26. April 2019 | seit 1999
TESTBERICHT
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Beeindruckender Klang

Die Manger p2 gehören nicht zu der Kategorie Lautsprecher, an deren Klangcharakter man sich erst nach und nach annähern muss. Sie beeindruckt auf Anhieb mit einer herrlich dynamischen Gangart mit präziser, akkurater Ansprache. So hat sie überhaupt keine Mühe, klassisches Piano authentisch vorstellbar in den Hörraum zu zaubern. Dabei agiert sie ausgesprochen breitbandig und reproduziert hohe wie tiefe Lagen mit der gleichen Intensität. Die Klangbalance dieses Lautsprechers ist absolut fantastisch, was aber auch damit zusammenhängt, dass der räumliche Eindruck des Musikgeschehens bei jeder musikalischen Kost gleichermassen hervorragend ist.

Zweifellos muss hier wieder mal das Klischee «klingt wie aus einem Guss» bemüht werden, dem die Manger sozusagen zu 150 Prozent gerecht wird. Dies ist insofern bemerkenswert, als der Bass dem impulsschnellen Mittelhochtonbereich nicht hörbar hinterherhinkt. Tonal setzt sich die p2 ebenfalls sehr ausgeglichen in Szene; Verfärbungen sind kein Thema. Für einmal haben wir es mit einem Lautsprecher zu tun, der Musik auch ohne ausgeprägte «Obertonlichter» absolut authentisch und ohne artifiziellen Beigeschmack wiedergibt.

Die grosse Stärke der Manger p2 ist ihre «Ansprache». Jede Musikart profitiert von der schlackenlosen Gangart, mit der sie Musik ansatzlos und ohne jegliche Anstrengung in den Hörraum zaubert. Auffällig und fast schon einzigartig ist, dass dieser mühelose Klangcharakter bei jedem vernünftigen Pegel erhalten bleibt. Die p2 gehört zu den wenigen Lautsprechern, mit denen man genauso gern leise, in Zimmerlautstärke oder auch laut hören mag. So war es für einmal schwer, die «richtige» Abhörlautstärke beim Hörtest zu bestimmen. Dreht man am Pegelsteller, so macht die Manger immer noch genauso viel Spass. So wird auch sinfonische Musik zum Hochgenuss, denn bei Fortissimo-Stellen behält die Manger mühelos den Überblick.

Zudem hat die p2 etwas dagegen, das vom Tester gewohnte Hörtestprogramm zügig abzuspulen. Sie gehört nämlich zu der seltenen Spezies an Schallwandlern, die auch abgebrühte Hörer noch zu packen wissen. So ertappt man sich dabei, dass man selbst altbekannte Titel gerne zu Ende hört. Tatsächlich erwachen legendäre Aufnahmen (wie etwa «Monty Alexander Live in Montreux» oder «Cantate Dominus» vom Label Proprius) dermassen intensiv zu neuem Leben, dass man sich über die Schranken der Zeit hinweg live dabei wähnt.

Zweifellos ist p2 so etwas wie ein «Stimmenwunder». Bei Vokalmusik jedweder Provenienz punktet sie mit wunderbarem Timbre und präziser Ortbarkeit der Sänger. Bei Kammermusik beweist sie viel Gespür für den intimen Rahmen der Darbietung und generiert wunderbare Klangfarben. Auch beeindruckt, wie räumlich aufgefächert und dennoch verbunden kleine Ensembles aufspielen. 

Mit schier ungebremster Spielfreude und viel Swing widmet sich die p2 akustischem Jazz. Auch hier verführt ihre überlegene Abbildungstreue den Hörer unschwer zur Illusion, live dabei zu sein. Gezupfter Kontrabass klingt bis in tiefe Lagen sehr konturiert. Irgendwelches Aufblähen oder gar Dröhnen im Bass ist der p2 völlig fremd. Bei wandferner Aufstellung mag der eine oder andere Hörer etwas Druck im Tiefbass vermissen, der Autor bevorzugt hingegen die schlanke, impulsschnelle Tieftonabstimmung, die auch eine wandnahe Aufstellung zulässt.

Zu guter Letzt durfte die p2 beim berüchtigten «Boxenkiller»-Track beweisen, ob sie wirklich pegelfest ist. Tatsächlich meistert das spezielle Tieftonsystem die Bassattacken bis zu beachtlichen Pegeln klaglos. Freilich wird man mit der p2 solche Lautstärken kaum je fahren müssen, klingt sie doch schon bei zivilen Pegeln sehr vital und raumfüllend.

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