Die überarbeitete nuVero110 von NubertDie Test-Begierde wurde gleich dreifach geweckt. Zum einen kündigte Nubert eine Revision der erfolgreichen nuVero-Serie an. Da fragte man sich als Tester schon, was um Himmels willen an diesen technisch scheinbar ausgereizten Lautsprechern noch zu verbessern sei. Noch mehr Fragezeichen machten Insider freilich hinter die komplett neuen Produkte aus der deutschen Manufaktur im beschaulichen Schwäbisch Gmünd, die seit Jahrzehnten mit ihrem Direktversand-Konzept den Lautsprecher-Händlern dieser Welt das Leben schwer macht.
Auf der Messe High End in München präsentierten die Schwaben eine Vor-Endverstärker-Kombination. Aber nicht einfach irgendwelche, auf dem Weltmarkt zugekaufte Verstärker, sondern selbst entwickelte wahre Wunder-Amps nach dem, was ihre Datenblätter versprachen. Und Nubert-typisch wieder echte Preis-Helden nach dem, was auf den Etiketten stand.
Also bat avguide.ch gleich ein komplettes Trio zum Test: die umgerechnet rund 2100 Franken teure Vorstufe nuControl, die Stereo-Endstufe nuPower D für knapp 2650 Franken und ein etwa 3170 Franken teures Paar der schlanken Standlautsprecher nuVero 110, Nachfolger der bestens beleumundeten nuVero 11.
Der Vorverstärker
nuControl Vorverstärker und Klangmanager mit integriertem AD/DA-WandlerFür die Verstärker im Nubert-Portfolio zeichnet massgeblich Markus Pedal verantwortlich, seit sechs Jahren im Entwickler-Team um Senior-Chef Günther Nubert und die beiden Lautsprecher-Cracks Thomas Bien und Christoph Meiler. Der nuControl basiert auf dem früheren Nubert-Projekt „DXD-Modul“. Das sollte neben einer praxisgerechten und kundenfreundlichen Klangregelung auch in Subwoofer-Satelliten-Kombinationen mit zwei Subwoofern (double bass array) die gefürchteten Raummoden effektiv beherrschen und die Impulswiedergabe optimieren.
Kurzerhand implementierten Pedal, Günther Nubert und ein externer Programmierer das Konzept nun in einen ausgewachsenen Vorverstärker. Dazu gilt es, nicht nur einen leistungsfähigen Digitalen Signal Prozessor (DSP), in diesem Fall eine 32-Bit-Einheit von Freescale, entsprechend zu programmieren. Sondern auch die eingehenden Analog-Signale – ihnen stehen drei Cinch- und ein symmetrisches XLR-Buchsenpärchen zur Verfügung – zu digitalisieren.
Das erledigt der Texas Instruments PCM 4220. Heikles Thema in der digitalen Ebene ist die Lautstärkeregelung, die im nuControl hinter der DSP-Einheit agiert. Mit dem Cirrus Logic CS3318 will Pedal die üblichen Nachteile wie Dynamikverlust und Rauschzuwachs vermeiden.
Die Anpassungs- und Justagemöglichkeiten des nuControl sind Legion: von dem angeprochenen double bass array über Mehrkanal-Einbindungen oder Laufzeit-Korrekturen bei unterschiedlich weit vom Hörplatz stehenden Frontlautsprechern bis hin zur Frequenzgangkorrektur mit Hilfe eines Siebenband-Equalizers sind dem Kontroll- und Spieltrieb kaum Grenzen gesetzt. Auch ohne Einmessautomatik soll vor allem im Bass eine gefällige Angleichung an die unterschiedlichsten Hörraum-Akustiken möglich sein.
In unserem Fall entscheidend: Bereits vorprogrammiert ist die Anpassung an Nubert-Lautsprecher wie die neue nuVero 110. Updates über die USB-Schnittstelle sind übrigens jederzeit möglich. Die DA-Wandlung zum Ausgang besorgt ein PCM1794, zur Endstufe geht es analog.
