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Eine Fülle von Neuerscheinungen jeden Monat: Bei Qobuz gelistete Neuheiten Anfang Februar 2025.Eine Fülle von Neuerscheinungen jeden Monat: Bei Qobuz gelistete Neuheiten Anfang Februar 2025.

Dies im Sinne von Hörerfahrung, verbunden mit Kenntnissen über unterschiedliche Musikarten, Stile, Interpretationen; dem Drang, genau hinzuhören, Klänge, Harmonien, Rhythmen zu geniessen und Entwicklungen innerhalb eines Musikstückes zu erkennen und zu verfolgen. Das Gesagte beschränkt sich nicht auf klassische Musik.

Wer heute im Geschäft mit klassischer Musik aktiv ist – sei es als Produzent, Betreiber eins Labels oder als Musiker – steht vor dem Dilemma, was er spielen oder aufnehmen und veröffentlichen soll. Da gibt es die sicheren Werte, Kompositionen der Klassik-Elite, wie Beethoven, Bach, Mozart, Haydn oder Brahms usw. Nur sind deren Werke nahezu alle schon mal eingespielt worden, manche hundertfach. Auch das Feld mit neuen Interpretationen historisch informierter Spielweise ist schon stark abgegrast. Und von der Klassik-Elite kommt nichts Neues nach – naheliegende Banalität. Auch mit neuen Tonträgern nochmals Geld zu generieren, ist seit dem Streaming-Zeitalter kaum mehr möglich.

Wo ist ein Ausweg?

Nun, es gibt viele unbekannte Komponisten und Werke aus den letzten 500 Jahren. Und da wäre noch die Avantgarde der zeitgenössischen Komponisten aus dem 20. und 21. Jahrhundert. Oder man erschliesst neue Kundensegmente, ausserhalb der Hardcore-Klassik-Community, die sämtliche 32 Beethoven-Klaviersonaten in mehreren Einspielungen besitzt. Betrachten wir mal, was so an neuen Alben bei Qobuz im Klassik-Bereich angeboten wird und wie attraktiv diese Alben für die unterschiedlichen Gruppen von Musikliebhabern sind.

Einordnung der Vielfalt

Klassik-Alben lassen sich nach diversen Kriterien gruppieren oder kategorisieren. Die hier angewandte Systematik orientiert sich einerseits daran, welche Hörer-Zielgruppe an einem Album vornehmlich interessiert sein könnte und andrerseits an der Hörgewohnheit eines Musikliebhabers: Interessentiefe, Hörerfahrung, Art des Hörens im Sinne von bewusst oder beiläufig wahrnehmend. Dabei dürfte es klar sein, dass niemand «Sortenrein» hört. Vielmehr hat man seine Schwerpunkte und hört immer wieder auch in andere Bereiche rein, auch genreübergreifend.

A) Die Hauptgruppe: thematische Alben

Die Kerngruppe umfasst thematisch homogene Alben, die einem oder zwei Komponisten oder einer Werkgattung gewidmet sind. Für diese Kategorie interessieren sich primär Hörer, die sich intensiv mit dem Thema befassen (= hohe Affinität für Klassik). Für den Programmentscheid haben die Akteure mehrere Varianten:

  • Neuaufnahmen bekannter Werke als Neuinterpretation mit hochauflösender Aufnahmetechnik, teils historisch informiert.
  • Einspielungen von Urfassungen bekannter, vom Komponisten überarbeiteter Werke.
  • Rekonstruktion von unvollständigen Werken (z.B. Schumanns Zwickauer Symphonie)
  • Als Gegenpool die Wiederauflage historischer Aufnahmen, die entweder unbearbeitet oder restauriert in Sammelboxen oder als reine Streaming-Alben verfügbar sind.

