TESTBERICHT
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Publikationsdatum
18. November 2020
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KEF Blade.KEF Blade.

Die Topmodelle der führenden Lautsprecherhersteller kosten sehr viel Geld. Dafür bekommt man eine entsprechend hohe Klangkultur geboten. Obwohl – oder gerade weil – die Besitzer mit ihren audiophilen Schätzen grundsätzlich zufrieden sind, taucht früher oder später dennoch der Wunsch auf, diese mittels Feintuning akustisch zur Höchstform zu bringen. So ist beispielsweise unbestritten, dass man mittels geeigneter Lautsprecherkabel das Zusammenspiel von Verstärkern und Boxen optimieren kann. Zu Recht geben Besitzer hochwertiger Schallwandler denn auch entsprechend viel Geld dafür aus.

In diesem Segment haben sich auch Christian und Roland Rohrer seit geraumer Zeit einen Namen gemacht. Unter dem Label crTech bieten sie seit 2009 ein stetig wachsendes Sortiment an hochwertigem Zubehör an. Dazu zählen beispielsweise die «Sound Supports»: Dämpferfüsse in verschiedenen Ausführungen, welche Lautsprecher und Elektronik wirksam von Boden, Wand oder Möbeln entkoppeln. Die Sound Supports haben sich bei Musikliebhabern längst einen guten Namen gemacht – entsprechend häufig trifft man sie in Schweizer Hörräumen an.

Seit 2014 bietet crTech auch ein umfangreiches Kabelsortiment an. «Soundway»-Kabel gibt es als Cinch-, XLR- und Digital-Coaxial-Versionen sowie als Lautsprecherkabel in verschiedenen Güteklassen. Das Topmodell unter den «Soundway»-Lautsprecherkabeln ist das LS 60s Mk II, welches sich ebenfalls hoher Beliebtheit erfreut.

Das «Ultimate One» gehört zu den besten Lautsprecherkabeln überhaupt. Es zeichnet sich durch einen enormen Material- und Fertigungsaufwand aus.Das «Ultimate One» gehört zu den besten Lautsprecherkabeln überhaupt. Es zeichnet sich durch einen enormen Material- und Fertigungsaufwand aus.

Doch damit gaben sich Christian und Roland Rohrer von crTech noch nicht zufrieden. Ohne Rücksicht auf den Aufwand und die Kosten kreierten sie das Lautsprecherkabel «Ultimate One», welches das Zusammenspiel von Verstärker und Lautsprecher noch weiter optimieren soll.

Grundsätzlich lautet das Credo der Entwickler, das ein optimales Kabel den Klangcharakter eines Lautsprechers nicht verändern, sondern vielmehr seine positiven Eigenschaften möglichst gut zum Tragen bringen soll. crTech-Kabel fügen also nichts hinzu, sondern agieren dem eigenen Anspruch nach einfach verlustfreier. Somit können HiFi- und High-End-Komponenten sowie Lautsprecher ihr Potenzial besser entfalten.

Konsequent zu Ende gedacht

Die Idee, auch  die  Innenverkabelung von Lautsprecherboxen sowie von Audio-Komponenten unter ihre Tuning-Fittiche zu nehmen, war eigentlich naheliegend: Seit rund vier Jahren bieten Christian und Roland Rohrer diesen Service für ausgewählte High-End-Produkte an. Und ihre Erfahrungen mit selbst feingetunten Komponenten im eigenen Ladengeschäft in Toffen (Bern) bestätigen ihnen, dass sie damit auf dem richtigen Weg sind.

So werden etwa Vor- und Endverstärker von Audia Flight oder Burmester (um nur einige zu nennen) nach crTech-Art modifiziert. Dies beinhaltet neben einer komplett neuen Innenverkabelung auch die bewährten Sound Supports. Ausgesuchte Lautsprecher wie etwa die Coax 511 und die Coax 711 von Piega kommen ebenfalls in den Genuss der neuen Innenverkabelung.

