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Publikationsdatum
23. August 2007
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Das unhörbare PA
Das perfekte PA hört man nicht als solches. Sind bei einer Beschallungsanlage deren Verzerrungen zu hören, oder wird der Zuschauer gar durch unnatürliche Lautstärken geplagt, ist es aus mit dem Vergnügen. Die Technik hat dann versagt, oder mindestens ihre Aufgabe nur teilweise erfüllt.

Nicht so das hochraffinierte Sound-System, mit welchem das Einsiedler Welttheater 2007 beschallt wurde. Thema des Stückes ist das rücksichtslose Endspiel mit der Welt, das seit Jahrzehnten durch Kriegs-, Flüchtlings- und Umweltkatastrophen immer mehr zur Realität geworden ist.

Die Beschallung dieses gigantischen Theaterspektakels mit einer riesigen Bühne und über 350 Mitwirkenden darf man als absolut gelungen ja sogar als richtungsweisend bezeichnen.

Hans Jürg Baum von avguide.ch besuchte einen dieser Anlässe und glaubte in einem Freilicht-Theater mit absolut perfekter Akustik zu sitzen. Aber nicht nur die Klangqualität war eine Klasse für sich. Nahezu perfekt war auch die Ortbarkeit der Akteure. So war es doch tatsächlich möglich, mit geschlossenen Augen die Positionen der Akteure auf der Bühne rein akustisch zu orten.

Möglich wurde dies durch den Einsatz von rund 3 Tonnen Material, darunter 63 drahtlosen Mikrofonen, 65 Lautsprechern, 31 Verstärkern mit über 50 Kilowatt Leistung und dem hochintelligenten Gehirn des gesamten Systems, dem computergesteuerten Londoner Timax-Ortungssystem.

Bei diesem System können die räumlichen Abläufe auf der Bühne simuliert und programmiert werden. Mit dem Cursor kann man einzelne Akteure und ganz Gruppen auf dem Bildschirm herumwandern lassen und der Computer zeichnet das alles schön brav auf. Anschliessend errechnet er die genauen Pegel und Zeitverzögerzungswerte der Schallsignale, mit denen die Zuschauer über die entsprechenden Lautsprecher beschallt werden, und so eine virtuelle Darstellung der Abläufe auf der Bühne erhalten.

