Was Roon nicht ist: Roon ist keine kuratierte Streaming-Plattform wie Qobuz oder Idagio, die wir in den beiden ersten Teilen dieser Artikelserie besprochen haben. Roon ist auch kein intuitives, anpassbares KI-Tool für automatisierte Playlists wie Corrd. Wer sich mit Roon einlässt, erhält – zu einem stolzen Preis – ein mächtiges Tool zur Bibliotheksverwaltung und Klangoptimierung. Wollte man den vollen Roon-Funktionsumfang beschreiben, inklusive der tiefer liegenden Funktionen, würde dies den Umfang dieses Artikels bei Weitem sprengen.
Wo ist Roon einzigartig?
Roon integriert die in Europa relevanten HiRes-Streaming-Dienste Tidal und Qobuz. Ebenso wird lokal gespeicherte Musik nahtlos mit den Streamingdiensten gekoppelt. So werden auf einer einheitlichen Oberfläche Alben und Musiktitel der drei Quellen konsistent dargestellt. Das Besondere dabei ist, dass unterschiedliche Versionen eines Albums, die Quelle und das Dateiformat auf einen Blick ersichtlich sind. So kann man gezielt die präferierte Version spielen. Beispiel: Original-Release oder Remaster, CD oder HiRes-Auflösung – oder filtern, um die bisweilen bei Tidal immer noch eingepflegten MQA-Versionen zu vermeiden.
Zum aktuell gespielten Album stellt Roon umfangreiche Hintergrundinformationen bereit, die teilweise aus dem Internet generiert werden. Neben der Auflistung der Musiker und an der Produktion beteiligten Personen (Credits) sind Wikipedia-Texte, Bildmaterial und auch Songtexte verfügbar. Während der Wiedergabe eines Titels wird die jeweils passende Textpassage automatisch markiert und so hervorgehoben – was allerdings nicht immer funktioniert.
Die bei Qobuz verfügbaren Begleithefte (Booklets) sind auch innerhalb von Roon abrufbar. Diese werden allerdings nicht in der Roon-Infoleiste angezeigt, sondern als PDF-Link beim Albumcover und in der Album-Titelliste.
Scrollt man am Ende in der Album-Titelliste nach unten, fügt Roon weitere Alben des aktuell gespielten Künstlers oder Ensembles hinzu und ergänzt stilistisch ähnliche Alben. Die Ansicht verästelt sich weiter, indem andere Künstler, Interpreten oder Komponisten mit Bezug zum Thema angezeigt werden.
Innerhalb der Album-Playlist steht neben dem Werktitel ein Querverweis zu alternativen Einspielungen, und primär bei Klassik gibt es Detailinformationen zum Werk – auch hier ist Wikipedia der Content-Lieferant.
Roon Radio und Live Radio
Wird Roon Radio in der aktiven Playlist eingeschaltet, sucht das Programm automatisch weitere Musikstücke im Stil und Genre passend zum zuletzt gespielten Titel – endlos. Roon hält sich bei der Wahl der neuen Titel eng an die ursprüngliche Referenz. Überspringt man eine Roon-Titelauswahl, fragt die Software nach dem Grund, respektive ob man das Musikstück unpassend fand oder einfach zurzeit nicht hören möchte. Offensichtlich versucht der Algorithmus, den Auswahlprozess zu personalisieren.
Mit Live Radio hat man Zugriff auf Internet-Radiostationen, die man auch in die eigene Musikbibliothek einfügen kann.
Der grosse Roon-Funktionsumfang ist im übersichtlich gestalteten Menübaum nicht auf Anhieb erkennbar.Markenübergreifende Multiroom-Wiedergabe
Musikwiedergabe in unterschiedlichen Hörzonen ist heute nicht mehr an komplexe oder proprietäre Markenkonzepte gebunden. Roon transportiert das Musiksignal von der Quelle zum Wiedergabegerät über das eigene RAAT-Protokoll (Roon Advanced Audio Transport). Dies bedingt, dass das Wiedergabegerät über dieses Protokoll verfügt. Solche Geräte sind als Roon ready ausgezeichnet und auch zertifiziert. Somit funktioniert die Musikwiedergabe mit Roon innerhalb mehrerer Marken und unterschiedlicher Gerätetypen nahtlos und zuverlässig. Geräte ohne RAAT-Protokoll können alternativ über AirPlay, Chromecast oder Bluetooth angespielt werden, was aber klangliche Einbussen zur Folge hat.
