Genuin FS1 MKII: Das Spitzenmodell der Genuin-Serie klingt hervorragend natürlich und dynamisch.Thomas Blumenhofer baut seit 40 Jahren Lautsprecher, vorwiegend Hornlautsprecher. Das Funktionsprinzip fasziniert ihn total. Die akustische Schallverstärkung des Horns hat einen grossen Vorteil: Die Membran des Schallwandlers kann ohne Anstrengung grosse Dynamik entfalten. Zum Vergleich stelle man sich einen Adler vor, der seine mächtigen Flügel so schnell bewegt wie ein Kolibri.
Man benötigt für viel Dynamik viel weniger Antrieb. Eine akustische Schallverstärkung arbeitet beinahe ohne Verluste. Es gibt aber auch Nachteile wie tonale Verfärbungen in Richtung Hohlklang. Dagegen hilft aber Know-how, sprich sehr viel Erfahrung. Seit vier Dekaden baut Blumenhofer solche Lautsprecher, aber erst seit gut zehn Jahren werden sie in Serie gebaut.
Davor verwirklichte man ausschliesslich Custom-Projekte für anspruchsvolle Kunden – sowohl private als auch professionelle. Das macht Blumenhofer zwar heute, doch es bleibt immer weniger Zeit für aufwändige, kundenspezifische Systeme. Das Unternehmen ist heute sehr erfolgreich, weil es aussergewöhnlich gute Lautsprecher baut.
Kein Hobby-Hersteller
"Manufaktur" ist ein positiv besetzter Begriff, der schmeichlerisch nach Passion und Handarbeit klingt. Oftmals verbergen sich dahinter aber Hobby-Betriebe, deren Fertigungstiefe und Kompetenz sich auf den Zusammenbau beschränken. Betrachtet man Fotos aus der Fertigung von Manufakturen, stammen viele Bilder auch von ihren Zulieferern.
Ich war sehr gespannt, zu ergründen, wie Blumenhofer arbeitet und was die Leute dort alles drauf haben.
Grosse Fertigungstiefe
Nach dem Laminieren der Furniere wird die Oberfläche gespachtelt und geschliffen.Die komplizierten Holzgehäuse und die noch komplizierteren Hörner werden vollständig in der eigenen Fertigung hergestellt. Viele Lautsprecherhersteller beauftragen externe Schreinerbetriebe mit dieser zentralen Aufgabe. Blumenhofer macht alles selbst. Zudem werden in dieser Schreinerei keine anderen Produkte hergestellt. Sie dient allein dem Lautsprecherbau.
Das Mitteltonhorn einer Gran Gioja hat eine komplizierte Form und soll mit einer Toleranz von +/- einem Hundertstel Millimeter gefertigt werden.
Mit der grossen CNC-Fräsmaschine werden grosse und kleine Werkstücke gefertigt.Kleine Geheimnisse
Der Tief/Mittelton-Treiber der Tempestas verfügt über eine von Blumenhofer entwickelte Schicht-Membrane. Besonders beeindruckend sind die Furnierarbeiten, die mit einer eigenen Presse ausgeführt werden. Anschliessend werden weiche Stellen und Löcher im edlen Furnier mit einer Kontrastfarbe ausgespachtelt und dann sorgfältig verschliffen. Das führt zu einmalig schönen Oberflächen. Das Holzlager mit den Furnieren ist eindrücklich, dort werden Sachwerte gelagert.
Interessant sind auch die Fertigungsabläufe. Man konzentriert sich auf das Wesentliche. Der verantwortliche Mitarbeiter furniert jeweils an einem Tag pro Woche, während dem er sich ausschliesslich dieser Arbeit widmet und dazu kein Mobiltelefon mitnimmt, um nicht gestört zu werden.
Dieses Furnier ist nicht nur edel, sondern auch recht dick. Man verwendet nur erstklassige Qualität bei Blumenhofer.Blumenhofer macht alle Holzteile und den gesamten Zusammenbau in der eigenen Fertigung. Die Lautsprechertreiber werden von Zulieferern oft nach eigenen Spezifikationen gefertigt. Das bringt manchmal Probleme mit sich, wenn zum Beispiel eine besondere Membrane von Produzent A gepresst und dann an Produzent B weitergereicht wird. Für das Pressen der speziellen Membrane muss eine Maschine eigens umgerüstet werden.
Mehr Bilder aus der Fertigung finden Sie in der Fotostrecke am Ende des Beitrags.
Thomas Blumenhofer im Gespräch
Thomas Blumenhofer im Gespräch mit Christian Wenger von avguide.ch.Thomas Blumenhofer ist kein Mann der grossen, dafür aber er klaren Worte. Andrea Vitali, zuständig für Verkauf und Marketing, wartet mit viel Eloquenz auf. Kompetent sind Sie beide, ohne Frage.
avguide.ch: Warum Hornlautsprecher?
