Munich MU.Verschiedentlich haben Streaming-Produkte von Silent Angel im Test auf avguide.ch bereits mächtig Eindruck hinterlassen. Der Netzwerk-Spezialist hat mit den namensverwandten, kompakten Modellen Munich M1 und M1T die Richtung vorgegeben, wie kompromisslose Audio-Streamer auszusehen haben. Der neue Munich MU ist vom Preis her (CHF 2499) über den beiden Einstiegsmodellen angeordnet, jedoch unterhalb des teureren Z1 plus (CHF 3190).
Dabei gehört er wie Letzterer zur Kategorie «komplette Audio-Serverlösung». Er kann nämlich mit einer optionalen SSD-Festplatte aufgerüstet werden und wird so zum zentralen HUB mit allen möglichen Streaming-Angeboten, Internetradio sowie persönlicher, stationär gespeicherter Musiksammlung. Im Unterschied zum Z1 Plus (einem reinen Streamer) verfügt der Munich MU sogar über einen integrierten DA-Wandler und kann dank in der Lautstärke regelbarer Ausgänge direkt an Aktivlautsprecher oder Endverstärker angeschlossen werden.
Durchdachter Aufbau: Bei der Konstruktion des Munich MU wurde besonderer Wert auf Stabilität und Unempfindlichkeit gegenüber elektromagnetischen Interferenzen gelegt.Das eigentliche Streaming-Modul stammt aus eigener Fertigung und arbeitet nun mit einem 6-Kern-Prozessor für mehr Geschwindigkeit und höhere Stabilität bei der Verarbeitung der rasanten HiRes-Datenströme. Dabei hilft ein hochpräziser interner TCXO-Taktgenerator. Damit soll nicht nur eine potenzielle Netzwerk-Latenz minimiert werden. Auch etwaige Jitter-Probleme (digitale Taktschwankungen) werden an der Wurzel eliminiert, bevor die Signale an den integrierten DA-Wandler (vom Typ ESS Sabre) weitergereicht werden.
Blitzsauberer Innenaufbau: Zur Vermeidung von Interferenzen sind beim Munich MU die einzelnen Baugruppen fein säuberlich getrennt und voneinander abgeschirmt.Gegenüber dem Z1 Plus hat der Munich MU einen weiteren Vorteil. Das Netzteil ist bereits integriert. Laut Silent Angel handelt es sich um ein hochwertiges Schaltnetzteil. Optional kann man dieses überbrücken, indem man ein externes 12-Volt-Linearnetzteil anschliesst. Silent Angel offeriert hierfür das Modell Forester F2 (CHF 1299). Demnächst soll das punkto Design und Abmessungen noch kompromisslosere, perfekt zum Munich MU passende Modell Forster FX auf den Markt kommen.
An die regelbaren Cinch- oder XLR-Ausgänge lassen sich auch Endverstärker oder Aktivlautsprecher direkt anschliessen. Daneben finden sich diverse Digitalausgänge sowie Anschlüsse für eine externe Clock und für USB-Datenträger.Die Anschlussperipherie des Munich MU umfasst diverse digitale und analoge Ausgänge. Dass auf Digitaleingänge verzichtet wurde, weist klar darauf hin: Diese Audiokomponente wurde eher als puristischer Audio-Server konzipiert und weniger als Digital-Hub. So verzichtet Silent Angel konsequenterweise auch auf einen Kopfhörerausgang. Für die persönliche Musiksammlung offeriert der Munich MU ein umfangreiches Speicherangebot. Auf nicht weniger als drei verschiedenen USB-Slots kann man reichlich stationäre Musikfiles parken.
Ein Hauptvorteil gegenüber vielen anderen Streamern: Im Munich MU lässt sich eine SSD-Festplatte mit bis zu 4 TB installieren. Dadurch erst wird er zum veritablen Audio-Server mit Speicherplatz selbst für grössere Musiksammlungen. Der im Übrigen problemlos auch versteckt platziert werden kann. Auf der Gerätefront findet sich denn auch kein einziges Bedienelement. Auf der Rückseite lediglich eine Ein/Aus-Taste. Die wenigen Watt Leerlaufleistung im eingeschalteten Zustand sind jedoch auf jeden Fall zu verschmerzen, so dass der Silent Angel gerne auch in Custom-Installationen Platz nimmt.
Innerhalb der Vitos-Orbiter-App findet sich eine Anleitung, wie man Musikdaten vom PC auf die nachgerüstete SSD-Disk schaufelt.Für den Einbau einer SSD-Festplatte bietet Silent Angel eine ausführliche, gut dokumentierte Anleitung an. Im Lieferumfang des Munich MU findet sich sogar eine Wärmeleitpaste, deren Anwendung für einen sicheren Betrieb empfohlen wird. Wer sich bei Computer-Aufrüstung nicht auskennt, darf beim Einbau gerne die Hilfe des Fachhandels in Anspruch nehmen. Denn Kleckern mit der Leitpaste kann fatale Folgen mit sich bringen. Eine 4-TB-SSD kostet heutzutage weniger als 300 Franken. Da liegt wohl auch noch der Betrag für die entsprechende Serviceleistung im Budget. Umso mehr, als der Einstandspreis für den Munich MU mit CHF 2499 sehr fair angesetzt ist. Vorbildlich ist, dass innerhalb der Vitos Orbiter App per Hilfe-Menü eine dezidierte Anleitung zur Datenübertragung der Musiksammlung direkt ab PC via Netzwerk auf den Munich MU angeboten wird.
