Interdisziplinäre Weiterentwicklung
Für die Weiterentwicklung zum SL-1200GR2 waren vier interdisziplinär verzahnte Entwicklungsteams zuständig: traditionell, wie vormals auch schon, der Maschinenbau für den Antriebsmotor sowie die Servo-Ingenieure für die Motorsteuerung. Dazu gesellten sich die Spezialisten der Signalverarbeitung: Sie stammen aus einer anderen Ecke und realisierten den völlig neuen ΔΣ-Drive, basierend auf der JENO-Engine-Technologie. Das neue Schaltnetzteil des SL-1200GR2 wurde von einem auf die Stromversorgung spezialisierten Entwicklungsteam beigesteuert.
Ohne Einbezug der besten Leute aus den verschiedenen Bereichen wäre es nicht möglich gewesen, den Vorgänger GR zu perfektionieren. Die romantische Vorstellung eines kleinen «verschworenen» Entwicklungsteams für die Plattenspieler würde sich nicht als zielführend erweisen. Davon ist Frank Balzuweit, Senior Product Manager Marketing Technics Europe, voll und ganz überzeugt.
Die interdisziplinäre Entwicklung als Entscheidung gründet einerseits auf dem Vorhandensein dieser Kompetenzen in mehreren Anwendungsbereichen von Technics und Panasonic und andererseits auch auf selbst verordneten Einschränkungen, ohne die ein Plattenspieler für 2000 CHF (ohne Tonabnehmer) in grösseren Stückzahlen gar nicht herstellbar wäre. Und dazu noch ein Gerät, welches überzeugende Klangeigenschaften aufweisen soll und einer glorreichen Vergangenheit huldigt. Letzteres ist ja in gewisser Weise auch einschränkend.
Es ist sehr herausfordernd, ein Gerät bis zur Produktionsreife zu entwickeln, wenn man «nur» an der «Stellschraube Technologie» drehen kann, um klangrelevante Verbesserungen zu erzielen, ohne dass sich der Plattenspieler wesentlich von seinen Vorgängern unterscheidet. Man kann ja nicht gut auch eine Fangemeinde adressieren, indem man das Design völlig neu erfindet.
Mit den äusseren Merkmalen, die den GR2 vom GR unterscheiden, sind wir schnell durch: Der Dreh-Hauptschalter wurde mittels Metallbeschichtung wunderschön «versilbert». Auch der Skalenring der Auflagekraft am Tonarmgewicht und das Antiskating-Stellrädchen wurden silbrig veredelt. Der Gesamteindruck ist trotz dieser geringfügigen Änderung deutlich wertiger. Bei der schwarzen Version SL-1210GR2 kann man nun wirklich von «schwarz» reden. Das betrifft nun auch sämtliche Komponenten des Tonarms. Kleine Massnahmen = grosse Wirkung.
Dazu gesellt sich nun eine neu entwickelte Stromversorgung, bestehend aus einem besonders rauscharmen Schaltnetzteil und einer Regelung, die Rauschen misst und gegenphasig kompensiert. Man kann sich hier vielleicht am Konzept der Noise-Compensation der Kopfhörer festhalten, um sich die Wirkungsweise vorzustellen.
Was bringt die verbesserte Stromversorgung? Eine deutliche Verringerung des Restrauschens. Die Messresultate liegen uns vor und sie sind sehr eindrücklich über das gesamte Spektrum. Oberhalb von 1 kHz schneidet der GR2 um ca. 20 dB besser ab als der GR, so um -120 dBV anstatt -100 dBV. Die Messresultate werden nicht publiziert. Die Betriebsart und das jeweilige Land (Netzspannungen) verunmöglichen eine einheitliche Messung.
Die insgesamt verbesserten Vibrationseigenschaften des Antriebs führen zu einer genaueren – weil weniger gestörten – Abtastung und in der Folge zu einem verbesserten räumlichen Klangbild.
Bewährte Elemente
Weitere Konstruktionsmerkmale, die sich vom GR zum GR2 nicht verändert haben, sollen der guten Ordnung halber Erwähnung finden:
Der zweischichtige Plattenteller aus Alu-Druckguss mit dämpfender, schwerer Gummi-Einlage und die ausgeklügelte Konstruktion der Zarge: Die Oberseite ist vollständig in Alu-Druckguss ausgeführt und der gesamte Unterbau aus BMC – Bulk Moulding Compound – (faserverstärktes Polyester). Die hocheffektiven Dämpfungsfüsse aus Silikongummi und Polymer dämpfen sowohl vertikale als auch horizontale Vibrationen.
Sowohl das Drehmoment als auch die Bremswirkung können bei abgenommener Tellermatte durch eine der Bohrungen im Teller auf zwei Tipptasten unter dem Plattenteller bequem in drei Stufen eingestellt werden. Eine LED zeigt jeweils die Einstellung an. So kann man zum Beispiel mit unterschiedlichem Drehmoment klanglich experimentieren.

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