanlage zur Hand. Möchte eine zweite Person mithören, so kann das Signal an der jeweils freien Buchse angezapft werden.
In einer lauten Umgebung kann der Zinken problemlos verwendet werden. Einerseits verfügt er über eine hohe Maximallautstärke und andererseits dämmt die Polsterung ganz ordentlich. Die Stärke des Anpressdrucks ist beim Zinken jedoch an der oberen Grenze und kann nach längerer Zeit unangenehme Druckstellen verursachen. Das Kopfband ist hingegen angenehm, der Kopfhörer sitzt stabil.
Gar keine Begeisterung konnten wir hingegen für den Sound des Zinken aufbringen: Im Bassbereich wummert er munter vor sich hin, die Mitten klingen verfälscht und der Hochtöner scheint komplett vergessen gegangen zu sein. Auf der Website schreibt Urbanears, dass der Zinken für den professionellen DJ entwickelt worden sei. Weiter unten auf ihrer Seite liefern sie jedoch gleich den Beweis für den schlechten Klang. Die Abbildung des Frequenzgangs zeigt gegenüber der Mittellage von 1 kHz einen Einbruch von sagenhaften 17 dB bei 10 kHz und das ist unüberhörbar! Kein Wunder, dass dieser Kopfhörer jeden Ansatz von Brillanz vernichtet. Er klingt, wie wenn man ein Konzert aus dem Backstage mitverfolgt. Gekauft werden kann er zu einem Preis von 129 Franken.
Um zu prüfen, ob die Bauweise und Wiedergabequalität des Zinken den Ansprüchen eines DJs wirklich genügt, haben wir den Produzenten und DJ Robert Jan Meyer aka minus8 befragt. Im avguide.ch Interview erzählt er, was er von einem professionellen DJ-Kopfhörer erwartet.
Zeitlos, aber kaum „urban stylish“
Sennheiser MomentumDer neuste Wurf von Sennheiser wird mit „urban stylish“ beschrieben. Doch vom Design her ist er wohl elegant, liegt aber ganz und gar nicht auf der neusten Modelinie. Die Verarbeitung dieses kompakten und leichten Hörers ist erstklassig. Sehr sanft und weich schmust er sich ans Gehör. Kein Wunder, sind diese Teile doch mit geschmeidigem und atmungsaktivem Schafleder aus der englischen Traditionsgerberei Pittards überzogen. Der Bügel dieses ohrumschliessenden Hörers besteht aus hochwertigem Edelstahl und bewirkt einen satten Sitz mit minimalem Druck. Der Tragekomfort ist hoch, der Hörer wirkt federleicht und schirmt dennoch Umgebungsgeräusche effizient ab. Für Apple-Produkte wie iPad, iPhone und iPod wird ein Zusatzkabel mit integrierter Fernbedienung und Mikrofon mitgeliefert.
In Sachen Ausgewogenheit, Verfärbungsarmut, Brillanz und Feinzeichnung, konnte ihm keiner das Wasser reichen. Streichinstrumente bringt er mit hellem und ausgeprägt obertonreichem Klangcharakter, ohne aber jemals unnatürlich grell zu klingen. Die Juroren waren sich jedoch einig, dass der Hörer den Obertonbereich dezent betont. Dies zeigte sich auch bei Harry James Big Band, insbesondere bei den enorm feinen Beckenimpulsen. Wer auf helle, frisch und feinstgezeichnete Beckenschläge und Schlagzeugbesen steht, kommt hier voll auf seine Rechnung. Auch Harry James' Trompete glänzt in den schönsten Klangfarben. Zuweilen wird man direkt an die Feinzeichnung eines elektrostatischen Hörers erinnert.
Bei der Wiedergabe grosser Kirchenorgeln verblüfft dieser Hörer weniger durch eine ausgeprägte Weiträumigkeit, als durch seine unerhörte Breitbandigkeit und Feinzeichnung. Lupenrein lässt der Momentum das gesamte Klangspektrum vom tiefsten Bass bis zur höchsten Mixtur erklingen.
Aber nicht nur bei anspruchsvoller Klassik und Jazz kann der Momentum begeistern. Bei Musik mit knallharten Gangarten zeigt er eine überraschende Potenz. Wie knackig hier die Gitarrenriffs und die weiträumigen Chorpassagen einer rauchigen Rockband wie etwa Dare erklingen, ist wahrhaft grossartig.
Ganz klar, dass dieser Hörer auch bei den Sounds der heutigen Jugend ein Wörtchen mitreden kann, wenngleich er aufgrund seines sehr sauberen Klangbildes keine von der jungen Generation erwünschten basslastigen Klangorgien liefern kann und will.
