KEF M500: Haptisches Meisterstück
Kühles Design mit gebürsteter OberflächeAusstattung und Komfort
Der Beyerdynamic ist filigran gebaut und fühlt sich etwas kühl an. Er sitzt bequem, wenn man ihn einmal angepasst hat. Die gerasterte Grössenverstellung geht etwas streng. Auffällig ist, dass man jede Kopfbewegung oder Berührung der Schalen und sogar deutliche Bewegungen des Kabels deutlich stärker hört als normal. Man muss beim Musikhören wirklich still sitzen, um dieser Beeinträchtigung zu entgehen.
Der T51i liegt in einer schönen kleinen Stoffkassette mit Klettverschluss und Traggriff. Das fest montierte Anschlusskabel verfügt über eine Lautstärkenfernbedienung für Geräte, die das unterstützen.
Hörerlebnis
Ich sass dann also still. Der T51i charakterisiert sich durch eine warme Timbrierung, klingt aber ausgeglichen und gut abgestimmt. Bei grossorchestraler Musik kann er das Klanggeschehen bei höheren Pegeln nicht mehr so gut auflösen.
Der Bass ist grosszügig, alle Achtung, mit einer leichten Akzentuierung im Mid-Bass. Das forciert den Gruntonanteil ein wenig. Der Hochton ist sehr stimmig ohne Überzeichnung oder Hohlklang. Die Stimmwiedergabe ist sehr natürlich und einnehmend.
Der Raum wirkt etwas enger und nicht ganz so selbstverständlich mit einer leicht diffusen Tendenz. - Weit entfernt von dicker Luft allerdings.
Der Beyerdynamic ist klein, leicht und nicht zuletzt dank der Volumenregelung am Kabel für den mobilen Einsatz mit iPhone etc. geeignet.
KEF M500: Haptisches Meisterstück
Wunderbares AnfassgefühlDer M500 von KEF ist ein geschlossener, dynamische on-ear-Typ mit 32 Ohm Impedanz. Er ist kompakt und die Hörschalen sind einklappbar. Das Design ist phantastisch gemacht und die Anfassqualität (Haptik) ist überragend.
Ausstattung und Komfort
Diese Haptik hat mit formgefrästen und sandgestrahlten Aluminium-Komponenten zu tun sowie mit der handschmeichlerischen Kunstbelederung. Der Kopfbügel lässt die stufenlos verstellbaren Halterungen verschwinden. Da dürfte kein Haar eingeklemmt werden.
Die Ohrschalen sind rundum eingefasst und in Richtung Gehörgänge perforiert. Der Kopfhörer sitzt perfekt und trägt sich sehr angenehm. Das Verbindungskabel wird nur am linken Treiber hinten eingesteckt und ist vom Typ "Flachband", hochwertig und haptisch abgestimmt. Da hat man ganze Arbeit geleistet.
Der Kopfhörer wird in einer Art grossem "Brillen-Etui" kleinräumig verstaut und passt in die Handtasche. Dazu bekommt man auch ein zweites, identisches Anschlusskabel und zwei Adapter.
Hörerlebnis
Ich laufe in Gefahr der Suggestion, wenn ich eine englische Klangphilosophie vermute. Das Klangbild beeindruckt durch eine schöne Mittenpräsenz, also Präsenz fern von Übertreibungen. Der tonale Umfang wirkt sehr ausgewogen mit einem leicht zurückhaltenenden Bassbereich, der dem Kopfhörer eine kultivierte Note verleiht.
Der Mittelton ist dafür verantwortlich, dass Diana Kralls Stimme süchtig macht. - Noch süchtiger als sonst. Das Piano profitiert davon nicht so ganz mit einer Nuance Hohlklang. Auch das Orchester um Julia Fischer wirkt sehr präsent und nahe am Hörer. Man sitzt mit diesem Kopfhörer zwei Reihen näher am Bühnenrand.
