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Publikationsdatum
13. April 2026
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Grado Labs steht im Tonabnehmermarkt für eine Tradition, die 1953 mit Joseph Grado in Brooklyn begann. Joseph Grado gilt als Pionier der Stereo-Abtasttechnik und richtete seine Entwicklungsarbeit nicht allein an Messwerten aus, sondern an der Qualität menschlicher Stimmenwiedergabe. Alte Callas-Aufnahmen dienten ihm als Hörmassstab; nicht die Messkurve entschied, sondern ob die Sopranstimme glaubwürdig klang. Grado Labs hält über 48 Patente in der Tonabnehmerentwicklung und produziert bis heute handgefertigt am ursprünglichen Standort in Brooklyn. Inzwischen wird der Betrieb von John Grado, Neffe des Gründers, als Familienbetrieb weitergeführt.

Nun aktualisiert Grado Labs seine gesamte Tonabnehmer-Palette mit der Generation-4-Linie, die alle drei Serien umfasst: Prestige, Timbre und Lineage.

Das Herzstück aller drei Serien bleibt das patentierte Moving-Iron-Prinzip, das Grado intern als Flux-Bridger-System bezeichnet. Dabei bewegt sich ein Eisenelement zwischen zwei Dauermagneten – anstatt Magnete (Moving Magnet) oder Spule (Moving Coil). Das ergibt eine geringere effektiv bewegte Masse und höhere Compliance, was der Spurhaltung bei schwierigen Rillenprofilen zugutekommen soll.

Konkret ändern sich Spulenmaterial, Nadelschliff und Gehäusegeometrie. Alle Modelle erhalten neu Spulen aus OCC-Kupfer (Ohno Continuous Cast), das gegenüber handelsüblichem OFHC-Kupfer weniger Korngrenzen aufweist und so theoretisch sauberere Signalübertragung bieten soll.

Die Lineage-Serie – Epoch4, Aeon4 und Statement4 – wechselt von elliptischen Schliffen auf nackte Shibata-Diamanten, die eine längere Auflagefläche auf den Rillenflanken bieten und damit laut Hersteller die Spurhaltung bei hochfrequenten und stark modulierten Passagen verbessern sollen. Epoch4 und Aeon4 erhalten Saphir-Cantilever, der Statement4 nutzt gefrästen Bor. Alle Lineage-Modelle setzen auf Gehäuse aus brasilianischem Ebenholz.

Die Timbre-Serie umfasst Opus4, Platinum4, Sonata4, Master4 und Reference4 – alle mit elliptischem Schliff und OCC-Kupferspulen. Das Holz variiert je nach Modell: Osage beim Reference4 und Master4, Olivenholz bei Sonata4 und Platinum4, Ahorn beim Opus4. Der Cantilever ist bei den oberen zwei Modellen aus Bor gefertigt, bei den übrigen aus Aluminium.

Die Prestige-Serie, seit Jahrzehnten der Einstieg ins Sortiment. Bestehen bleibt der elliptischen Schliff mit Aluminium-Cantilever erhält aber ebenfalls die neuen OCC-Kupferspulen. Charakteristisch bleibt der benutzerseitig tauschbare Nadelträger ohne Werkzeug.

Die Preise beginnen ab 3500 US-Dollar für die Lineage-, ab 300 US-Dollar für die Timbre- und ab 140 US-Dollar für die Prestige-Serie. Schweizer Frankenpreise der Generation 4 sind noch nicht verfügbar. Als Orientierung dienten zuletzt der Reference3 mit 1590 Franken und der Statement3 mit rund 3490 Franken bei Nettohifi.ch. Grado-Tonabnehmer sind in der Schweiz bei Nettohifi.ch, Müller + Spring sowie HiFi Studio Sulzer erhältlich.

avguide.ch meint

Grado erneuert die Generation 4 substanziell, ohne das Grundprinzip zu verlassen. Die Modellvielfalt über drei Serien und elf Modelle ist gross – wer das Richtige finden will, kommt um ausgiebige Hörtests kaum herum. Ob die verschiedenen Holzarten klanglich wirklich differenzieren oder vor allem die Optik strukturieren, bleibt eine offene Frage.