Der Momentum von Sennheiser ist ein konventionell gestylter, kompakter Hörer mit erstklassiger Klangqualität und einem Preis von 350 Franken. Er kann nicht nur unterwegs, sondern auch zu Hause beim Anhören anspruchsvoller Musik viel Freude bereiten.
Monster-Kult-Star
Beats Solo HD von beats by dr. dre„We don't sell headphones, we offer Dr. Dre's genius and Jimmy Iovine's vision.“ So wird der Beats Solo HD dem jungen Publikum schmackhaft gemacht. Und dass diese Botschaft bei der Hörerschaft ankommt, beweist, dass man ihn immer öfters auf den Strassen antrifft.
Der Beats Solo HD ist, wie auch der Zinken, in vielen Farben erhältlich. Der zusammenklappbare Hörer kommt wertig verpackt mit einem Case und einem abnehmbaren Monster-Kabel – man erinnere sich an die exzellenten und sündhaft teuren Monsterkabel aus dem High-End-Bereich! - mit integriertem Mikrofon und Steuerung für iPods & Co.
Der Hörer wirkt sehr elegant, aber eher wie ein Spielzeug als ein ernstzunehmender HiFi-Kopfhörer. Doch über den Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Der Kopfhörer soll laut Hersteller nahezu unzerstörbar sein. Tatsache ist, dass er natürlich nicht wie ein Philips O'Neill Hörer malträtiert werden kann, ohne Schaden zu nehmen. Also mit Vorteil eher behandeln wie ein Schmuckstück.
Über die Technik erfährt man kaum etwas, ausser banalen Schlagwörtern.
Wer den Hörer aufsetzt, erschrickt zunächst ob der Knister-Geräusche der Bügel- und Muschel-Konstruktion. Diese verschwinden jedoch beim Loslassen des Hörers und sind während des Musikhörens kaum mehr störend. Der Tragkomfort ist hoch – der relativ leichte Hörer sitzt angenehm an den Ohren und schirmt auch ordentlich gegen Umgebungsgeräusche ab.
Gleich zu Beginn des Hörtests erlaubten wir uns einen musikalischen Spass: Der Dr.Dre-Hörer sollte Mozarts Klavier-Trios mit Violine, Klavier und Cello wiedergeben. Das Klangresulat erstaunte: Die Violine erschien recht angenehm und brillant. Auch der Flügel klang in den Mitten und Höhen akzeptabel. Aber im Bass waren bemerkenswerte Dinge zu hören. Der Flügel schien im Bass wie ein Ballon aufgebläht und anstelle eines Cellos, spielte ein gigantischer Kontrabass! Ja endlich mal was anderes, könnte man sagen, und Mozart, als bekannter Spassvogel, hätte eventuell seine Freude daran gehabt. Aber im Sinn einer ausgewogenen Musikwiedergabe ist das ja ganz gewiss auch wieder nicht. Also ging's weiter mit Jazz-Rock, Pop- bis Techno und R&B.
Aus den Gesichtswinkeln von Hi-Fi Freunden beurteilt, zeigt der Hörer ganz klar eine beachtliche Bassanhebung. Wer sowieso am Verstärker immer die Loudnesstaste drückt und den Bassregler zudem noch auf volle Pulle stellt, findet hier seinen Hörer! Doch Menschen, welche alle Instrumente im richtigen Verhältnis zueinander hören wollen, sind hier ganz klar an der falschen Adresse. So ist es ist denn auch rasch klar, an welche Hörerschaft sich dieser Hörer richtet: Er ist für Kids geschaffen, die sich mehrheitlich mit bassstarken, elektronisch erzeugten Klängen beschallen lassen wollen.
So nimmt dieser Hörer, für den man 279.95 Franken hinblättern muss, zusammen mit dem Zinken die Spitze dieses Testfeldes in Sachen Kultstatus jedoch einen der letzten Plätze, wenn es um die Klangqualität geht, ein.
Bassmeister
Beyerdynamic Custom One ProDieser Hörer kommt, im Gegensatz zu Mode-Produkten, in schlichter Verpackung, und das schafft sofort Vertrauen. Offenbar hat man es bei Beyerdynamic nicht nötig, die Hörerschaft mit kultigen Schachteln zu blenden, die sowieso rasch in den Abfalleimer wandern.
Aus der Verpackung kommt ein relativ grosser und schmuckloser Hörer. Allerdings erfährt man, dass zu diesem Kopfhörer farbige Covers, Ringe, Ohr- und Kopfpolster hinzugekauft werden können. Und tatsächlich gibt es im Internet zahlreiche Design-Varianten zu sehen, die echt spassig sind.
