Unter anderem steht der englische Begriff «Exposure» für Enthüllung. Entgegen meiner Erwartung zu einem klassischen, britischen Verstärker trifft dieser Begriff klanglich den Nagel auf den Kopf. Keine Spur von behäbigem oder leicht verdecktem Klang. Auch den Begriff «Belichtung» liefert die Übersetzung. Unterbelichtet oder dunkel klingt der 3510 eindeutig nicht.
Traditionelles Understatement
Das Erscheinungsbild des Exposure 3510 darf man ruhig als traditionell oder gar konservativ bezeichnen. Den Wettlauf um visuelle Trends scheinen die Briten gelassen den Mitbewerbern zu überlassen. Optisch also genau richtig für jeden, der seinen Wohnraum mit gezielt aufeinander abgestimmten Accessoires gestalten möchte, anstatt von prächtigen HiFi-Trutzburgen dominieren zu lassen. Klassisches Design ist zwar nicht sonderlich aufregend oder innovativ, dafür aber schlicht und vor allem zeitlos.
Das überschaubare Sortiment sowie die gemütliche Modellpflege zeigen klar, dass die Entwicklungen von Exposure nicht primär marketinggetrieben, sondern vielmehr evolutionär gestaltet ist. Das schlichte Design hat dabei nicht nur Symbolwirkung, sondern stellt auch die notwendige Basis dafür dar. Denn die tatsächlichen technischen Fortschritte fallen in der Regel nicht so rasant und unstetig aus, wie die gestaltungstechnischen Trends.
Gut bedient ist, wer sich durch Innovationsversprechen nicht hetzen lässt, sondern sich unabhängig davon mit dem, was vorhanden ist, auseinandersetzt. Den tatsächlich beeindruckenden Entwicklungen im digitalen Bereich wird mit der Modularität des optionalen DAC effizient Rechnung getragen. Ich finde, das macht Sinn – auch unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit.
Kurzinterview mit Tony Brady
Am besten weiss sicherlich der Hersteller selbst, warum was wie getan wird. Mich freut es, dass ich mit Tony Brady, dem Entwickler des Vollverstärkers, ein kurzes Interview führen durfte, um den Leserinnen und Lesern einen exklusiven Einblick zu gewähren.
Die Entwicklung einer elektronischen Schaltung ist immer mit bestimmten Zielen verbunden. Welches sind Ihrer Meinung nach einige der wichtigsten Ziele, die mit der Entwicklung des Vollverstärkers 3510 verfolgt wurden?
Der 3510 ist eine Weiterentwicklung des 3010S2 D und auch der vorangegangenen Verstärker dieser Serie. Also eher eine Evolution als eine Revolution. Generell wurden die Vorstufe und die Endstufe verbessert. Es gibt viele wichtige Dinge, aber die Grundlagen müssen stimmen. Das Netzteil muss gross genug sein, um die Endstufe ohne zu viel Spannungszusammenbruch zu versorgen und um genug Antrieb zu haben, die Lautsprecher gut anzusteuern. Der ganze Verstärker muss zudem offen sein, ohne dabei hell zu klingen.
Bei der Verfolgung von Zielen gibt es immer Herausforderungen und Grenzen. Welche Aspekte fallen Ihnen aus Sicht eines Entwicklers spontan ein?
Eine gute Ansteuerung des Lautsprechers und ein gut kontrollierter Frequenzgang, so dass der Verstärker neutral klingt und nicht durch äussere Störungen beeinflusst wird, die den Klang direkt oder indirekt beeinflussen können.
Jeder Entwickler und Hersteller verfolgt eine bestimmte Philosophie. Welche klanglichen Eigenschaften des Vollverstärkers 3510 waren bei der Entwicklung besonders wichtig?
Transparenz
Heutzutage enthält bereits jedes Smart Device einen Digital/Analog-Wandler. Wie unterscheidet sich der integrierte DAC des 3510 aus technischer Sicht von solchen einfachen Lösungen?
Wir verwenden einen hochwertigen DAC-Chip sowie eine Ausgangsstufe und eine eigene Stromversorgung. Smart Devices haben diesen Luxus mit der niedrigen Batteriespannung und den Class-D-Ausgangsstufen nicht. Wir haben viel mehr Strom und Headroom zur Verfügung.
Ausstattung und Bedienung
Als Bedienelemente am Verstärker gibt es lediglich den ON/OFF-Schalter (kein Standby-Betrieb), einen Drehknopf für die Lautstärkekontrolle und einen für die Quellenwahl. Das kreisrunde, schwarze Fensterchen für den Infrarot-Empfänger und die Öffnung der Kopfhörerbuchse wirken bei der silbrigen Version etwas aufgesetzt. In Schwarz fallen diese jedoch kaum auf.