B) Die Leichtigkeit des Hörens

Diese Gruppe umfasst auf den ersten Blick undefinierbare Alben, die im Albumtitel nicht eine Werkgattung oder einen oder mehrere Komponisten listen. Dies sind Albentitel wie «Amour interdits», «George» oder «Exile». Dies im Gegensatz zu einem klar beschreibenden Inhalt als Albumtitel wie «Beethoven, Streichquartette Op. 18».

Typischerweise sind solche Alben themenbasierte Zusammenstellungen von Werken unterschiedlichster Komponisten und Epochen. Vielfach Einzelstücke aus grösseren Werksammlungen, kurze Stücke, einzelne Arien aus diversen Opern usw. Somit sind diverse Werke auf einem Album zusammengestellt. Klassische Komponisten haben bewusst auch leichtere Stücke für den Alltagsgebrauch komponiert: Mozart Divertimenti, Schubert Moments Musicaux, Beethoven Bagatellen, Mödlinger Tänze.

Man findet solche Kompilationen auch in der U-Musik z.B. «Kuschel Rock» Somit eher – aber nicht immer – Alben, die Stimmungen vermitteln, eingängige Titel (Charakterstücke) auch fürs beiläufige Hinhören. Mit solchen Alben lassen sich auch Hörer ansprechen, die nicht tief in der Klassik verankert sind, die ein genreübergreifendes Musikinteresse haben.

C) Die Unbekannten – Überraschung oder Langeweile

Eine grössere Gruppe sind Alben mit unbekannten oder kaum bekannten Komponisten. Ein exemplarisches Beispiel ist die beim Label Hyperion erscheinende Reihe «Das Romantische Klavierkonzert», die aktuell bei der 87. Ausgabe steht (Konzerte von Rubbra & Bliss). Eine wahre Fundgrube in dieser Kategorie ist das deutsche Label CPO (Classic Production Osnabrück). Insgesamt wurden bei CPO innerhalb von mehr als 30 Jahren über 2000 CDs veröffentlicht, die meisten davon Weltersteinspielungen.

In solchen Alben und Serien findet man beides: Trouvaillen, aber auch Stücke, bei denen man hört, warum sie in Vergessenheit gerieten. Eine Ecke, in der sich Sammler gerne umhören.

D) Die Zeitgenossen zwischen Lust und Verdruss

Und da wäre noch die kontroverseste Gruppe: die mit zeitgenössischer Klassik aus dem 20. Und 21. Jahrhundert, eine experimentelle Spielwiese, auf der man nahezu alles finden kann: absolut formloses und faszinierendes, Werke, die sich an etablierte kompositorische Regeln und Formensprache orientieren und andere, die jegliche Art von Tönen, Harmonien und Geräuschen oftmals chaotisch dem Hörer zumuten. Dünnes Eis: Hier schrecken viele Hörer zurück, weil das Risiko von Hörerlebnissen an der Grenze des Erträglichen durchaus real ist. Dennoch kann diese Gruppe viel bieten. Dank Streaming kann man neugierig reinhören und wertvolle Überraschungen erleben.

Aktuelle Beispiele

Mozart – Serenata: Münchner Kammerorchester, Isabelle Faust, Enrico Onofri.Mozart – Serenata: Münchner Kammerorchester, Isabelle Faust, Enrico Onofri.

Die «kleine Nachtmusik» – zumindest der Titel und der Anfang des ersten Satzes – ist auch ausserhalb der Klassik-Hörerschaft bekannt. Und auch die weiteren Serenaden (Posthorn, Haffner) auf diesem Album sind innerhalb dieser Werkgattung Top-Titel. Qobuz listet über 40 Alben mit der Posthorn-Serenade auf, bei der Haffner-Serenade sieht es ähnlich aus.

