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Testbericht · Nikon · Spiegelreflex

Pure Pixelgigantomanie?

Test Nikon D800 / D800E

Von Markus Zitt · · Seite 5 von 5

Bildqualität

Die Nikon D800 liefert klare und in den meisten Situationen neutrale Bilder. Die Kamera bietet zahlreiche Einstellmöglichkeiten, um den "Bildstil" den Bedüfnissen und dem Geschmack anzupassen. Die Farben lassen sich kräftiger oder neutraler, die kamerainterne Schärfung in mehreren Stufen wählen. Die Bildstile wirken sich auf die kameraintern aufbereiteten Bilder aus, d.h. auf JEPGs, TIFFs und Movies. Im RAW-Format, das im Fall von Nikon die Endung NEF (Nikon Electronic File) trägt, sind die Einstellungen vermerkt, können aber beim Konvertieren bzw. "Entwickeln" beliebig geändert werden.

An dieser Stelle noch ein Wort zur Datenmenge. Die hohe Auflösung schlägt sich natürlich auch in der Datenmenge und der Grösse der Bilddaten nieder. JPEG sind im Schnitt etwa 19 MB schwer, während die auf Wunsch komprimierten RAW-Daten mit gewählter 14 Bit Farbtiefe etwa 45 MB wiegen. In einer Bildbearbeitung geöffnet, beanspruchen die Bilder alleine 103 MB.

Die brennendste Frage zur Bildqualität ist aber, wie sich die hohe Auflösung auswirkt. Allerdings zeigt sich, dass auch die Ansprüche an das Auflösungsvermögen von Objektiven entsprechend hoch sind. Tatsächlich weisen die Bilder alleine durch die Zahl der Pixel eine enorme Detailfülle auf, doch längst nicht jedes Objektiv vermag dies rüber zu bringen – geschweige denn auch bis an den Bildrand durchzuhalten. Dementsprechend stellt sich beim Betrachten – sprich "Pixel-Peeping" – schnell eine gewisse Ernüchterung ein. Generell sind ja Festbrennweiten den variablen Brennweiten (Zooms) überlegen und so testeten wir die Bilder mit einigen Standardzooms sowie Weitwinkel- und Makrofestbrennweiten. Unter optimalen Umständen (Makroobjektiv, Stativ) erhält man sehr detailscharfe Aufnahmen. Mit weniger geeigneten Objektiven fallen die Aufnahmen allerdings deutlich weniger detailscharf aus, lassen sich aber in gewissem Masse per Software nachschärfen.

Ebenfalls ein wichtiger Aspekt der Bildqualität ist das Empfindlichkeits-abhängige Rauschen bzw. die Frage, wie sich die Kamera bei knappen Lichtverhältnissen schlägt (Available Light). Neben Fortschritten in der Sensortechnologie und den Bildaufbereitungsalgorhythmen sorgt die Physik für gewisse Grenzen. Je grösser bzw. breiter ein Sensorelement ist, desto mehr Licht kann es aufnehmen. Dieser Umstand hat Skeptiker die hohe Auflösung der D800 und als Folge die hohe Pixeldichte des Sensors in Frage stellen lassen. Tatsächlich kann die Nikon D800 nicht mit anderen ebenso modernen Kameras, wie der D4 oder der Canon EOS 5D Mark III, mithalten, sie ist aber dennoch deutlich besser als manche alte DSLR- oder gar Kompaktkamera.

Ihre Grundempfindlichkeit liegt bei ISO 100 und reicht bis auf – heute wenig beeindruckende – ISO 6400. Zusätzlich lässt sich die Empfindlichkeit noch um zwei Stufen auf ISO 12800 und ISO 25600 steigern. Bei ISO 6400 zeigen die Bilder ein deutliches Grieseln und dezente Farbwolken, sind aber noch gut. Mit niedrigeren ISO-Werten sind die Bilder entsprechend besser. Vorzugsweise sollte man unter ISO 3200 bleiben.

FaZitt

Die Nikon D800 ist eine ausgezeichnete Kamera, die vom Funktionsumfang, der Ausstattung, dem Handling und der Bildqualität her überzeugt. Schwächen sind die für den heutigen Stand etwas langsame Serienbildgeschwindigkeit und die eingeschränkte Available-Light-Fähigkeit, wobei letztere weniger schlimm als befürchtet ist. Als D800 hätte sich der Autor von Nikon lieber eine kleine Variante der D4 gewünscht, doch ist die D800 zu einer vielseitigen und guten Kamera geworden.

Dennoch kann der Autor die Kamera nicht generell und jedermann empfehlen. Einerseits ist die nicht gerade günstige Kamera mit ihren reichhaltigen Einstellmöglichkeiten an versierte Fotografen gerichtet und nicht für die Facebook-Schnappschüsse gedacht. Die anvisierte Zielgruppe – sprich die versierten und/oder technikverliebten Hobbyfotografen oder auch Profis – müssen sich im klaren sein, dass die Vor- und Nachteile der hohen Auflösung (und die des Vollformatsensors) sich aufwiegen, was die Freude an der hohen Auflösung trüben kann.

