Das Klangschloss wurde im Verlauf der letzten Jahre zu einem “Must-Go”-Event für dem High End Audio zugeneigte Musikliebhaber. Bereits zum achten Mal organisierte Markus Thomann mit viel Engagement und Enthusiasmus den ausserordentlich sympathischen Anlass für hochwertige Musikanlagen in den rustikalen Gemäuern des Schloss Greifensees im Zürcher Oberland.
Der Kontrast zur kalten Eleganz seelenloser Hotels, in denen High End Audio Messen gemeinhin gerne logieren, könnte kaum grösser sein. Die ursprünglich aus dem 13. Jahrhundert stammende Burganlage, die später zum Schloss und Zentrum der Vogtei Greifensse ausgebaut wurde, bietet akustisch gute Räume sowie ein einladendes Ambiente mit viel historischer Patina. Der Fluchtreflex, welcher einem in den klinischen Räumlichkeiten von High End Audio Messen bisweilen beschleicht, bleibt hier völlig aus.
Im Gegenteil: Obwohl sich die für die Ausstellung benutzbaren Räumlichkeiten des Schlosses Greifensee in sehr überschaubarem Rahmen halten - vorgeführt wurde in lediglich neun Zimmern -, vergeht die Zeit im Fluge, und einen ganzen Nachmittag sollte man für den Besuch des Klangschlosses schon einplanen.
Es macht Spass, sich in die präsentierten Musikanlagen gründlich reinzuhören und bei guter Musik zu verweilen. Keine Hektik durch übertrieben viel Laufpublikum stört das Erlebnis. Es herrscht eine tolle Ambiance mit rundweg motivierten Ausstellern, die sich Zeit und Musse für Besucher nehmen. Viel interessante Gespräche entwickelen sich so. Das Thema High End Audio bekommt Farbe und Kontur. Kurz, es macht Spass sich im Klangschloss zu bewegen, zu diskutieren und natürlich zu hören.
Rahmenprogramm und Vorträge
Daniel Dettwiler von Idee und Klang zum Thema: Wie konstruiere ich die räumliche Darstellung in der Aufnahme. Zur Illustration stellte er eigene Arbeiten vor, etwa mit Herbert Grönemeyer, Xavier Naidoo und dem Stimmenvirtuosen Christian Zehnder.Ein wichtiger Punkt ist das attraktive Rahmenprogramm. Direkt im Eingangsgeschoss bot die Analogue Audio Association alles um das Thema Vinyl-Schallplatte. Im Zusammenarbeit mit dem CD-Studio konnte man in audiophilen und musikalischen Raritäten stöbern. Dass man die Musik statt die Tonträger in den Mittelpunkt stellte, empfand ich als sehr sympathisch.
Ausserordentlich gut besucht waren die drei Themenvorträge: Adi Tosetto referierte über das Feingespür, das es als Toningenieure braucht, um magische Momente im Studio einzufangen.
Daniel Dettwiler von Idee und Klang erinnerte die audiophile Zuhörerschaft daran, dass die Audioreproduktion im Wohnzimmer immer auch ein Stück Fertigkeit des Tonmeisters enthält. Die puristische Vorstellung, man brauche lediglich zwei Mikrofone aufzustellen, um die Einspielung dann über zwei Lautsprecher wieder kohärent im Wohnzimmer wiederzugeben, sei eine Illusion. Das Klangergebnis wäre verheerend. Vielmehr brauche es eine “tontechnische Gestaltung”, damit die Aufnahme zu Hause gut klinge.
Überraschend zugänglich, ja geradezu begeistert zeigt er sich gegenüber einer rein analogen Aufnahme-/Wiedergabekette vom Mikrofon über die Bandmaschine bis zur Schallplatte. Der Verzicht auf die bequeme Digitaltechnik habe seinen unbestrittenen, klanglichen Charme.
Kollege Lothar Brandt von Home-Electronics reiste mit seiner private Beatles Vinyl-Kollektion im Gepäck an. Als versierter Kenner der Liverpooler Pilzköpfe demonstrierte er in einem spannenden Vergleich die Klangpalette der einzelnen Pressungen nach Ländern und Jahrgängen.