Ist der Verstärker eingeschaltet, leuchten bei der silbrigen Version drei blaue LEDs (bei der schwarzen sind es rote LEDs). Eine LED dient zur Signalisation des Betriebszustandes und eine zweite markiert die gewählte Quelle. Auf dem Volume-Drehknopf sitzt nochmals eine, um auch aus der Ferne die Lautstärkestellung gut erkennen zu können. Die LEDs leuchten kräftig und sind nicht dimmbar. Da ich sehr gerne bei Dunkelheit Musik höre, würde ich mir wünschen, dass beispielsweise die Display-Taste auf der Fernbedienung, zur Helligkeitsreduktion verwendet werden könnte.
Die Verarbeitung des Gehäuses ist solide und wertig. Schnörkel oder Bling-Bling sucht man vergebens. Der Eingangswahlschalter und der Volumenregler sind aus dem Vollen gefräste Aluminiumelemente mit geschliffener Oberfläche, also keine dünnen Aluminiumhüllen, die auf einem Kunststoffpfropfen sitzen, wie man es oft antrifft. Haptisch fühlen sich die Drehknöpfe ungemein leichtgängig an.
Die RCA-Buchsen aller Ein- und Ausgänge sind von hoher Qualität und liegen über dem Klassendurchschnitt. Der BNC-Anschluss für den koaxialen S/PDIF-Eingang des optionalen DAC ist mit seinem Wellenwiderstand von 75 Ohm ausnahmsweise korrekt ausgelegt. Dies vernachlässigen die meisten Hersteller, indem sie dafür RCA-Buchsen verwenden, deren Wellenwiderstand fast immer von 75 Ohm abweicht.
Inwiefern dies generell die Signalintegrität beeinflusst, sei mal dahingestellt. Nicht selten wird die Verwendung der BNC-Buchse zum Einsatz eines koaxialen Cinch-Kabels in der Kombination mit einem RCA-BNC-Adapter führen. Damit ist die korrekte Signalführung über den 75-Ohm-Pfad nicht mehr gegeben. Auch wenn dies also mehrheitlich zu nicht ganz konsequenten Verbindungen führen wird, bietet es eine saubere Grundlage, für all diejenigen, die korrekt verbinden wollen.
Standardmässig stehen sechs Hochpegel-Ein- und drei-Ausgänge zur Verfügung. Der AV-Eingang ist für die Verwendung als Endstufe im Homecinema gedacht. Dabei wird mit der vollen Verstärkung und ohne Lautstärkekontrolle ausgesteuert.
Nebst dem Tape-Out stehen noch zwei Pre-Outs zur Verfügung, womit der Vollverstärker auch als Vorstufe verwendet werden kann und dennoch zwei Subwoofer angesteuert werden können. Optional dient der AUX1-Input als Dock für den Plattenspieler und steht dann nicht mehr als Hochpegel-Eingang zur Verfügung.
An der Front steht eine 6,3-mm-Klinkenbuchse für einen Kopfhörer zur Verfügung. Mit einer Ausgangsimpedanz von unter 12 Ohm ist der Kopfhörerausgang in der Lage 4,8 Vrms an 33 Ohm und bis zu 7 Vrms an 330 Ohm zu liefern. Somit ist der Headphone-Out für eine breite Auswahl an Kopfhörern ausgerüstet.
Für den Anschluss der Lautsprecher stehen für links und rechts jeweils zwei 4-mm-Laborbuchsen-Paare zur Verfügung. Schaltbar sind diese nicht und bieten sich somit ausschliesslich für eine Bi-Wiring-Verbindung an – also die Verbindung mit einem Lautsprecherkabel für den Tiefton und einem zweiten Kabel für den Mittel-/Hochton. Die Verwendung der Laborbuchsen halte ich für einen mutigen Entscheid. Gefallen wird dies nicht jedem, weil dadurch beispielsweise Kabel mit Gabelschuhen (Spades) nicht verwendet werden können. Litzen oder Drähte lassen sich damit nicht ohne Stecker verwenden.
Rückansicht mit RCA- und Lautsprecher-Anschlüssen (ohne optionales DAC-Modul).Das DAC-Modul sowie ein Phono-Board (entweder MC oder MM) sind optional erhältlich. Dabei ist nur eines davon unterzubringen, weshalb man sich im Fall der Fälle entscheiden muss, was ausgelagert werden soll. Das DAC-Board kostet 660 CHF und ein Phono-Modul ist mit 440 CHF zu berappen. Beide Phono-Module können wie üblich auf die Tonzelle abgestimmt werden. In meinem Testexemplar ist der DAC bereits integriert. Den aufgerufenen Preis dafür erachte ich, gemessen am Klang, als sehr fair. Einerseits kosten externe DACs schnell einmal deutlich mehr, und zudem muss sich der integrierte DAC klanglich auch vor dreimal so teuren externen Lösungen keinesfalls fürchten.