Aber das Design sollte ja bei einer seriösen und traditionellen Firma wie Beyerdynamic nicht an erster Linie stehen, sondern der Klang. Und da haut Beyerdynamic voll auf die Pauke und behauptet, das der Custom One ein „professioneller Kopfhörer sei, der sowohl im Studio als auch im privaten Gebrauch einsetzbar sei“. Kämen diese Versprechungen von einem der kultigen Newcomer, so könnte man jetzt ein Gähnen wohl kaum unterdrücken. Doch bei Beyerdynamic darf man gespannt sein.
Die echte Besonderheit dieses geschlossenen, ohrumschliessenden Kopfhörers soll in einer variablen Bassreflexöffnung liegen. Mit Schiebereglern, die unten an den Muscheln angebracht sind, soll das Klangbild von schlank bis satt verstellt werden können.
Die beweglichen Gabelgelenke und der verstellbare Bügel aus Federstahl erlauben zudem eine perfekte Anpassung an jede Kopfform. Weiche und austauschbare Kopfpolster sorgen für ein angenehmes Aufliegen der Muscheln. Die ersten Höreindrücke konnten kaum überzeugen. Der klar dominierende Bass bei David Sanbornes Time again haute die Hörer auf höchst unangenehme Art und Weise glatt aus den Socken und allgemein wurde vermutet, dass da Beyerdynamic wohl ebenfalls auf den „Dröhn"-Zug gesprungen ist.
Doch halt! Da wurde ja was ganz vergessen: Die Bass-Klangregelung durch die „Custom Sound Slider“, also den Schiebereglern an den Unterseiten der beiden Muscheln. Diese wurden nun geschlossen und schon erschien der Klang wie durch Zauberhand schlank und glasklar vom tiefsten Bass bis zum höchsten Diskant. Also wirklich: Hut ab vor den Beyerdynamic Konstrukteuren. Mit genial einfachen, aber gekonnten Mitteln, haben sie eine Bass-Regelung mit geradezu sensationeller Wirksamkeit geschaffen. Leider ist festzustellen, das das Öffnen der Schiebeschalter die Dämpfung der Umgebungsgeräusche drastisch vermindert, denn der eigentlich geschlossene Hörer mutiert dadurch zum halboffenen System. Dies als minimaler Nachteil der Regelung.
Und weiter geht's mit anspruchsvoller Klassik. Hier kann der Hörer ebenfalls punkten. Auch wenn er die Klangschönheit und Auflösung eines Momentums nicht ganz erreichen kann, überzeugt er ebenfalls durch Ausgewogenheit und Räumlichkeit.
Und wenn's dann knallhart bei rockigen und gar Techno-Sounds zu und her geht, zeigt der Hörer seine fast grenzenlose Potenz: Auch hohe Schallpegel liefert er absolut verzerrungsfrei. Und wer auf Bassorgien steht, öffne die Custom Sound Slider. Das einzige was Schaden nehmen kann, sind die Gehörsnerven. Also bitte: Nicht zu lange hohe Pegel fahren.
Summa summarum ein sehr guter, ausserordentlich potenter Kopfhörer mit genialer Bassregelung zu einem fairen Preis von 239 Franken.
Ein Muss für Gitarrenfreunde?
Marshall Major
„Für Gitarren Fans ein Muss!“ Das mindestens versucht der Hersteller dieser Kopfhörer dem Freund von Marshall-Produkten einzuhämmern.
Wer herausfinden will, wer hinter dieser Marke steckt, kommt nicht direkt zu den originalen Marshall-Leuten, sondern zum schwedische Headphone-Unternehmen Zound Industries, das diverse Hörer-Marken, darunter auch diejenige von Urbanears führt. So ist es fraglich, ob der gute alte Marshall-Staff an der Entwicklung dieser Hörer beteiligt war. Doch die ganze Aufmachung vermittelt zu einem guten Teil das typische Marshall-Feeling, und die Signatur von Firmengründer Jim Marshall auf der Unterseite des Bügels unseres Testhörers verstärkt diesen Eindruck zusätzlich. Hinzu kommt, dass diese schwarzen Hörer vom gleichen Vinyl bekleidet sind wie die Marshall-Amps.
Wer auf kompakte, leichte und ohraufliegende Hörer steht, kommt hier auf seine Rechnung. Die Muscheln sind recht weich geraten, die Abschirmung gegen Umgebungslärm ist nicht übel. Im Kabel integriert ist ein Mikrofon für Telefongespräche und eine einfache Bedientaste für Musicplayer. Mitgeliefert wird ein 6,3 mm Klinkenstecker.