Lothar Brand, Publizistischer Leiter Home-Electronics, mit eigenen Vinyl-Raritäten der Beatles. Ein Live-Vergleich von unterschiedlichen Pressungen unterlegt mit spannenden Hintergrundinfos.Vielfältige Musikanlagen
Thomas Flammer von Voice70. Gleich vier unterschiedlich Ketten zusammengestelle aus den Marken Naim, Classé, Piega und Sonus Faber gab es zu hören.InConcert Audio präsentierte die von Hannes Frick entworfenen WLM Lautsprecher zusammen mit dem Feichert Plattenspieler und Röhren-Elektronik ebenfalls vom WLM. Zur optimalen räumlichen Abstrahlung wurde die Hochtoneinheit horizontal “gebogen” und komplett vom Bass getrennt. Das Klangbild hatte durchaus Charme und Qualität, die räumliche Abbildung erschien mir allerdings recht diffus mit wenig Ortungsschärfe.
Thierry Mayer, Gründer von Audiophile-Dreams ist offizieller Focal Ambassador in der Schweiz und seit Jahren auch Spezialist für Accuphase. Diesmal zeigte er im Klangschloss mit der relativ kleinen Focal 1028B, dass auch bei beschränkten Platzverhältnissen mit der richtigen Optimierung Gänsehautfeeling entstehen kann. Als Neuheit konnte man erstmals in der Schweiz in den CD-Player Accuphase DP-410 reinhören. Ausser einem USB-Eingang findet High Resolution Audio Streaming bei Accuphase allerdings noch nicht statt. Ein Highlight war der Devialet D-Premier für 14000 CHF. Für mich zurzeit schlicht der beste Vollverstärker auf dem Markt.
Fred Gassmann baut in Biel seit über 30 Jahren Lautsprecher und Elektronik mit hohem Qualitätsanspruch. Seine Modifikationen von arrivierten Komponenten sind legendär. Auch den Link Klimax DSM Streamer bearbeite er gründlich. Was er genau macht, bleibt sein Geheimnis, aber die von Marcel Gahler geleiteten Vorführungen überzeugten jedenfalls mit ihrem geschmeidigen und warmen Klangcharakter, der frei von unnatürlichen Härten zu einem beseelten Hörerlebnis führt.
Guter Klang muss nicht unbedingt exorbitant teuer sein. Ein Beispiel zeigte Thomas Flammer von Voice70 mit der Naim Unity 2, einem Komplettgerät inklusive CD, Netzwerkstreamer und Verstärker, an der neuen Piega Premium 5.2. Die britisch/schweizerische Kombination spielte überzeugend auf. Thomas Flammer hat sich ein breites Know-how in Bezug auf Streaming Audio erarbeitet. Die Vorführungen waren entsprechend sehr gut besucht. Insgesamt konnte man bei Voice70 im Halbstundentakt in vier Systeme reinhören. Die Premium-Kombination bestand aus Classé CP-800 mit der brandneuen Digital-Endstufe CA-D200 und einem Paar Piega Coax 90.2.
Minimal Setup mit Aktivlautsprechern
Audiophiles Dreamteam: Daniela Manger, Markus Thomann vom Klangwerk und Daniel Weiss.Manger, Klangwerk und Weiss zeigten in Eintracht, wie einfach und wohnraumgerecht HighEnd Audio mit Musik ab Festplatte und einem Aktivlautsprecher heute sein kann. Enorm wichtig wird dabei der Streamer und Wandler mit Vorstufe. Der Man301, der komplett über ein iPad App gesteuert wird, bescherte Daniel Weiss und seinem Team aus Uster inzwischen unzählige Auszeichnungen und gilt weltweit als die State-of-Art Streamer-Wandler-Vorstufe mit Referenzcharakter.
Sowohl die Manger MSM1 als auch die Klangwerk Ella, beides Aktivlautsprecher, wurden direkt über den Man301 angesteuert. Das Klangerlebnis begeistere. Der Manger Biegewellenwandler verblüffte mit seiner homogenen und unverfälschten Klangentfaltung. Die räumliche Darstellung ist unglaublich authentisch. Das Ansprechverhalten und die Impulsgenauigkeit des Biegewellenwandlers sind einzigartig. Man könnte stundenlang zuhören.
Auch Klangwerks formschöne Ella mit Elektronik vom Schweizer Audio Papst Alain Roux zeigte, welche hochwertige Wiedergabe sich mit einem minimalen und wohnraumfreundlichen Audiosetup aus NAS, Streamer-Wandler-Vorstufe und einem Aktivlautsprecher realisieren lässt. Gegenüber einem passiven Lautsprecher kommt man auch mit einem deutlich geringeren Gehäuse aus. Das aktive Bassfilter sorgt für eine halbe Oktave mehr Tiefgang und unterbindet zudem subsonische Auslenkungen. Die Klangwerk Ella ist jedenfalls ein Lautsprecher, den man sich aus klanglichen und optischen Gründen gerne ins Wohnzimmer stellen würde.