Im Vollverstärker 3510 ist ein lineares Netzteil verbaut, was man beim Heben an seinem ordentlichen Gewicht – vor allem auf der linken Seite – feststellt. Ganz links ist der Trafo montiert. Dieser wird durch den Kühlkörper der Leistungstransistoren auf der ganzen Breite von den elektronischen Schaltkreisen abgeschirmt.
Im Normalbetrieb wird der Verstärker gut handwarm. Das ist, wie bereits einleitend angetönt, äusserst praktisch für die Unterbringung in einer Nische oder in einem geschlossenen Schränkchen. Die Leistungsangaben der Endstufe liegen bei zweimal 110 W Dauerleistung an 8 Ohm und etwa dem Doppelten an einer Impedanz von 4 Ohm. Beides sind eher konservative Angaben, was unabhängige Messungen ergeben haben.
Fernbedienung zum Vollverstärker 3510.Die Haptik der Fernbedienung geht in Ordnung und das Design zeigt sich schlicht und einfach. Die Anordnung der Volume-Tasten weicht von der üblichen Anordnung dieser beiden Tasten ab. Mehrheitlich sind sie direkt nebeneinander platziert. Hier liegen sie etwas abgesetzt vom Rest. Nach einer kurzen Gewöhnungsphase gelingt es leicht, blind die richtige Taste zu treffen. Gut daran ist, dass diese Anordnung einer Verwechslung mit den Tasten zur Eingangswahl vorgebeugt. Leider musste ich feststellen, dass die Bedienung unseres AV-Receivers, zumindest bei der Lautstärkeänderung, auch den entsprechenden Drehknopf des 3510 in Bewegung setzte. Das kann Zufall sein, gemäss Exposure benutze man eigenständige Philips RC-Codes, aber ich würde im praktischen Einsatz überprüfen, ob er allenfalls auf eine andere hauseigene Fernbedienung reagiert, um lautstarken Überraschungen vorzubeugen.
Der optionale integrierte DAC kann über USB oder S/PDIF (Coax) angesteuert werden. Bei dessen Verwendung stellt man fest, dass beim Umschalten zwischen Stücken mit unterschiedlicher Wandlungsrate ein sehr kurzes Rauschen ertönt. Da ich selber DACs entwickle und baue, ist mir diese Problematik bekannt. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Mich persönlich stört dies nicht sonderlich, da ich weiss, dass die Ursache kein Defekt oder Fehler ist. Beruhigend ist in jedem Fall, dass die Intensität dieses Rauschens unabhängig von der Lautstärkestellung zu sein scheint. Somit ist es beim leisen Musikhören und bei häufigem Albumwechsel möglicherweise etwas störend, gefährdet aber die Lautsprecher auch bei hoher Lautstärke nicht.
Höreindrücke
Ich habe vorwiegend an meinen Lautsprechern, den Audio Note AN-E SEC, Musik gehört. Wie bereits erwähnt, benötigen diese bei weitem nicht die verfügbare Leistung und Kontrolle. Jedoch decken sie meiner Erfahrung nach allfällige klangliche Eigenheiten in der Wiedergabekette durchaus akribisch auf. Mit diesen Lautsprechern bin ich jedenfalls sehr vertraut – und wer es nicht erlebt hat, würde es kaum für möglich halten, wie akkurat meine Audio-Note-Kette selbst im direkten Vergleich mit meiner Strauss-Elektroakustik-Kette spielten. Alternativ habe ich die klanglichen Fähigkeiten des Exposure noch auf meinen Living Voice Auditorium II erkundet.
Die klanglichen Ausprägungen des Vollverstärkers Exposure 3510 habe ich in erster Linie mit dem integrierten DAC erkundet. Um die Qualität der Vorstufe zu erkunden, habe ich verschiedene DACs aus meinem Fundus verglichen. Die Vorstufe ist äusserst transparent und lässt die oftmals eher subtilen Unterschiede zwischen diesen Quellgeräten sehr gut ausmachen. Der integrierte DAC gefiel mir auf Anhieb so gut, dass seine externen und teilweise viel teureren Rivalen für sämtliche der folgenden Höreindrücke ausgeschaltet blieben.
Im ersten Moment fiel mir vor allem auf, dass ich den Bass nicht nur als sauber konturiert, sondern auch als flüssig und gut integriert empfand. Die Detailzeichnung im Hochtonbereich zeigte sich für mich in ähnlicher Weise, was mich zum Schluss kommen liess, dass der Exposure ein gutes Gespür für diese wichtige Balance hat.