Gittarrenfans waren in der Tat auf Anhieb begeistert vom Klang dieses Hörers. Dieser Sound hat Druck und Charakter. Dies nicht auf eine billig-brutale Art, wie andere Hörer dieses Tests, sondern mit erfreulich hohem klanglichen Niveau. Bei der Art, wie hier auch Rock'n Roll und Heavy Metal-Sounds der guten alten Stars erscheinen, kommt wahre Freude auf. Für einen so kleinen, unscheinbaren Hörer kann er mit einem verblüffend grossen Klangvolumen aufwarten. Insgesamt ist das Klangbild recht ausgewogen, doch dezent gefärbt von einem Marshall-ähnlichen Sound.
Aber nicht nur bei rockigen Sounds kann dieser Hörer auftrumpfen. Er bietet sogar bei einem klassischen Streichquartett gar keine üble Performance. Bei Solo- und Chorstimmen bringt er einen gefälligen Klang ohne übertriebene Zischlaute oder gar unangenehme Kehligkeit.
Ganz klar, dass er auch bei Jazz locker swingt, und bei Techno & Co kann er ganz gehörigen Druck machen. Sogar an schwachbrüstigen Playern liefert er ordentlichen Dampf. Doch die typischen modischen Dröhnorgien liegen ihm fern.
Der Unterschied vom Major zum geringfügig teureren Major FX liegt klanglich darin, dass der normale Major eine deutlich feinere Zeichnung der Höhen und Obertöne bietet. Der FX bietet jedoch ein von Apple zertifiziertes Mikrofon mit zusätzlichen Steuerungsmöglichkeiten samt Lautstärkeregelung.
Insgesamt kann der Major von Marshall mit einem Preis von 139 Franken nicht nur Gitarrenfreunden, sondern allen Musiclovern empfohlen werden, die auf einen ausgewogenen, jedoch dezent gefärbten, Marshall-ähnlichen Sound stehen.
Fazit
Noch nie hatte avguide.ch ein so vielseitiges Angebot von Kopfhörern im Vergleichstest. Es ist faszinierend, was der Markt heute unter der Trendy-, Retro-, Travel- und Urban-Flagge segeln lässt: Von gross bis klein, von traditionell bis futuristisch und von klanglich Spitze bis miserabel wird hier alles abgedeckt.
Der kompakte Momentum von Sennheiser ist ein echter HiFi-Hörer und überzeugt nicht mit ausgefallenem Design, sondern mit klanglichen Tugenden.
Ein ebenfalls kompakter Hörer, der jedoch klar auf einer gewissen Sound-Schiene fährt - nämlich auf derjenigen von Rock'n Roll - und die Hörer durch einen Marshall-ähnlichen Sound erfreut, ist der Major von Marshall.
Eine ganz andere Linie verfolgt der grosse Crash von Philips O'Neill: Er ist für den Brutalo-Einsatz konzipiert, ist praktisch unzerstörbar und bietet einen echten Power-Sound.
Ebenfalls zu den grossen, ohrumschliessenden Hörern gehört der Beyerdynamic Custom One, der dank regulierbarem Bass ein echter Hansdampf in allen Gassen ist.
Ein spektakuläres Klangbild mit einem extrem weiträumigen und sagenhaft breitbandigen Klang bietet der aktiv und passiv zu betreibende Denon Urban Raver.
Es folgen modisch-kultige Hörer, die ganz bewusst eine ganz bestimmten Modelinie verfolgen und bei der heutigen Jugend sehr beliebt sind. Der Zinken von Urbanears soll ein echter DJ-Hörer sein und klingt in den Ohren von HiFi-Freunden dumpf und wummerig.
Der HD Solo von beats by dr.dre profitiert von grossen Namen wie Dr.Dre und Jimmy Iovine und liefert den offenbar von einer gewissen jungen Hörerschaft geforderten, basslastigen Dröhnsound.
Diese beiden so erfolgreichen Hörer nehmen die absolute Spitze in Sachen Kult-Status ein und stellen gleichzeitig mit dem sehr sympathisch retro-kultigen, soundmässig jedoch eher enttäuschenden Oldskool 33 1/3, die klanglichen Schlusslichter dieses Tests dar.
Jedem Musikhörer als wichtige Ergänzung zu diesem von Hi-Fi-Experten durchgeführten Test sei das Interview mit DJ minus8 empfohlen, das gewisse Testurteile in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt.

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