Wer jedoch sorgfältig und bewusst fotografiert oder – besser – allfällige Erwartungen in die perfekte Bildschärfe abschütteln kann, wird mit der D800 uneingeschränkt glücklich werden.

Die Nikon D800 mit Nikon-F-Bajonettanschluss (mit AF-Kupplung und AF-Kontakten) für Wechselobjektive
Der CMOS-Sensor im FX-Format (Vollformat) mit 36,3 Megapixel verpricht ein grosses Signal-Rausch-Verhältnis und hohen Dynamikumfang.
Das robustes Chassis der D800 aus Magnesiumlegierung ist staub- und feuchtigkeitsbeständig.
Darstellung der Dichtungen an der D800 und ihrem optionalem Batteriegriff
Der 8 cm (3,2 Zoll) grosse Monitor mit ca. 921'000 Bildpunkten verfügt über automatische Steuerung der Monitorhelligkeit und eine Antireflexbeschichtung.
Das verständliche Menü der D800 bietet sehr viele Möglichkeiten um die Kamera den persönlichen Bedürfnissen anzupassen - z.B. die Menüsprache Deutsch zu wählen. ;o)
Der Sucher mit einer Bildfeldabdeckung von 100 % hat drei Bildformate 5:4, 1,2-fach- und DX-Format.
Häufig benutzte Funktionen sind über Direkttasten gut zugänglich
Der gut platzierte Videoauslöser startet Full-HD-Filmsequenzen (1080p) im FX- und DX-Format mit einer Bildrate von 30p, 25p und 24p.
Die Anschlüsse von Mic über USB 3.0 bis HDMI. Über den optionalen Wireless-LAN-Adapter WT-4 wird Wireless-LAN und Ethernet unterstützt.
Die ii-TTL-Blitzsteuerung mit 86'400-Pixel-RGB-Sensor ist mit dem integrierten Blitzgerät sowie den u.a. dem externen Blitzgeräten SB-910 verfügbar.
Als optionales Zubehör ist das Mikrofon ME1 erhältlich, das sich auf dem Zubehörschuh montieren lässt.
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Steckbrief
ModellD800 und D800E
Preis3,448.00 CHF
HerstellerNikon
VertriebNikon AG
Jahrgang2012
Masse123 x 146 x 81,5 mm mm
Gewicht0.900 kg
FarbeSchwarz
Auflösung36,3 Megapixel (Video: 1920 x 1080 px)
Aufnahmedistanzje nach Wechselobjektiv
BildsensorCMOS-Sensor, 35,9 x 24,0 mm (Nikon-FX-Format)
Brennweiteja nach Wechselobjektiv (kein Brennweitenverlängerung, da KB-Vollformat) mm (35 mm KB)
DatenformatJPEG, NEF (RAW), TIFF, MOV
Digitalzoomnein
Empfindlichkeit ISO100 bis 6400 inkl. push-Stufen 12600 und 25800
LCD Monitor8 cm bzw. 3,2 Zoll mit 921'000 Punkten
ObjektivAnschluss für Wechselobjektive, Nikon F-Bajonett
Optisches Zoomdiverse Zooms und Festbrennweiten (Wechselobjektive)
Pixel7360 x 4912 (maximal)
SchnittstelleUSB 3.0, HDMI, WLAN optional
SpeichermedienCompactFlash (nur Typ I), SD/SDHC/SDXC
Verschlusszeit1/8000 s bis 30 s
Videoaufnahme1080/30p/25p/24p; 720/60p/50p (H.264/MPEG-4AVC)
eingebauter SpeicherPufferspeicher MB

Testurteil

9 / 10

Plus

  • gute bis sehr gute Bildqualität bei eher niedrigeren ISO-Werten
  • extreme, auflösungsbedingte Detailwiedergabe (nur mit optimalen Objektiven und unter optimalen Bedingungen)
  • Überzeugender reichhaltiger Funktionsumfang
  • viele, detaillierte Konfugurationsmöglich

Minus

  • Hohe Auflösung lässt sich nicht mit jedem Objektiv voll umsetzen
  • langsame Serienbildfunktion in dieser Preis- und Leistungsklasse
  • hohe ISO-Werte nur durchschnittlich in der Klasse der aktuellen semiprofessionellen und teuren Kameras
  • Menü ist Nikon-typisch reichhaltig, d.h. für manchen Benutzer eher überladen.

Profil: Modernst ausgestattete und robuste (semi-)professionelle Kamera, mit fortschrittlichem Funktionsumfang. Die D800 hat insbesondere bei Videoaufnahmefunktionen gegenüber bisherigen Nikon DSLRs massiv zugelegt. Extrem hoch auflösende Vollformat-Fotosensor

Der Autor Markus Zitt
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