Mit «einfacher» Kost und dem Titel «The Feels» aus dem Album «Ends & Begins» von Labrinth beginne ich mich konzentriert hineinzuhören. Die sphärischen Klänge zu Beginn des Tracks kommen involvierend und umhüllend daher. Die Tiefton-Läufe werden mit viel Druck und Spannung präsentiert. Unangestrengt, seidig und klar sowie mit einnehmendem Fluss schweifen die Klänge des Stücks im Raum umher.
Deutlich anspruchsvoller geht es mit dem Stück «Summertimes» aus dem Album «True Ballads» des Archie Shepp Quartets weiter. Tonal ausgewogen sowie mit Feinsinn und wohldosiertem Biss gelingt eine durchaus authentische Darstellung. Die Beckenarbeit und die Anblasgeräusche werden natürlich wiedergegeben. Auch wenn die Unmittelbarkeit für mein Empfinden nicht ganz an die eines guten «Non-oversampling-Wandlers» herankommt. Gemessen an den unzähligen DACs, die ich besass, würde ich die Natürlichkeit des 3510 klar zu den Besseren zählen.
Als Nächstes wähle ich aus meinen Qobuz-Favoriten die Klavierkonzerte Nummer 18 und 19 (Köchelverzeichnis 456/459) von W. A. Mozart, gespielt von Mitsuko Uchida in Begleitung des Cleveland Orchestra aus. Perlend ertönen die Klavierklänge, kräftig mutet es an, wenn Mitsuko Uchida in die unteren Register greift. Frisch kommen die Einsätze des Orchesters daher und durch die angenehm flüssige Spielweise höre ich das Album unbemerkt mehr als einmal durch, bis ich mich davon losreisse und das nächste Album abspiele: nämlich das Klavierkonzert No. 9 und 21 (K. 271/467), das ich gleich bis zum Ende höre.
Vom Lied «Imagine» von John Lennon gibt es unzählige Interpretationen. Die Version von Harrison Kennedy, Jean-Jacques Milteau und Vincent Ségal aus dem Album «CrossBorder Blues» gefällt mir besonders gut. Die Mundharmonika spielt für mich dabei eine wichtige Rolle. Diese wird vibrierend und mit Verve wiedergegeben. Gefühlsmässig eher einen Ticken auf der sehnigen als auf der schwelgerischen, fleischigen Seite.
Klanglich macht für mich der 3510 seine Harmonie, gepaart mit seiner Klarheit und Spielfreude aus. Kontrolle, Fluss, Feinsinn und Attacke – alles ist in ausgewogenem Masse vorhanden und nichts davon ist dominant. Die räumliche Darstellung gelingt in Tiefe und Breite glaubwürdig, die Separierung von Instrumenten wirkt authentisch und die Präsentation ist weder zu aufdringlich, noch distanziert.
Tonal zeigt er sich sehr ausgewogen und langzeittauglich. Im Bass wird ordentlich Druck und Kontur geboten, ohne dabei mit übertrieben dicken Muskeln oder etwa mit unästhetischen, stahlharten Sehnen und Adern angeben zu wollen. In den Höhen spielt er klar und aufgelöst, neigt aber nicht zum peniblen Sezieren. Insgesamt klingt die Musik über den 3510 ausgewogen und schlüssig, aber dennoch durchaus einnehmend.
Fazit
Der Vollverstärker Exposure 3510 in Platin.Bodenständig und unaufgeregt – so mutet der Vollverstärker Exposure 3510 an. Optisch wie auch klanglich, wobei eine Spielfreude hinzukommt, die man aufgrund seines Äusseren nicht unbedingt erwarten würde. Wenn auch äusserlich konservativ, ist klanglich und konzeptionell wenig Altbackenes an diesem Verstärker.
Der 3510 spielt mit einer hohen Transparenz, vernachlässigt dabei nicht den Spielfluss und liefert insgesamt eine bemerkenswert ausgewogene Vorstellung. Die Ausstattung erfüllt einige Wünsche und die Bedienung fällt intuitiv aus. Dass nur eines der drei optionalen Module (DAC, Phono MC oder Phono MM) verbaut werden kann, ist ein kleiner Wermutstropfen. Dass der Vollverstärker 3510 auch von anderen gängigen Geräte-Fernbedienungen Befehle annimmt, ist suboptimal. Der Exposure bietet dem anspruchsvollen Musikhörer einen hohen Gegenwert und wirkt insgesamt entschleunigend. Beständigkeit, hoher Transparenz und überzeugenden Qualitäten sei Dank!

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