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"Wir schlagen die Idee einer Zwangslizenz für das Internet vor, damit der Peer-to-Peer-Vertrieb legal wird und Copyright-Gesellschaften eine Abgeltung bekommen", erklärte Sarah Deutsch, Vice President von Verizon, zu der Initiative. KaZaA-Lobbyist Phil Corwin zeigte sich überzeugt, dass allein eine Gebühr von einem Dollar jährlich, die Internet-Provider für jeden ihrer User entrichten, rund zwei Mrd. Dollar pro Jahr bringen würden: "Wir sprechen hier von einer geringen Gebühr für alle Seiten, die von der Verfügbarkeit eines solchen Contents profitieren". Unklar dabei ist, ob nach diesem Vorschlag die Gebühren auch an die Abonnenten von Musikportalen weitergegeben werden sollen.
Auf wenig Begeisterung stösst das neue Modell beim Verband der US-amerikanischen Musikindustrie (RIAA). Die Präsidentin der RIAA, Hilary Rosen, bezeichnete es sogar als die "unaufrichtigste Sache", die sie je gehört habe: "Es ist einfach lächerlich". Durchaus etwas abgewinnen kann dem Vorschlag hingegen Jim Guerinot, Manager von Musikstars wie No Doubt oder Offspring und Vorstandsmitglied der Recording Artists Coaliton: "Jedes Modell, das damit beginnt, die Künstler zu bezahlen, ist es wert, näher angeschaut zu werden."
Die Musikindustrie sieht in illegalen Web-Downloads und CD-Brennern die Hauptursachen für ihre Umsatzrückgänge. Die aus rechtlichen Gründen stark eingeschränkte Mutter aller Tauschbörsen, Napster, kämpft nach dem Scheitern einer Übernahme durch Bertelsmann mit massiven finanziellen Schwierigkeiten und überlegt einen Antrag auf Gläubigerschutz. Vivendi Universal und Sony haben mit Pressplay mittlerweile ebenso ein eigenes Musikportal gegründet wie AOL Time Warner, EMI und Bertelsmann mit Musicnet. Der geschäftliche Erfolg dieser kommerziellen Nachfolger von Napster lässt indes auf sich warten.