
Kopfhörer, die den Umgebungslärm reduzieren können, sind heute in, und es gibt inzwischen doch einige dieser Spezies auf dem Markt zu finden. Doch wenn es um effiziente Lärmverminderung (zu Neudeutsch: Noise Cancelling) und die Klangqualität geht, machen viele dieser Hörer eine recht jämmerliche Figur. Effiziente Lärmreduzierung ohne den Klang zu versauen, ist eine Kunst, die man offenbar verstehen muss. Und Bose verfügt, nicht zuletzt dank ihren professionellen Aviation Headsets, über eine Erfahrung von mehr als zwei Jahrzehnten im Bau von Lärm reduzierenden Kopfhörern.
Lärmkiller-Duo

Piega-Leute geben Auskunft
Neue Generation
Die eigentliche, bahnbrechende Neuheit des QC15 ist von aussen nicht zu sehen. Der Trick liegt darin, dass Bose nun sowohl an der Oberfläche der Muschel, als auch im Innern Mikrofone zum Aufnehmen des Umgebungslärms einsetzt. Damit soll nicht nur die Effizienz der Lärmverminderung drastisch gesteigert, sondern endlich auch die hochfrequenten Anteile des Störschalls eliminieren werden können. Zudem besteht das superweiche Ohrpolster aus einem neuen Material, das den Schall besser dämmen soll.
Kurt Scheuch zur Technik der MLS
avguide.ch: Bitte beschreiben Sie uns kurz, was die Master Line Source, auch MLS genannt, eigentlich ist und weshalb sie diesen stattlichen Preis fordert.
Scheuch: Die MLS ist ein Lautsprechersystem, welches als Line Source mit dipoler Abstrahlcharakteristik konstruiert wurde. Das Prinzip der Line Source hat den Vorteil einer grossen Anzahl einzelner Chassis, was zur Folge hat, dass alle Nichtlinearitäten dramatisch reduziert werden. Es liegt in der Natur der Sache, dass der Material- und Fertigungsaufwand sehr hoch ist und deshalb ein Preis für das gesamte System von 195`000.-- Franken resultiert.
avguide.ch: Vom Prinzip her scheint ihre MLS haargenau einer legendären Infinity Reference Standard aus den siebziger Jahren zu entsprechen. Stimmt das? Und wenn nicht, wo liegen die Unterschiede?
Scheuch: Parallelen zur IRS liegen natürlich auf der Hand. Allerdings ist diese Technologie von damals nach so vielen Jahren veraltet und es erschien uns angezeigt, auf dem heutigen Stand der Technik zu zeigen, was möglich ist.
avguide.ch: Wieso müssen diese Dinger so ungeheuer gross sein?
Scheuch: Eine Line Source ist ja idealerweise eine Linienquelle die vom Boden bis zur Decke geht. Deshalb ist das immer ein grosser Lautsprecher.
avguide.ch: Wird es dereinst auch mal eine kleinere MLS geben, die sich auch Nicht-Ölfelder-Besitzer leisten können?
Scheuch: Das Projekt MLS verlangte von uns während der Entwicklungszeit eine uneingeschränkte Konzentration unserer Kräfte auf die wesentlichen Punkte des Systems. Wenn unsere "geistigen Ressourcen" wieder freie Kapazitäten haben, sind Gedanken zu einem kleineren MLS natürlich naheliegend. Aktuell sind aber noch keine Überlegungen gemacht worden.
avguide.ch: Wie gross muss denn ein Abhörraum für die MLS sein?
Scheuch: Für den Betrieb des Systems empfiehlt sich eine Raumgrösse ab vielleicht 50 qm. Fast wichtiger ist aber, dass die Lautsprecher bis zur Rückwand mindestens zwei Meter Abstand haben. Wie bei jedem Dipol ist der Aufstellung der Lautsprecher im Raum Beachtung zu schenken.
avguide.ch: Rund die Hälfte des Schalls kommt ja hinten heraus. Wie muss denn die Rückwand des Raumes beschaffen sein?
Scheuch: Die Wand auf der Rückseite der Lautsprecher sollte den Schall nicht zu stark absorbieren, sondern reflektieren. Davon lebt ja ein Dipol.
avguide.ch: Ist das Mittel-Hochtonpanel nun ein Dipol- oder en Bipol-Strahler?
Scheuch: Da streiten sich die Gelehrten, und es gibt im allgemeinen Sprachgebrauch verschiedene Auslegungen der Begriffe. Wir sprechen von einem Dipol.
avguide.ch: Wieso müssen das vier Säulen und nicht nur zwei oder gar drei sein?
Scheuch: Das liegt am Konzept der Lautsprecher: Zwei Dipol-Schallwände als Mittelhochtoneinheit und zwei Basssäulen für die Tieftonwiedergabe. Theoretisch sind aber natürlich auch andere Konfigurationen denkbar.
avguide.ch: Bitte geben Sie uns einige Infos über die Bestückung dieser Systeme.
Scheuch: Im Hochtonbereich finden 24 Stück LDR 2642 MKII Hochtöner Verwendung, der Mitteltonbereich wird von 9 Stück MLS-Mittelton-Bändchen 110-100 als Dipol abgedeckt und im Bassbereich kommen pro Seite sechs dynamische Basstreiber auf Basis der 22 MOM Plattform zum Einsatz.
avguide.ch: Wo werden die Gehäuse und wo die Chassis hergestellt?
Scheuch: Die Gehäuse werden in Stans gefräst und in den Oberflächen veredelt, die Bändchen Treiber werden bei uns in Horgen hergestellt und die Bass Treiber fertigt ein langjähriger Zulieferer in Dänemark für uns.
avguide.ch: Wieviel Entwicklungszeit brauchten sie, um die MLS so wie heute aufspielen zu lassen?
Scheuch: Die MLS hat uns rund vier Jahre beschäftigt.
avguide.ch: Wer entwickelte die MLS?
Scheuch: Daniel Raymann und meine Wenigkeit. Natürlich haben wir aber in vielen Fragen immer wieder die Diskussion mit weiteren Personen gesucht.
avguide.ch: Wieviele Mann-Stunden stecken in einem MLS-System?
Scheuch: Die reine Montagezeit eines MLS Systems benötigt ca. 160 Mannstunden. Die Herstellung der einzelnen Komponenten wie Bändchen, Treiber, Gehäuse etc. benötigt nochmals ein Vielfaches davon.
avguide.ch: Was kostet diese Entwicklung ihre Firma?
Scheuch: Die reinen Material- und Fremdkosten der Entwicklung bewegen sich im sechsstelligen Bereich. Unsere Arbeitszeit rechnen wir aber nicht in die Kalkulation ein. Entwicklung ist unsere Hauptaufgabe.
avguide.ch: Werden Sie damit mal Geld verdienen, oder ist das ein reines Image-Produkt?
Scheuch: Das Projekt verfolgt primär keine kommerzielle Ziele. Wir sehen das vor allem als Statement und sind bereits zufrieden, wenn am Schluss alle Kosten gedeckt sind.
avguide.ch: Besten Dank Herr Scheuch für die hochinteressanten Infos.
Wer killt am besten?
Vor dem Hause wird seit Monaten gebaut. Dieselbe Stelle wird x-mal aufgerissen und wieder zugeschüttet. Der Lärm stört sogar noch bei geschlossenen Fenstern. Wie soll ich da einen auch nur einigermassen zusammenhängenden Artikel schreiben? Da kommen mir die beiden Testkandidaten gerade recht. Also erst mal den alten QC2 ohne Audiokabel aufgesetzt und eingeschaltet. Das Brummen der Baggermotoren ist nur noch leise, das helle Aufschlagen der Eisenstangen auf den Boden aber immer noch, wenn auch deutlich leiser, zu hören. Der QC3 mit seiner ohraufliegenden Muschel bringt übrigens eine vergleichbare Lärmreduzierung.
Dann der grosse Moment: Bei aufgesetztem QC15 ist der Motorenlärm nur noch andeutungsweise zu hören und auch die hochfrequenten Störungen treten soweit in den Hintergrund, dass sie nun wirklich nicht mehr stören. Endlich getraut sich die Muse aus ihrem Versteck hervor und die Tastatur meines Macs beginnt heiss zu laufen.
Der Brillante
Nach etlichen, zügig eingetippten Abschnitten dann die geistige Ermüdung. Also erst mal kurze Pause, das Audiokabel an den Hörer und an den iPod geschlossen und völlig entspannt und ungestört leise Musik in lärmiger Umgebung geniessen.
Die klangliche Verwandtschaft von QC2 und QC15 ist unverkennbar: Auch der QC15 bringt ein helles, frisches, insgesamt ausgewogenes Klangbild, untermauert von einem kräftigen, präzisen Bass. Das tut etwas flauen MP3-Aufnahmen gut, gibt ihnen Pep und verleiht ihnen neues Leben.
Wie die Frequenzgangmessungen im Labor von avguide.ch zeigten, hat Bose die höheren Tonlagen gegenüber dem Vorgängermodell etwas zurückgenommen. Damit verschwindet eine gewisse Härte, die gerade bei feinen Streichern zuweilen etwas nervte. Das führt zu einem angenehmeren Klangbild, aber ohne den Hörer zum weichzeichnenden Ohrschmeichler zu machen.
Ganz im Gegenteil: Der QC15 kann Freunden klassischer Streichquartette eventuell immer noch ein Quäntchen zu viel Brillanz haben. Aber bei jazzigen Klängen swingt er herrlich und verleiht audiophilen Stimmen, wie zum Beispiel derjenigen von Rebecca Pidgeon, ein glockenreines Timbre. Und erst bei rockigen Sounds: Da geht die Post ab! Alles in allem erhält man hier einen richtigen Allroundhörer für alle Musikstile.
Der Sanfte