Das menschliche Gehör lässt sich relativ leicht übertölpeln. Man denke dabei an die stereofone Wiedergabe mit zwei Lautsprechern. Hier hören wir doch tatsächlich auch Klänge aus der Mitte zwischen den beiden Lautsprechern, und es entstehen virtuelle Klangquellen. Und genau so funktioniert auch das Timax-Ortungssystem.
Mit zunemender Entfernung zur Schallquelle wird die Ortung schlechter.
Mit zunemender Entfernung zur Schallquelle wird die Ortung schlechter.
Mit Direktschall bezeichnet man denjenigen Schall, der im direkten Weg vom Lautsprecher (oder einer anderen Quelle) beim Hörer eintrifft. Man spricht in diesem Zusammenhang von der ersten Wellenfront. Der Diffusschall ist der Schall, der beim Eintreffen beim Hörer bereits eine oder mehrere Reflexionen von den Umgebungswänden erfahren hat. Mit zunehmender Entfernung zur Schallquelle nimmt der Direktschallanteil ab, während sich die Diffusschallanteile erhöhen. Liegen praktisch nur noch Diffusschallanteile vor, befindet man sich im sogenannten diffusen Schallfeld. Der Einfall der Schallanteile ist dann aus allen Raumrichtungen gleich wahrscheinlich und gleich stark. Eine Lokalisation der Schallquelle ist praktisch nicht mehr möglich. Im Gegensatz zum Direktschall bleibt der Pegel des Diffusschalls im ganzen Raum konstant. Der Schallpegel ist hingegen umgekehrt proportional zur Distanz. Mit zunehmender Entfernung wird der Direktschallpegel zunehmend kleiner. Der Punkt, wo Direkt- und Diffusschallanteil gleich gross sind, bezeichnet man als Hallradius. Eine zu grosse Entfernung vom Lautsprecher resultiert immer in einer Unschärfe in der Klangabbildung durch die hohen Diffusschallanteile. Ideal ist daher eine Sitzposition, die sich noch innerhalb des Hallradius befindet. Der Hallradius berechnet sich aus dem Volumen und der Nachhallzeit des Raumes. Bei grösserem Volumen nimmt er zu, verringert sich aber bei längerer Nachhallzeit.
Zur Erzeugung des virtuellen Raumklanges, mit welchem eine nahezu perfekte Ortung der Akteure möglich ist, dienen rund 65 Lautsprecher, die ihre Information vom Timax-Ortungssystem erhalten. Die vor der Tribüne auf Stangen montierten Lautsprecher, reproduzieren die ganze Breite der Bühne.
Zur Erzeugung des virtuellen Raumklanges, mit welchem eine nahezu perfekte Ortung der Akteure möglich ist, dienen rund 65 Lautsprecher, die ihre Information vom Timax-Ortungssystem erhalten. Die vor der Tribüne auf Stangen montierten Lautsprecher, reproduzieren die ganze Breite der Bühne.
Rolf Jauch zeigt die 2 Seiten des Kreuzes: Vorne Jesus, hinten Sennheiser Drahtlos-Mikrofon mit Sender.
Rolf Jauch zeigt die 2 Seiten des Kreuzes: Vorne Jesus, hinten Sennheiser Drahtlos-Mikrofon mit Sender.
Kreuz mit Doppelfunktion im Einsatz. Dank Timax-Ortungssystem kann die Bewegung dieser Gruppe über die ganze Breite und Tiefe der Bühne akustisch nachvollzogen werden.
Kreuz mit Doppelfunktion im Einsatz. Dank Timax-Ortungssystem kann die Bewegung dieser Gruppe über die ganze Breite und Tiefe der Bühne akustisch nachvollzogen werden.
Auf dem Bildschirm des Timax-Systems können die Abläufe der Bewegungen der Akteure und Gruppen bestimmt und dann aufgezeichnet werden. Jede Szene kann bei der Aufführung einzeln gestartet, aber nicht in ihren zeitlichen Ablauf verändert werden. Die Schauspieler haben sich genau an ihre Rollen zu halten.
Auf dem Bildschirm des Timax-Systems können die Abläufe der Bewegungen der Akteure und Gruppen bestimmt und dann aufgezeichnet werden. Jede Szene kann bei der Aufführung einzeln gestartet, aber nicht in ihren zeitlichen Ablauf verändert werden. Die Schauspieler haben sich genau an ihre Rollen zu halten.
Folgende Personen der Firma Audiopool sind für die gesamte Beschallung verantwortlich: 
Sound designer: Thomas Strebel.
Front of House: Laurenz Zschokke (siehe Bild), Operator des Studermischpultes.
Mikroport: Christoph Binder, Koordination und Bühnenverantwortlicher Mikrofone.
Timax: Roman Huber, Programmierung des Ortungssystems
Folgende Personen der Firma Audiopool sind für die gesamte Beschallung verantwortlich: Sound designer: Thomas Strebel. Front of House: Laurenz Zschokke (siehe Bild), Operator des Studermischpultes. Mikroport: Christoph Binder, Koordination und Bühnenverantwortlicher Mikrofone. Timax: Roman Huber, Programmierung des Ortungssystems
Zur Qualität gehört bei einem leistungsfähigen PA auch Quantität. Die QSC Verstärker leisten total gut und gerne 53 kWatt. Das heisst aber noch lange nicht, dass ein PA laut klingen muss. Diese Leistungsreserven garantieren aber, dass das PA auch bei kurzzeitgen Pegelspitzen nicht klirrt.
Zur Qualität gehört bei einem leistungsfähigen PA auch Quantität. Die QSC Verstärker leisten total gut und gerne 53 kWatt. Das heisst aber noch lange nicht, dass ein PA laut klingen muss. Diese Leistungsreserven garantieren aber, dass das PA auch bei kurzzeitgen Pegelspitzen nicht klirrt.
Hier im tiefen Keller werden die Signale der drahtlosen Mikrofone empfangen und verstärkt. Anschliessend werden sie zur Regie hoch oben auf der Tribüne geleitet.
Hier im tiefen Keller werden die Signale der drahtlosen Mikrofone empfangen und verstärkt. Anschliessend werden sie zur Regie hoch oben auf der Tribüne geleitet.
Die Lautsprecher eines
Die Lautsprecher eines "unhörbaren PA's" sollen, wenn immer möglich, auch unsichtbar sein. So sind die Center-Cluster-Lautsprecher links und rechts der grossen Klostertüre schön getarnt. Sie dienen dazu, den Mitteineindruck des Gesamtklanges zu festigen.
Das Kloster brennt (wieder einmal...)
Das Kloster brennt (wieder einmal...)