Im Ladengeschäft in Toffen stehen die crTEch-modifizierten KEF Blade zum Hörtest bereit.Im Ladengeschäft in Toffen stehen die crTEch-modifizierten KEF Blade zum Hörtest bereit.

Der Leitgedanke hinter dem Unterfangen: Man kann zwischen Verstärker und Lautsprecher noch so hochwertige Kabel verwenden – die edlen Leiter können das Musiksignal in bestmöglicher Qualität ja nur bis zum Lautsprecherterminal transportieren. Von dort läuft es allermeistens auf deutlich beengteren Pfaden – sprich: günstigeren Strippen – bis zu den eigentlichen Schallwandlern. Dies aus dem einfachen Grund, dass die Hersteller aus Kostengründen zwar durchaus hochwertige, aber eben nicht kompromisslos gute Kabel im Inneren ihrer Lautsprecher einsetzen.

Von daher wundert es nicht, dass bei Kennern und Musikliebhabern vermehrt ein Bedürfnis nach einer adäquaten Innenverkabelung auftaucht. Genau dieses deckt crTech ab, indem eine solche Modifikation nach und nach für immer mehr Top-Lautsprecher angeboten wird. Das Entscheidende dabei ist, dass sie von Fachleuten vorgenommen wird, die ihr Handwerk und die zu modifizierenden Produkte von Grund auf verstehen. Das erforderliche Ausmass an Know-how und Sorgfalt im Umgang mit den teuren Edellautsprechern ist keineswegs zu unterschätzen.

Der Blick in das Innere der crTech-modifizierten KEF Blade zeigt die neu verlegten Kabelstränge. Es kommen hochwertigste Leiter vom Typ Soundway LS60s MK II zum Einsatz, die zusätzlich mit einer Isolation resonanzbedämpft werden.Der Blick in das Innere der crTech-modifizierten KEF Blade zeigt die neu verlegten Kabelstränge. Es kommen hochwertigste Leiter vom Typ Soundway LS60s MK II zum Einsatz, die zusätzlich mit einer Isolation resonanzbedämpft werden.

KEF Blade reloaded

Ein ehrgeiziges crTech-Projekt war auch die Veredelung des Top-Lautsprechermodells vom englischen Traditionshersteller KEF: Die KEF Blade hatte schon bei ihrer Markteinführung 2011 aufgrund ihrer Konzeption und ihres Designs viel Aufsehen erregt und gilt bis heute als einzigartige Klangskulptur, die sich vom Mainstream signifikant abhebt. 

Der Uni-Q-Mittelhochtontreiber wurde für die Kef Blade von Grund auf neu entwickelt.Der Uni-Q-Mittelhochtontreiber wurde für die Kef Blade von Grund auf neu entwickelt.

Es handelt sich um einen der wenigen durchgängig als Punktschallquelle ausgelegten Lautsprecher: Dazu gehört zunächst der komplexe UNI-Q-Mittelhochtöner – eine KEF-Spezialität, bei welcher der Hochtöner nahtlos im Zentrum des Mitteltöners integriert ist. Es kommt ein 12,5-cm-Koaxialtreiber zum Einsatz, der extra für die Blade neu entwickelt wurde: ein filigranes Wunderwerk an High-Tech, welches den gesamten Frequenzbereich ab 350 Hz abdeckt. Aber nicht nur die akustischen Zentren von Hoch- und Mitteltöner sind identisch, auch die vier 22,5-cm-Tieftöner sind symmetrisch in so geringer Entfernung montiert, dass die Schallentfaltung fast exakt von einem gemeinsamen Punkt aus in den Hörraum erfolgt. Ein ganz wesentliches Merkmal der Blade ist zudem, dass die gerundete Klangskulptur keinerlei Gehäusekanten aufweist, an denen sich die Schallwellen «brechen» könnten. 

KEF Blade ist einer der wenigen Schallwandler mit annähend perfekter punktförmiger Schallquelle.KEF Blade ist einer der wenigen Schallwandler mit annähend perfekter punktförmiger Schallquelle.