Den hohen Verarbeitungsstandard markieren Feinheiten wie die getrennte Stromversorgung für Analog- und Digitalsektion sowie Details wie der „Groundlift“-Schalter am Boden, der eventuell auftauchende Brummprobleme über die Erdleitungen in vielteiligen Anlagen beseitigen kann. Oder Neutrik-Buchsen für die XLR-Schnittstellen. Oder, oder, oder...
Innenleben der nuControllDie Endstufe
Die nuPower D ist eine extrem leistungsstarke Stereo-Endstufe in Class-D-TechnikDie untere Ebene des Wahlrads dient als «Drive-Schalter» für die Serienbilder- und 6K/4K-Foto-Funktionen. Zwei davon lassen sich aus den vielen Möglichkeiten auswählen und auf die beiden Serienbild-Positionen legen. Ohne Nachfokussieren sind bis zu 9 Bilder im RAW- und JPEG-Format, und mit kontinuierlichem Autofokus noch 6 Bilder pro Sekunde möglich. Wer es schneller braucht, wählt die 6K/4K-Fotoaufnahme. Sie erstellt mit bis zu 30 Bildern pro Sekunde eine Videosequenz, aus der dann Einzelbilder mit 18 oder 8 Millionen Pixel extrahiert werden. Jedoch nur im JPEG-Format.
Besonders interessant wird 6K/4K-Foto zusammen mit der Pre-Burst-Aufnahme. Damit verpasst man keinen entscheidenden Moment mehr. Bei Pre-Burst beginnt die Aufnahme bereits eine Sekunde vorher, bevor der Auslöser vollständig heruntergedrückt wird.
Die Post-Fokus-Funktion hat die Lumix S1R ebenfalls von den Micro-FourThirds-Modellen geerbt. Hier werden Serienbilder in der gleichen Bildqualität wie 6K/4K-Fotos aufgenommen, während automatisch auf verschiedene Bereiche scharfgestellt wird.
Nach der Aufnahme wird ein Foto mit dem gewünschten Schärfebereich ausgewählt und als JPEG-Bild gespeichert. Oder die Fokuspunkte werden miteinander verrechnet. Produktefotos oder Makroaufnahmen können so im Nachhinein von vorne bis hinten geschärft werden. Die Post-Fokus-Funktion eignet sich am besten für unbewegte Motive. Idealerweise fixiert man die Kamera dabei auf einem Stativ.
Die beiden letzten Einrastungen des Drive-Schalters gehören dem Selbstauslöser und den Zeitraffer- oder Stop-Motion-Aufnahmen. Selbstverständlich beherrscht die S1R auch das normale Bracketing. Es sind automatische Belichtungsreihen mit unterschiedlichen Werten für Helligkeit, Weissabgleich, Fokus und Blende möglich.
Videos können mit der separaten Videotaste auch im Foto-Modus gestartet werden. Die Belichtung erfolgt dann entweder automatisch oder nach den PASM-Foto-Einstellungen. Erst im kreativen Filmmodus sind ein kompletter manueller Betrieb und weitere Video-Effekte möglich. So lässt sich bestimmen, ob die Foto-Einstellungen auch für Video übernommen oder einzeln konfiguriert werden.
Beim Filmen gibt es einen zuschaltbaren elektronischen Bildstabilisator (I.S.). Er ist meistens nicht nötig, da der Stabilisator im Gehäuse gemeinsam mit dem Objektivstabilisator schon für genügend Ruhe sorgt und er bloss den Blickwinkel schmälert.
In der Praxis funktioniert das kombinierte Stabilisierungssystem der S1R ausgezeichnet. Es lassen sich auch längere Freihandaufnahmen unverwackelt aufnehmen. Gut, das Kameragewicht trägt auch noch einiges dazu bei. Wer übrigens wissen möchte, ob er endgültig mit Trinken und Rauchen aufhören sollte, kann sich sein Zittern auf einer I.S.-Status-Anzeige mit einer grafischen Interpretation der Vibrationen anzeigen lassen.