Thomas Blumenhofer: Mein erster Lautsprecher, den ich gebaut habe, war ein Hornlautsprecher. Ich baute ihn für ein Röhrenradio mit 3 Watt, das im Kuhstall aufgestellt wurde. Es wurde unglaublich laut in dem Stall, aber es machte mehr Spass, darin zu arbeiten. Anschliessend baute ich noch das eine oder andere Horn. Dank einem Schulfreund, dessen Vater eine Holzhandlung besass, kam ich an Holz und Werkzeuge. Dann wollte ich die grösste Bassbox der Welt bauen, ebenfalls ein Horn. Sie war so gross wie eine Autogarage, man hörte sie auf mehrere Kilometer Entfernung.
avguide.ch: Wie ging es weiter?
Thomas Blumenhofer: Dann kam ich in den Profibereich hinein. Die ersten 15 Jahre habe ich nur Profi-Anlagen und Auto-Anlagen gebaut. Ich habe kundenspezifische Hornlautsprecher in Konzertsäle und Clubs eingebaut und dann gleich noch die Bands abgemischt. Wochenende für Wochenende. Ich hörte die Bands über die Hornsysteme. Das prägte sich ein. Dagegen klangen andere Lautsprecher wie eingeschlafene Füsse. Ich musste also mit Hornlautsprechern arbeiten.
Dann bauten wir die Genuin 1 für ein Tonstudio. Sie war kompakter als diese grossen Systeme und eignete sich auch für private Anwendungen. Wir dachten, es sei viel zu schade, nur eine einzige zu bauen, und damit begann dann die Serienfertigung für private Musikhörer. Das war vor 15 Jahren. Dann bauten wir weitere Modelle dazu. Das war der offizielle Beginn der HiFi-Lautsprecher, obschon wir das im kleinen Rahmen schon früher gemacht hatten.
Bei den Autos bauten wir für die damaligen VW-Käfer einen Hornlautsprecher mit zwei 3-Zoll-Breitbändern hinter die Rücksitze. Die Form der Öffnung unter einem Loch eignete sich sehr gut. Das war ideal.
Andrea Vitali im Gespräch
Andrea Vitali ist der vitale Repräsentant und Marketingchef von Blumenhofer Acoustics. Satelliten mit Pfiff
Musikerlebnis
Der Hörraum ist zugleich auch Arbeitsraum und dient nicht allein dazu, Kunden zu begeistern. Hier werden Lautsprecher fertig entwickelt und optimiert – sowohl messtechnisch als auch mit dem Ohr. Das sehr geräumige Dachgeschoss hat eine natürliche Akustik, in der man mit wenigen Watt Leistung grosse Klangkörper in unvergleichlicher Art erleben kann.
Die frisch fertiggestellte Genuin FS1 steht bereit zur Auslieferung an einen Kunden in China, dessen Farbwunsch etwas eigenwillig scheint. Doch die Geschmäcker sind verschieden, und danach richtet man sich gerne.
Wir hörten Musik über diesen Lautsprecher, nicht nur in voller Konzentration, sondern auch nebenbei, von weiter hinten. Dort befindet sich die Lounge, die für Besprechungen genutzt wird. Gerade aus dieser Position entfaltete sich ein wunderbar entspanntes Erlebnis mit Musikern, die real auf der anderen Seite des Raums zu spielen schienen.
Im Epizentrum fiel alles ins Lot. Es war nicht nur ein sehr dynamisches und vollständiges Musikerlebnis, es entstand auch ein überzeugender Eindruck von Vollständigkeit und Reife. Die verschiedenen Lautsprecher, die wir hörten beeindruckten durch ihre Fertigkeit, durch ihre Komplettheit. Wir erlebten einen der seltenen Augenblicke, der nicht geprägt war vom Drang nach differenzierter Beurteilung. Das Ganze überwiegte die ewig lamentierbaren Einzelheiten.
Fazit
Manufakturen wie Blumenhofer sind mit ihrer Passion tatsächlich in der Lage, ganz Aussergewöhnliches zu vollbringen. Was einst in einem Kuhstall begann – und nicht etwa in der sprichwörtlichen Garage – ist heute ein Unternehmen, von dem man auch in Zukunft noch viel hören wird.
Während unseres Besuchs wurde von der Teilnahme an der High End München 2017 gesprochen. Blumenhofer war in den letzten zwei Jahren dort vertreten. Diese Messeteilnahme verkörpert immer eine grosse Investition. Man bezahlt das nicht aus der Portokasse.
Das Geschäft der kundenspezifischen Installationen wird man künftig zurückfahren. Zu gross ist der Arbeitsaufwand bei diesen Projekten mittlerweile geworden. Die HiFi-Lautsprecher, wie man sie nennt, sind besser für das Unternehmen. Viele Kunden können sie kaufen und ihre Träume damit verwirklichen.
Ein letztes Mal schweift der Blick entlang der hohen Regale, wo sich fein säuberlich alte Verstärker, Receiver und Tuner von Marantz, Sansui und Pioneer präsentieren. Die private Sammlung von Thomas Blumenhofer.
Tradition kann der Zukunft Flügel verleihen.

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