Diese homogene, punktförmige Schallentfaltung ist wohl das Erfolgsgeheimnis der KEF Blade. Dank ihres ausnehmenden Talents zur exzellenten räumlichen Abbildung der Musik findet sie nämlich auch heute noch zahlreiche Liebhaber. Aber auch punkto Basswiedergabe zählt die Blade zu den Klassenbesten: Die beiden Tieftöner-Paare sind in je separaten Kammern Rücken an Rücken fest miteinander verbunden, so dass sich die kinetischen Kräfte, die sonst unerwünschten Körperschall generieren, gegenseitig aufheben.

Die KEF Blade wird von crTech in aufwändiger Detailarbeit komplett neu innenverkabelt. Dabei kommen (wie auch bei allen anderen Lautsprechermodifikationen) allerbeste Leiter von crTech zum Einsatz – nämlich die gleichen wie im separat erhältlichen Lautsprecherkabel Soundway LS60s MK II. Dass ein solches arbeits- und materialintensives Unterfangen nicht ganz billig sein kann, dürfte einleuchten. Der Aufpreis liegt mit CHF 16'900 pro Lautsprecherpaar denn auch nicht wirklich auf der günstigen Seite. Dafür wird aber auch noch ein komplettes Sound-Support-Dämpfersystem installiert – was sich insbesondere hinsichtlich einer kontrollierteren Basswiedergabe auszahlt. Das crTech-Tuning richtet sich nicht nur an bestehende Besitzer einer KEF Blade. Es kann auch beim Neukauf dieses britischen Ausnahme-Lautsprechers als Option gleich mitbestellt werden.

Die KEF Blade wird vor der crTech-Modifikation komplett eingemantelt, so dass das wertvolle Finish keinerlei Schaden davonträgt.Die KEF Blade wird vor der crTech-Modifikation komplett eingemantelt, so dass das wertvolle Finish keinerlei Schaden davonträgt.

Der erste Höreindruck

avguide hatte die Gelegenheit, eine frisch crTech-getunte Version der KEF Blade im Hörraum bei Rohrer Hifi in Toffen anzuhören. 

Schon bei der ersten Hörsession nach erfolgter crTech-Modifikation beeindruckte die KEF Blade mit ihrer sagenhaften Räumlichkeit.Schon bei der ersten Hörsession nach erfolgter crTech-Modifikation beeindruckte die KEF Blade mit ihrer sagenhaften Räumlichkeit.

Bemerkenswert war vorab die Aussage von Christian Rohrer, dass alle neu innenverkabelten Lautsprecher nochmals gut und gerne 200 Stunden (oder gar mehr) Einspielzeit benötigen, bis sich die klanglichen Vorteile gänzlich entfalten. So war die besagte Blade zwar übers Wochenende eingelaufen, aber damit längst noch nicht komplett eingespielt.

Dass an der Notwendigkeit, Lautsprecher «einzulaufen» etwas dran ist, davon konnte sich der Autor am Montag darauf dann selber überzeugen. Bei den ersten zwei, drei Hörtiteln agierte der Koaxiallautsprecher in den Mitten und Höhen durchaus noch etwas verhalten, sozusagen britisch-diskret. Dann ging aber nach und nach richtiggehend der Vorhang auf. So pulsierte nun die Händel-Arie «Tra le Fiamme» mit der Sopranistin Dorothee Mields mit livehaftiger, fast schon dramatischer Spielfreude und offenbarte einen Klangfarbenreichtum, wie man ihn sonst nur selten hört.

Die räumlich-dreidimensionale Abbildung ist wirklich eine herausragende Stärke der KEF Blade. Tatsächlich scheint diese Tugend mit dem crTech-Kabeltuning nochmals auf die Spitze getrieben. Dies zeigte sich auch bei der legendären Aufnahme «James Taylor Live». Sagenhaft, welche Präsenz die charakteristische Stimme Taylors über die Blade in der crTech-Edition gewinnt. Da konnte sich selbst der abgebrühte Tester nicht gegen einen Anflug von «Hühnerhaut» erwehren.