Was kann das Münchener Kammerorchester hier noch bieten, was nicht schon vorhanden ist? Nun, die Interpretation der Münchener ist auf hohem Niveau, aber kein Neuzugang und keine Neuinterpretation dieser Werke. Dennoch lohnt sich diese Einspielung, dank eines äusserst präzisen, prägnanten Spiels und einer Aufnahmetechnik, die alle Orchesterstimmen sehr transparent auf der virtuellen Bühne aufreiht. Dieses Herausarbeiten und ausgewogene Hörbarmachen der Stimmen, die je nach Satz eine andere Gewichtung haben, machen den Reiz der Aufnahme aus. Kleinste Einwürfe, Phrasierungen oder Kontrapunkte der Nebenstimmen sind wahrnehmbar.

Harmonia Mundi, 31.1.2025, Aufnahme 24 Bit/192 kHz, Bavaria Musikstudios Juli 2023 und April, August 2024. Tonmeister Jean-Daniel Noir.

Das Münchener Kammerorchester begeistert durch ein facettenreiches Spiel. Foto: Daniel Delang.Das Münchener Kammerorchester begeistert durch ein facettenreiches Spiel. Foto: Daniel Delang.

Amours interdites – Diverse Komponisten, David Kadouch

  

Solo- und Kammermusik-Pianist David Kadouch stellt die Frage, «was hat Musik zu sagen?». Mit dem persönlichen Programm auf diesem Album lädt David Kadouch ein, die Stimme in der Musik zu hören, Stimmen von beiden, von Mann und Frau. Somit wird die Stückwahl dieses Albums aus einer Programmidee abgeleitet. 10 Komponisten, 20 Stücke von meist eher kurzer Spieldauer sind typisch für diese Art von Alben. Stimmungen, Emotionen, eher eng gefasste Klangwelten sind hier charakteristisch und das Klavier mit seinen enormen Ausdrucksmöglichkeiten das ideale Instrument. Die Aufnahme des Mirare-Labels ist gelungen. Klanglich entlockt Kadouch dem Steinway-Flügel das ganze Ausdrucksspektrum, sein rundes Spiel lädt zum sinnlichen Hinhören ein.

Mirare, 24.1.2025, Aufnahme: 24 Bit/96 kHz, Théâtre Auditorium de Poitiers 23-26.9.2024, Tonmeister Martin Sauer.

David Kadouch – Solist und Kammermusiker mit einem Repertoire von Bach bis Massenet und einem Fokus auf vergessene Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts.David Kadouch – Solist und Kammermusiker mit einem Repertoire von Bach bis Massenet und einem Fokus auf vergessene Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts.

War Silence – rare italienische Klavierkonzerte

Die im Jahre 1946 gegründete Firma Klipsch hat bekanntlich legendäre Lautsprecher wie etwa das phänomenal klingende, aber nicht mehr ganz kompakte Klipschorn hervorgebracht.

So erwartet man denn auch von einer solch namhaften Firma, dass sie der Konkurrenz in Sachen Sound mindesten eine Nasenlänge voraus sein sollte. Ob das hier tatsächlich zutrifft, erfahren wir sogleich.

Das in acht Farben zu einem stolzen Preis von 398.- Franken erhältliche KMC1 gehört zu den kleinsten Systemen dieses Vergleichs. Elegant gestylt, ist es zudem sauber und stabil verarbeitet. Die Anfass-Qualität ist hoch und beim Anklopfen an das Gehäuse scheppert aber auch gar nichts. Dafür ist es nicht gerade leicht. Doch was will man: Leicht mit Schepper-Sound oder etwas schwerer mit sauberem Klang?

Das KMC1 ist mit einem 2 x 10 Watt Verstärker ausgerüstet, welcher die beiden 6,4 cm Breitbandchassis antreibt. Auf der Rückseite verstärken zwei 7,6 cm Passiv-Membran-Chassis den Bass. Dank integriertem Akku, der das Gerät bis zu acht Stunden netzunabhängig spielen lässt, ist es prädestiniert für Ausflüge und Freien.

Klang

Cristian Carrara komponierte «War Silence» im Jahr 2015 – reinhören lohnt sich.Cristian Carrara komponierte «War Silence» im Jahr 2015 – reinhören lohnt sich.

