Ich bekam im Jahr 1980 bei einem Skilift auf der Riederalp den ersten Sony Walkman in die Hände und diesen coolen kleinen Kopfhörer über mein Haupt gestülpt. Dann erklang Santana "volle Kanne". Die Tonband-Kassette (TDK, Chromdioxid, 12 CHF) war gut aufgenommen, direkt von Vinyl, denn es gab sonst nichts.
Heute halte ich fünf High-Tech Geräte in Händen, die alle im Grunde viel mehr können und dennoch dasselbe tun, wie mein längst entsorgter Walkman. Allein die wunderschönen Touchscreens zweier Modelle und die fugenlose monolitisch anmutende Bauweise einiger Gehäuse erfordern mehr Technologie als die Musik-relevanten Aspekte, die schon damals Gültigkeit hatten. - Gleichlaufschwankungen und Bandrauschen mal abgesehen. Das war auf dem Skilift nicht ganz so wichtig.
Heute hört Mann und Frau so oft mobil, dass Kopfhörer mittlerweile zu den wichtigsten Umsatzträgern der Branche gehören. Der Vorstoss ins Hi-Res Zeitalter vermag die Umgebungsgeräusche aber nicht zu verhindern. So liefern die Geräte, was sie eben können und buhlen mit Haptik und Optik um unsere Gunst, lange bevor der erste Ton erklingt. Sie werden gekauft, bevor man sie in einer Situation gehört hat, die ihre eigentlich wichtigste Qualität, die Tonqualität, offenbart.
An den grossen Presskonferenzen im Vorfeld zur IFA schwebte so manches unter grossem Applaus von der Decke hinunter. Wenn man dann sah, was genau auf uns herniederschwebte, erinnerten die multimedialen Inszenierungen den kritischen Betrachter manchmal an den Satz «der Berg hat eine Maus geboren.»
Schnell wird klar, worum es auch den ganz grossen Consumer-Electronics-Konzernen geht: Sie wollen uns Konsumenten immer wieder neue Produkte verkaufen, und sie lassen sich nicht nur beim Produkt etwas einfallen, um uns zu beeindrucken, sondern auch bei dessen Inszenierung.
So etwa beim Thema «Connected Health Care»: Ein sozio-technisches Modell des zukünftigen Gesundheitsmanagements, resultierend in eher trivial wirkenden Haushaltshelferlein, deren Registrierung unserer Gesundheitsdaten in Clouds zu grossen Datenmengen führen. Daraus lässt sich viel gewinnen und statistisch zum Wohle der Weltgesundheit auswerten. Ich wünsche mir, dass meine persönlichen Ernährungsgewohnheiten meiner Krankenkasse trotzdem verborgen bleiben.
So etwa auch im Bereich «Smart Home», wenn denn alles im smarten Heim von selbst geschieht, so dass unsere Enkel nicht mehr wissen, wo der Lichtschalter ist und wie man Lebensmittel einkauft, weil es der Kühlschrank automatisch erledigt.
Die kleineren Hersteller sind da etwas bodenständiger. Sie machen einfach bessere und auch günstigere Produkte und sie sprechen darüber. Man fliegt näher am Boden.
Bei Consumer Electronics sollte es vor allem Spass machen. Und das kam bei dem ganzen epischen Getöse zum Glück auch nicht zu kurz.
Hier ist unser Fokus-Report von der IFA 2017:
Gewiss kann man mit der Neutron-App (in diesem Test) jedes iPhone oder Android in einen Hi-Res-Musikplayer verwandeln, zu vernachlässigbaren Kosten. Zwei Argumente sprechen dagegen: Die Hardware aller Player ist qualitativ sehr hochstehend und hörbar. Die Geräte sind spezialisiert für ihre Aufgabe. Zum anderen ist man immer abgelenkt, wenn man Android etc. verwendet: Plötzlich kommt eine E-Mail, eine Erinnerung oder die Meldung, wenn ein Facebook-Freund etwas gepostet hat.
Dasselbe Phänomen begünstigt heute den Erfolg der E-Book Reader à la Kindle. Beim iPhone gesellt sich dann noch der leidige Nachteil hinzu, dass man den dringend benötigten Speicherplatz nicht einfach durch den Kauf einer genügend grossen SD-Karte erweitern kann und der hohe Stromverbrauch multifunktionaler Smartphones wirkt sich ebenfalls negativ aus. Ladegeräte brauchen immobile Steckdosen...

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