Mit der sehr nahe am Sucher platzierten leichtgängigen Videotaste hatte ich etwas Mühe. Beim Filmen durch den Sucher musste ich die Kamera meist vom Auge nehmen, damit ich sie noch sicher halten konnte, um mit dem weit gestreckten rechten Daumen die Taste zu erreichen. Einige Male habe ich trotzdem «gefilmt» ohne aufzunehmen, dafür lief sie dann zwischen den «gewollten» Aufnahmen weiter. Mit herrlichen Ansichten von Kies, Bodenplatten, Gras und Füssen.
Schliesslich entdeckte ich die Möglichkeit, eine andere Taste als Videotaste zu belegen, oder noch einfacher, Videoaufnahmen per Smartphone zu starten. Danach ging einiges besser.
Die Lautsprecher
Der Autor hielt schon die nuVero 11 für einen ausgezeichneten Lautsprecher, der mit das Optimum fürs Geld liefert. Doch Nuberts Entwicklerteam will auch ihn wie die ganze Serie „präsziser, bässer, weisser, schwärzer und edler“ gemacht haben. Nun denn, die letzten drei Adjektive kann man der hier getesteten nuVero 110 ja schon beim Ansehen durchaus zugestehen. Das „Kristallweiss“ oder das „Diamantschwarz“ der neuen Schallwände wirkt tatsächlich edler als das schnöde Weiss oder Schwarz der Vorgängerin.
Die schicken, gerundeten Fronten – bei Nubert „Klangsegel“ getauft – sind fast zu schade, mit den beiliegenden Lochgittern (Grills) zwar geschützt, aber auch irgendwie verunschönt zu werden. In unserem Test blieben sie in den stabilen Verpackungen. Der Anblick der „schielenden“, also asymmetrisch eingebauten Hoch- und Mitteltöner störte überhaupt nicht. Die Montage der höhenverstellbaren Füsse ging völlig problemlos vonstatten, wenn man einmal von dem erheblichen Gewicht absieht, das es da jeweils zu wuchten galt. Pro Box fast 30 Kilogramm sprechen für erheblichen Aufwand beim Gehäuse.
In dessen Inneren sich auch die wichtigsten Neuerungen abspielen. Der Hochtöner, eine 26 Millimeter-Seidenkalotte aus Dänemark, soll noch mehr Transparenz und verbessertes Rundstrahlverhalten an den Tag legen. Die beiden über und unter ihm angeordneten Mitteltöner sollen über ihre 52 Millimeter-Flachmembranen besonders homogen anschliessen und besonders feine Auflösung in diesem entscheidenden Frequenzsegment bringen. Für Fachleute: Es handelt sich um BMR-Chassis, Balanced Mode Radiator, im Prinzip ein Biegewellenstrahler. Den Bass verteilen Christoph Meiler und Thomas Bien auf drei fünf Zoll-Tieftöner, auch diese neue Treiber.
Die Entwickler sprechen von einem „harten Stück Arbeit, sie so zu adaptieren, zu optimieren und anzusteuern, dass sie sich perfekt in die Konstruktion einfügen“. Das Ergebnis hat zwar alle überzeugt, doch lässt man dem Kunden eine Reihe von Möglichkeiten, den Lautsprecher-Frequenzgang dem eigenen Raum und dem eigenen Geschmack anzupassen.
Den Bass kann er wählen zwischen „neutral“ und „reduziert“ (empfehlenswert in kleinen Räumen und wandnaher Aufstellung), die Mitten zwischen „prägnant“ (gut bei stark bedämpfter Umgebung) und „neutral“, die Höhen zwischen „brillant“, „neutral“ und „sanft“. Das alles am beruhigend stabilen Bi-Wiring-Terminal. Bei dem übrigens nicht billige Blechbrücken, sondern dicke Kupferlitze im „Single“-Betrieb die Verbindung zwischen Tief- und Hochmittelton-Anschluss herstellt.