Vitos Orbiter: Eine App, die Freude macht
Macht Freude: Die Streaming-Plattform Qobuz ist nahtlos und übersichtlich in Vitos Orbiter integriert.Insbesondere überzeugt etwa die Implementierung von TuneIn (Webradio) und Qobuz. Qobuz-Nutzer können mit Vitos Orbiter absolut glücklich werden. Die nach Genre geordneten Neuheiten werden wunderbar übersichtlich präsentiert. Ebenso Favoriten und Playlisten. Da bleiben wirklich keine Wünsche übrig. Tidal konnten wir mangels Abo nicht ausprobieren; man kann jedoch davon ausgehen, dass hier die Implementierung ebenso gelungen ist.
Auch das Webradio-Angebot von TuneIn wird übersichtlich und farbenfroh angeboten.Darüber hinaus werden aber sämtliche Geräteeinstellungen und -optionen übersichtlich aufgelistet – und dies alles auch in deutschsprachigen Menüs. Bei der Titelwiedergabe werden nebst Albumcover auch stets die Abtastrate und Auflösung angezeigt. Die wichtige Lautstärkeregulierung ist leicht zugänglich und genügend fein gerastert. Kurzum: Vitos Orbiter macht richtig Freude; nur wer umfangreiche Musiksammlungen ordnen und editieren möchte, wird vielleicht dennoch auf Roon zurückgreifen, wofür der Munich MU ebenfalls vorbereitet ist. Natürlich benötigt man dazu den passenden Roon-Core, denn der Munich MU fungiert in diesem Fall als Roon-Endpunkt.
In den Geräteeinstellungen lässt sich auswählen, welche Musikdienste in der Vitos-Orbiter-App angezeigt werden.Zu Höherem geboren
Wir hörten zunächst Musik per Streaming ab Qobuz. Und wir durften dem Silent Angel Munich MU hier durchweg eine ausgezeichnete Wiedergabequalität bescheinigen. Gute HiRes-Aufnahmen erklingen herrlich dynamisch und in der gebührenden Klangfarbenpracht. Um die Qualität einordnen zu können, hörten wir den Munich im direkten A/B-Vergleich zum Streamer Madison von Wattson Audio (Test nachzulesen: hier). Der Munich MU erwies sich bei HiRes-Streams klanglich als absolut ebenbürtig und hatte punkto Stabilität der Abbildung sogar leicht die Nase vorne. Die Unterschiede waren letztlich aber eher homöopathischer Natur. Bereits winzige Unterschiede in der Lautstärke oder auch zwischen verschiedenen Verbindungskabeln gaben mal dem einen oder dem anderen Streamer den Vorzug.
Webradio-Stationen wie Radio Swiss Jazz mit bescheidenen Datenraten werden vom Munich MU auf 24-Bit hochgesampelt und tönen überraschend gut.Absolut überzeugend setzt der Munich MU Webradio-Streams selbst mit geringen Datenraten in Szene. So klang etwa Radio Swiss Jazz (mit bescheidenen, jedoch ausreichenden 128 kBit/s) überraschend gut. Der wahrscheinliche Grund: Der Munic MU sampelt den Datenstream selbständig auf 24-Bit hoch – und dies offensichtlich mit Erfolg.
Wo sich der Munich MU ganz klar vom Madison absetzen kann: Bei der Wiedergabe von DXD- und DSD-Aufnahmen. Hier benötigt der Madison Roon (und damit einen externen Audio-Server oder alternativ einen DLNA-Server) als Titellieferant. Währenddem am Munich MU Musiktitel in Original-Studioqualität per USB-Stick (oder über eine optionale SSD-Festplatte) direkt Anschluss finden. Diese kürzest-mögliche Connectivity – ohne Umweg übers Heimnetzwerk – zahlt sich voll aus: Was der Silent-Angel-Audio-Server an Klangambiente aus einschlägigen Studio-Aufnahmen zaubert, liegt qualitativ deutlich über dem, was man beim HiRes-Streamen über Internet-Provider erwarten kann. So etwa bei Rob Van Bavels Studio-Sessions «Time for Ballads», die von Qobuz immerhin in 24-Bit/96-kHz zum Streamen angeboten werden. Das gleiche Album (Anspieltipp: «Misty») als DXD-Download gehört, klingt ungleich viel offener und lebendiger. Wirklich so, als ginge ein Vorhang zum Aufnahmeraum auf.