Eine Schweizer Premiere gab es im Zimmer von Livingroom-Audio. Yves Schäppi konnte dort die in Schottland gerade noch fertiggestellten vollaktiven Linn Akubarik Lautsprecher vorstellen. In einem Linn Lautsprecher stecken immer einige Besonderheiten, so auch bei der neuen Akubarik. Das Array aus Mittel-, Hoch- und Super-Hochtöner auf engstem Raum kennt man auch von der grossen Klimax 350 und kommt einer Punktschallquelle schon ziemlich nahe. Von grossen, das Wohnzimmer verunstaltenden Endstufen hat man sich bei Linn verabschiedet. Auch die neue Akubarik wird von integrierten Endverstärkern angetrieben. Die Akubarik spielte klanglich solide und tonal ausgewogen auf. Gefallen hat mir die Präzision und extrem fokussierte Darstellung des Klangkörpers. Zusammen mit einer Linon DSM Streamer/Vorstufe erhält man auch hier mit einem minimalem Setup exzellentes High End Audio.
Zu den Traditionsherstellern von Aktivlautsprechern gehören Backes&Müller. Schon als HiFi-begeisterter Teenager beeindruckten mich Tiefgang, Wucht und Dynamik der Backes&Müller Aktivlautsprecher. Vertrieb und Reparatur in der Schweiz liegen bei Andreas Kühne Sounds. Andres Kühne organisiert auch Sessions zum Probehören. Die Lautsprecher werden ohne den Fachhandel direkt zum Kunden geliefert.
Wer sich eingehender über Aktivlautsprecher informieren möchte, dem sei dieser Artikel empfohlen: Was bringen Aktivlautsprecher - wie Lautsprecher und Elektronik sich ergänzen können
Flächenstrahler - die Divas unter den Lautsprechern
Wenn ich mich jeweils auf eine Vorführung am Klangschloss sehr freue, so sind es die klingenden Magnetostaten von Magnepan, auch liebevoll “Maggies” genannt. Der Raum von HiFi Studio Sulzer, welche die Präsentation übernahm, war denn auch immer sehr gut gefüllt. Zu hören gab es in diesem Jahr das erneuerte Flaggschiff MG 20.7. Doch grosse Flächenstrahler sind nicht einfach zu betreiben. Sie brauchen eine günstige Sitzposition und reagieren empfindlich auf die angeschlossene Elektronik. Die Kombination mit der AVM-Elektronik konnte mich auf jeden Fall nicht besonders überzeugen. Obwohl das ganze System mit dem Einmesssystem von Trinnov optimiert wurde. Eventuell lag es auch an der Einmessung. Diese Algorithmen haben die Tendenz, sich lediglich auf einen Sitzplatz auszurichten.
Ein gutes Händchen hatte Andreas Müssig. Mit viel Enthusiasmus stellte er die neu aufgelegten und überarbeiteten “Pütz-Elektrostaten” vor. So mancher wird sich noch an diesen legendären Elektrostaten und Ausnahme-Lautsprecher aus den 80er-Jahren erinnern. Der unter dem Label Audio Exklusiv hergestellte “Pütz-Elektrostat” erlangte unter Audio-Liebhabern Weltruf. Gerd Pütz verstarb leider 1990 viel zu früh im Alter von 41 Jahren.
Seit 2009 gehört Audio Exklusiv Andreas Schönberg, dem langjährigen Freund der Familie Pütz. Der Elektrostat wurde unter der Modellbezeichnung P.3.1 neu aufgelegt, genau wie die Röhrenvorstufe P7 und der Röhren/Transistor-Hybrid-Endverstärker P7. Die Kette zeigte überzeugend, wie gut und in welchem klanglichen Level schon in der 80er Jahren Audiogeräte produziert wurden.
Die Kette brillierte mit einer fantastisch leichfüssigen Klangentfaltung. Die Detailtreue ist überragend. Der Dipol-Elektrostat spannt eine weite Bühne auf, ohne aber zu überzeichnen. Überraschend funktionierte der Elektrostat auch in dem relativ kleinen Raum hervorragend. Mein Best-of-Show geht diesmal an Audio Exklusiv und Andreas Müssig , der zudem sehr kompetent die technischen Finessen des “Pütz-Elektrostaten” erläuterte.

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