Das RAAT-Protokoll stellt eine stabile Verbindung zwischen dem Roon-Server und dem Roon-Client her. Wobei der Zeittakt des Wiedergabegerätes (Client) massgebend für den Datenfluss und die D/A-Wandlung ist. Dies hat zwar klangliche Vorteile, ist aber auch eine Herausforderung bei einem synchronen Mehrraum-Betrieb. So trägt der Roon-Server die Hauptlast der Rechenleistung. Die Roon-Software gilt als leistungshungrig – besonders, wenn zusätzliche Rechenleistung für DSP-Aufgaben gefordert wird. Für den Betrieb der Software ist ein Rechner mit i7-CPU-Architektur oder höher mit üppigem Arbeitsspeicher kein Luxus.
Roons mächtige DSP-Engine (Digital-Signal-Prozessor)
Man kann die MUSE-DSP-Sektion der Roon-Software durchaus ignorieren, die Vorzüge der integrativen Streamer/Server-Bedienoberfläche mit vielen Zusatzinformationen geniessen und Roon Radio nutzen. Punkt.
Oder man investiert in eine Lernkurve und prüft, welche DSP-Funktionen im bestehenden Hörraum und System (Wandler, Lautsprecher, Kopfhörer) zur Klangverbesserung genutzt werden können.
Betrachten wir die zentralen DSP-Funktionen, die für jede Zone individuell konfigurierbar sind:
Die Musikwiedergabe über Kopfhörer klingt anders als über Lautsprecher. Stimmen und vor allem Instrumente werden eher seitlich und im Kopf wahrgenommen, anstatt aufgefächert von vorn, wie bei korrekter Lautsprecheraufstellung.Die Schallortung basiert auf der Laufzeitdifferenz des Schalls zwischen dem linken und dem rechten Ohr. Bei Kopfhörerwiedergabe gelangt das Musiksignal des linken Kanals aber nur ans linke Ohr. Mit Crossfeed wird zeitversetzt dem linken Kanal ein geringer, klanglich veränderter Anteil des rechten Kanals beigemischt. Dadurch gleicht sich die Kopfhörerwiedergabe an die Klangwahrnehmung über Lautsprecher an, was bei Roon hervorragend funktioniert.
Parametrische Equalizer können, subtil und auf Messungen aufbauend die Akustik im Hörraum deutlich verbessern.Parametrische EQs können auch subjektiv über das Gehör eingestellt werden. Optimale Resultate erreicht man aber nur mit fachmännischer Ausmessung des Hörraums.
Roon verfügt über eine umfangreiche Liste an Marken und ihren Kopfhörermodellen. Man wählt aus dieser Liste sein Modell aus und erhält die passende Frequenzgangkorrektur.
Nicht immer können beide Lautsprecher optimal im Hörraum platziert werden. Dieses Tool kann innerhalb bestimmter Grenzen Fehlaufstellungen eines Lautsprechers im Verhältnis zum anderen korrigieren, was zu einer höheren räumlichen Auflösung führt.Die Aussteuerungskorrektur vermeidet Verzerrungen
Es ist eines der stärksten Tools innerhalb der Roon-DSP-Suite. Um den Sinn der Aussteuerungskorrektur zu verstehen, müssen wir uns mit dem zugrunde liegenden Problem befassen.
Mit der Aussteuerungskorrektur lassen sich hässliche Verzerrungen vermeiden, die bei der D/A-Wandlung entstehen, wenn der Wert des digitalen Samples zu nah oder direkt an der digitalen Maximalaussteuerung (0 dBFS) liegt.Grundlage: Der zurückgewandelte analoge Signalwert kann höher sein als der entsprechende digitale Wert zweier Samples vor der D/A-Wandlung. Dies, weil auch die Werte zwischen zwei Samples rekonstruiert werden.

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Roon: Der maximale digitale Pegelwert liegt bei 0 dB Full Scale. Zu laut gemastert: Digitale Werte zu nah an oder direkt an der 0-dBFS-Grenze führen zu massiven Verzerrungen, die einen rauen, aggressiven Klang bewirken.
Roon: Die Neuberechnung des digitalen Pegels (Lautstärke) erfolgt mit 64-Bit-Genauigkeit. In der Regel genügt eine 3-dB-Absenkung, um auf der sicheren Seite zu sein (Aussteuerungsreserve/Headroom).
An der Signalwellenform rechts ist der zusätzlich geschaffene Reservebereich (Headroom) sichtbar. Wichtig: Die Korrektur muss vor der D/A-Wandlung erfolgen, da das Problem erst im Wandler bei der Rekonstruktion des analogen Signals entsteht.
Zoom ins Bild oben: Das zurückgewandelte analoge Signal wird mit Headroom korrekt rekonstruiert. Die Signalanteile oberhalb der blauen Linie (rechts) werden ohne Korrektur (links) abgeschnitten. Grüne Punkte = digitale Samples.