Räumlich wirkt der KEF also etwas direkter aber insgesamt doch sehr räumlich. Diese Direktheit setzt einfach einen Akzent. Der M500 unterscheidet sich tonal recht deutlich von anderen Modellen und ist unter dem Strich sehr gut gelungen. Charaktervoll.
Der KEF eignet sich sowohl für den mobilen Einsatz als auch für zuhause ausgezeichnet.
Oppo MM-2: Meisterstück
Ein planar-magnetischer Kopfhörer und toll verarbeitetDer MM-2 von Oppo gehört zur Gattung Planar-magnetisch. Der Antrieb ist also keine Schwingspule, die eine Membrane kolbenförmig antreibt, sondern eine direkt auf einer Kunststoff-Folie aufgebrachte lange Leiterbahn, die sich in einem flächigen Magnetfeld gleichförmig bewegt. Kopfhörer dieser Technologie sind in der Regel teurer und ihre Eigenschaften ähneln denen von Elektrostaten. Das will allerdings wenig heissen, denn auch bei Kopfhörern gibt es kein überlegenes Wandler-Prinzip. Die Anschlussimpedanz des offenen over-ear Oppo beträgt 32 Ohm.
Ausstattung und Komfort
Der Oppo ist ganz ähnlich konstruiert wie der KEF aber deutlich grösser und auch schwerer. Die offene Konstruktion lässt den rückwärtigen Schall durch eine feinperforierte Abdeckung austreten. Verarbeitung, Haptik und Tragkomfort sind trotz der Grösse und des Gewichts ausgezeichnet.
Dank rechtwinklig eindrehbarer Ohrschalen lässt er sich in der praktischen Stofftasche gut verstauen und transportieren. Dazu gibt es zwei unterschiedliche Anschlusskabel: ein langes in Stoff eingefasstes und sehr hochwertiges Kabel für den Hausgebrauch und ein kurzes, dünnes Anschlusskabel für den mobilen Einsatz mit Android & Co.
Hörerlebnis
Der Klang charakterisiert sich durch eine sehr entspannte Spielweise mit einer leichten Grundton-Lastigkeit, die ein wohliges Gefühl von Klangwärme erzeugt, jedoch ein wenig Spritzigkeit und Dynamik vermissen lässt.
Violinen und Celli sind wahrhaft seidig bis samtig timbriert, und die Stimme von Diana Krall klingt präsent und sehr verführerisch. Der Tiefton ist für meinen Geschmack ein wenig zu grosszügig ausgelegt und hat auch eine leichte Mid-Bass Betonung. Das kann bei grosszügigen Aufnahmen im Bassbereich des Guten zu viel sein, bringt aber viele Aufnahmen wahrlich erst zum Klingen.
Der Oppo klingt sehr räumlich und erzeugt viel Luft und Raumgefühl. Er mag nicht so ganz meiner Präferenz entsprechen, ich kann mir aber gut vorstellen, dass er dem Hörgeschmack zahlreicher Musikhörer perfekt entspricht.
Für mich ist der Oppo eindeutig ein Gerät, dass man zuhause oder an einem ruhigen Ort nutzt.
Hifiman HE400i: Das grosse Reich der Mitte
Ein reichhaltiges Gericht von einem KopfhörerHersteller aus China gehen oft in die Vollen, um zu beweisen, dass sie es auch können. Sie sparen nicht mit auffälligen Merkmalen, und Understatement ist ein Fremdwort. Der HE400i sieht aus wie ein zig mal teurerer Stax-Elektrostat und macht richtig Eindruck.
Der offene planar-magnetische Kopfhörer von Hifiman ist trotz 35 Ohm Impedanz deutlich weniger laut als seine Mitstreiter und lässt sich daher vor allem mit mobilen Geräten auch nicht ganz so laut spielen. Man sieht ihm allerdings an, dass seine Verwendung unterwegs an einem iPhone auch nicht seine bevorzugte Disziplin sein dürfte.
Ausstattung und Komfort
Der grösste Kopfhörer des Tests besteht aus sehr grosse Hörschalen mit rückseitiger Perforation, durch die man auf die grossflächige Membrane blickt. Der Stahlbügel wirkt etwas rudimentär, ist aber völlig funktional. Die Grösseneinstellung erfolgt über das verstellbare Kopfband aus Kunstleder.