Der Hörtest
Mit rosa Rauschen wurden alle Komponenten vor dem Hörtest über Nacht warm gelaufen.Zum Test liefen sich alle Komponenten erst mal mit rosa Rauschen über Nacht warm. Nicht heiss, denn beide Verstärkerkomponenten wurden allenfalls handwarm. Die bestens eingeschwungenen Membranen – alle durch die Bank „neutral“ und zunächst mit ausgeschaltetem Equalizer im nuControl angesteuert – machten von Beginn an klar, dass hier eine Top-Kombi aufspielte.
Das „Prüfprogramm“ des Autors, beginnend mit Mono-Stimmaufnahmen, Klaviermusik, kleinbesetzter Kammermusik und Folk-Ensembles bis hin zu diffizilen Konzert-Mitschnitten und krachendem Rock, absolvierten alle drei kurz auch einzeln – ohne auch nur die geringste Beanstandung. Jedenfalls, was übliche Kriterien wie Neutralität, stabile Raumabbildung, saubere Klangfarben oder unerschütterliche Dynamik anging.
Allenfalls im direkten Vergleich mit dem – zugegeben fast fünfmal so teuren – Röhrenequipment des Autors offenbarten sich Unterschiede bei Feindynamik, Farbnuancen, Glanz oder Autorität im Klanggeschehen, die aber angesichts der Preisdifferenz absolut tolerierbar blieben.
Vor allem, wenn man die Teamleistung in Betracht zieht. Zwischendurch drehte der Autor auch mal sehr kräftig auf – und bis zu wirklich ohrenbetäubenden Pegeln blieb da alles sauber. Und erstaunlich souverän zeigte die Endstufe unerschütterliche Kraft, donnerten die Lautsprecher dafür um so markerschütterndere Lautstärken in den Hörraum.
Die grösste Überraschung des Tests aber kam, als die – im Menü übrigens kinderleicht zu bedienende – Anpassung des nuControl an die nuVero 110 zugeschaltet wurde. Der Klang gewann nochmals an Druck und Durchschlagskraft. Stimmen, die bis dahin manchmal etwas vorwitzig in den Vordergrund drängten, schienen zurückzuweichen, ohne auch nur einen Hauch von Präsenz abzugeben. Dabei löste sich der Klang beeindruckend von den Lautsprechern. Die Homogenität dieser Ensembleleistung übertraf auch weit teurere Zusammenstellungen, die sich schon beim Autor eingefunden hatten. Hut ab.
Das Fazit
Nicht zuletzt dank dem Direktversand ab Werk bieten die nuVero 110 Lautsprecher mit nuControll und nuPower verstärkt ein ausgezeichnetes Preis-/LeistungsverhältnisWir haben die Nubert-Kombination als Gesamtsystem im Hörraum des Autors gehört. Die Einsatz- und Spielmöglichkeiten der sehr flexiblen Vorstufe nuControl, etwa ihre Basskontrolle über zwei Subwoofer oder der Einsatz in Multikanalanlagen, konnten wir dabei nicht austesten. Aber schon das, was das Stereo-System leistete, offenbarte ein exzellentes Preis-Leistungsverhältnis.
Separat für sich begeistern die Standlautsprecher nuVero 110 mit kraftvoll-kultivierter Wiedergabe der verschiedensten Musikrichtungen, für ihren Preis zeigte sich die Stereoendstufe nuPower D sehr souverän. Im Verbund aber bringt diese Kombination weit mehr als die Summe ihrer Teile. Angesichts des Gesamtpreis von etwa 8000 Franken dürfte sie kaum zu schlagen sein.
Nubert hat seinen Ruf als Preisbrecher bestätigt – jetzt verstärkt.

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