Rob Van Bavels «Time for Ballads» ist als DXD-Download im 32-Bit-Studioformat erhältlich. Die Klangqualität ist bestechend.Ganz ähnlich beim Album «Carmen Gomes sings the Blues». Der Titel «A Fool for You» ist sogar als Gratis-Download in allen möglichen Auflösungen erhältlich. Wir probierten die Variante 352,4-kHz/32-Bit aus. Der Munich MU gab das DXD-File anstandslos in sagenhafter Klangqualität wieder, wobei er das WAV-File offenbar auf 24-Bit herunterrechnete. Auch hier erwies sich der Unterschied zur gestreamten Version (24-Bit/96-kHz) als unüberhörbar. Der Klangeindruck ab DXD ist viel unmittelbarer, fast so, als wäre man bei der Aufnahmesession live dabei.
Carmen Gomes singt den Blues: Der Titel «A Fool for You» wird in verschiedenen Auflösungen vom Label Soundliaison.com gratis zum Download angeboten.Bei einem Remaster einer legendären RCA-Victor-(Red Seal-)Aufnahme (aus dem Jahr 1960!) kam es dann endgültig zur klanglichen Offenbarung. Auch hier wird ein 32-Bit-DXD-Titel gratis zum Download angeboten. Gounods «Faust Ballet Music» offeriert eine sagenhafte Dynamik (Laustärkesprünge zwischen laut und leise). Beim Stück «Marche funèbre d'une marionette» war der Unterschied vom Original-Studioformat zur gestreamten HiRes-Version frappant. Obwohl Qobuz den Stream immerhin in 24-Bit/176,2-kHz anbietet, klingt er im direkten A/B-Vergleich fast schon müde, eben doch historisch. Bei der 32-Bit-DXD-Version geht erst richtig die Post ab. Nicht nur wirkt die Dynamik nun absolut explosiv, auch die vielen leisen Stellen sind viel differenzierter wahrnehmbar, wo sie in der gestreamten 24-Bit-Version fast schon verhangen und lustlos im Hintergrund agieren.
Klangliche Offenbarung: Gounods «Faust Ballet Music» in der legendären RCA Victor-(Red Seal-)Aufnahme aus dem Jahr 1960.Interessanterweise wird dabei in der App als Wiedergabeformat «WAV, 352,4-kHz, float» ausgewiesen. Die 32-Bit-Floating-Aufnahmetechnik hat den Vorteil, dass der Toningenieur sich nicht um den Headroom (Gefahr von Übersteuerung) kümmern muss. Allerdings erfordern solche 32-Bit-Aufnahmen ein Drittel mehr Speicherkapazität. Und das ist nicht ohne: Für eine einstündige Aufnahme darf man gut und gerne 1 GB Speicherplatz veranschlagen. Dies zeigt auch, dass eine 4-TB-SSD im Munich MU absolut kein Luxus ist.
Fazit
Von aussen betrachtet eher diskret und unscheinbar. Aber die inneren Werte des Munich MU überzeugen.Rein äusserlich mag der Munich MU von Silent Angel auf Anhieb vielleicht nicht so zu punkten wie andere aktuelle Streamer, die mit glänzenden Displays und vielerlei Bedientasten am Gerät ausgestattet sind. Aber die inneren Werte haben es in sich: Insbesondere mit integrierter SSD-Festplatte zeigt der Munic MU, was einen rundum patenten und zukunftssicheren Audio-Server ausmacht. Diverse Aufrüst-Optionen – über einen 12V-Anschluss kann das externe Netzteil F2 von Silent Angel angeschlossen werden und über eine BNC-Buchse lässt sich die externe Clock GX von Silent Angel anschliessen – zeigen, dass der Munich MU enorm viel Potenzial besitzt. Aber auch in der Basisversion gefällt er mit durchweg hoher Klangkultur – nicht nur beim Streamen von HiRes-Titeln, sondern auch bei der Nutzung von Webradio.
Die Vitos-Orbiter-App gefällt punkto Bedienung und Design ausnehmend gut.Den Vogel schiesst der Munich MU bei der Wiedergabe von Original-Studio-Aufnahmen im DSD- oder DXD-Format ab. Letztere kann er sogar in 32-Bit-Auflösung wiedergaben und überwindet damit endgültig die Schranken von Raum und Zeit hin zum Aufnahmeraum. Die Steigerung der Klangqualität bei der Wiedergabe von 32-Bit-DXD-Musiktitel auf dem Munich MU gegenüber gestreamtem HiRes ist nicht weniger als dramatisch. Die Vitos-Orbiter-Steuerung des Munich MU gehört zu den besten Musik-Applikationen und macht die tägliche Nutzung der heimischen Musiksammlung, von Streaming-Plattformen und von Webradio zur wiederkehrenden Freude. Wer eine patente, zukunftssicher Audio-Server-/Streaming-Lösung zu einem fairen Preis sucht, sollte einen Blick auf den Munich MU von Silent Angel werfen.

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