Der Hifiman sitzt superbequem und kann lange getragen werden. Er kommt zu Ihnen in einer opulenten Kassette mit Kunstlederbezug. Darin kann man ihn säuberlich aufbewahren und wenn man damit auf die Reise geht, dann muss man das schon fast als Gepäckstück deklarieren.
Das hochwertige Stoffkabel ist mit verschraubbaren Anschlüssen ausgestattet. Man legt wert auf einen guten Kontakt.
Hörerlebnis
Das ist ein grosser Klang, um es gleich vorweg zu nehmen. Das Klanggeschehen ist hoch differenziert mit grosser Dynamik und bringt eine Auflösung, welche die komplexen Strukturen grosser orchestraler Klangkörper voll auf den Punkt bringt.
Der Tiefton ist sehr offen, luftig, tief herabreichend und akzentfrei. Violinen und Celli sind authentisch ohne Übertreibung dargestellt und der Hochton im Besonderen übertreibt nie und nimmer. Der Klangcharakter jedes Instruments wird zugleich mit dem grossen Ganzen in Proportion dargestellt.
Die Raumabbildung ist gross und vermittelt ein seltenes Gefühl von Weite. Stimmen sind nicht ganz so präsent wie zum Beispiel beim KEF aber sie gliedern sich perfekt harmonisch ein, als würden sie dem Ganzen mehr dienen als sich selbst.
Der Hersteller aus China ist keine verlängerte Werkbank von irgendwem oder ein OEM einer bekannten Marke. Die entwickeln Ihre Produkte selbst, und sie wissen, was sie tun.
Der Hifiman eignet sich nicht sonderlich für den mobilen Einsatz. Auch die vergleichsweise geringere Empfindlichkeit ist nicht optimal für mobile Quellen.
Focal Spirit One Classic
Ein eleganter Kopfhörer von FocalDer Spirit One Classic von Focal ist als geschlossener, dynamischer over-ear Kopfhörer etwas knapp bemessen (für meine Ohren) und fühlt sich ein wenig "on-ear" an. 32 Ohm Impedanz sind auch hier Standard.
Ausstattung und Komfort
Der Focal ist sehr schön verarbeitet und geht farblich dezent ins Obergine. Er trägt sich bequem und sitzt fest am Schädel (meiner ist eher gross und daher sitzt er etwas zu fest). Die Grösse lässt sich mit feiner Rasterung verstellen. Der Classic ist eher leicht gebaut, und die Ohrschalen lassen sich nach innen klappen.
Der Classic wird in einer praktischen Box geliefert. Der Lieferumfang umfasst zwei Anschlusskabel: ein langes und massives für zuhause und ein kurzes, leichtes für unterwegs. Die Kabel überzeugen mit sorgfältiger Verarbeitung.
Hörerlebnis
Der Klangchrakter ist insgesamt "smooth" und eher dunkel geprägt. Es stellt sich eine warme Atmosphäre ein, die Langzeithören favorisiert. Man könnte sagen, er klingt "voll", und damit liegt er auch im Trend.
Der Tiefton überzeugt mit einer leichten Tendenz, etwas zu wuchtig aufzutragen. Das ist abhängig von der Aufnahme und ist dennoch recht ausgeglichen. Die Hochtonwiedergabe ist sehr ausgewogen und vermag das Klanggeschehen gut zu differenzieren. Die räumliche Abbildung wirkt etwas kleinräumiger als bei anderen Kopfhörern im Test, bewirkt aber lediglich, dass die Akteure ein wenig näher zusammenstehen.
Man mag diese Tendenz zur Unauffälligkeit positiv in Richtung des ermüdungsfreien Hörens interpretieren. Bei einem Kopfhörer-Test hört man nicht stundenlang, wodurch solche Vorzüge unterbewertet bleiben.
Der Focal ist ein Allrounder, auch gut für unterwegs.

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