Dvořák – Nouveau Monde 2.0 (= elektronische Klassik)

  

Dvořáks 9. Symphonie «Aus der neuen Welt», komponiert während seines Aufenthaltes in Amerika, ist ein eindrückliches Werk mit vielen Anlehnungen an traditionelle Musik aus den USA und seiner Heimat Tschechien – ein beliebtes Stück im Klassik-Umfeld. Was nun die 2.0-Version dieser Symphonie soll, erschliesst sich nur schwerlich. Ist es der Drang nach einer Interpretation, die das bisherige komplettiert, provoziert, eine neue Sicht auf das Werk öffnet? Das Begleitheft zum Album erläutert:

«Faszinierende elektroakustische Neuinterpretation der Sinfonie «Aus der Neuen Welt»! Der Wunsch, die Musik zu demokratisieren, motiviert das Orchestre de Chambre de Toulouse mit seinem Dirigent Gilles Colliard Antonin Dvořáks Meisterwerk erneut aufzulegen. Einhundertdreissig Jahre später die Wiedergeburt dieser Musik in einer absolut originellen und überraschenden Form».

Man kann über diese Version diskutieren, sie mag auch Anhänger finden – wenn auch kaum viele. Aus Sicht des Autors wurde Dvořáks Werk dermassen entstellt, dass man kaum von einem Hörgenuss sprechen kann. Die komponierte Mehrstimmigkeit, die unterschiedlichen Register, wurden auf E- und Akustik-Streicher sowie Synthesizer (E-Piano) reduziert. Auch Aufnahmetechnisch überzeugt das Album nicht. Die Phasenverschiebungen sind störend, die Störgeräusche und elektronischen Effekte irritieren, das gesamte Klangbild ist eher schrill und akustisch dicht.

Fazit: Ein Album, das wohl auch aufgrund der gesättigten Marksituation so entstanden ist.

Klarthe Records, 6.12.2024, Aufnahme 24 Bit/96 kHz, Studio Elixir, 23/26 10.2021, Tonmeister Stéphane Ley.

Orchestre de Chambre de Toulouse, hier als rein akustisches Ensemble. Das können sie selbstverständlich auch.Orchestre de Chambre de Toulouse, hier als rein akustisches Ensemble. Das können sie selbstverständlich auch.
Klang

Fazit

Auch hier kann der Prüfling ein für die Grösse beachtliches Klangvolumen liefern. Insgesamt ist der Klang etwas mitteltönig, aber doch recht ausgewogen. Grobe Verfärbungen sind, trotz eher mässiger Räumlichkeit des Klangbildes, keine festzustellen. Man spürt und hört, dass die relativ grossen Breitbandchassis nicht sehr breit abstrahlen. Der Bass ist tüchtig mit von der Partie, doch bei erhöhter Lautstärke beginnt das System mit einem schreienden Klang zu nerven.

Wird die Lautstärke zum Beispiel bei Gesang erhöht, machen sich scheppernde Geräusche bemerkbar, die noch lauter werden, wenn das Gerät vom Untergrund abgehoben wird. Tatsache ist, dass der Boden ganz tüchtig mitvibriert, was zu hörbaren Resonanzen führt. Drückt man auf die Bodenplatte, verstummen diese Störgeräusche. Das stört zum Beispiel bei einer glockenreinen Stimme wie derjenigen von Rebecca Pidgeon deutlich, ist aber bei knalligen, rockigen Klängen vernachlässigbar. Bei Techno-Sounds kann es jedoch, je nach Klangspektrum, wieder kritisch werden.

Ob der Outside-Modus sinnvoll ist, kann man diskutieren: Wird er aktiviert, so werden die Bässe abgesenkt, der Rest etwas angehoben. Tatsache ist, dass das System ohne Bass lauter spielen kann, ohne zu verzerren. Das klingt dann allerdings recht mager. Doch konsumiert der Verstärker in diesem Modus deutlich weniger Leistung, was zu einer längeren Spieldauer führt.

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