Zum Vergleich: Das Klangbild des bewährten QC3 mit seinen ohraufliegenden Muscheln umschmeichelt die Gehörnerven mit einem wohlig warmen, bassfreudigen Klang. Sanft und edel erscheinen Streicher. Chorwerke klingen geradezu himmlisch schön. Aber auch bei Pop und anderen Stilrichtungen bereitet dieser Klang, der nie durch Grellheit nervt, viel Freude.
Natürlich sind Freunde härterer klanglicher Gangarten beim QC3 an der falschen Adresse. Der Klang peitscht nicht auf, sondern beruhigt - fast möchte ich ihn als "therapeutisch" bezeichnen. Sich hinsetzen - oder noch besser legen - und mindestens einmal täglich total entspannen, das ist auf die Dauer nicht nur billiger als Beruhigungspillen schlucken, sondern auch bekömmlicher. Dass der QC3 in Sachen Lärmreduzierung dem QC15 nicht das Wasser reichen kann, liegt am Generationenunterschied. Ein "sehr gut" verdient er auf jeden Fall.
Fazit
Nach dem Motto "Bewährtes übernehmen und verbessern, was möglich ist" hat Bose den bisherigen QC2 perfektioniert und in Form des QC15 auf den Markt gebracht. Während der QC15 ein frisch und brillant klingender Hörer mit sensationeller Lärmreduktion ist, umschmeichelt der QC3 nach wie vor mit einem sanften, wohlig-warmen Klang die Gehörnerven.

Alle Themen



