So viel sei gleich vorweggenommen: Obwohl das nicht immer der Fall ist, entsprechen die Messresultate genau den in den Hörtests gesammelten Erfahrungen.
Der Frequenzgang zeugt vom hohen Können der Dali-Klangtüftler. Bekannt ist, dass ein absolut linearer Frequenzgang oft als «langweilig» empfunden wird. So sind bei sehr guten Boxen zuweilen ganz interessante Frequenzgänge zu messen, die alles andere als linear sind. Der Verlauf im Bass steigt hier leicht an, das gibt Volumen und ein gutes Fundament, ohne aber zu dröhnen. Bei 5 kHz ist eine leichte Delle ersichtlich, welche dem Klangbild mögliche Schärfe und Grellheit nimmt. Dafür hebt man den Obertonbereich ab rund 7 kHz an. Daraus resultiert eine Verstärkung der Klangfarben, ohne dass man diese als Verfärbung wahrnimmt. Die einzige Gefahr besteht darin, dass bereits sehr obertonreiche Aufnahmen zum Zischeln neigen können.
Lärmdiagramm des Dali iO-6.Die oberste, rote Kurve im Lärmdiagramm zeigt das Frequenzspektrum eines breitbandigen Lärms wie etwa von einem Wasserfall. Die grüne Kurve zeigt, welche Lärmanteile nur durch die Dämpfung der Hörermuschel abgesenkt werden. Die blaue Kurve schlussendlich zeigt die Lärmdämmung mit eingeschaltetem Noise Cancelling. Die Lärmdämmung kann als mittelmässig bezeichnet werden. Das letzte Wort hat jedoch bekanntlich der Hörtest.
Klang-Erlebnis
Gleich zu Beginn der Hörtests erfreut nach erfolgtem Pairing die Handy-Anzeige «connected – aptX HD». Und schon kann es losgehen mit anspruchsvollster Klassik in HiRes. Wie natürlich und mit welcher Klangdefinition ein Bluetooth-Hörer die Streicher bei den Vivaldi-Konzerten mit Andrew Manze und Enrico Dindo erscheinen lässt, hätte man bis vor kurzem kaum geglaubt. Das ist nun echt ein Klangerlebnis, das höchstes von sündhaft teuren, kabelgebundenen Spitzen-Kopfhörern deutlich übertrumpft werden kann. Mit einem solchen Klang kann man leben – auch wenn man sehr hohe Ansprüche an den Klang stellt.
Bei Cembalo-Aufnahmen verblüfft ein herrlich glitzernder Obertonbereich. Mit welch strahlendem Klang die feinen Zupfer des Cembalos erscheinen, muss doch sehr gelobt werden.
Bei sakraler Orgelmusik überzeugen nicht nur die prickelnd frisch erklingenden hohen Mixtur-Register, sondern auch ein ausgesprochen räumliches Klangbild mit einer unerhörten Breitbandigkeit. Abgrundtief, doch ohne jegliches Dröhnen kommen die Subbässe.
Stimmen erklingen glockenrein, und die verschiedenen Klangtimbres vom klassischen Sopran bis zur rauchigen Blues-Stimme kommen sehr klar zur Geltung. Bei schon von Natur aus sehr brillanten Aufnahmen kann es allerdings vorkommen, dass die S-Laute etwas zum Zischeln neigen, was dann doch ab und zu etwas nerven kann.
Begeisternde Big-Band-Sounds sind bei den legendären Swing-Aufnahmen mit Harry James zu hören. Harrys Solo-Trompete erscheint warm-brillant und vital, während der gesamte Blechsatz herrlich in den höchsten Lagen agiert, ohne durch Grellheit zu nerven. Und wer auf so richtig strahlend helle Beckenimpulse steht, kommt hier auf seine Rechnung. Auch hier überzeugt ein tiefer, lupenreiner Kontrabass.
Bei rockig-poppigen Sounds lässt sich der Hörer mit seinen überaus kräftigen 5-cm-Treibern nicht lumpen und lässt die Trommelfelle des Musikhörers bei aufgedrehtem Volumenregler ganz tüchtig erzittern, ohne jedoch zu verzerren. Doch man kann nicht genug oft erwähnen, dass solche Pegel nicht über längere Zeit genossen werden sollten ...
Mässig aktiver Lärmkiller
Gespannt durfte man auf das aktive Noise Cancelling des ersten ANC-Kopfhörers von Dali sein. Doch sofort ist bei einem Vergleich mit einem unserer Referenzgeräte klar, dass das Noise Cancelling des iO-6 zwar deutlich spürbar, jedoch nicht sehr effizient arbeitet. Da sind die unerwünschten Musikübungen der im unteren Stock übenden Schüler doch noch ganz deutlich zu hören, während sie über einen Noise-Cancelling-Experten wie dem Bose QC 35 nur noch andeutungsweise zu hören sind. Es darf aber auch nicht unerwähnt bleiben, dass der Bose QC 35 klanglich gegen die Dali-Hörer keine Chance hat ...
Dasselbe bei Strassenlärm, bei dem die Dämpfung bei tiefen Brummgeräuschen recht gut, bei mittleren und höheren Frequenzen eher mittelmässig ist. So sind auch hier noch einige Lärmstörungen zu vernehmen, die über einen Bose QC 35 so leise sind, dass sie kaum mehr stören. Bezüglich Klangverschlechterung durch das aktive Noise Cancelling verhält sich der iO-6 kaum anders als andere gute Hörer. Er reduziert die Klangdefinition nur geringfügig. Auch hier gilt: Wer die volle Klangqualität will, sollte das Noise Cancelling wenn immer möglich ausschalten.
Fazit
Beim Klang lässt der Audio-Spezialist Dali sein ganzes Können aufblitzen und bringt mit den iO-4 und dem iO-6 zwei der heute absolut besten Bluetooth-Around-Ear-Kopfhörer auf den Markt. Zu loben sind zudem die Verarbeitung und der Tragekomfort. Nicht ganz spitzenmässig, sondern eher durchschnittlich gut arbeitet das aktive Noise Cancelling des iO-6, bei dem Dali noch Luft nach oben hat.

Alle Themen



