Birth of the symphony - Handel to Haydn. Academy of Ancient Music mit Richard Egarr Dirigent & Cembalo.Die neue, weisse 12 cm-Disc schockierte die audiophilen Zuhörer anfänglich mit grellen, kalten und schrillen Klängen. Allen voran waren solche Klänge ab Produkten aus dem Hause DGG zu hören, was diesem Label in High-Fidelity-Kreisen einen denkbar schlechten Ruf einbrachte. Aber auch andere Labels brachten brandneue Digital-Aufnahmen mit nicht gerade angenehmem Klangcharakter.
Ganz allgemein sprach man vom „Digital-Klang“ und meinte damit einen unappetitlichen, grellen und sterilen Klang.
Wir wollen hier nicht über die Ursachen dieses üblen Klanges grübeln, obgleich man heute weiss, dass es nicht nur die ersten Anlog-Digital- und Digital-Analog-Wandler waren, die für den schrillen Sound verantwortlich waren, sondern auch die „neuen Klangvorstellungen“ der Produzenten und Toningenieure, die der Welt zeigen wollten, dass die CD um Welten besser klänge als die LP und vergriffen sich reihenweise mit verfehlte Abmischungen, Klangmanipulationen und und und.
So langsam aber sicher gewann die CD dann doch an Klangkultur und wurde teilweise echt anhörenswert. Doch die höher auflösenden Tonträger wie SACD und DVD-Audio zeigten es ganz klar, dass 16 Bit-Auflösungen und 44.1 kHz Samplingfrequenz nicht der Weisheit letzter Schluss waren.
Und so sind wir heute beim Hi-Resolution-Download angelangt, und inzwischen gibt es keine Ausreden mehr. Am Tonformat liegt es ganz sicher nicht, wenn eine Aufnahme grell und kaum hörbar klingt.
Authentische Interpretationen?
Von Händel bis zu Hayden gespielt mit authentischen Instrumenten von der Academy of Ancient Music.Zudem kam eine weitere „Unsitte“ hinzu: Immer mehr Ensembles tauchten auf, die auf alten, wunderschönen Instrumenten, barocke aber auch klassische Werke auf eine „authentische“ Art und Weise interpretierten. Und diesen Aufnahmen verpassten die Tonmeister in der Regel einen grellen, metallischen Klang, um den Leuten ganz klar zu offenbaren, dass da auf eine ganz neue Art und Weise musiziert wurde und man nun alle LPs in den Abfall-Eimer werfen könne.
Auch bezüglich der Artikulationen waren gewisse Dirigenten der Ansicht, dass man bisher alles falsch gemacht hätte. Sie schufen das berüchtigte Nachdrücken der Töne, was zu einem rülpsenden Musikstil führte, den sie dann als „authentisch“ verkauften.
Doch wer weiss wirklich, wie man anno dazumal musiziert hatte? Die Überlieferungen sind vieldeutig, und jeder kann sich was raussuchen.
Gut erinnere ich mich an einen Wunsch meines Vaters, der Klavierlehrer am Konservatorium Zürich und Organist an der Neumünster Kirche Zürich war. Er wünschte sich nichts sehnlicher, als irgend wann einmal live ein Konzert von Johann Sebastian Bach anhören zu können um endlich zu erfahren, wie man anno dazumal tatsächlich musiziert hatte. Und da wäre ich dann auch sehr gerne mit dabei gewesen.
Und so war ich denn sehr gespannt, wie das neuste Album der Academy of Ancient Music mit dem Thema „Birth of the Symphony„ klingen würde.
Authentische Klänge?
Also starte ich meine Referenz-Anlage mit dem neusten Download und erschrecke erst mal ganz tüchtig: Was waren denn da für Klänge zu hören? Ich fühle mich um fast 35 Jahre zurück versetzt, als eben die ersten Digital-Aufnahmen mit „authentisch“ gespielten Barockwerken auf den Markt kamen.
Zwar gibt es an der Interpretation nichts ernsthaftes auszusetzen. Ich möchte sagen, hier wird dezent authentisch gespielt. Das Nachdrücken der Töne hält sich in Grenzen und ist auch für eher konservative Musikhörer tolerierbar.
Doch der Klang wirkt grell, schrill und kalt. Als ein Musiker den Abhörraum betritt, schüttelt er nach relativ kurzer Hörzeit den Kopf und meint: „Klingt ja grauenhaft! So metallisch, kalt und grell“ und verlässt fluchtartig den Raum.
Ich höre weiter und stelle fest: Nicht nur bei den Werken von Händel und Richter, sondern auch bei denjenigen von Mozart, Stamitz und Haydn verdirbt mir dieser unterkühlte Klang die Freude an der an und für sich herrlichen Musik.
Die Wiedergabe-Anlage bestimmt mit
Doch ist mir auch klar, dass dieser Höreindruck auch von der Wiedergabeanlage mitbestimmt wird. Klanglich absolut neutral sind die beiden Piega Coax 10.2. Die legendären Forte Audio Verstärker liegen eher auf der warmen Seite. Doch der neu zum Test angetretene DAC, ein brandneues, DSD-fähiges Gerät, könnte etwas auf der „hellen“ Seite stehen. Also wird der bewährte King-Rex UD384 DAC mit Akku-Netzteil aktiviert und siehe oder besser höre da: Der Klang dieser barocken Streichinstrumente aus dem 16. und 17. Jahrhundert ist nun deutlich weniger grell aber immer noch jenseits der tolerierbaren Grenze.
Immer noch herrscht ein metallisch hart glänzender Charakter vor und immer noch fehlt jede Feinzeichnung. Ebenfalls nicht überzeugen kann die Räumlichkeit, und von einer Tiefenstaffelung ist kaum etwas zu bemerken. Leider ist auf dem mitgelieferten PDF nicht zu erkennen, mit welchen Geräten gearbeitet wurde und wie viele Mikrofone zum Einsatz kamen. Angegeben wird lediglich, dass die Aufnahme 2011 in der Kirche Saint Jude-on-the-Hill, London getätigt wurde.
Zum Vergleich aktiviere ich die neue DGG/Mercury-Aufnahme mit Andreas Ottensamer ( avguide.ch-Rezension „Klarinettissimo“ ) und staune ob der klanglichen Schönheit, der Feinzeichnung und der Räumlichkeit. Ja das ist es, was ich mir unter einer modernen, digitalen High-Resolution Audio-Aufnahme vorstelle!
Fazit
Tatsache ist, dass der Klang der „Birth of the Symphony„ für mich alles andere als eine Offenbarung, sondern eher ein Rückfall ins digitale 19. Jahrhundert bedeutet. Da nützen auch erstklassige Musiker und ebensolche Werke nichts – mein Gehör rebelliert - und so zwinge ich mich auch nicht, das ganze Album von A bis durchzuhören. Jeder Track wird zur Kontrolle angespielt. Doch habe ich nicht die Nerven, ihn bis zum Schluss anzuhören, denn auch ein Rezensent will ja Freude an der Musik und am Klang haben.
Summa Summarum ein Album mit bedeutenden Kompositionen, dezent authentisch interpretiert und dem typischen Digitalklang der 80er Jahre. Erkenntnis: Auch allerneuste Aufnahmen mit 24 Bit-Auflösung und 96 kHz Samplingfrequenz garantieren noch keinen audiophilen Klang.

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