Der zweite Höreindruck

Zehn Tage später durfte der Autor die KEF Blade noch einmal akustisch unter die Lupe nehmen. Laut Christian Rohrer hatte sich in der Zwischenzeit nämlich punkto Klangqualität noch Einiges getan. Ein von crTech neu verkabelter Lautsprecher benötigt demnach sehr viel Einlaufzeit und legt dabei stetig an Güte zu.

Wie schon bei der ersten Hörsession war auch jetzt die verwendete Elektronik vom Allerfeinsten: Je eine Stereo-Endstufe FLS-4 von Audia Flight versorgte separat den Tiefton- und den Mittelhochtonbereich der Blade. Als Quellgerät fungierte ein von Roland Rohrer selbst konfigurierter Roon Nucleus auf i7-Basis. Die Digitalsignale wurden durch den (Swissmade-)DAC 502 von Weiss Engineering gewandelt und vorverstärkt. Fast schon selbstredend, dass die gesamte Elektronik über das crTech-Tuning verfügte, wozu neben der besseren Innenverkabelung auch die speziellen Sound-Support-Dämpferfüsse gehören.

Allerfeinste, von crTech modifizierte Elektronik trug wesentlich zur superben klanglichen Vorstellung bei.Allerfeinste, von crTech modifizierte Elektronik trug wesentlich zur superben klanglichen Vorstellung bei.

Der Autor traute seinen Ohren kaum, mit welch räumlicher Transparenz und klanglicher Offenheit die Blade nun aufwartete. Wobei zunächst wiederum eine aussergewöhnlich «relaxte», dennoch enorm spannende Spielweise auffiel. Die Kombination aus detaillierter, jedoch nicht detailversessener Wiedergabetreue beeindruckte mit einer unangestrengten, fast schon zarten Ansprache. Dies zeigte sich beispielsweise beim neuen Album von Hille Perl, «Ballads within a Dream», welches über die Blade trotz minimalistischer Besetzung richtig grossartig und in wunderbaren Klangfarben ertönte. Und dies bei einer ungemein plastisch-dreidimensionalen Abbildung im Hörraum.

Puristische Besetzung in sagenhafter Aufnahmequalität: «Ballads within a Dream», u. a. mit Hille Perl.Puristische Besetzung in sagenhafter Aufnahmequalität: «Ballads within a Dream», u. a. mit Hille Perl.

Ihr Talent zur grandiosen Raumabbildung stellte die crTech-modifizierte KEF auch bei einem anderen Hörtest-Klassiker unter Beweis: Das legendäre «Cantate Domino» (Label: Proprius), welches 1976 auf einer Revox-A-77-Bandmaschine mit nur zwei Mikrofonen aufgezeichnet worden war. Das Ausmass an Rauminformation und Livehaftigkeit, welche diese Aufnahme über die Blade entfaltete, war schlichtweg atemberaubend. Aber auch die Art und Weise, wie sich die tiefen Orgelregister in der Stockholmer Kirche ausbreiteten, war dramatisch. Die KEF gibt offenbar selbst subsonische Anteile wieder, welche für den monumentalen Raumeindruck mit ausschlaggebend sind.

Jahrhundert-Aufnahme: «Cantate Domino» aus dem Jahr 1976.Jahrhundert-Aufnahme: «Cantate Domino» aus dem Jahr 1976.

Tatsächlich kann man der crTech-modifizierten Blade Referenzqualitäten im Tieftonbereich bescheinigen. So luftig-konturiert und dennoch druckvoll bis in tiefste Lagen hat der Autor den Jazzbass auf dem hervorragend aufgenommen «Contra La Indecisión» vom Bobo Stenso Trio noch nie gehört. Wo bei den allermeisten Lautsprechern bestimmte Basslagen dominieren und den restlichen Tieftonbereich tendenziell überdecken, ist es hier ein grosses Vergnügen, dem federleichten Spiel des Bassisten über alle Saiten zu folgen. Chapeau!

Die skandinavische Wunderkiste von Lyngdorf.Die skandinavische Wunderkiste von Lyngdorf.
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